Profilbild von Tea_Lo

Tea_Lo

aktives Lesejury-Mitglied
offline

Tea_Lo ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Tea_Lo über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.05.2026

Wenn Selbstbewusstsein zur Illusion wird

She’s a Star!
4

She's a Star erzählt die Geschichte von Jessamyn, einer erfolglosen Schauspielerin, die mit aller Kraft an ihrem großen Durchbruch festhält. Zwischen Castings, fragwürdigen Beziehungen und ihrem immer ...

She's a Star erzählt die Geschichte von Jessamyn, einer erfolglosen Schauspielerin, die mit aller Kraft an ihrem großen Durchbruch festhält. Zwischen Castings, fragwürdigen Beziehungen und ihrem immer extremeren Wunsch nach Erfolg versucht sie sich selbst einzureden, dass sie längst für etwas Größeres bestimmt ist. Doch je weiter die Geschichte voranschreitet, desto mehr verschwimmen Realität, Selbstbild und Wunschdenken.
Mich hat das Buch ziemlich zwiegespalten zurückgelassen – allerdings auf eine interessante Art. Anfangs fand ich Jessamyn tatsächlich faszinierend. Sie ist unglaublich selbstbewusst, völlig übertrieben und teilweise fast schon absurd, aber genau das machte sie irgendwie unterhaltsam. Gleichzeitig merkt man schnell, dass hinter dieser riesigen Fassade eine sehr verzweifelte Person steckt. Jessamyn versucht aus allem Negativen etwas Positives zu machen und redet sich ihre Welt so lange schön, bis sie selbst daran glaubt.
Besonders spannend fand ich, wie sich meine Wahrnehmung der Protagonistin im Laufe des Buches verändert hat. Während ich am Anfang noch mit ihr mitgefiebert habe, wurde sie später immer unsympathischer und erschreckender. Ihre Besessenheit vom Erfolg nimmt immer extremere Züge an und man merkt, wie sehr sie sich selbst in ihrer eigenen Fantasie verliert. Gerade dieses langsame Abrutschen in etwas Dunkleres fand ich wirklich stark geschrieben.
Der Schreibstil war dabei oft humorvoll und sehr überspitzt, wodurch sich viele Szenen trotz der eigentlich ernsten Themen überraschend leicht lesen ließen. Gleichzeitig hatte das Buch aber auch etwas Beklemmendes, weil Jessamyns Selbstbild immer instabiler wirkt. Man fragt sich irgendwann ständig, wie viel von dem, was sie wahrnimmt, überhaupt noch objektiv ist.
Nicht ganz überzeugt hat mich persönlich das Ende. Ich mag offene Enden eigentlich gern, aber hier war es mir teilweise etwas zu abstrakt und verwirrend, sodass ich manche Gedanken und Bilder nicht wirklich einordnen konnte. Trotzdem bleibt die Geschichte definitiv im Kopf, gerade weil man selten eine Hauptfigur begleitet, die sich im Laufe eines Buches so stark verändert.
Insgesamt fand ich das Buch gleichzeitig unterhaltsam, verstörend und psychologisch interessant. Vor allem Jessamyn als Charakter macht die Geschichte besonders – auch wenn sie mit der Zeit immer schwieriger zu mögen wird.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 11.05.2026

Zwischen Sommerleichtigkeit und Herzschwere

Last Kiss of Summer
2

Sera, der als Kind ein neues Herz transplantiert werden musste, kehrt für einen Sommer nach Northport Beach zurück – an einen Ort voller Erinnerungen, Freundschaft und neuer Chancen. Nach zwei gesundheitlich ...

Sera, der als Kind ein neues Herz transplantiert werden musste, kehrt für einen Sommer nach Northport Beach zurück – an einen Ort voller Erinnerungen, Freundschaft und neuer Chancen. Nach zwei gesundheitlich schweren Jahren möchte sie die Zeit nutzen, um endlich wieder unbeschwert zu leben. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin Maddie genießt sie den Sommer, lebt ihre kreative Seite als Lehrerin in einem Kunst-Camp aus und schmiedet Pläne für die Zukunft. Doch die Begegnung mit Luke, einem wichtigen Menschen aus ihrer Vergangenheit, bringt alte Gefühle und ungeklärte Fragen zurück. Während sich zwischen Leichtigkeit und emotionaler Tiefe eine besondere Verbindung entwickelt, wird Sera immer wieder daran erinnert, wie kostbar Zeit wirklich ist.

