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Veröffentlicht am 11.08.2024

Lichtblicke in schweren Zeiten finden

Der Tag, an dem der Sommer zu Ende ging
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Cover:
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Das Titelbild ist sehr schlicht gehalten, aber passt genau deshalb so gut. Denn bei der Flut im Ahrtal wurde alles durch die Wellen überschwemmt. Was mir auffiel, war der helle Lichtschimmer ...

Cover:
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Das Titelbild ist sehr schlicht gehalten, aber passt genau deshalb so gut. Denn bei der Flut im Ahrtal wurde alles durch die Wellen überschwemmt. Was mir auffiel, war der helle Lichtschimmer auf der rechten Seite. Für mich symbolisiert er Hoffnung und ein Stück Frieden. Und insgesamt ist es genau das, was das Buch sagen möchte: dass bei jeder Krise auch immer ein Hoffnungsschimmer zu finden ist.

Inhalt:
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Am 15. Juli 2021 geschah das Unfassbare: Die Ahr trat infolge andauernden Starkregens über die Ufer und überschwemmte ein riesiges Gebiet.Viel wurde zerstört und viele Menschen starben. Vivien Neufeld schildert diese Zeit aus ihrer Sicht. Sie selbst wohnt mit ihrer Familie in Bonn und ist nicht direkt betroffen. Doch ihre Schwiegereltern und ihr Schwager lebten im Ahrtal und galten seit dem Tag der Flut als vermisst. Niemand wusste, was passiert war, das Haus war bis zum ersten Stockwerk überflutet.
Was die Ungewissheit und schließlich die schreckliche Gewissheit mit ihr und ihrer Familie gemacht hat, wie sie es geschafft haben, als Familie Zusammenhalt zu erleben und schließlich - auch mit Gottes Hilfe - Hoffnung und Stärke aus dieser Krise zu erlangen, das schildert die Autorin in diesem Buch.
Sie hat dabei jeden Tag eine Art Tagebuch geschrieben, um ihre Erlebnisse und Gefühle zu verarbeiten. Schließlich entstand daraus dieses Buch, das auch auf Wunsch ihres Mannes diese Zeit für alle rückblickend zusammenfasst.

Mein Eindruck:
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Ich selbst war zum Glück nur indirekt betroffen, aber lebe in unmittelbarer Nähe des damaligen Katastrophengebietes und habe einige der geschilderten Erlebnisse noch in Erinnerung gehabt.
Die Vermisstenmeldung des Schwagers war mir noch im Gedächtnis, und ich war neugierig, welche Geschichte sich dahinter verbirgt.
Frau Neufeld schreibt ihre Erlebnisse und Gefühle sowie den Umgang mit ihrem Mann zu dieser Zeit sehr intensiv und nachvollziehbar auf. Sie beschönigt nichts und obwohl man weiß, dass die Vermissten nicht lebend gefunden werden, spürt man dennoch eine Spannung beim Lesen. Man weiß erstmal nicht, wie der nächste Tag sein wird, welche (unangenehmen) Überraschungen das Leben bereithält.
Ich habe mitgelitten, mich selbst zurückerinnert und fühlte mich von der Autorin bei der Hand genommen. Besonders fasziniert aber war ich von dem Zusammenhalt und dem Rückhalt, den die Familie durch Angehörige und Freunde erfahren hat. Das war ein wichtiger Aspekt, der sie neben ihrem Glauben an Gott durch diese schwere Zeit getragen hat.
Vivien möchte sich trotz aller Trauer nicht davon vollständig einnehmen lassen, sondern immer auch eine positive Seite sehen. Sie schreibt jeden Tag die Dinge auf, für die sie dankbar ist, als einen hoffnungsvollen Gegenpol. Mir gefiel, wie sie und ihr Mann es geschafft haben, sich als Paar und als Familie mit ihren Kindern weiter zusammenzuraufen und sich von dem Leid und der Trauer nicht überwältigen zu lassen.

Generell konnte ich mich mit vielen ihrer Aussagen zum Thema Trauer häufig identifizieren.

