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Veröffentlicht am 31.03.2019

Zu wenig Schmetterlingsgefühle, zu wenig Backstube

Schmetterlinge aus Marzipan
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Sie hörte sich gut, die Beschreibung zu diesem Roman. Dass es darin nur zum Teil um das Praktikum in einer Konditorei geht und und fast mehr um die Erlebnisse mit den Treffern auf einer Datingplattform, ...

Sie hörte sich gut, die Beschreibung zu diesem Roman. Dass es darin nur zum Teil um das Praktikum in einer Konditorei geht und und fast mehr um die Erlebnisse mit den Treffern auf einer Datingplattform, war mir nicht klar.

Ich dachte, dass es ausschliesslich ums Backen geht, dekoriert mit ein bisschen Liebe. Halt was fürs Herz. Ums Backen geht es zum Teil zwar auch, aber nicht so genussvoll, wie ich mir erhoffte. Im Gegenteil. Der Chefkonditor Sven ist äusserst wortkarg und gibt ausschliesslich einsilbige Anweisungen, wie Nina etwas vorbereiten oder backen soll.

Arztsekretärin Nina nimmt das gut an und gibt nicht auf, mit der Zeit findet sie einen Zugang zu Sven. Doch so richtig probieren und geniessen mit allen Sinnen kann Nina auch nicht. Viel zu stark hört sie noch die Stimme ihrer Mutter in ihrem Kopf, die äusserst fies zu ihr und ihrer Tante war. Das Back-Gen hat Nina eindeutig von ihrer Tante vererbt bekommen, die selbst bei ihrer Beerdigung nicht gefeit war vor bissigen Kommentaren von Ninas Mutter.

Vielleicht erträgt Nina ihren feigen Chef Professor Wolff und den gemeinen Oberarzt nur deshalb, weil sie schon seit jeher von ihrer Mutter immer wieder aufs Neue beleidigt wurde? Irgendwann wird es aber auch Nina zu viel und als sie eines Tages vor einer Konditorei steht, die nach einem Praktikanten sucht, nimmt die Chefsekretärin spontan einen Monat unbezahlten Urlaub und beginnt, wie oben erwähnt, an der Seite des maulfaulen Sven ihr Back-Praktikum.

Derweil meldet Ninas Freundin Kirsten sie bei einer Dating-Platform an. Während Nina nun abends ihren Account nach interessanten Vorschlägen durchforstet und sich zudem noch um ihre schwangere Freundin Sonja kümmert, gewöhnt sie sich nur langsam an Sohn Leonards weiblichem Besuch in ihrer Zweier-WG.

Im Laufe der Geschichte tun sich noch mehr Betätigungsfelder für Nina auf. Neben den bereits Erwähnten gibt es noch einen nervigen Nachbarn, ihren Ex-Mann, ihre Dates, einen Kunden, der das Alter seiner Lebensgefährtin nicht weiss und immer wieder die Stimme ihrer Mutter in ihrem Kopf. Das Erzähltempo ist schnell, aber durch die viel zu vielen Baustellen bleibt alles oberflächlich und der Genuss auf der Strecke. Die Bäckereistory mit nur einer zu betüddelnden Freundin und statt dem Datingdings nur das Max-Dings - der Roman hätte mir besser gefallen.

Dass es darin um Liebe in diversen Ausprägungen geht und dass davon fast alle Charaktere betroffen sind, kommt rüber. Mir war das aber zu viel. Weil ständig irgendeine der Baustellen zu bedienen war, gab es viel zu wenig Emotionen und zu wenig Tiefe. Das Back-Thema verliert sich in dem ausufernden Dating-Thema.

Fazit: Oft amüsant, aber viel oberflächliches Beziehungsgedöns und zu viele Nebenschauplätze, dafür zu wenig Sehnsucht, zu wenig Schmetterlinge im Bauch und viel zu wenig duftende Backstube.
3 Punkte.

Veröffentlicht am 30.03.2019

Bleibt in Erinnerung

Sehnsucht nach Mill River
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An einem Winterabend fahren die beiden Stadtpolizisten durch die schneebedeckten Strassen von Mill River. Trotz Schneegestöber sehe Kyle und Leroy hier und da durch Fenster in die lichterhellten Wohnungen ...

An einem Winterabend fahren die beiden Stadtpolizisten durch die schneebedeckten Strassen von Mill River. Trotz Schneegestöber sehe Kyle und Leroy hier und da durch Fenster in die lichterhellten Wohnungen einiger Einwohner. Es ist als sässe man bei ihnen im Auto und sie erzählten uns die Geschichten der Buch-Protagonisten.

Auch Pfarrer Michael schaut aus dem Fenster, hinauf zu Marys Villa auf dem Hügel. Er kennt die Geschichte des Hauses, die Freuden und das Leid, das darin geschehen war und noch immer geschieht. Die meisten Einwohner von Mill River haben Mary noch nie gesehen, doch Mary kennt sie - durch Erzählungen ihres Freundes Michael. Manchmal geschehen kleine Wunder in Mill River. Doch nur Michael und Mary kennen die Wahrheit darüber.

