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Veröffentlicht am 15.10.2024

James Spencer und die Zeitschleife

Death. Life. Repeat.
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Inhalt:
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Der Teenager James Spencer interessiert sich mehr fürs Feiern als fürs Lernen und besonders seit dem Unfalltod seiner Mutter vor einem Jahr versucht er, sein Leben mit Alkohol zu ...

Inhalt:
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Der Teenager James Spencer interessiert sich mehr fürs Feiern als fürs Lernen und besonders seit dem Unfalltod seiner Mutter vor einem Jahr versucht er, sein Leben mit Alkohol zu betäuben.Nur widerwillig geht er zur Feier seines besten Freundes Anthony, die just am Gedächtnistag seiner Mutter stattfindet. An diesem Abend wird er Zeuge, wie seine Mitschülerin Clara Hart aus dem Zimmer von Anthony torkelt, auf der Straße von einem Auto erfasst wird und stirbt.
Doch am nächsten Morgen wacht James auf und der Tag beginnt erneut - immer und immer wieder!
Jeden Tag versucht James, etwas zu verändern, um aus der Zeitschleife herauszukommen. Dabei ändert er jedes Mal das Ergebnis, aber ohne es direkt zu merken, auch sich selbst. Doch was ist der Schlüssel, um sein Leben weiter fortsetzen zu können?

Mein Eindruck:
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»Wie James richtig hervorhebt, eine der Vorstellungen, welche Nietzsche uns gegeben hat – neben vielen weiteren – war das Konzept von einer ewigen Wiederkunft – die Vorstellung, dass dieses Universum und unsere Leben sich in identischer Art für eine unendliche Zahl wiederholen.

Hierbei handelt es sich selbstverständlich nicht um eine Wahrheit, sondern um ein Gedankenexperiment. Wenn es wahr wäre, würden wir mit Freude oder Verzweiflung reagieren?
Würden wir das Leben bejahen oder ablehnen? Und wenn wir gezwungen wären, unsere Leben immer und immer wieder zu erleben, was würde dies für unsere moralischen Entscheidungen bedeuten?« (S. 38f.)

Ich gehöre nicht mehr zur eigentlichen Young-Adult-Zielgruppe des Buches und sowohl das schrille Cover als auch die trist klingende Beschreibung haben mich erst abgeschreckt. Des Weiteren war mir James mit seinem starken Alkoholkonsum und seiner "Alles-egal"-Einstellung anfangs sehr unsympathisch. Dennoch las ich die Leseprobe und kam ab da nicht mehr los von diesem Roman.
Die Handlung beginnt mit einem der Tode von Clara Hart und der Anspielung darauf, dass dies noch häufiger passiert. Sofort möchte man wissen, wie es dazu kam und auf welche Weise sich der wiederkehrende Tag verändert. An jedem Wiederholungstag entscheidet sich James in jeweils anderen Momenten anders und es ist spannend, auf welche Art er den Tag dadurch beeinflusst. Zudem erfährt er so mehr über seine Freunde und Mitschüler sowie natürlich über Clara. Aber letztendlich geht auch eine Veränderung in ihm vor. Er übernimmt mehr Verantwortung für sein Leben.


Das Thema "Nietzsche und die Lebensbejahung", das im Roman durch James' Philosophielehrer immer wieder thematisiert wird, kannte ich noch nicht. Ich finde die Umsetzung dieses Gedankenexperimentes jedoch für die jugendliche (und erwachsene) Zielgruppe hier sehr gelungen.
Themen wie Drogenmissbrauch, sexueller Missbrauch sowie Mobbing unter Jugendlichen werden in diesem Roman alle verarbeitet. Menschen, die hier empfindlich sind, sollten ihn besser nicht lesen. Ich empfand es nicht als so heftig aufgrund des Sprachstils, der konkrete und ausführliche Beschreibungen unterließ, sondern eher Andeutungen machte.
Mit der Zeit wurde mir James sympathischer und die Auflösung am Ende hat mir sehr gut gefallen. Da die Handlung ausschließlich in der Ich-Form, aus der Gedankenwelt des Protagonisten erzählt wird, kann man seine Gedanken und Gefühle unmittelbar miterleben.
Ein Buch wie ein Rausch - im positiven Sinne!

Fazit:
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Nietzsches Gedankenexperiment der ewigen Wiederkunft für eine jugendliche Zielgruppe spannend und emotional umgesetzt

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.10.2024

Toller Auftakt für die Geisterhelfer!