"Ich merkte selbst, dass man es mir in meiner Trauer nicht recht machen konnte. Einerseits wollte ich nicht hören, dass ich stark war, und wollte manchmal nicht über die drei sprechen. An anderer Stelle wiederum schon. Selbst in der Zeit von Trauer gab es scheinbar Erwartungen der Gesellschaft oder anderer Trauernder daran, wie lange man zu trauern oder wie sich die Trauer zu äußern hatte. Es kam zwar niemand auf uns zu, um solche Erwartungen zu äußern, doch für mich fühlte es sich in einigen Momenten so an. In dieser Zeit wurde mir neu bewusst, dass man Menschen wirklich nur vor den Kopf und das Herz blicken konnte, niemals dahinter. Außer sie ließen andere an ihren Gedanken und Gefühlen teilhaben. Für mich persönlich fühlte es sich einfach falsch an, mit meiner Trauer öffentlich umzugehen, was bei Weitem nicht hieß, dass sie nicht stattfand. Nur eben anders als bei anderen. Ich dachte an Ellas Gedicht: »Ein jeder weint für sich. Der eine weint laut, den anderen hört man nicht.« Beides einfach unkommentiert stehen lassen zu können ist wahrscheinlich die größte Schwierigkeit, wenn mehrere Personen um dasselbe und doch ganz unterschiedlich trauern." (E-Book S. 126)

Nachdenklich hat mich gemacht, dass Viviens Schwiegermutter Ella offenbar eine Vorahnung hatte, was ihr bevorstand. So hat sie, als die Flut kam, noch die wichtigsten Ordner u. a. mit ihrem letzten Willen und den Bestattungsvorbereitungen in den ersten Stock in Sicherheit gebracht und ein Zitat in einem Buch markiert, dessen Kapitelüberschrift "Der Tag, an dem der Sommer zu Ende ging" diesem Buch seinen Namen gab: "Ich halt dich fest, wenn ein Sturm aus dem Nichts deine Welt aus den Angeln hebt. Das Leben, das du kanntest löst sich von Innen auf. Wenn dein Innerstes schreit, doch der Schmerz keine Worte hat, halte ich dich fest". (E-Book S. 77)

Mich hat das Buch sehr beeindruckt, nachdenklich gemacht, aber auch Hoffnung geschenkt.

Fazit:
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Eine sehr persönliche, emotionale, aber auch mutmachende Aufarbeitung der Ahr-Flut und ihrer Folgen.

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Veröffentlicht am 11.08.2024

Viele Leben in einem gelebt

Seid nett aufeinander
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Gestaltung:
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Das Titelbild gefiel mir sofort. Es ist im Zusammenhang mit dem Titel leicht anzüglich und dennoch hintergründig gestaltet. Es macht scheinbar Anspielungen und ist doch harmlos. ...

Gestaltung:
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Das Titelbild gefiel mir sofort. Es ist im Zusammenhang mit dem Titel leicht anzüglich und dennoch hintergründig gestaltet. Es macht scheinbar Anspielungen und ist doch harmlos. Und je mehr man in das Buch eintaucht, desto mehr merkt man, wie gut es zur Biografie dieser außergewöhnlichen Frau passt.

Im Innenteil befinden sich außerdem Karten zu den Schauplätzen der Handlung sowie im Anhang einige Fotos. So wird das Geschilderte noch besser veranschaulicht.

Inhalt:
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Beate Uhse ist den meisten vermutlich ein Begriff durch ihre Sex-Shops und -Kataloge.Dass diese Frau jedoch viel mehr Talente hat, sehr klug, humorvoll und vor allem mutig und durchsetzungsstark war, wissen wohl die allerwenigsten. In dieser Romanbiografie spürt Charlotte Feyerabend dieser Frau nach und lässt den Leser am Leben und Werdegang von Beate Uhse teilhaben.

