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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.05.2026

Ein skurriles Literaturfeuerwerk

Die Enthusiasten
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Das Cover hat mich magisch angezogen: Ein leuchtendes Farbengemisch, als hätte man alle kräftigen Farben in einen Eimer gemischt und einmal vorsichtig mit dem Rührstab umgerührt. ...

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Das Cover hat mich magisch angezogen: Ein leuchtendes Farbengemisch, als hätte man alle kräftigen Farben in einen Eimer gemischt und einmal vorsichtig mit dem Rührstab umgerührt. Auf diese Weise verzwirbeln sich die Farben, aber vermischen sich nicht zu einer. Diese bunte Mischung macht neugierig, weil es alles und doch auch wieder so gar nichts über den Inhalt sagt. Aber am Ende des Romans wusste ich: es passt!

Inhalt:
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"Ja, wir wollten alles stehen und liegen lassen, uns hinsetzen und das Buch einfach nur einatmen. Nichts sonst. Wir wollten verschwinden in dem Buch wie in einem Brunnen, wir wollten lachen und schwitzen, schmunzeln und schreien, wir wollten kichern und die Stirn runzeln und den Kopf schütteln und uns auf die Schenkel schlagen, wir wollten uns einmal mehr und neu und frisch einfangen lassen von dieser unwiderstehlichen Gedanken- und Zwerchfellgrazie, vom Seelencharme eines Menschen, der unser aller Leben dermaßen verhext hatte, und wir wussten es schon jetzt: Wenn die letzte Seite des zehnten Buchs umgeblättert wäre, würden wir wieder von vorn beginnen." (S. 36f)

Vincent Bär wächst mit von Literatur besessenen Eltern, seiner Schwester Elfi und seinem Bruder Marcellus auf. Als er zehn Jahre alt ist, verschwindet seine Mutter spurlos. Der Verlust reißt ein großes Loch in die Familie, das alle auf ihre Weise versuchen, zu füllen: Elfi jagt dunkler Teilchenmaterie hinterher, Marcellus sucht sein Glück in der Filmbranche und Vincent wird besessen vom Schriftsteller Laurence Sterne, insbesondere von seinem 9 Bände umfassenden Werk um Tristram Shandy. Und der Vater füllt die Lücke mit Lesen und der Suche und Bewertung von literarischen Redewendungen und dem Zählen von Satzwiederholungen in Büchern.
Als Vincent bei einem Sterne-Fan-Treffen in Coxwold verweilt, bekommen er und zwei seiner Bekannten, die ebenfalls Shandy-Anhänger sind, ein unwiderstehliches Angebot: Ein zehnter Band von Tristram Shandy soll entdeckt worden sein und sie sollen dessen Echtheit überprüfen. Nachdem sie die ersten zwei Kapitel gelesen haben, ist Vincent fest entschlossen, auch den Rest des Buches zu besitzen. Durch diese Obsession entwickelt sich eine skurril absurde, teils humorvolle, teils tragische und unerwartete Geschichte.

Mein Eindruck:
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"Schreiben heißt: Etwas, das nicht geschehen ist, so zu erzählen, dass der Leser glaubt, es sei geschehen. Beim Lesen und Zuhören ist es genauso. Nur andersherum. Du bist auf einem guten Weg, Vince.«" S. 108)

Dies war das erste Buch des Autors, das ich gelesen habe und ich habe eine Weile gebraucht, in die Handlung hinein zu finden. Offen gestanden war ich bis zur Hälfte gar versucht, das Buch abzubrechen. Der Anfang war zunächst gut, die Erzählung ist aus der Ich-Perspektive von Vincent geschrieben und somit erlebt man die Ereignisse aus seinem Kopf heraus. Mit dem Fantreffen wird schnell ein Trigger gesetzt, weil man wissen möchte, ob das Buch echt ist und wie die Handlung weitergeht. Leider verliert sich direkt im Anschluss die Geschichte, indem der Erzähler sehr lang und ausschweifend aus seiner Kindheit erzählt, die Literaturliebe seiner Eltern und zwischendurch über seinen geliebten Schriftsteller Sterne oder das Leben im Allgemeinen philosophiert. Dabei ist die Sprache, die er verwendet, sehr poetisch und ausschweifend. Erst gegen Ende fügen sich langsam die Puzzleteile ineinander und es kommt zu sehr vielen situationskomischen Szenen, bei denen ich pures Kopfkino hatte und mich sehr amüsiert habe.