Die Handlung versprüht zunächst echte Sommer-Vibes: Freiheit, Freundschaft und das Gefühl, dass alles möglich ist. Diese Leichtigkeit wird jedoch immer wieder von ernsteren Themen durchzogen, was der Geschichte eine besondere Tiefe verleiht.
Besonders hervorzuheben ist, dass das Buch nicht nur die romantische Ebene in den Fokus stellt. Themen wie Organ- und Blutspende werden sensibel und eindringlich eingebunden, ohne dabei belehrend zu wirken. Dadurch bekommt die Geschichte eine zusätzliche Bedeutungsebene, die zum Nachdenken anregt.
Die Dynamik zwischen Sera und Luke ist dabei ein zentrales Element. Ihre Verbindung wirkt authentisch, teilweise unbeholfen und gleichzeitig sehr intensiv. Man spürt von Anfang an eine besondere Spannung zwischen ihnen, die sich durch die gesamte Story zieht. Unterstützt wird das durch Perspektivwechsel und eingestreute Nachrichten, die einen noch tiefer in die Gedankenwelt der Figuren eintauchen lassen.
Neben der Liebesgeschichte überzeugen auch die Nebenfiguren, die der Handlung Wärme und Tiefe geben. Freundschaften, familiäre Beziehungen und persönliche Entwicklungen werden glaubwürdig dargestellt und sorgen dafür, dass sich die Welt des Buches lebendig anfühlt.
Besonders gelungen ist die Balance zwischen emotionalen und leichten Momenten. Neben nachdenklichen und berührenden Szenen gibt es auch humorvolle und charmante Situationen, die die Geschichte auflockern und für ein authentisches Gesamtbild sorgen.
Ein wiederkehrendes Motiv, das im Gedächtnis bleibt, ist der bewusste Umgang mit Zeit und die Frage, wie man sein Leben gestaltet. Diese Gedanken ziehen sich subtil durch die Handlung und verleihen ihr eine melancholische, aber auch hoffnungsvolle Note.
Gegen Ende nimmt die emotionale Intensität spürbar zu, und die Geschichte entwickelt eine starke Dynamik. Die Auflösung erfolgt dabei recht schnell, was stellenweise etwas abrupt wirken kann. Dennoch hinterlässt das Buch einen nachhaltigen Eindruck und rundet die Geschichte auf eine berührende Weise ab.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 27.04.2026

Ein Buch, das sofort begeistert – mich und meine Klasse

DU und ICH gegen das Erdnussbuttermonster
2

Bin ich die Zielgruppe dieses Buches? Nein! Habe ich mich trotzdem prächtig amüsiert? Absolut!

Dieses Buch ist eine wunderbar ungewöhnliche Mischung aus Comic-Elementen und klassischem Erzähltext. Besonders ...

Bin ich die Zielgruppe dieses Buches? Nein! Habe ich mich trotzdem prächtig amüsiert? Absolut!

Dieses Buch ist eine wunderbar ungewöhnliche Mischung aus Comic-Elementen und klassischem Erzähltext. Besonders die Illustrationen stechen hervor: Sie sind einzigartig, haben einen hohen Wiedererkennungswert und laden dazu ein, auf jeder Seite neue, oft winzige Details zu entdecken. Wer genau hinschaut, wird immer wieder mit kleinen, humorvollen Überraschungen belohnt.

Doch nicht nur visuell überzeugt das Buch – auch inhaltlich sorgt es für viele Lacher. Immer wieder gab es Momente, die mich wirklich zum Schmunzeln gebracht haben. Besonders angetan hat es mir der geheime unterirdische Garten – allein die Namen der Pflanzen sind herrlich einfallsreich. Auch die Idee, die Hauptfiguren schlicht „Ich“ und „Du“ zu nennen, ist erfrischend originell und passt perfekt zum spielerischen Ton der Geschichte.
Das Buch verzichtet bewusst auf eine klassische Moral oder eine belehrende Botschaft – und genau das macht seinen Charme aus. Stattdessen steht das fantasievolle Abenteuer im Vordergrund: das Picknick im Fallen, das sprechende Buch, das Wörter anbaut, und schließlich (Achtung, kleiner Spoiler!) die wunderbar absurde Auflösung, bei der ein Plothole einfach mit Wörtern gefüllt wird.