Die Geisterhelfer – Traue sich, wer kann!
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Gestaltung:
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Das Cover mit Leuchteffekt ist wirklich klasse! Ich hatte es die ganze Nacht auf dem Beistelltisch. Es hat bis zum frühen Morgen geschimmert und sah dabei leicht gruselig ...

Gestaltung:
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Das Cover mit Leuchteffekt ist wirklich klasse! Ich hatte es die ganze Nacht auf dem Beistelltisch. Es hat bis zum frühen Morgen geschimmert und sah dabei leicht gruselig aus. Aber auch bei Tag macht es einen guten Eindruck: eine schöne Mischung aus Humor und Grusel. Als Hardcover ist das Buch ein Schmuckstück im (Kinder-)Buchregal.

Inhalt:
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Der 10-jährige Leo ist eher ein ängstliches Kind, vor allem die Dunkelheit macht ihm Angst und aufgrund seiner Schüchternheit hat er keine Freunde.Als er dann mit seinem älteren Bruder Vincent und seinen Eltern umzieht, sind die ersten Tage in der neuen Klasse nicht so schön. Besonders unangenehm wird es für Leo, als mitten im Fußballspiel mit neuen Mitschülern der Ball über den Zaun auf einen Friedhof fliegt und Leo ihn holen muss - und das im Dunkeln! Als wäre das nicht schlimm genug, sprechen ihn auf dem Friedhof auch noch drei Geister an und bitten ihn um Hilfe: Er soll sie und den Friedhof von einem Unruhegeist befreiten. Doch das ist einfacher gesagt als getan. Zumal der Unruhegeist noch etwas zu erledigen hat und Leo der Einzige ist, der die Geister sehen und hören kann. Aber zum Glück begegnet er der netten, aber etwas seltsamen und stets in Schwarz gekleideten Antonia aus der Nachbarschaft. Wird es den beiden gelingen, den Geistern zu helfen? Und wird Leo endlich Freunde finden?

Mein Eindruck:
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Das Buch ist für Kinder ab 8 Jahren geschrieben, und viele dürften sich in Leo und seiner Schüchternheit wiederfinden. Die Handlung ist aus der Ich-Perspektive von Leo geschrieben und von seinem oft trockenen Humor gezeichnet. Das hat mir sehr gut gefallen. Der Sprachstil und die Kürze der Kapitel eignen sich sehr gut für geübte Grundschulkinder oder für Jüngere zum Vorlesen. Wobei die Geschichte so lustig, spannend und unterhaltsam geschrieben ist, dass auch ich als Erwachsene meinen Spaß hatte. Die Kapitel enden oft mit einem Cliffhanger und schon aufgrund ihrer Kürze laden sie zum Weiterlesen ein. So habe ich dieses Buch in einem Rutsch verschlungen. Anschließend habe ich es meiner 10-jährigen Tochter in den abendlichen Stunden vorgelesen und das Aufhören jeden Abend fiel schwer, da sie genauso mitgerissen war.
Auch die Illustrationen haben uns gut gefallen. Es gibt viele Schwarz-Weiß-Grafiken über das gesamte Buch verteilt, durch die man sich die Handlung und ihre Personen noch besser vorstellen konnte.
Uns gefiel gut, dass zum einen eine neue Sicht auf das Geisterthema eingewoben wurde, aber auch, dass Themen wie Angstüberwindung und Freundschaft mit verarbeitet wurden.
Wir fiebern jetzt schon der Fortsetzung entgegen!

Fazit:
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Gelungene Mischung aus Freundschafts- und Abenteuergeschichte, gewürzt mit leichten Prisen von Grusel und Humor

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.10.2024

Tiefe Einblicke in staatsanwaltliche Tätigkeiten

Digital. Kriminell. Menschlich.
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Cover:
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Das Titelbild wirkt nüchtern, die Staatsanwältin Jana Ringwald lächelt verhalten in die Kamera, schaut den Betrachter aber direkt an. Der Hintergrund ist eher düster gehalten, was ...

Cover:
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Das Titelbild wirkt nüchtern, die Staatsanwältin Jana Ringwald lächelt verhalten in die Kamera, schaut den Betrachter aber direkt an. Der Hintergrund ist eher düster gehalten, was zum Titel passt. Als Hardcover ist das Buch wertig verarbeitet.