Ich bin tatsächlich hin- und hergerissen, ob ich das Buch genial finden soll oder zu viel des Guten. Wenn man den Roman eine Weile wirken lässt, dann gibt es viele Passagen, die Sinn machen und einen zum Nachdenken anregen. Es werden viele Aspekte angesprochen wie Literatur, Sprache und die Bedeutung des Schreibens, aber auch andere Medien, das Universum und das Leben an sich werden stellenweise lange reflektiert. Für einen Roman wirkt das manchmal ablenkend sowie spannungsmindernd und ich gebe zu, dass ich einige Passagen quergelesen habe, weil sie mir nicht zielführend erschienen. Auf der anderen Seite haben mich die Ausführungen stellenweise gepackt und ich konnte nicht aufhören zu lesen, bis die Auflösung mich das Buch hat zufrieden zuklappen lassen. Philosophieren kann Herr Orths, ebenso mit Sprache umgehen, aber manchmal verliert er dabei den roten Faden. Dennoch hat dieses Werk mir weitestgehend gefallen, weil es sich erfrischend von anderen Romanen abhebt.

Fazit:
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Erfrischend anderer Roman über Literatur und das Leben, stellenweise aber sehr ausschweifend erzählt.

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Veröffentlicht am 12.05.2026

Toxische Freundschaft auf dem Land

Spielverderberin
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Gestaltung:
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Das Titelbild fand ich sehr spannend, denn es bietet Interpretationsspielraum. Es zeigt drei unterschiedlich farbige Schuhe, einer davon in dominantem Rot in der Mitte. Wahrscheinlich ...

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Das Titelbild fand ich sehr spannend, denn es bietet Interpretationsspielraum. Es zeigt drei unterschiedlich farbige Schuhe, einer davon in dominantem Rot in der Mitte. Wahrscheinlich der von Romy. Daran angelehnt je ein grüner und ein blauer Schuh, vermutlich von Sophie und Lotte. Dieses Symbol für die Freundschaft der drei Mädchen gefiel mir, weil es ungewöhnlich ist. Die Farben sind dagegen eher gedeckt, daher wirkt das Bild etwas altmodisch und springt einem nicht sofort ins Auge. Im Laden hätte ich das Buch wahrscheinlich übersehen.

Inhalt:
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Lotte und Sophie sind in Bauernschaften im Süthland aufgewachsen. Man kennt sich und sieht sich jeden Tag und ist eng miteinander befreundet. Als die beiden in die Oberstufe des Gymnasiums gehen, zieht Romy aus München in die Nähe und freundet sich mit ihnen an. Sie ist ganz anders als die "Mädchen vom Land": unabhängiger, klüger, selbstbewusster und wilder. Vor allem Sophie ist davon sehr beeindruckt, aber Romy fühlt sich besonders mit Lotte eng verbunden. Kann eine solche Dreierkonstellation auf Dauer gut gehen?

Mein Eindruck:
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"»In dem Haus wohnen wieder Menschen«, sagte sie. Mein Kopf schoss hoch, in der Dämmerung war Romys Gesicht wie ausgebleicht. »Ich bin hingefahren«, sagte sie, »als die Umzugsfirma gerade da war. Sie haben etwas gefunden, im Keller.«Ich schnappte nach Luft. »Was haben sie gefunden?«»Keine Ahnung, aber sie haben die Polizei gerufen.«" (S. 25f)

Wie bereits erwähnt, hätte mich das Cover trotz seiner Symbolik nicht direkt angesprochen. Der Klappentext dagegen klang zunächst interessant.
Die Geschichte wird aus Sophies Perspektive in der Ich-Form erzählt, somit erlebt der Leser das Geschehen aus einem einseitigen, subjektiven Winkel heraus. Und genau das war das Problem für mich. Sophie ist mir von Anfang an nicht sympathisch gewesen. Sie hat ein sehr schwaches Selbstbewusstsein und permanent Komplexe, weil sie "vom Land" ist. Obwohl sie schon lange vorher mit Lotte befreundet war, versucht sie nicht nur, die Freundschaft zu Romy zu forcieren, sondern verübelt auch Lotte, dass diese mit Romy ebenfalls befreundet ist. Sie würde gerne Romy für sich alleine haben und entwickelt dahingehend eine regelrechte Obsession.
Der Leser hängt sehr in Sophies Gedankenkarussell fest, das um die Faszination für Romy, das schlechte Gewissen gegenüber Lotte und die Unterschiede Stadt- zu Landmenschen kreist. Das fand ich auf Dauer sehr nervend und teils auch langweilig.
Der einzige Grund, das Buch bis zum Ende durchzulesen, war das Geheimnis um Lottes Gesundheitszustand bzw. den Unfall, der dazu führte. Sophie erzählt im Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart, sodass die Handlungsstränge sich gegenseitig immer wieder unterbrechen und man neugierig auf die Auflösung wird.
Leider ist das Ende dann weniger spektakulär als erhofft und gerade als es spannend wird, ist der Roman auch schon zu Ende.
Mich konnte das Buch leider nicht erreichen, ich habe mich die meiste Zeit eher durchgequält. Zudem hat man durch die einseitige Erzählperspektive nicht viel über die Gedanken und Emotionen von Romy und Lotte erfahren. Vor allem Lotte blieb eine sehr blasse Figur.