Durch die zwei Erzählstränge im Buch - einer erzählt die Gegenwart und einer die ungewöhnliche Lebensgeschichte der 80-jährigen Mary - erfahren wir Leser immer mehr über die Geschehnisse in der kleinen Stadt. Der Autorin gelingt es trotz viel Dramatik ruhig zu schreiben. Am Ende des Buches staunen nicht nur die Bewohner von Mill River über die Frau, die in der Marmorvilla auf dem Hügel wohnte.

Eigentlich ein ganz normaler Roman, der in einer Kleinstadt spielt. Aber:

Dieses Buch hebt sich von den üblichen "Kleinstadtleben"-Romanen deutlich ab. Es geht in die Tiefe. Es berührt. Das Buch bringt einen dazu, sich Gedanken darüber zu machen, wie es wäre wenn es da "oben" jemanden gibt, der sich um einen sorgt, auch wenn man kaum etwas über diese Person weiss.

Und noch fünfeinhalb Jahre nachdem ich diesen Roman las, denke ich oft an Mary und Mill River - "Sehnsucht nach Mill River" ist ein Buch das einem im Gedächtnis bleibt.

Nun, im April 2019, erscheint ein zweiter Teil, zumindest ein weiterer Roman von Darcie Chan, "Sommer der Versöhnung", der ebenfalls in Mill River angesiedelt ist. Ich bin gespannt, ob man darin bekannte Gesichter antreffen wird und ob der mir auch so lange nach geht wie der vorliegende herzbewegende Roman "Sehnsucht nach Mill River".

Fazit: Ein ganz tolles und absolut feinfühliges Buch!
4.5 Punkte.

Veröffentlicht am 29.03.2019

Was Miss Marple für England ist, ist Papst Petrus für Rom und den Vatikan

Jubilate!
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Das Warten hat ein Ende, der neue Papst-Krimi ist da!

In diesem fünften Band reist Papst Petrus nach Castel Gandolfo, damit er bei der Feier zu Kardinal Federicos 85. Geburtstag dabei sein kann. Federico ...

Das Warten hat ein Ende, der neue Papst-Krimi ist da!

In diesem fünften Band reist Papst Petrus nach Castel Gandolfo, damit er bei der Feier zu Kardinal Federicos 85. Geburtstag dabei sein kann. Federico hat den Papst eingeladen und ihm dabei von seiner Absicht erzählt, am Fest bekannt zu geben, wer nach seinem Ableben das Familienvermögen erbt. Doch Federico hat ihm die Bedingungen verschwiegen, die alle überrascht: Contessa Giulia erbt nur, falls sie innert einer Woche heiratet.

Für alle ist es ein Schock: die Höhe des Vermögens, das Giulia erben soll; dass einige leer ausgehen; eine Frau als Oberhaupt des Familienclans. Am meisten jedoch für Giulia, die nicht heiraten will, weil sie doch den Papstsekretär und Mönch Francesco liebt. Noch während Giulia ihre Gefühle sortiert, wird ein Anschlag auf sie verübt. Das Krisenteam - bestehend aus Papst Petrus, Francesco, Giulia und ihrer Tante Eugenia - heckt einen Plan aus, um herauszufinden wer hinter dem Anschlag steht und dem nicht passt, dass Giulia erbt.

Giulias Verwandte, sogar der Gärtner und die Haushälterin - sie alle scheinen Geheimnisse zu haben, Geld zu brauchen, neidig zu sein und haben deshalb alle einen Grund Giulia die Erbschaft streitig zu machen.

Währenddessen kämpfen die Haushälterinnen von Papst Petrus und Kardinal Federico ganz in der Nähe um die Vorherrschaft in ihrem Beginen-Orden. Die Schwesterschaft sucht eine neue Äbtissin, worauf sich Schwester Immaculata innerlich schon als Siegerin wähnt. Doch dann lässt sich auch die neue und jüngste Ordensschwester Rosalia zur Wahl aufstellen. Mit Konkurrenz hätte Immaculata nie gerechnet und sieht rot.

Was niemand ahnt: selbst Papst Petrus ist in Gefahr. Eine streng patriarchalische Organisation innerhalb der katholischen Kirche mag seine laxe Haltung nicht und will ihm schon längst eins auswischen.

Wie immer erwarten den Leser witzige Situationen (z.B. wenn Tante Eugenia bei den Beginen eincheckt), Verfolgungsjagden (z.B. Francesco zu Fuss durch den geheimen Garten), Observationen (z.B. der Papst inkognito in Rom), viel Spass und Spannung. Der fünfte Band der Papst-Krimis ist fesselnd bis zuletzt, denn wirklich alle Beteiligten könnten etwas im Schilde führen. Wer am Schluss jubiliert, müsst ihr euch selbst erlesen, es lohnt sich. Ich wurde bestens unterhalten, habe oft gelacht und mitgefiebert - ich liebe die Serie und wurde noch nie enttäuscht!

