Intensiv, verstörend und unglaublich fesselnd
Die Dinner Party"Ich hasse alles an mir. Was ich bin, was ich getan habe und was ich nicht getan habe. Wenn ich morgens aufwache, ist schon mein erster Gedanke, versagt zu haben." S. 76
Schon ab der ersten Seite zieht ...
"Ich hasse alles an mir. Was ich bin, was ich getan habe und was ich nicht getan habe. Wenn ich morgens aufwache, ist schon mein erster Gedanke, versagt zu haben." S. 76
Schon ab der ersten Seite zieht dieses Buch einen in seinen Bann: Franca sitzt in einer Therapiestunde, und schnell wird klar, dass etwas Dramatisches passiert ist – ein Vorfall mit einem Messer, viele offene Fragen und eine spürbare innere Zerrissenheit.
In wechselnden Zeitsträngen entfaltet sich nach und nach Francas Geschichte. Im Zentrum steht ein verhängnisvoller Dinnerabend, auf den alles hinausläuft. Gleichzeitig lernt man ihre Vergangenheit kennen: ihre Kindheit, geprägt von Verlust und schwierigen familiären Strukturen, sowie Beziehungen, die sie ebenso formen wie verletzen. Stück für Stück setzt sich ein Gesamtbild zusammen – beklemmend, ehrlich und erschütternd.
Was dieses Buch so besonders macht, ist seine intensive Atmosphäre. Die Autorin schafft es, eine stetige Spannung aufzubauen, die sich leise, aber unaufhaltsam steigert. Dabei werden schwere Themen wie psychische Belastung, toxische Beziehungen und gesellschaftliche Rollenbilder sensibel, aber schonungslos verarbeitet.
Besonders beeindruckt hat mich, wie facettenreich die Figuren gezeichnet sind. Nichts ist eindeutig, vieles bleibt ambivalent – genau das macht die Geschichte so realistisch. Man hinterfragt ständig Motive, Gefühle und Entscheidungen, ohne je einfache Antworten zu bekommen.
Auch stilistisch überzeugt das Buch auf ganzer Linie: Die verschiedenen Zeitebenen greifen perfekt ineinander, Informationen werden genau dosiert preisgegeben, sodass man als Leser*in permanent miträtselt. Immer wieder entstehen neue Fragen, während andere überraschend aufgelöst werden – ein Sog, dem man sich kaum entziehen kann.
Ohne zu viel vorwegzunehmen: Die Auflösung ist anders, als man es vielleicht erwartet. Gerade das macht das Buch so stark, weil es mit typischen Erzählmustern bricht und einen noch lange nach dem Lesen beschäftigt.
Ein kleiner Kritikpunkt für mich war lediglich die Platzierung der Triggerwarnung, die ich mir zu Beginn der Geschichte gewünscht hätte. Zudem hätte ich es schön gefunden, wenn Cover und beschriebene Details noch besser aufeinander abgestimmt wären.
Fazit:
Ein emotional intensives, klug aufgebautes Buch, das unter die Haut geht und lange nachhallt. Keine leichte Lektüre – aber eine absolut lohnenswerte.