Mein Eindruck:
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"Wie pflegte Lu zu sagen: An der Vergangenheit kleben zu bleiben, hindert einen nur daran, nach vorne zu schauen. So tat sie das, nach vorne schauen!" (E-Book S. 67)

Der Schreibstil gefiel mir sehr gut. Man war mitten im Zeitgeschehen. Es beginnt mit Beates Kindheit in Ostpreußen. Schon ihre Eltern waren sehr fortschrittlich in ihrer Denkweise, so war ihre Mutter eine der ersten Ärztinnen und hat Beate ermutigt, ihren Weg zu gehen. Beate ging an die berühmte "Schule am Meer". Sie war vom Fliegen begeistert und hat entgegen der damaligen Widerstände als eine von wenigen Frauen eine Pilotenausbildung gemacht und stieg sogar zur Kunst- und Einfliegerin mit riskanten (Test)flügen auf. Leider ist ihr erster Mann und damit ihre große Liebe im Krieg umgekommen, doch Beate hat sich mit Kleinkind durch die Kriegswirren geschlagen und in vielen anderen Dingen nicht unterkriegen lassen. Sie war in vielen Belangen ihrer Zeit voraus, wie z. B. beim Thema Aufklärung. Bei den vielen rechtlichen und privaten Streitereien war ich beeindruckt, wie sie es geschafft hat, immer wieder den Kampf aufzunehmen und erhobenen Hauptes aufzustehen. In Sachen Personalführung war sie auch schon sehr modern eingestellt. Vieles, was uns heute selbstverständlich(er) erscheint, war es damals noch nicht, doch Frau Uhse hat es bereits vorgelebt.

"Beate schüttelte ihren Kopf, als sie die Treppe in den ersten Stock zur Wohnung hochlief. Was sich in den Betten der Deutschen tat, war mehr Trauerspiel denn Freudenmarsch. Mehr Chopins Trauermarsch denn Beethovens Ode an die Freude. Ihr kam das Wort Geburtshilfe in den Kopf, und sie musste lachen, während sie an die Haustür klopfte. So hätte es ihre Mutter wahrscheinlich bezeichnet. Die Leute sollten sich locker machen, der Natur ihren Lauf lassen und genießen, wenn es an der Zeit dafür war. Sex war doch keine Einbahnstraße oder Soloveranstaltung." (E-Book S. 217)

Die Biografie ist packend geschrieben und gut recherchiert, was man anhand der vielen Fußnoten in den Kapiteln sehen kann. Ich empfand diese jedoch nicht als störend, sondern sie haben am Ende eines Abschnitts die Handlung noch untermauert und mich zu weiteren Recherchen verleitet. Etwas traurig war ich, dass die Biografie nur bis zu einem bestimmten Zeitpunkt erzählt wurde. Zwar hat die Autorin ihre Beweggründe hierfür im Nachwort erläutert, dennoch habe ich ungern Abschied von Beate genommen.

Schön sind auch ein paar Rezepte zu Gerichten aus der Geschichte. Dies sowie die Karten und Anmerkungen haben den Roman für mich noch rund gemacht.

Fazit:
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Packend und anschaulich geschriebene Romanbiografie einer beeindruckenden, mutigen Frau, die ich bisher unterschätzt habe.

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Veröffentlicht am 11.08.2024

Wenn ein Krimiautor selbst zum Verdächtigen wird - Hawthornes 4. Fall

Mord stand nicht im Drehbuch
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Gestaltung:
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Zwar konnte ich das Titelbild nicht direkt mit dem Inhalt in Einklang bringen, aber es passt optisch zum Rest der Reihe und vermittelt eine leicht düstere Atmosphäre. Durch ...

Gestaltung:
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Zwar konnte ich das Titelbild nicht direkt mit dem Inhalt in Einklang bringen, aber es passt optisch zum Rest der Reihe und vermittelt eine leicht düstere Atmosphäre. Durch die eindringende Helligkeit im Tunnel wirkt es jedoch nicht sehr bedrohlich. Genau das passende Mittelmaß für einen weiteren britischen Cosy Crime à la Horowitz. Als Hardcover mit Schutzumschlag ist das Buch wieder sehr wertig. Nur ein Lesebändchen fehlt, um die Sache rund zu machen. Beim Vorgängerband befand sich eine Karte vom Geschehen, hier wäre eine von London wünschenswert gewesen mit den wichtigsten Schauplätzen des Krimis.