Mein Eindruck:
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"Wir treten erst in Aktion, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Wir können zwar nicht mitgestalten, wenn es um Prävention, Werte- und Sozialarbeit geht. Wir sind auch nicht konstruktiv im Transformationsgeschäft in Wirtschaft und Gesellschaft. Aber wir sind die Aufräumer für Abräumer im Darknet. Cyberstaatsanwälte sind Pioniere des technologischen Wandels, die kriminelle Businessmodelle auf Basis kreativer Geldgier verfolgen und austrocknen. Denn der Spur des Geldes folgen wir noch immer. Und sammeln dabei Kryptomillionen ein." (S. 193)

Die (Cyber-Staatsanwältin Jana Ringwald erzählt in diesem Buch, wie sie von einer gewöhnlichen Staatsanwältin zur Cyberstaatsanwältin wurde, was sie in ihrem Job antreibt, gibt tiefe Einblicke in die Arbeit der Staatsanwaltschaft und einige Highlights ihrer Fälle preis.

Das Buch ist in mehrere Kapitel eingeteilt, die verschiedene Aspekte des Berufs Staatsanwalt beleuchten. Die drei im Titel beschriebenen Facetten spiegeln sich dabei wider.
Die Sprache empfand ich als angenehm. Frau Ringwald war mir sehr sympathisch, sie hebt sich selbst als Staatsanwältin nicht auf einen hohen Sockel, sondern betont immer wieder, dass viel Fingerspitzengefühl, Empathie, aber vor allem auch Zuhören und Zusammenarbeit im Team mit den Fachexperten bedeutend sind, um ihre Arbeit erfolgreich durchführen zu können. Zudem drückt sie Tätern per se keinen Stempel des "Schurken" auf, sondern betrachtet differenziert, wer und aus welchen Gründen zum (Cyber-)Straftäter werden kann.
Dabei geht sie immer wieder auf ihre "normale", d. h. nicht in der digitalen Welt stattfindende Ermittlungsarbeit ein. Wichtige Rechtsbegriffe sowie Begriffe im Kontext von Cybercrime werden gut verständlich auch für Laien erklärt. Zumindest war dies mein Empfinden, allerdings habe ich beruflich ein paar Vorkenntnisse auf beiden Gebieten erworben.
Daher las sich das Buch für mich auch insgesamt sehr verständlich. Die Autorin nutzt häufig lange und verschachtelte Sätze wie viele Juristen. Ich komme damit gut klar, andere Leser haben hier eventuell Probleme.
Besonders spannend fand ich ihre Fälle und die Hintergrundinformationen auf dem Gebiet der Cyberkriminalität. Allerdings kamen mir diese im Verhältnis zur sonstigen rechtsstaatlichen Tätigkeit etwas zu kurz. Der Titel hat hier ein wenig falsche Erwartungen geweckt. Vielleicht hätte man das "Cyber" besser eingeklammert.
Auch fehlte mir der rote Faden ein wenig. Innerhalb der Kapitel wurde immer wieder auf ein anderes Thema gesprungen und manchmal erschloss sich beim Lesen nicht direkt, warum dieser Sprung nötig war bzw. welchen Kontext er zum Inhalt hatte. Das war etwas anstrengend.
Insgesamt ist dieses Buch jedoch sehr informativ und unterhaltsam geschrieben. Ich sehe unsere Staatsanwaltschaft mit neuen Augen und habe einiges dazu gelernt.

Fazit:
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Aufschlussreiches und unterhaltsames Buch über die Tätigkeit einer deutschen Cyberstaatsanwältin, bei dem das Cyber-Thema etwas zu kurz kam

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.09.2024

Generationenübergreifende Freundschaftsgeschichte

Der Bademeister ohne Himmel
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Gestaltung:
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Obwohl das Bild mit einer Person im Schwimmbecken passend zum Titel ist, wirkt es auf mich eher unscheinbar, ich hätte das Buch im Regal unbeachtet gelassen. Als Hardcover ...

Gestaltung:
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Obwohl das Bild mit einer Person im Schwimmbecken passend zum Titel ist, wirkt es auf mich eher unscheinbar, ich hätte das Buch im Regal unbeachtet gelassen. Als Hardcover mit Lesebändchen ist es sehr hochwertig gestaltet.