Fazit:
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Sehr eindimensional erzählter Roman über eine toxische Dreier-Freundschaft mit wenig Spannung und enttäuschender Auflösung.

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Veröffentlicht am 11.05.2026

Besser miteinander statt übereinander reden!

Obacht!
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Das Titelbild ist schon ein echter Eyecatcher. Vor allem die riesige schwarze Pranke, die unter einer Decke hervorlugt, macht neugierig. Drum herum stehen lauter lustige Gestalten, ...

Gestaltung:
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Das Titelbild ist schon ein echter Eyecatcher. Vor allem die riesige schwarze Pranke, die unter einer Decke hervorlugt, macht neugierig. Drum herum stehen lauter lustige Gestalten, die erstaunt nach oben gucken. Diese amüsanten Illustrationen findet man in der gesamten Erzählung wieder. Mir fiel auf, dass die verwendeten Farben Schwarz, Rot und Orange eher nach 70er-Jahre aussehen und das Buch auf diese Weise nostalgisch wirkt. Besonders deshalb gefiel es mir sehr gut, denn es ist – ebenso wie die Geschichte – zeitlos.

Inhalt:
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In einer Stadt ohne spezifischen Namen leben sehr unterschiedliche Wesen: der Wimpf, der Wompf, Timpe-Ma mit dem Timpe-Pa und das Mienchen. Eines Tages beobachtet der Wimpf von seinem Turm, dass vor der Stadt ein riesiges, unbekanntes Tier liegt und schläft. Ohne diese Tatsache näher zu hinterfragen, sind die Bewohner sich einig, dass sie etwas DAGEGEN machen müssen. Also lassen sie sich einiges einfallen, um von dem Tier nicht mehr gestört zu werden: Sie bedecken es, sie bauen eine Brücke darüber und vieles mehr. Aber nichts löst das "Problem" und dem Mienchen gefällt das gar nicht. Es möchte, dass man mit dem Tier redet. Doch keiner hört zunächst auf das Mienchen...

Mein Eindruck:
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Gleich vorweg: Dieses Kinderbuch ist liebevoll illustriert und die Geschichte ist zwar einfach, aber prägnant geschrieben, sodass nicht nur Kinder, sondern auch alle (vor)lesenden Erwachsenen ihre helle Freude daran haben werden.
Die Autorin hat hier auf sehr anschauliche und auch amüsante Weise geschildert, auf welche absurde Ideen Menschen oft kommen, um ein Problem "lösen" zu wollen. Dabei übersehen sie jedoch oft die Ursache und dass man manchmal auch Probleme sieht, wo gar keine sind. Wir lassen uns oft schnell blenden von unbekannten Wesen oder Situationen, dass wir gleich in den Angst- und Abwehrmodus gehen, anstatt genauer hinzuschauen. Wir reden lieber über andere als mit ihnen und übersehen dabei, dass man sonst viel besser zu einer Lösung käme. Hier kann sich jeder wiedererkennen, denke ich. Obwohl man beim Lesen aufgrund der lustigen Bilder und scheinbar irrsinnigen Ideen der Leute im Buch schmunzeln muss, so verfehlt besonders das Ende, in dem das Mienchen die Kommunikation mit dem Tier sucht, seine Wirkung nicht.
Die Botschaft, dass die Lösung oft einfach in direkter Kommunikation und Ursachenforschung liegt, ist angekommen und jeder sollte sie sich zu Herzen nehmen!

Fazit:
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Kinderbuch, das auf liebevolle Weise auch Erwachsenen die klare Botschaft vermittelt, wie wichtig Toleranz und direkte Kommunikation ist.