Wer beim Lesen gerne Musik hört, kann sich für das ultimative Italien-Feeling bei Spotify oder Youtube die vom Autor extra für die Papst-Krimis erstellte Playlist anhören.

Fazit: Was Miss Marple für England ist, ist Papst Petrus für Rom und den Vatikan! Genial und extremst spannend bis zum letzten Satz!
5 Punkte.

Veröffentlicht am 29.03.2019

Der bisher spannendste Fall

Canterbury Rock
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Im vierten Fall für Ella wird Alex telefonisch bedroht. Doch er selbst hat den Anrufer nie am Telefon, immer nur Ella. Erst verheimlicht es sie, und als sie es ihm sagt, wiegelt Alex ab. Das belastet ihre ...

Im vierten Fall für Ella wird Alex telefonisch bedroht. Doch er selbst hat den Anrufer nie am Telefon, immer nur Ella. Erst verheimlicht es sie, und als sie es ihm sagt, wiegelt Alex ab. Das belastet ihre Beziehung. Als dann auch noch Lucas, der australische Ex-Mann von Ella auftaucht, hängt der Haussegen definitiv schief. Ella beginnt nachzuforschen und landet schlussendlich in London.

Mir gefiel, dass man nun endlich Ellas Ex-Mann Lucas kennen lernte und erfährt, was der Grund für ihre Heirat und spätere Scheidung war. Aber auch Alex Vorleben kommt nicht zu kurz. Durch seine Schwester Kathy, die nach einem Sturz ihren Fuss verstaucht hat und das Gefühl hat, gestossen worden zu sein, erfährt Ella viel über Alex früheres Leben und seine Ex-Freundinnen.

"Canterbury Rock" ist unterhaltend und dabei flüssig zu lesen, ein leichter Krimi für zwischendurch.

Fazit: Mal abgesehen von den ewigen Komplikationen zwischen Ella und Alex ist es der bisher spannendste und geheimnisvollste Fall für Ella.
4 Punkte.

Veröffentlicht am 29.03.2019

Ein abruptes und enttäuschendes Ende

Canterbury Symphony
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Nach dem bisher spannendsten Fall der Serie, "Canterbury Rock" (Band 4), freute ich mich sehr auf "Canterbury Symphony", der Ella nach Schottland führt.

Leider spielt sich der Cosy-Krimi fast ausschliesslich ...

Nach dem bisher spannendsten Fall der Serie, "Canterbury Rock" (Band 4), freute ich mich sehr auf "Canterbury Symphony", der Ella nach Schottland führt.

Leider spielt sich der Cosy-Krimi fast ausschliesslich im Altersheim in Portree auf der Isle of Skye ab. Abgesehen von kurzen Spaziergängen in die Stadt oder einen kleinen Ausflug in die Berge ist der Krimi sehr statisch.

Ella soll herausfinden, ob Cannys Tante Flora langsam vergesslich wird oder ob wirklich etwas an Floras Aussage dran ist, bestohlen worden zu sein. Mehr oder weniger unauffällig befragt Ella die Bewohner und Angestellten des Altersheims. Es stellt sich heraus, dass Flora recht hat. Verdächtige gibt es zuhauf.

Als man denkt, jetzt sind die Befragungen abgeschlossen und es geht nun endlich los mit den genaueren Nachforschungen, ist der Krimi auch schon zu Ende. Der Leser weiss wer der Täter ist, sobald Ella etwas Bestimmtes tut. Denn am Anfang wird auf einigen Seiten ein Thema breit getreten und man ahnt, dass diese Beschreibungen bei der Auflösung eine Rolle spielen werden. So war es dann auch und deswegen blieb die Spannung komplett aus.

Die Charaktere - Bewohner und Angestellte des Scorrybreac House - hätten Potential für mehr Inhalt gehabt, an ihnen lag es nicht, die waren alle richtig toll gezeichnet. Ich hatte aber das Gefühl, dass die Autorin möglichst schnell fertig werden wollte mit der Geschichte. Als ob sie in Gedanken schon bei ihrer nächsten Serie ist, die sich hier wohl ankündigt und Ella gedanklich schon begraben hat.

Nach dem tollen vierten Band freute und hoffte ich auf einen genau so tollen fünften Band, doch der entpuppte sich als (wahrscheinlich) letzter Teil der Kent-Krimi-Serie und wirkte sehr lustlos geschrieben.

Fazit: Leider ein zu abgewürgtes und damit ein enttäuschendes Ende des Falls - oder gar der Serie - und wirkt auf mich insgesamt wie zu unmotiviert geschrieben.
3 Punkte.