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Veröffentlicht am 07.04.2019

Theater, Theater

Das Verschwinden der Stephanie Mailer
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ist im nunmehr dritten Roman des französischen Autors Joel Dicker immer wieder ein Thema, denn bereits seit Jahren findet im zentralen Schauplatz der Handlung, dem kleinen Küstenstädtchen Orphea ...

ist im nunmehr dritten Roman des französischen Autors Joel Dicker immer wieder ein Thema, denn bereits seit Jahren findet im zentralen Schauplatz der Handlung, dem kleinen Küstenstädtchen Orphea in den idyllischen Hamptons nahe New York jeden Sommer ein inzwischen durchaus angesehenes Theaterfestival statt. Im Jahre 1994 fand am Rande der Eröffnungsveranstaltung eine Tragödie statt, die insgesamt vier Opfer forderte - eine dreiköpfige Familie und eine junge Frau. Die herbeigerufenen Ermittler der State Police Jesse Rosenberg und Derek Scott fanden den Mörder schnell.

Nun, zwanzig Jahre später muss sich Jesse Rosenberg von der jungen Journalistin Stephanie Mailer sagen lassen, dass der richtige Mörder noch frei herumläuft. Bevor er mehr erfahren kann, ist sie spurlos verschwunden.

Rosenberg und Scott finden sich in einer Situation, die neue Untersuchungen erfordert, da es weitere Opfer gegeben hat. Dabei werden sie von der lokalen Beamtin Anna Kanner unterstützt.

Und es gibt so einiges, was geklärt werden muss - in der Stadt hat es so einige Entwicklungen gegeben, die nicht allzu stimmig sind. Bald schon deutet sich eine Sensation an: am Eröffnungsabend des Theaterfestivals soll im Handlungsverlauf des aufgeführten Stückes der Name des Mörders verkündet werden.

Alles in allem gibt es eine Menge Hamptons, die jedoch aus meiner Sicht um einiges eindringlicher hätte beschrieben werden können, zwei (von drei) Ermittler, die ein ganz schönes Päckchen zu tragen haben und so einige schräge bzw. ungewöhnliche Charaktere - und eben das Theater.

Beim Eröffnungsstück findet sich neben dem Regisseur, einer Schlüsselfigur aus dem Jahre 1994, so einige Charaktere unter den Schauspielern wieder, die schon vor zwanzig Jahren im Zusammenhang mit den Morden eine kleinere oder auch größere Rolle spielten.

Und immer wieder stellte sich mir die Frage der Authentizität - wie gut kennt der Franzose Dicker die USA und speziell die Hamptons wirklich? Basiert das alles auf Rezipiertem, auf Recherchiertem oder auf Erdachtem?

Leider tun sich in diesem durchaus unterhaltsamen Roman aus meiner Sicht so einige Schwachstellen hinsichtlich Logik und Glaubwürdigkeit auf - auch einiger Klischees hat sich der Autor fleißig bedient. Das gab es auch in den beiden vorherigen Romane des Autors, doch waren diese zu vernachlässigen, was diesmal leider nicht der Fall ist, zumal auch noch etliche Längen dazu kommen.

Süffig zu lesen ist dieser Roman allemal, aber leider definitiv nicht das erhoffte Meisterwerk des Autors. Im Gegenteil muss man sich im Vergleich zu den Vorgängerromanen auf die ein oder andere Enttäuschung gefasst machen.

Veröffentlicht am 05.04.2019

Es war einmal in der Gegenwart

Der Wal und das Ende der Welt
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Drei volle Mahlzeiten von der Anarchie entfernt bewegt man - der Mensch, die Gesellschaft sich stets. Denn: der dauerhafte Verzicht auf die Möglichkeit von drei Mahlzeiten am Tag führt zur Rebellion. Die ...

Drei volle Mahlzeiten von der Anarchie entfernt bewegt man - der Mensch, die Gesellschaft sich stets. Denn: der dauerhafte Verzicht auf die Möglichkeit von drei Mahlzeiten am Tag führt zur Rebellion. Die dann um sich greift und nicht mehr so leicht einzudämmen ist. Dies eine der Quintessenzen dieses heiter-melancholischen Buches.

Diese werden im Umfeld des Wirtschaftswissenschaftlers Joe Haak getätigt. Er nämlich und nicht etwa der titelgebende Wal ist die Hauptfigur dieses Romans. Der allerdings nackig und zudem ohnmächtig am Strand gefunden wurde, unmittelbar nachdem man den Wal sichtete, am Strand des kleinen kornischen Ortes St. Pitrans, der so gar nichts mit den bekannten Urlaubsorten der Region gemein hat - im Gegenteil, er scheint von Gott und der Welt vergessen zu sein.

