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Veröffentlicht am 28.03.2019

Märchenhaftes mit Sogwirkung

Das schönste Mädchen Havannas
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Wie in einem Märchen ist auch hier längst nicht alles gut, was passiert. Doch im Mittelpunkt steht das Schönste überhaupt: eine große, eine unendliche Liebe. Nämlich die von Patricio, der zwischen den ...

Wie in einem Märchen ist auch hier längst nicht alles gut, was passiert. Doch im Mittelpunkt steht das Schönste überhaupt: eine große, eine unendliche Liebe. Nämlich die von Patricio, der zwischen den Weltkriegen völlig verarmt aus dem spanischen Asturien in Kuba aufschlägt und der schönen Gloria, der Sonne Havannas.

Die - ganz nebenbei - leider auch die Ehefrau von Carlos Valdés, einem der größten Gangsterbosse überhaupt auf Kuba ist und ausgerechnet mit dem musste auch Patricio, der zunächst als Schuhputzer jobbt, auch schon Bekanntschaft machen. Keine angenehme, versteht sich!

Doch neben diesen beiden Charakteren gibt es noch einen dritten Hauptdarsteller, nämlich das wunderbare Kaufhaus El Encanto in Havanna, in dem Patricio arbeitet und langsam, aber sicher Karriere macht - und in dem er auch der schönen Gloria begegnet. Eine Begegnung, die auf beide eine starke Wirkung hat - alsbald können sie nicht mehr von einander lassen. Auch wenn es eine Ewigkeit - und zwar nicht nur eine gefühlte - dauert, bis sie Zeit miteinander verbringen können.

Um gleich darauf wieder auseinander gerissen zu werden!

Das Leben von Patricio bleibt über Jahre hinweg wechselhaft - und was ist mit Gloria?

Ein bisschen wirkt es wie "Babylon Berlin" auf Kubanisch - eine auf eine Stadt konzentrierte Welt, in der sich vor allem die Extreme die Klinke in die Hand geben. Wie ein Sog, in den man eintaucht, um als ein durchs Lesen veränderter wieder aufzutauchen. Denn von diesem Buch kommt man nicht los, bevor man nicht die letzte Seite umgeblättert hat. Auch wenn es kleine Längen gab, auch wenn das Ende für meinen persönlichen Geschmack doch ein wenig zu konstruiert rüberkam - man ist drin und man bleibt drin in der Geschichte, man riecht die intensiven Düfte, hört die Musik - ja, und wenn man nicht aufpasst. spürt man sogar die Küsse der Liebenden auf der Haut. Ein Buch für Leser, die gern mit allen Sinnen lesen!

Zudem eines, das quasi danach schreit, verfilmt zu werden

Veröffentlicht am 27.03.2019

Ein Roman wie eine Postkartenweisheit

Sterne sieht man nur im Dunkeln
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Anni und Thies - ein Traumpaar? Ja, bis Thies "die" Frage stellt. Genau die, die über ein weißes Kleid und Tränen zum Ring an der Hand und damit zum gemeinsamen Lebensglück führt, bzw. führen sollte. Der ...

Anni und Thies - ein Traumpaar? Ja, bis Thies "die" Frage stellt. Genau die, die über ein weißes Kleid und Tränen zum Ring an der Hand und damit zum gemeinsamen Lebensglück führt, bzw. führen sollte. Der Traum vieler Frauen also. Nicht so der von Anni.

Zumal der Chef der Designerin (hauptberuflich entwirft Anni Spiele, nebenberuflich Postkartenmotive und Spruchkarten) sie gerne nach Berlin verfrachten würde - als Leiterin der dort zu eröffnenden Zweigstelle. Und dorthin will ihr Thies partout nicht folgen...

Eindeutig too much! Genau deswegen entflieht Anni erstmal der eigentlich langen und stabilen Beziehung. Auf eine Nordseeinsel, nämlich nach Norderney. Zu Maria, der Freundin aus Jugendtagen. Und dann?

Aus meiner Sicht folgt eine ganze Reihe von Plattitüden und Klischees, die zu allem Übel mit Annis Postkartensprüchen garniert werden. Die man - quasi im Anhang - noch einmal gebündelt erhält, jeden einzelnen fein designet auf einer Seite wie Postkarten. Solche mit warmherzig-lustigen Sprüchen. Genau die Sorte Postkarten, auf die ich allergisch reagiere. So auch auf dieses Buch. Das war so weit weg von mir und meinen Vorlieben, wie etwas nur sein kann. Also: vielleicht mögen Sie so etwas ja und können sich damit anfreunden oder gar identifizieren. Ich leider nicht!

