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Veröffentlicht am 08.03.2017

Fremde Welten und die Jagd auf den großen Weißen

Creature. Gefahr aus der Tiefe
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Der junge Ismael lebt auf der Erde, die sich in der Zukunft, in der das Buch spielt stark verändert hat. Die Meere sind ausgetrocknet und es gibt nur sehr wenig Trinkwasser. Am Himmel ist so viel Dunst ...

Der junge Ismael lebt auf der Erde, die sich in der Zukunft, in der das Buch spielt stark verändert hat. Die Meere sind ausgetrocknet und es gibt nur sehr wenig Trinkwasser. Am Himmel ist so viel Dunst und Staub, dass man weder Sterne noch Mond sehen kann. Statt normalem Essen müssen sich die hart arbeitenden Menschen von einer Art künstlicher Paste ernähren. Dem allen will Ismael entfliehen und hofft, auf einem anderen Planeten genug Geld zu verdienen, um auch seine Adoptiveltern von der Erde holen zu können. Kurz vor dem Abflug gibt ein guter Freund seiner Eltern ihm seltsame Hinweise...

Er wird nach Cretacea geschickt und muss auf dem Schiff Pequod seine Arbeit verrichten. Dort trifft er andere Jugendliche und natürlich den Steuermann Starbuck und später auch den Kapitän Ahab. Ahab ist besessen von der Jagd auf einen großen weißen Terrafin. Damit bringt er seine Crew in Lebensgefahr.


Natürlich ist dieses Buch an „Moby Dick“ angelehnt. Jedoch frage ich mich, wer aus der Zielgruppe (schließlich soll es ein Jugendbuch sein) das Original überhaupt gelesen hat. Grundsätzlich ist Rhues Idee aber sehr spannend, er verlegt die Handlung in die Zukunft, ferne Planeten und fast schon mystische Kreaturen bestimmen das Leben auf dem Schiff. Der Autor wirft im Verlauf des Buches viele Fragen auf und bringt Ideen ein, die gut in das Buch passen.

Leider hat sich bei mir keine durchgehende Spannung aufgebaut. Über längere Strecken fand ich es eher langatmig und besonders die Szenen auf dem Schiff waren für mich einfach nicht gut genug beschrieben.


Vielleicht waren meine Erwartungen auch zu hoch, schließlich ist der Autor sehr bekannt. Vor allem, weil auch hier ein kritisches Thema (Umweltverschmutzung) im Buch vorkommen sollte. Für mich wirkte es aber eher wie ein Abenteuerroman, bei dem die Jugendlichen von einer ausweglosen Situation in die nächste schlittern. Die Umwelt kommt für mich nur sehr am Rande vor, fast als müsse der Autor ganz am Ende des Buches noch schnell einen moralischen Fingerzeig einbauen.


Alles in allem ein Buch voller guter Ideen, die aber zu wenig ausgereizt wurden. Flüssig und gut geschrieben, trotzdem mit ein paar Längen.

Veröffentlicht am 07.02.2017

Ein etwas anderer "Irland-Krimi"

Rain Dogs
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Oft verbindet man Irland mit sanften, grünen Hügeln, wolligen Schafen und alten Cottages. Vielleicht ein guter Schauplatz für Krimis, aber dennoch eine friedliche und ruhige Atmosphäre.


Adrian McKintys ...

Oft verbindet man Irland mit sanften, grünen Hügeln, wolligen Schafen und alten Cottages. Vielleicht ein guter Schauplatz für Krimis, aber dennoch eine friedliche und ruhige Atmosphäre.


Adrian McKintys Irland ist davon weit entfernt. „Rain Dogs“ ist bereits der fünfte Fall für den sympathischen Ermittler Sean Duffy, aber gut einzeln lesbar. Alle Bücher spielen im Nordirland, vor der tristen Kulisse des Belfast der späten 80er Jahre. Die „troubles“ sind in vollem Gange, die Zustände ähneln einem Bürgerkrieg. In diesem Zusammenhang wundert es nicht, dass immer wieder betont wird, dass Duffys Katholik ist, denn diese sind normalerweise nicht gut auf die Polizei zu sprechen. Duffy selbst ist eher unpolitisch, obwohl die Unruhen sein Verhalten prägen: So sieht er vor jeder Fahrt unter sein Auto um es auf Autobomben zu kontrollieren.