Joe Haak hat das Computerprogramm Cassie entwickelt, das ökomische Entwicklungen simulieren bzw. bestechend genau voraussagen kann. Jetzt soll die totale Katastrophe nahen. Und genau deswegen bleibt der London Haak in St. Pitrans, dem kleinen Ort, in dem er gerettet wurde - mit dem Ziel, die Menschen, die ihn gerettet haben, nun seinerseits zu bewahren - vor einer furchterregenden, allumfassenden Krankheit!

Autor John Ironmonger führt den Leser auf eine gewisse altbekannte Weise durch die Seiten: Ein Märchen, ein Gleichnis - etwas in diese Richtung, in einer absolut betörenden (und auch so übersetzten) Sprache, aber doch mit einigen erheblichen Längen, die mich beim Lesen ein bisschen trödeln ließen - und zwar wieder und wieder. Da wird auch das Heiter-Melancholische mal - wenn auch nur kurz - zur Qual!

Zudem gibt es mannigfaltige Wiederholungen in Form von Feststellungen, die nacheinander von unterschiedlichen Leuten zum Ausdruck gebracht werden Beispielsweise: "Er ist gar kein richtiger Arzt" und dann wenig später"ich muss Ihnen sagen, ich bin gar kein richtiger Arzt"). Aus meiner Sicht manchmal ein bisschen zu viel.

Originell und streckenweise liebenswert fand ich dieses Buch, dann jedoch auch wieder sehr behäbig. Man muss als Leser schon einen Sinn haben für gemächliche skurrile Entwicklungen, damit man hier am Ball bleibt und sein Leseerlebnis ausgiebig genießen kann.

Veröffentlicht am 03.04.2019

Leben mit (nicht nur) einem Lied

Madame Piaf und das Lied der Liebe
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Je ne regrette rien! Nach diesem Motto, das der Titel ihres mit Abstand berühmtesten Liedes werden sollte, lebte Edith Piaf offenbar schon in ihren jüngeren Jahren: bevor sie berühmt wurde. Ein tristes ...

Je ne regrette rien! Nach diesem Motto, das der Titel ihres mit Abstand berühmtesten Liedes werden sollte, lebte Edith Piaf offenbar schon in ihren jüngeren Jahren: bevor sie berühmt wurde. Ein tristes Leben garniert mit Begegnungen mit den richtigen Menschen - so hat sie es etwas gebracht.

Dieses Buch behandelt die letzten Kriegsmonate und die unmittelbare Nachkriegszeit, in der die Piaf wie so viele ihrer Landsleute in den Verdacht geriet, gemeinsame Sache mit den Boches, den Deutschen also, gemacht zu haben. Dabei hatte sie - so ihre Darstellung - doch nur die kriegsgefangenen französischen Soldaten unterhalten. Sie kam gerade noch so davon.

Es sind Männer, die ihr weiterhelfen, mit vielen verbindet sie mehr als das berufliche Interesse, doch dann stößt sie auf einen, mit dem es läuft wie mit keinem. Ganz anders nämlich.

Es handelt sich um Ivo Livi, groß und hübsch und etliche Jahre jünger als sie. Er wird zu ihrem Protegé und bald auch Liebhaber. Der Name sagt Ihnen nichts? Nun, dann aber vielleicht sein Künstlername, Yves Montand nämlich. Wird es einen gemeinsamen Weg für sie beide geben?

Insgesamt ist dies aus meiner Sicht ein mäßig unterhaltsamer Roman, in dem die politische und gesellschaftliche Situation in jener Zeit eine vollkommen minimale Rolle spielt. Es geht wirklich fast ausschließlich um Edith Piafs Karriere und die damit verbundenen Entwicklungen, es kommen reihenweise Charaktere vor, die meiner Ansicht nach im Anhang hätten einzeln aufgeführt werden müssen. So erfuhr ich die Lektüre als ziemlich verwirrend.

Ja, der Leser macht einen Sprung in das Leben des Spatzen von Paris, doch ist dies aus meiner Sicht ein ziemlich verwirrender Sprung!

Veröffentlicht am 01.04.2019

Bitte bring mich zum Beben" (S.153)

Kaschmirgefühl
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Dieser Satz fällt während eines Gesprächs bei einer Sexhotline. Es ist kein gewöhnliches Gespräch,denn beide Teilnehmer haben Namen: Yvonne und Joe nämlich. Ach nein, heißen sie doch Marie und Gottlieb?

Was ...

Dieser Satz fällt während eines Gesprächs bei einer Sexhotline. Es ist kein gewöhnliches Gespräch,denn beide Teilnehmer haben Namen: Yvonne und Joe nämlich. Ach nein, heißen sie doch Marie und Gottlieb?