Besonders schön war es zu sehen, wie meine Grundschulklasse auf das Buch reagiert hat. Schon das Cover mit seiner leuchtend blauen Farbe und den einzigartigen Figuren zog sofort alle Blicke auf sich. Die Neugier war direkt geweckt: Ein Kind meinte begeistert, es wolle das Buch unbedingt lesen, weil es eine Erdnussallergie hat und beim Titel sofort aufhorchte. Ein anderes wollte das Buch am liebsten direkt mitnehmen, um es für die anstehende Buchvorstellung zu nutzen. Auch die Zeichnungen kamen sehr gut an, und die Geschichte sorgte schon beim ersten Durchblättern für viele Lacher und Kichern.


Fazit:
Ein herrlich schräges, kreatives Buch, das nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene bestens unterhält – selbst dann, wenn man eigentlich gar nicht zur Zielgruppe gehört.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Charaktere
  • Erzählstil
  • Cover
  • Illustrationen
Veröffentlicht am 24.04.2026

Ein Zuhause aus Gefühlen, Zweifeln und Neuanfängen

Homesick
1

"Aber wäre ich einen anderen Weg gegangen, wüsste ich nichts davon und wäre vielleicht genauso glücklich gewesen." S. 375

Wenn Liebe für eine gemeinsame Zukunft nicht reicht. Eigentlich steht einer wundervollen ...

"Aber wäre ich einen anderen Weg gegangen, wüsste ich nichts davon und wäre vielleicht genauso glücklich gewesen." S. 375

Wenn Liebe für eine gemeinsame Zukunft nicht reicht. Eigentlich steht einer wundervollen gemeinsamen Zeit nichts mehr im Weg: nachdem Mara eine unglaubliche Menge Geld geerbt hat, kauft sie sich eine Wohnung in London. Doch neben Problemen mit einem übergriffigen Chef, läuft auch die Beziehung zu Tom steil bergab. Beide entscheiden sich für eine Fernbeziehung.

Homesick von Silvia Saunders überzeugt vor allem durch seinen unglaublich flüssigen Schreibstil – ich habe die Seiten regelrecht verschlungen. Die Geschichte liest sich leicht, hat aber gleichzeitig eine emotionale Tiefe, die nachwirkt.
Im Zentrum steht Mara, deren Leben von vielen zwischenmenschlichen Spannungen geprägt ist. Besonders auffällig ist der Umgang der Männer in ihrem Umfeld mit ihr: herablassende Kommentare, unterschwellige Grenzüberschreitungen und Erwartungen, die unangenehm realistisch wirken. Diese Situationen sind teilweise schwer auszuhalten, gerade weil sie so nah an der Lebensrealität vieler sind.
Mara selbst ist dabei eine eher leise, reflektierende Figur. Sie denkt viel nach, spricht aber nicht immer alles aus – vor allem in ihrer Beziehung zu Tom. Genau diese unausgesprochenen Dinge und die damit verbundenen inneren Konflikte machen einen großen Teil der emotionalen Spannung aus. Die Geschichte zeigt sehr eindrücklich, wie belastend fehlende Kommunikation und unterschiedliche Vorstellungen vom Leben sein können.
Auch das Thema Wohnen zieht sich als roter Faden durch das Buch. Die Darstellung rund um Wohnungssuche und Zuhause ist so lebendig, dass man sich gut hineinversetzen kann – inklusive aller schönen, aber auch stressigen Seiten. Dabei wird klar: Ein Zuhause ist weit mehr als nur vier Wände.
Besonders positiv hervorzuheben ist, wie sensibel auch emotionale Themen aufgegriffen werden – gerade im Hinblick auf Verletzlichkeit, Überforderung und den Umgang mit Gefühlen, auch aus männlicher Perspektive, was ich bisher eher selten in Büchern gelesen habe.
Was mir zusätzlich sehr gut gefallen hat, ist die Vielfalt der Charaktere und Beziehungen. Neben der zentralen Beziehung zwischen Mara und Tom bringen auch andere Dynamiken viel Abwechslung in die Geschichte. Besonders die Beziehung zu ihrer Mutter ist für mich ein echtes Highlight. Generell ist es spannend zu beobachten, wie sich die Figuren im Laufe des Buches weiterentwickeln und wie sich dadurch auch ihre Beziehungen verändern – beispielsweise im Umgang mit den Nachbarn.
Kritisch sehe ich stellenweise die Häufung problematischer Verhaltensweisen sowie den eher unreflektierten Umgang mit Alkohol. Gleichzeitig tragen genau diese Aspekte auch zur schonungslosen Ehrlichkeit der Geschichte bei.
Insgesamt ist Homesick ein ruhiger, aber intensiver Roman über Beziehungen, Selbstfindung und die Frage, was „Zuhause“ eigentlich bedeutet. Wer eine vielschichtige, realistische Geschichte mit emotionaler Tiefe sucht, wird hier definitiv fündig.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 23.03.2026