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Veröffentlicht am 01.05.2026

Das intensive Leben einer starken Frau

Schwebende Lasten
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Das Titelbild ist sehr unscharf. Es sind mehrere Frauen und ein Kind zu erkennen. Für mich symbolisiert es mehrere Momente, die fotografisch übereinander in einer Collage dargestellt ...

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Das Titelbild ist sehr unscharf. Es sind mehrere Frauen und ein Kind zu erkennen. Für mich symbolisiert es mehrere Momente, die fotografisch übereinander in einer Collage dargestellt sind. So, als wäre der Fotograf schnell durch die Zeit gereist. Es macht neugierig und passt sehr gut zu diesem intensiven Roman.

Inhalt:
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Hanna muss sich bereits in jungen Jahren bewähren. Ihre Mutter starb, als sie noch ein Kind war, ihr Vater war Pole und hat die Familie kurz nach Hannas Geburt verlassen. Aufgewachsen ist sie mit ihrer großen Schwester Liese und ihren Halbschwestern Rose und Margarete.
Vor allem Rose behandelt Hanna nicht besonders gut. Aber sie lernt bei ihr das Blumenbinden. Ihre Liebe zu Blumen wird bis zum Lebensende halten und eine stete Konstante sein. Sie heiratet, erlebt den Zweiten Weltkrieg, bekommt mehrere Kinder, von denen einige als Totgeburt zur Welt kommen und eins verliert sie im Krieg. Nach dem Krieg wird sie Teil der neu gegründeten DDR und Blumenbinden ist nicht mehr gefragt. So wird sie Kranfahrerin und zwar eine sehr gute. Von dort oben kann sie im Werk die Mitarbeiter beobachten und sich ihre Gedanken über die Welt machen.

Mein Eindruck:
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"Hanna existierte. Nicht mehr und nicht weniger. Sie hatte versucht, über das Menschsein nachzudenken, war aber zu keinem Ergebnis gekommen, außer dass Blumen ihr menschlicher
vorkamen als ihre eigene Gattung. Sie hatte schon lange keine mehr wahrgenommen, seit sie mehr Zeit auf dem Dorf verbrachte als in der Stadt."(S. 102)

Mir gefiel das Buch sehr gut. Der Schreibstil ist nüchtern und dennoch oder gerade deshalb übte der Roman einen starken Sog auf mich aus. Hannas Schicksal ist hart und es gibt viele sehr detailliert beschriebene Situationen, vor allem im Krieg. Ich dachte oft: Wie hält die Frau das aus und macht trotzdem immer weiter?
Von ihren Gefühlen bekommt man beim Lesen wenig mit. Hanna machte auf mich eher den Eindruck, dass sie versucht, sehr rational und funktional an alle Probleme heranzugehen. Sie stumpft innerlich ab und schafft es nur so, weiter zu funktionieren. Während ihr Mann früh Invalide wird durch einen Werksunfall und sich dem Alkohol widmet, entfacht in Hanna immer wieder die Kraft, weiterzumachen, um für ihre Familie zu sorgen.
Vor allem die Beschäftigung mit Blumen richtet sie auf und gibt ihr Kraft. So beginnt auch jedes Kapitel passend zum Inhalt mit dem Namen und der Kurzbeschreibung einer Pflanze. Mir hat dieses Stilmittel sehr gut gefallen und nebenbei habe ich viel über Botanik gelernt.
Als ich über den Titel "Schwebende Lasten" nachdachte, kam mir in den Sinn, dass er zweideutig gemeint sein könnte. Zum einen bezeichnet er die Lasten, die durch den Kran transportiert werden und ist somit Symbol für die Kranfahrertätigkeit von Hanna. Zum anderen bedrohen aber auch immer wieder viele Schicksalsschläge ihr Leben und schweben als Lasten darüber. Diese Anspielung und Mehrdeutigkeit gefiel mir sehr gut.
Ich habe diesen Roman verschlungen. Bei den schlimmeren Szenen verhielt es sich wie bei einem Unfall: Man will nicht hinsehen, aber man kann auch nicht wegsehen. Und so musste ich diese Erzählung immer weiterlesen, um zu erfahren, wie Hanna weitermacht und wie alles endet.
Das Buch hallt noch lange in mir nach und hat mir durch die Intensität sehr viel Nachdenkenswertes beschert.

Fazit:
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Intensiv und fesselnd erzählt - es hallt noch lange nach.