Inhalt:
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Linda ist 15 Jahre alt und lebt mit ihrer Mutter alleine in einer Wohnung, seit der Vater die Familie verlassen hat.Ihr Leben scheint perspektivlos, vor allem die Schule bereitet ihr Probleme. Daher spielt sie häufig mit dem Gedanken, sich das Leben zu nehmen, indem sie vor ein Auto läuft. Die einzigen, die sie davon abhalten, sind ihre Freunde Kevin und Hubert.
Kevin ist etwas jünger als Linda, lebt ebenfalls alleine mit seiner Mutter. Er ist sehr intelligent und macht sich über die Zukunft der Welt Gedanken. Darüber, dass ihn seine Klassenkameraden nicht verstehen, verzweifelt er oft. Aber in Linda findet er eine verständnisvolle Zuhörerin.
Hubert ist ein älterer Herr, der im gleichen Haus lebt und an Demenz erkrankt ist. Linda wird von dessen Tochter beauftragt, jeden Tag für ein paar Stunden nach ihm zu sehen, damit seine polnische Pflegerin entlastet ist. Hubert war früher Bademeister und in Gedanken ist er dies häufig immer noch. Wider Erwarten freundet sich Linda mit dem alten Mann an und findet dadurch eine neue Perspektive für ihr eigenes Leben. Und dann passiert etwas, mit dem niemand gerechnet hätte...

Mein Eindruck:
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"Hubert, Ewa und ich, wie soll ich das erklären? Ich kann nicht sagen, dass wir beste Freunde sind, das wäre übertrieben. Wir spüren einander. Wir sind wie Wellen, die ineinander- oder zumindest zueinanderfließen, oder wie dieses Kinderspiel mit den Händen. Die eine Hand wird auf die oberste Hand gelegt, die unterste Hand wird weggezogen und wieder auf die oberste gelegt und so weiter. Gefühle, Stimmungen, Gesten stapeln sich. Mal liegt Huberts Knurren obenauf, mal Ewas Landeshymne, mal mein Humor." (S. 98)

Offen gestanden hätte ich den Roman aufgrund des Titelbildes und dem Klappentext nie gelesen. Die angesprochenen Themen ließen mich vermuten, dass das Buch meine Stimmung in den Keller ziehen würde. Aber per Zufall hörte ich hierzu eine Kritik im Radio und wurde neugierig.
Und dann hat das Buch von der ersten Zeile an in seinen Bann gezogen und bis zum Ende nicht mehr losgelassen. Ich habe es in einem Rutsch verschlungen und war nachdenklich, aber nicht traurig. Man merkt, dass die Autorin sich mit demenzkranken Menschen beschäftigt, aber auch in die Gefühlslage von Teenagern kann sie sich gut hineinversetzen. Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive von Linda erzählt und ich mochte ihren trockenen, manchmal makaberen Humor. Sie fühlt sich unverstanden, wie so viele Teenager, aber bei Hubert kann sie so sein, wie sie ist. Durch Huberts eigene Realität lernt sie, die Welt und ihre Lebensmomente neu zu bewerten und zu schätzen. Sie kümmert sich sehr liebevoll um Hubert, das habe ich an ihr bewundert. Auch Ewa, die polnische Pflegekraft, ist mir mit ihren Backkünsten und ihrer mütterlichen Art beim Lesen sehr ans Herz gewachsen.
Das Leben spielt so, wie es spielt, und ab der Hälfte des Buches hatte ich eine leichte Ahnung, worauf das Ganze hinauslaufen würde. Und sie wurde größtenteils bestätigt. Dennoch oder gerade deswegen ist das Buch ab der zweiten Hälfte nicht langweilig gewesen, denn schließlich wollte ich die konkrete Lösung wissen. Und letztendlich genoss ich bis zum Ende die Sprache und die Entwicklung der Personen. Ich habe nur ungern das Buch beendet, gerne hätte ich weitergelesen und wäre in Lindas Gedankenwelt verblieben. Ich bin positiv überrascht vom Roman-Debüt der Autorin und hoffe, dass sie noch weitere Geschichten in diesem Stil schreibt.

Fazit:
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Eine poetische Geschichte - mal nachdenklich, mal mit Humor - über Freundschaft, Demenz und die Herausforderungen des Älterwerdens.

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Veröffentlicht am 11.09.2024

Agatha Christie und die Liebe

Agatha Christie
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Cover:
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Das Titelbild mit der jungen Agatha Christie vor einem Gebäude in einem Park wirkt recht blass und unspektakulär. Etwas kräftigere Farben hätten dem Cover gutgetan. Letztendlich passt ...