Was stimmt, was ist wahr, was erfunden? Diese Frage stellt sich der Leser nicht nur an diesem Punkt, nein, eigentlich ist jede Aussage der beiden Telefonpartner fragwürdig.

Es ist zunächst ein unverbindliches Geplänkel, aus dem irgendwann mehr wird. Ein "Mehr", das man als alles Mögliche bezeichnen kann, nur nicht als Telefonsex. Oder wenn, dann nur am Rande.

Worauf die beiden bzw. der Anrufer; nennen wir ihn nun Gottlieb, hinauswollen? Verrate ich Ihnen nicht, nur so viel, es kommt noch eine zweite Marie im Gespräch vor, ein Kind, eine Lehrerin und ein Hausmeister. Hilft Ihnen nicht viel weiter?

Soll es ja auch nicht, denn so ein kurzer Text ist schnell gelesen, sofern Sie sich dazu entschließen. Keine Frage, es ist eine kurzweilige Lektüre, denn Bernhard Aichner schreibt gewohnt leichtfüßig und eloquent. Weswegen ich ihn ja auch sehr schätze.

Allerdings macht es für mich einen Unterschied, ob er diese Fertigkeiten in das eher schwere, düstere Setting seiner Krimis steckt oder in eine von Beginn an federleichte Geschichte, in eine Geschichte mit Kaschmirgefühl. Das stelle ich mir vor als das ultimative Wohlfühlgefühl, eines, in das man während des Lesens einsinkt, um sich nie wieder davon lösen zu wollen.

Dafür war mir die Geschichte zu dünn: anfangs zu belanglos, später dann zu wenig überraschend. Auch wenn ein Roman von Bernhard Aichner natürlich immer lohnenswert ist in dem Sinne, dass er keine verschwende Lebens- und Lesezeit darstellt. Wenn Sie bspw. unbedingt erfahren wollen, wer wen zum Beben bringen soll und warum. Oder auch aus einem anderen Grund. Aichner geht immer - aber sein bester ist das hier nicht. Finde ich zumindest.

Veröffentlicht am 01.04.2019

Heilige unter sich

Unter Heiligen
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leben in Junction, einer kleinen Siedlung am Straßenkreuz. Heilige: so bezeichnen sich die Mormonen selbst. Die hier Ansässigen haben sich zum großen Teil von der Hauptkirche gelöst und praktizieren einen ...

leben in Junction, einer kleinen Siedlung am Straßenkreuz. Heilige: so bezeichnen sich die Mormonen selbst. Die hier Ansässigen haben sich zum großen Teil von der Hauptkirche gelöst und praktizieren einen aus ihrer Sicht freieren, klareren Glauben. Für die meisten von ihnen gehört dazu, entgegen den Maßgaben der Hauptkirche monogam zu leben.

Winter 1888: Allein zu Haus zu sein ist Deborah gewohnt - ihr Mann Samuel ist wie in jedem Jahr als wandernder Handwerker unterwegs. Nur: diesmal ist er nicht wie versprochen und bisher immer gehalten am 1. Dezember zurückgekommen - nun ist es fast Mitte Januar und Deborah wartet noch immer auf ihn. Ohne auch nur daran zu denken, dass ihm etwas zugestoßen sein könnte.

Es stellt sich ein Reisender ein - einer von denen, die Deborah bereits erwartet, wenn auch nicht in dieser Jahreszeit. Gemeinsam mit ihrem Mann Samuel und dessen Stiefbruder Nels ist sie nämlich Teil einer Kette von Verschworenen, die Brüder auf der Flucht vor dem Gesetz unterstützen. Und zwar Andersdenkende: sie werden wegen Polygamie verfolgt und trotz ihrer anderen Haltung unterstützen die Drei die Glaubensbrüder. Doch mit dem neuen Besucher ist etwas anders, das zeigt sich auch darin, dass er von einem Marshall verfolgt wird, nicht von einfachen Ordnungs- und Gesetzeshütern.

Die Autorin schreibt in einem schlichten, sehr klaren Stil. Einerseits ziehen in diesem Roman mehrere Schicksale am Leser vorbei, andererseits jedoch passiert nicht wirklich viel. Doch es wird deutlich, welche Kraft Deborah braucht, um sich ihrem Leben zu stellen, dieses zu meistern in der kargen Einöde Utahs. Mir ist deutlich geworden, dass sie diese Kraft tatsächlich hat. Es ist ein Roman, der viel Trauer, aber ebenso viel Hoffnung beinhaltet. Sehr zu empfehlen für Freunde anspruchsvoller historischer Romane, die gerne auch mal etwas weitab des Mainstream lesen!