Intensiv, verstörend und unglaublich fesselnd

Die Dinner Party
2

"Ich hasse alles an mir. Was ich bin, was ich getan habe und was ich nicht getan habe. Wenn ich morgens aufwache, ist schon mein erster Gedanke, versagt zu haben." S. 76

Schon ab der ersten Seite zieht ...

"Ich hasse alles an mir. Was ich bin, was ich getan habe und was ich nicht getan habe. Wenn ich morgens aufwache, ist schon mein erster Gedanke, versagt zu haben." S. 76

Schon ab der ersten Seite zieht dieses Buch einen in seinen Bann: Franca sitzt in einer Therapiestunde, und schnell wird klar, dass etwas Dramatisches passiert ist – ein Vorfall mit einem Messer, viele offene Fragen und eine spürbare innere Zerrissenheit.
In wechselnden Zeitsträngen entfaltet sich nach und nach Francas Geschichte. Im Zentrum steht ein verhängnisvoller Dinnerabend, auf den alles hinausläuft. Gleichzeitig lernt man ihre Vergangenheit kennen: ihre Kindheit, geprägt von Verlust und schwierigen familiären Strukturen, sowie Beziehungen, die sie ebenso formen wie verletzen. Stück für Stück setzt sich ein Gesamtbild zusammen – beklemmend, ehrlich und erschütternd.
Was dieses Buch so besonders macht, ist seine intensive Atmosphäre. Die Autorin schafft es, eine stetige Spannung aufzubauen, die sich leise, aber unaufhaltsam steigert. Dabei werden schwere Themen wie psychische Belastung, toxische Beziehungen und gesellschaftliche Rollenbilder sensibel, aber schonungslos verarbeitet.
Besonders beeindruckt hat mich, wie facettenreich die Figuren gezeichnet sind. Nichts ist eindeutig, vieles bleibt ambivalent – genau das macht die Geschichte so realistisch. Man hinterfragt ständig Motive, Gefühle und Entscheidungen, ohne je einfache Antworten zu bekommen.
Auch stilistisch überzeugt das Buch auf ganzer Linie: Die verschiedenen Zeitebenen greifen perfekt ineinander, Informationen werden genau dosiert preisgegeben, sodass man als Leser*in permanent miträtselt. Immer wieder entstehen neue Fragen, während andere überraschend aufgelöst werden – ein Sog, dem man sich kaum entziehen kann.
Ohne zu viel vorwegzunehmen: Die Auflösung ist anders, als man es vielleicht erwartet. Gerade das macht das Buch so stark, weil es mit typischen Erzählmustern bricht und einen noch lange nach dem Lesen beschäftigt.
Ein kleiner Kritikpunkt für mich war lediglich die Platzierung der Triggerwarnung, die ich mir zu Beginn der Geschichte gewünscht hätte. Zudem hätte ich es schön gefunden, wenn Cover und beschriebene Details noch besser aufeinander abgestimmt wären.
Fazit:
Ein emotional intensives, klug aufgebautes Buch, das unter die Haut geht und lange nachhallt. Keine leichte Lektüre – aber eine absolut lohnenswerte.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Atmosphäre
  • Cover