Cover:
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Das Titelbild mit der jungen Agatha Christie vor einem Gebäude in einem Park wirkt recht blass und unspektakulär. Etwas kräftigere Farben hätten dem Cover gutgetan. Letztendlich passt es aber zur ebenfalls eher unspektakulären Erzählung.

Inhalt:
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Agatha Miller wächst zusammen mit ihrer älteren Schwester Madge und anfangs wohlhabenden Eltern auf dem Ashfield-Anwesen auf.Doch ihr Vater stirbt früh und die Mutter plagen immer wieder finanzielle Sorgen. Während Madge einen gut situierten Mann heiratet und sich als Schriftstellerin einen Namen macht, weiß Agatha mit Männern außer Freundschaft nicht viel anzufangen und auch beruflich fühlt sie sich zu nichts ausreichend talentiert. Nachdem Sie einsehen muss, dass ihr Ursprungstraum, Konzertpianistin zu werden, leider nicht realisierbar ist und schreiben bislang nur ein Hobby für sie war, lässt sie sich auf eine Wette mit ihrer Schwester ein: Sie wird einen Kriminalroman schreiben! Diese Wette sowie die Begegnung mit Archibald Christie werden Ihr Leben grundlegend verändern.

Mein Eindruck:
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"[...] »Und wozu eigne ich mich?« Ihre Mutter sah sie überrascht an. »Fragst du dich das wirklich, Agatha? Du bist in so vielem talentiert.«

»Ach ja? Ich spiele leidlich Klavier, singe begeistert, aber nicht besonders schön, kann mir Geschichten ausdenken und zu Papier bringen, und eventuell eigne ich mich als Ehefrau.«

[...]

»Nein.« Agatha unterdrückte ein Seufzen. Sie beherrschte einiges, nichts davon jedoch so gut, dass sie es zum Beruf machen konnte. Und Ehefrau und Mutter zu werden war
nichts weiter als eine romantische Vorstellung." (S. 121f.)

Bisher kannte ich zwar einige ihrer Kriminalromane, aber über die Person Agatha Christie wusste ich bislang noch wenig. Aufgrund des Klappentextes hätte ich erwartet, dass vor allem ihr Werdegang als Schriftstellerin beleuchtet wird. Doch der überwiegende Teil des Buches befasst sich mit ihrer Kindheit und vor allem mit ihrem persönlichen Hadern um ihre Talente und dass ihr alle Männer zum Heiraten "zu langweilig" seien. Sie hat eine sehr liebevolle Mutter, die sie in allem unterstützt und viel mit ihr reist. Trotz der Geldsorgen um das Anwesen fehlt es ihr an nichts. Sie hat schon immer gerne Geschichten gelesen und kleinere Erzählungen und Gedichte verfasst, doch ihre Lehrer und auch die Verlage stuften ihre Texte als nicht geeignet und sie nicht als talentiert genug ein. Trotzdem gibt sie nicht auf. Das alles wird in diesem Roman deutlich gemacht und vor allem im letzten Part, in dem sie sich mit Hercule Poirot und seinen Fällen beschäftigt, bekommt man eine Ahnung, wie sie schließlich den Durchbruch zur Kriminalautorin geschafft hat. Doch den Hauptteil nimmt ihre Suche nach dem perfekten Ehemann ein, und obwohl ich es faszinierend fand, mehr über ihr Leben und ihren Charakter zu erfahren, konnte mich das Buch nicht wirklich packen. Der Schreibstil war eher beschreibend, mir ist es leider nicht gelungen, Agathas Gefühlen nachzuspüren.
Gut gefiel mir am Ende eine Klarstellung der Autorin, in der sie kurz auf Fakten und Fiktives ihres Romans eingeht und somit dem Leser erklärt, weshalb sie z. B. bestimmte Lebensabschnitte sehr ausführlich behandelt, andere dagegen nur kurz oder gar nicht.
Dennoch war die Beschreibung eher irreführend, da sich die Handlung mehr um das Liebesleben als um den Werdegang als Schriftstellerin drehte.

Fazit:
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Agathas Suche nach der großen Liebe kommt ein hoher Stellenwert zu, als zukünftige Schriftstellerin und Charakter bleibt sie jedoch blass.

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  • Handlung
  • Charaktere