Inhalt:
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"Ich hatte mir vorgenommen, die Titel zu einem grammatischen Puzzle zu arrangieren. Ich war schließlich kein Detektiv, sondern Schriftsteller. Das erste Buch hieß The Word is Murder, das zweite The Sentence is Death und das dritte A Line to Kill. Ich war richtig stolz auf diesen Einfall gewesen. Aber wie sollte es weitergehen? Life comes to a full Stop? Das würde schon in Amerika nicht funktionieren. Die Amis haben ja keine Punkte, sondern »Perioden«. Nein, nein. Die Serie war als Trilogie angelegt, und dabei sollte es bleiben." (S. 15)

Eigentlich wollte der Autor Horowitz nur eine Trilogie über den Privatermittler Daniel Hawthorne schreiben. Die Anfragen Hawthornes nach einer Fortsetzung verneint er entschieden, da er sich aktuell lieber seinem neuen Projekt "Mindgame" widmet, einem Theaterstück angelehnt an einen Roman von Agatha Christie. Doch die Kritiken nach der Premiere sind nicht gut. Besonders eine Kritikerin verreißt das Stück heftig - und wird am nächsten Morgen tot in ihrer Wohnung aufgefunden. Verdächtig: Anthony Horowitz! Denn es gibt viele Indizien, die auf ihn als Täter hinweisen. Doch er ist sich (fast) sicher, dass er es nicht war, auch wenn er sich an einen Teil der Tatnacht nicht eindeutig erinnert. Der Einzige, der jetzt noch helfen kann, ist natürlich Hawthorne.

Mein Eindruck:
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"Ewan warf einen Blick auf die Uhr. »Ich hole Jordan. Wir treffen uns in zehn Minuten im Vaudeville...«
Ich hätte nicht hingehen sollen. Ich wäre viel besser dran gewesen, wenn ich meinem Instinkt gefolgt und mit meiner Familie nach Hause gegangen wäre. Dann wäre alles anders gekommen. Aber das weiß man natürlich nie vorher. Deshalb ist das Leben so anders als ein Roman. Jeder Tag hat seine eigene Seite und man kann nicht einfach vorwärtsblättern, um zu sehen, was kommt." (S. 48)

Ich kenne die Reihe (noch) nicht vom Anfang, ich bin mit dem Vorgängerband eingestiegen und war begeistert. Dieser endete mit einem Cliffhanger und ich hatte erwartet, dass dieser Roman daran anknüpfen würde. Nun, er tat es nicht. Stattdessen befinden wir uns wieder in London und tauchen tief in die Theaterwelt ein. Es geschieht eine Weile nicht viel, man lernt alle Personen des Theaters und ihr näheres Umfeld kennen, bis dann der tatsächliche Mord passiert.
Die Ermittlungen gestalten sich schwierig, da fast jeder ein Motiv hat und sich zum einen die Frage stellt, wer der Täter/die Täterin ist und welche Gründe dafür sprechen, die Spuren auf Horowitz zeigen zu lassen. Dabei gerät erstmal das Theaterumfeld in den Fokus. Doch nach und nach weiten sich die Ermittlungen aus und Geheimnisse aus der Vergangenheit bestimmter Verdächtiger sowie Verknüpfungen mit dem Fall aus Agatha Christies Roman rücken in den Vordergrund. Die Auflösung ist klassisch wie bei Christie: Der Täter wird gestellt, während sich alle Verdächtigen in einem Raum befinden.

