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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.09.2025

Zweite Chancen

Das erstaunliche Leben des A.J. Fikry
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Das Buch hat mir insgesamt gut gefallen, auch wenn es einige Schwächen aufweist. Besonders positiv hervorzuheben ist die Sprache – sie hat mir sehr zugesagt und an vielen Stellen sogar berührt. Es gab ...

Das Buch hat mir insgesamt gut gefallen, auch wenn es einige Schwächen aufweist. Besonders positiv hervorzuheben ist die Sprache – sie hat mir sehr zugesagt und an vielen Stellen sogar berührt. Es gab einige schöne Passagen, die mich emotional mitgenommen haben und das Lesen zu einem angenehmen Erlebnis machten.

Allerdings hatte ich mit dem Aufbau der Geschichte meine Schwierigkeiten. Der Plot wirkte auf mich insgesamt zu hastig erzählt. Manche Szenen schienen überflüssig und trugen wenig zur eigentlichen Handlung bei, während an anderer Stelle wichtige Informationen fehlten, um ein rundes Gesamtbild zu zeichnen. Vor allem die Hintergründe der einzelnen Figuren kamen für meinen Geschmack zu kurz – hier hätte ich mir deutlich mehr Tiefe gewünscht.

Ich glaube, dass dem Buch etwa 50 zusätzliche Seiten gutgetan hätten. So hätte man mehr Raum für Charakterentwicklung und Hintergrundinformationen schaffen können, ohne den Erzählfluss zu verlieren.

Trotz dieser Kritikpunkte habe ich das Buch gerne gelesen. Es ließ sich flüssig lesen und hat mich über weite Strecken gut unterhalten. Es ist aber nicht an „Tomorrow, and Tomorrow, and Tomorrow“ rangekommen für mich.

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Veröffentlicht am 13.08.2025

Zwei Frauen, zwei Fassaden – ein feinfühliger Roman über Nähe und Selbstverlust

Bestie
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Joanas Debütroman ist wirklich beeindruckend. Besonders die Sprache und der Stil haben mir unglaublich gut gefallen. Man merkt deutlich, dass Joana einen literarischen Hintergrund hat – der Stil ist durchdacht ...

Joanas Debütroman ist wirklich beeindruckend. Besonders die Sprache und der Stil haben mir unglaublich gut gefallen. Man merkt deutlich, dass Joana einen literarischen Hintergrund hat – der Stil ist durchdacht und präzise.

Die Handlung dreht sich um die Influencerin Anouk, die eine neue Mitbewohnerin aufnimmt: Delia. Zwischen den beiden entwickelt sich schnell eine Freundschaft, doch es wird zunehmend deutlich, dass Delia Anouk sehr nahe sein – oder sogar wie sie sein– möchte.
Das Buch erzählt auch von zwei Frauen, die in einem patriarchalen System aufwachsen und auf unterschiedliche Weise unter dessen Strukturen leiden – sei es im privaten Raum durch toxische Beziehungen oder im öffentlichen Leben, in dem Frauen oft vorschnell als "die Böse" abgestempelt werden.

Obwohl Anouk und Delia ähnliche Erfahrungen machen und in der jeweils anderen eigentlich eine Leidensgenossin finden könnten, gelingt es ihnen nicht, sich wirklich zu öffnen. Stattdessen halten sie an Fassaden fest und präsentieren sich als etwas, das sie nicht sind.

Es ist klar erkennbar, dass die Geschichte eher charakter- als handlungsgetrieben ist. Im Mittelpunkt steht die innere Entwicklung der Figuren, nicht so sehr ein klarer Plot.
Ich hätte mir stellenweise gewünscht, dass Anouk und Delia ein echtes Gespräch führen, über ihre Ängste, ihre Verletzlichkeit, ihre Erwartungen. Die Kommunikation zwischen ihnen blieb für mein Empfinden manchmal zu oberflächlich.

Einige Fragen blieben für mich offen – was nicht unbedingt schlecht ist. Persönlich bevorzuge ich allerdings Geschichten, die sich für mich "abgeschlossen" anfühlen, was hier nicht der Fall war. Gleichzeitig ist das vielleicht gerade das Realistische an diesem Ende: Zwischenmenschliche Beziehungen haben selten ein klares Ende.

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