Den Inhalt - also vor allem den Fall, den Sean Duffy dieses Mal lösen muss - zu beschreiben, würde diesem Krimi nicht gerecht werden. Duffy ist ein genialer Charakter, der viel über Musik weiß, ein gutes kriminalistisches Gespür hat und einen weichen Kern unter seiner rauen Schale verbirgt. Ein Polizist, der Lust auf eine Fortsetzung macht!


Ein paar Wort möchte ich aber doch über die Ermittlungen verlieren, denn der Fall ist spannend gemacht: Eine junge Reporterin ist mit einer finnischen Delegation in Belfast. Nach einer Besichtigung des Carrickfergus Castle wird sie nicht mehr gesehen. Am nächsten Morgen findet der Museumswart der Burg sie tot im Innenhof, offenbar ist sie von der Mauer gesprungen. Da die Burg verschlossen war, muss es sich um Selbstmord handeln. Doch Duffy hat Zweifel und verfolgt die Spuren weiter. Dabei kann er sich sowohl auf seinen Instinkt, als auch auf die Ermittlungsergebnisse der Kollegen verlassen. Ein gut gemachter Plot, der spannend bis zum Schluss ist.


Fazit: Absolut empfehlenswerter Krimi, der mich gut unterhalten hat und ganz nebenbei ein interessantes Bild Irlands zeigt!

Veröffentlicht am 04.02.2017

Ich hatte mehr erwartet...

Samariter
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Die Geschichte beginnt spannend: Faith fährt mitten in der Nacht durch die einsamen Landstraßen zwischen den Zuckerrohrfeldern nach Hause. Es regnet stark, sie weiß nicht genau, wo sie ist und sie hat ...

Die Geschichte beginnt spannend: Faith fährt mitten in der Nacht durch die einsamen Landstraßen zwischen den Zuckerrohrfeldern nach Hause. Es regnet stark, sie weiß nicht genau, wo sie ist und sie hat einiges getrunken. In einer kleinen Ortschaft beschließt sie, ihren Rausch auszuschlafen und eine Pause zu machen. Sie möchte nicht, dass ihr Mann herausfindet, dass sie mit ihrer kleinen Tochter auf dem Rücksitz betrunken gefahren ist. Als eine junge Frau an ihre Scheibe klopft, entscheidet Faith ihr nicht zu helfen. Während das noch als Angstreaktion gelten mag, ist es vollkommen unverständlich, warum Faith niemanden benachrichtigt als sie sieht das diese Frau verschleppt wird.
Faith weiß, dass sie ihre Ehe zerstören würde, wenn sie etwas sagt, denn sie hat seit längerem ein Alkoholproblem. Aber sie verschließt auch die Augen vor jeglichen Konsequenzen und verliert langsam aber sicher die Kontrolle über ihr Leben.

Obwohl es um zwei skrupellose Serienmörder geht, steht Faith im Mittelpunkt der Geschichte. Sie trifft dabei eine Reihe von falschen Entscheidungen und schafft es irgendwann nichtmehr sie zu korrigieren. Das ist psychologisch interessant und natürlich kann man sich an diversen Stellen fragen, wie man selbst gehandelt hätte. Am liebsten hätte ich aber Faith geschüttelt und ihr gesagt sie solle sich endlich mit ihrer Sucht auseinandersetzten. Das ist für mich das Kernthema gewesen, das über allem liegt. Das ist zwar interessant, hätte aber keine sadistischen, grausamen Serienmörder gebraucht, die reihenweise junge Frauen töten.
Das Ende kam dann doch sehr überraschend, aber vielleicht ist es nur konsequent.

Das beste an diesem Hörbuch war für mich die Stimme von Andrea Sawatzki. Sie spricht die unterschiedlichen Charaktere (vor allem die kleine Tochter von Faith) toll und ich konnte ihr gut zuhören.

Veröffentlicht am 04.02.2017

Krimi-Festival in der Normandie

Bitterer Calvados
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Dies ist bereits der dritte Band um den französischen Kommissar Leblanc, doch man kann ihn auch gut ohne Vorkenntnisse lesen.


Im beschaulichen Küstenort Deauville findet ein Krimi-Festival statt und ...

Dies ist bereits der dritte Band um den französischen Kommissar Leblanc, doch man kann ihn auch gut ohne Vorkenntnisse lesen.