Wie auch im Vorgängerband verschwimmen hier die Grenzen zwischen dem realen Autor und seiner gleichnamigen Romanfigur. In die Krimihandlung sind viele ironische Seitenhiebe auf Literatur und auf die Theaterbranche eingewoben, sodass neben der Spannung der Humor nicht zu kurz kommt. Auch werden wieder weitere persönliche Aspekte des undurchsichtigen Hawthornes bekannt. Ich hoffe immer noch, dass am Ende der Reihe alle Fäden zusammengeführt werden und auch der Cliffhanger aus Band 3 eine Auflösung erfährt.
Der Schluss des Buches ist vielversprechend: Demnach dürfen wir uns noch auf drei weitere Bände freuen!
Im Vergleich zu "Wenn Worte töten" plätscherte die Handlung aber zeitweise etwas vor sich hin, weshalb ich einen Punkt Abzug gebe.

Fazit:
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Dieser Fall von Hawthorne ist wieder spannend und humorvoll - diesmal mit Seitenhieben auf die Theaterbranche und leider mit kleinen Längen

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Veröffentlicht am 31.07.2024

Lua, die clevere und mutige Silberelfe

Lua Luftwurzel - Silberelfen fängt man nicht
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Inhalt:
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Malicia Warzenbuckel ist eine Hexe sowie eine hochangesehene Fabelwesen-Händlerin.Doch in letzter Zeit hat sie kaum ein Fabelwesen gefangen, sie ist mit ihrer Hausmiete im Rückstand ...

Inhalt:
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Malicia Warzenbuckel ist eine Hexe sowie eine hochangesehene Fabelwesen-Händlerin.Doch in letzter Zeit hat sie kaum ein Fabelwesen gefangen, sie ist mit ihrer Hausmiete im Rückstand und muss jeden Tag die gleiche fade Wurzelsuppe essen. Als zufällig die Silberelfe Lua Luftwurzel in ihre Falle geht, wittert sie das große Geschäft. Doch zuvor will sie Lua als putztüchtige Hauselfe abrichten, damit sie ihr mehr einbringt beim Verkauf. Doch Lua ist klug und will sich nicht beugen. Doch als Malicia durch den bösen Zauberer Zappaniel Zifferzank in Not gerät, ist Lua die Einzige, die ihr helfen kann.

Mein Eindruck:
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"Früher hatte sie noch beinahe jeden Tag ein Fabelwesen gefangen, manchmal sogar zwei. Sie war eine höchst angesehene Fabelwesen-Händlerin gewesen. Die feinsten und wichtigsten Leute hatten sie auf die luxuriösesten Feiern eingeladen, und die reichsten Hexen und Zauberer hatten Schlange gestanden, um eine von Malicia Warzenbuckels dressierten Haushaltshilfen zu ergattern. Aber mit der Zeit hatte sie immer weniger gefangen. Ob es daran lag, dass es einfach weniger Fabelwesen gab als früher? Oder daran, dass der Wald immer weiter abgeholzt worden war?"

Das Cover und die bunten handlungsbegleitenden Illustrationen haben meiner Tochter (10 J.) und mir gleich sehr gut gefallen. Das Buch ist in kurzen Kapiteln geschrieben, die Sprache ist altersgerecht und die Geschichte eignet sich gut zum Vorlesen oder auch Selberlesen im Grundschulalter.


Das Schöne ist, dass die beiden Hauptfiguren nicht den üblichen Klischees entsprechen, so ist Malicia als Hexe eher ein Durchschnittstyp, weder böse noch besonders gut veranlagt. Sie ist eher ein Mensch, der über die Runden kommen möchte und mit ihrem bisherigen Leben manchmal unzufrieden ist. Die Silberelfe Lua ist selbstbewusst und selbstbestimmt und lässt sich nicht so leicht unterkriegen. Sie hat ein gutes Herz für andere Tiere und gibt so schnell nicht auf.
Neben Hexensprüchen in Reimform wartet die Story mit vielen kleinen lustigen Details auf, die man so noch nicht in Märchen kennt und die uns zum Schmunzeln gebracht haben.
Außerdem vermittelt die Handlung einige moralische Aspekte, ohne mit dem erhobenen Zeigefinger zu drohen. Sie zeigt, dass Freunde wichtiger sind als Geld, man seine Fehler immer eingestehen und seine Meinung ändern kann und dass das Glück manchmal aus vielen kleinen Dingen bestehen kann.


