Wenn Selbstbewusstsein zur Illusion wird
She’s a Star!She's a Star erzählt die Geschichte von Jessamyn, einer erfolglosen Schauspielerin, die mit aller Kraft an ihrem großen Durchbruch festhält. Zwischen Castings, fragwürdigen Beziehungen und ihrem immer ...
She's a Star erzählt die Geschichte von Jessamyn, einer erfolglosen Schauspielerin, die mit aller Kraft an ihrem großen Durchbruch festhält. Zwischen Castings, fragwürdigen Beziehungen und ihrem immer extremeren Wunsch nach Erfolg versucht sie sich selbst einzureden, dass sie längst für etwas Größeres bestimmt ist. Doch je weiter die Geschichte voranschreitet, desto mehr verschwimmen Realität, Selbstbild und Wunschdenken.
Mich hat das Buch ziemlich zwiegespalten zurückgelassen – allerdings auf eine interessante Art. Anfangs fand ich Jessamyn tatsächlich faszinierend. Sie ist unglaublich selbstbewusst, völlig übertrieben und teilweise fast schon absurd, aber genau das machte sie irgendwie unterhaltsam. Gleichzeitig merkt man schnell, dass hinter dieser riesigen Fassade eine sehr verzweifelte Person steckt. Jessamyn versucht aus allem Negativen etwas Positives zu machen und redet sich ihre Welt so lange schön, bis sie selbst daran glaubt.
Besonders spannend fand ich, wie sich meine Wahrnehmung der Protagonistin im Laufe des Buches verändert hat. Während ich am Anfang noch mit ihr mitgefiebert habe, wurde sie später immer unsympathischer und erschreckender. Ihre Besessenheit vom Erfolg nimmt immer extremere Züge an und man merkt, wie sehr sie sich selbst in ihrer eigenen Fantasie verliert. Gerade dieses langsame Abrutschen in etwas Dunkleres fand ich wirklich stark geschrieben.
Der Schreibstil war dabei oft humorvoll und sehr überspitzt, wodurch sich viele Szenen trotz der eigentlich ernsten Themen überraschend leicht lesen ließen. Gleichzeitig hatte das Buch aber auch etwas Beklemmendes, weil Jessamyns Selbstbild immer instabiler wirkt. Man fragt sich irgendwann ständig, wie viel von dem, was sie wahrnimmt, überhaupt noch objektiv ist.
Nicht ganz überzeugt hat mich persönlich das Ende. Ich mag offene Enden eigentlich gern, aber hier war es mir teilweise etwas zu abstrakt und verwirrend, sodass ich manche Gedanken und Bilder nicht wirklich einordnen konnte. Trotzdem bleibt die Geschichte definitiv im Kopf, gerade weil man selten eine Hauptfigur begleitet, die sich im Laufe eines Buches so stark verändert.
Insgesamt fand ich das Buch gleichzeitig unterhaltsam, verstörend und psychologisch interessant. Vor allem Jessamyn als Charakter macht die Geschichte besonders – auch wenn sie mit der Zeit immer schwieriger zu mögen wird.