Im beschaulichen Küstenort Deauville findet ein Krimi-Festival statt und der berühmte Autor Jean-Paul Picard, von allen nur JPP genannt, hat sich angekündigt. Leblanc bekommt sogar Karten für seine erste Lesung und kann sich von JPPs anziehender Wirkung (besonders auf das weibliche Publikum) überzeugen.

Am nächsten Morgen ist JPP tot und je länger Leblanc und seine Kollegin ermitteln, desto länger wird die Liste der Verdächtigen. Es stellt sich heraus, dass JPP kein sympathischer Zeitgenosse war und sich oft unbeliebt gemacht hat. Während die meisten Verdächtigen nach und nach ausscheiden, dringen die Ermittler immer tiefer in das Privatleben des Autors vor.

Gleichzeit hat Leblanc mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen, denn im Gegensatz zu JPP, hat er kein Glück bei den Frauen.


Mich hat dieses Buch positiv überrascht, das Buch hat nicht nur viel Lokalkolorit und einen sympathischen Hauptcharakter, sondern auch eine solide Krimihandlung. Das Lesen macht Spaß und die Spannung kommt nicht zu kurz!

Veröffentlicht am 02.02.2017

Mord im Spiegelkabinett

Das Buch der Spiegel
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„Ich fand schon immer, nach 300 Seiten sollten Leser etwas mehr bekommen haben als nur die Antwort, wer denn nun Tom, Dick oder Harry umgebracht hat, ganz gleich wie raffiniert und überraschend das Ganzes ...

„Ich fand schon immer, nach 300 Seiten sollten Leser etwas mehr bekommen haben als nur die Antwort, wer denn nun Tom, Dick oder Harry umgebracht hat, ganz gleich wie raffiniert und überraschend das Ganzes gestrickt sein mag.“

(Aus dem Nachwort des Autors)


Das Buch gliedert sich in drei Teile, jeder erzählt aus einer anderen Perspektive. Es beginnt mit dem Literaturagenden Peter Katz, der regelmäßig Manuskripte erhält um sie für seinen Verlag zu prüfen. Er erhält einen Brief von Richard Flynn, der ihn neugierig macht. Er enthält den ersten Teil eines Manuskriptes, in dem Flynn von seiner eigenen Studentenzeit in Princeton schreibt. Dort wohnt er mit der charismatischen Laura zusammen und lernt über sie Professor Joseph Wieder kennen. Das Manuskript endet mit der Andeutung, Flynn wisse wer Wieder ermordet hat.

Peter Katz versucht an das vollständige Manuskript zu kommen, dies stellt sich als schwieriger heraus, als er dachte. Katz bittet seinen sein, den Autor John Keller ihm zu helfen.


Im zweiten Teil begleiten wir John Keller bei seinen Recherchen zum Mordfall Joseph Wieder. Er besucht Menschen, die im Manuskript erwähnt werden und erfährt dabei eine ganz andere Geschichte. Seine Recherchen und das unvollendete Manuskript übergibt er der Polizei.


Im dritten Teil macht sich der Expolizist Roy Freeman auf die Suche nach der Wahrheit. Freeman war vor vielen Jahren im Ermittlerteam zum den Tod an Joseph Wieder. Er hat den Fall nicht vergessen und liest nun noch einmal die Akten, befragt Zeugen und fördert eine neue Version der Ereignisse zutage.


Ich muss zugeben, dass mich Titel und Cover vielleicht ein wenig in die Irre geführt haben. Das Buch ist gut zu lesen, der Stil ist angenehm leicht und flüssig. Auch der rote Faden geht nie verloren, selbst wenn man nicht weiß, welche Version der Ereignisse die richtige ist. Daneben geht der Autor auch immer ein wenig auf das Privatleben der jeweils erzählenden Hauptperson ein. Man lernt die Menschen kennen, auch wenn immer wieder bewusst wird, dass man nur die Oberfläche sieht.


Der Autor Eugen Chirovici stammt aus Transsilvanien und hat u.a. deutsche Wurzeln. In seiner Heimat hat er schon mehrere erfolgreiche Bücher veröffentlicht und sich mit geschichtlichen Themen auseinander gesetzt. Einige Anspielungen darauf findet man sicher auch in diesem Buch, vor allem hat Chirovici aber einen unterhaltsamen Roman geschrieben, der auch ein Krimi sein könnte.