Die Erzählung ist abgeschlossen, aber wir könnten uns einen weiteren Band mit Malicia, Lua und Co. sehr gut vorstellen und würden uns sehr über ein Wiedersehen freuen!

Fazit:
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Warmherzige Märchengeschichte mit Humor, schönen Illustrationen, einer mutigen Protagonistin und Botschaften über Freundschaft und Glück

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Veröffentlicht am 18.07.2024

Kristan Dennermann, der "Mister Marple der Immobilienbranche"

Mord unterm Reetdach
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Cover:
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Das Titelbild wirkt für einen Krimi viel zu idyllisch. Man erwartet aber eher eine seichte Urlaubslektüre, es fehlt etwas Unheilvolles.

Inhalt:
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Immobilienmakler ...

Cover:
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Das Titelbild wirkt für einen Krimi viel zu idyllisch. Man erwartet aber eher eine seichte Urlaubslektüre, es fehlt etwas Unheilvolles.

Inhalt:
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Immobilienmakler Kristan Dennermann soll das Haus eines älteren Einheimischen auf Sylt verkaufen.Als er gemeinsam mit einem Bekannten dort nach dem Rechten sehen will, stolpert er dank seines Hundes über die Leiche des Besitzers und wird dessen Mordes verdächtigt. Da er der Polizei nicht vertrauen kann und nachdem er auch noch geheimnisvolle Mails erhält, beginnt er selbst zu ermitteln. Doch damit begibt er sich in ungeahnte Gefahr, die er erst bemerkt, als es fast zu spät ist.

Mein Eindruck:
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"Man muss schon verdammt hart im Nehmen sein, um wolkenverhangene Himmel, extreme Temperaturschwankungen und peitschenden Wind zu mögen. Es sei denn, man ist bekennender Syltianer. Dann geht jedes Wetter, jede Jahreszeit. Aber man muss seinen Beruf wirklich lieben, leidenschaftlich lieben, um auf dieser meerumtosten teilverrückten Insel als Makler zu arbeiten. Auf mich trifft beides zu: Ich liebe Sylt, ich liebe meinen Beruf, und das seit mehr als fünfzehn Jahren."

Dies ist der erste Fall von Dennermann und gleichzeitig der erste Krimi des Autors. Dieser ist selbst Immobilienmakler auf Sylt und das merkt man beim Lesen. Zum einen erfährt man viel über die Insel, aber auch über die Immobilienbranche. So wirkt das Geschehen besonders authentisch. Auch der Ermittler Kristan Dennermann ist mir sehr sympathisch. Als Immobilienmakler vermag er "nicht nur Häuser, sondern auch Menschen zu lesen", wie er selbst sagt. Und er hat sein Herz auf dem rechten Fleck, denn Geld bedeutet ihm nicht alles bei der Immobilienvermittlung. Durch ein tragisches Schicksal hat er seine große Liebe verloren, seitdem hat er nicht nur ein Problem mit Liebesbeziehungen, sondern auch eine therapierte Schmerzmittelabhängigkeit. Beides macht ihm in diesem Fall immer wieder zu schaffen, dennoch ist dieser Krimi nie wirklich traurig oder dramatisch, sondern es ist stets eine Prise Humor und Situationskomik dabei. Besonders amüsante Momente sind auch dem Corgi "Prince of Wales" geschuldet. Dennoch wird es nie zu klamaukig, und die Ermittlungen stehen stets im Vordergrund.

Der Fall fängt eher harmlos an, aber durch die rätselhaften Mails und Anschläge auf Dennermanns Leben wird es schnell spannend und am Ende gibt es eine unerwartete, aber schlüssige Wendung.
Mir hat der erste Fall von Kristan Dennermann als "Mister Marple der Immobilienbranche" sehr gut gefallen und ich würde mich freuen, wenn weitere Fälle folgen würden.

Fazit:
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Gelungenes Krimidebüt über einen Immobilienmakler, der im Miss-Marple-Stil ermittelt: Mit Humor, Spannung und unerwarteten Wendungen.

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