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Veröffentlicht am 29.04.2026

Zwei Frauenschicksale durch ein Gemälde verbunden

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
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Das Titelbild zeigt ein buntes Leinwandbild, dem man ansieht, dass die Farben wild gemixt sind, ohne etwas Konkretes darstellen zu wollen. Es ist sehr auffallend und daher wird ...


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Das Titelbild zeigt ein buntes Leinwandbild, dem man ansieht, dass die Farben wild gemixt sind, ohne etwas Konkretes darstellen zu wollen. Es ist sehr auffallend und daher wird man schnell auf dieses Buch aufmerksam. Es passt auch gut zur Handlung.

Inhalt:
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Zwei Frauen, zwei Zeitebenen:
Im Jahr 1945 sitzt die junge Marlen auf der Flucht vor den Russen in einer Kommodenschublade in einem verlassenen Güstrower Forsthaus. Darin befindet sich ein Gemälde, das sie versehentlich beschädigt. Es wird ihr ganzes Leben verändern, ebenso wie die ältere Wilma, der sie dort begegnet.

Im Jahr 2023 lebt die 34-jährige Hannah in Berlin. Sie ist ledig und Tochter einer alleinerziehenden Mutter, die jedoch bereits verstorben ist. Sie war gerade mit ihrem Leben zufrieden, als ihre beste Freundin und WG-Mitbewohnerin mit ihrem Partner wegzieht und Hannah damit in eine Sinnkrise stürzt. Kurz darauf meldet sich ihr Vater plötzlich bei ihr, mit dem sie zuvor lange keinen Kontakt hatte. Während sie versucht, herauszufinden, weshalb er sie ausgerechnet jetzt kontaktiert, findet sie gleichzeitig auch wieder zu sich selbst.

Mein Eindruck:
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"Noch als alte Frau sollte sich Marlen daran erinnern, wie ihr zum ersten Mal dieser Geruch in die Nase gestiegen war. Der Geruch nach Ölfarbe, Leim und Terpentinöl. Chemisch und satt, verheißungsvoll" (S. 40)

Dies ist der dritte Teil der Reihe über die Borowski-Frauen. Ich kannte bisher den zweiten Band "Bei euch ist es immer so unheimlich still", der Hannahs Mutter Silvia und ihre Großmutter Evelyn behandelt. Nachdem ich diesen verschlungen hatte, war ich gespannt auf den neuen Roman.

Vorweg: Man kann dieses Buch sehr gut ohne Kenntnisse der anderen Erzählungen lesen, aber manche Beziehungen werden mithilfe der ersten beiden Bände nachvollziehbarer.

Frau Schröder bleibt ihrem Erzählstil treu: Sie verwendet die beiden Zeitebenen abwechselnd und hält die Kapitel stets relativ kurz. Dadurch entfaltet sich ein Sog, der einen das Buch nicht mehr aus der Hand legen lässt. Man möchte wissen, wie es jeweils weiter geht und vor allem, welche Rolle das Gemälde dabei spielt.

Die Handlung wird dabei vorwiegend aus den Perspektiven von Marlen und Hannah erzählt, stellenweise rücken kurzzeitig auch andere Frauen in den Mittelpunkt. Besonders anhand von Marlens Schicksal kann man sehr deutlich spüren, wie schwer es Frauen nach dem Zweiten Weltkrieg hatten. Auch die Kunstwelt war noch sehr von Männern dominiert. Marlen lässt sich von Wilma aus Dankbarkeit für die Aufnahme in deren Haus leider sehr lange ausnutzen.

Hannah hingegen verkörpert eine typische moderne Frau, die zwar eigenständig ist, aber ständig auf Sinnsuche und die aufgrund ihrer gefühlt unvollständigen Familie häufig mit sich selbst hadert.
Die beiden Frauen eint, dass sie ihre Wurzeln kennen, aber letztendlich über sich selbst hinaus wachsen müssen, um über eine selbst gewählte Familie glücklich zu werden.

Mir hat die Geschichte insgesamt gut gefallen. Durch den ruhigen Erzählstil und die detaillierten Beschreibungen der Figuren mit ihren Emotionen konnte ich mich in alle Charaktere einfühlen. Enttäuscht war ich allerdings vom Ende. Die Verbindung, die laut Titel durch das Gemälde geschaffen werden sollte, konnte mich leider nicht überzeugen. Sie spielte nur am Rande eine Rolle.

Fazit:
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Der dritte Teil der Reihe war leider etwas schwächer als der Vorgänger, vor allem die Verbindung beider Schicksale hat mich nicht überzeugt.

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