Veröffentlicht am 25.03.2019

Parallelen zu einem Comic

Die Farben des Feuers
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finden sich aus meiner Sicht im vorliegenden Roman, in dem es im Prinzip um das Leben und Leiden der Madeleine Péricourt geht. Diese wird nach dem Tode ihres Vaters Marcel Alleinerbin einer großen, einflussreichen ...

finden sich aus meiner Sicht im vorliegenden Roman, in dem es im Prinzip um das Leben und Leiden der Madeleine Péricourt geht. Diese wird nach dem Tode ihres Vaters Marcel Alleinerbin einer großen, einflussreichen Bank. Doch widerfährt ihrer Familie am Tage von Marcels Beerdigung ein weiteres großes Unglück, das sie über längere Zeit dergestalt vereinnahmt, dass sie keinen Blick für die Geschicke der Bank hat.

Was für eine Gelegenheit für diejenigen, die sich beim Erben übergangen wurden, zur Tat zu schreiten und die Dinge zu ihren Gunsten zu wenden! Als Madeleine wieder bereit ist, am Leben teilzunehmen, ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen: ihr verschwenderischer Onkel Charles hat sich seinen Teil genommen, ihr ehemaliger Liebhaber, der bis dahin erfolglose Journalist André hat sich verabschiedet, nicht ohne dem Rädchen, das Madeleine zu seinen Gunsten gedreht hatte, noch einen kräftigen Schwung zu geben. Und der ehemalige Prokurist der Bank Gustave Joubert kann der inzwischen mittellosen Madeleine sogar ihr Elternhaus abkaufen. Dann gibt es noch den ein oder anderen mehr im weiteren Umfeld der Bediensteten und Mitarbeiter, der sich fleißig die Taschen gefüllt hat.

Wer jedoch davon ausgegangen ist, dass Madeleine sich in ihr Schicksal fügt, der hat sich geschnitten. Sie startet einen Rachefeldzug, der zunächst so subtil beginnt, dass niemand etwas merkt. Und dann - nun, lesen Sie selbst.

Oder auch nicht: denn nur, wer kein Problem hat mit langatmigen Schilderungen und einer an vielen Stellen ausgesprochen konstruierten Handlung, wird diesen Roman uneingeschränkt genießen können. Dazu kommen noch stellenweise so verdrehte Schilderungen, dass sie - nimmt man Faktoren wie Zeit und Raum in Acht - gar nicht stimmen können. Außerdem sind es stellenweise wahre Räuberpistolen, die sich der Autor so ausgedacht hat. Dazu passt auch das überdrehte Personal, das zeitweise so agiert, dass ich mich an Comic-Figuren erinnert fühlte. Es scheint Leser zu geben, die das wenig stört, mir jedoch hat es diesen Roman verleidet. Wobei er durchaus eindringlich und stellenweise süffig zu lesen ist, was mir half, am Ball zu bleiben. Zudem hatte ich bis zum Schluss die Hoffnung, dass die ein oder andere Wendung die Handlung so dreht, dass auch ich sie verstehen und mich voll und ganz hinter sie stellen kann. Leider war dies nicht der Fall, auch verlief der ein oder andere Erzählstrang, auf den ich noch gesetzt hatte, einfach im Sande. Und vor allem: das Drumherum, der historische Rahmen, die Atmosphäre fehlten komplett. Auf diese spannende Zeit - die 1920er und 30er Jahre - bezog sich der Autor nur punktuell.

Mein Fazit: Leider kein guter Start mit Pierre Lemaitre - ich werde wohl nicht mehr zu seinen Romanen greifen.

Veröffentlicht am 18.03.2019

Intelligentes Fantasyepos

Die Spiegelreisende 1 - Die Verlobten des Winters
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Ophelia ist ein kleiner Blaustrumpf und mit ihrem Dasein auf der Arche Anima - einem der 21 Teile, "Archen" genannt, in die die Erde vor langer Zeit auseinanderbrach - sehr zufrieden. Denn sie hat ihren ...

Ophelia ist ein kleiner Blaustrumpf und mit ihrem Dasein auf der Arche Anima - einem der 21 Teile, "Archen" genannt, in die die Erde vor langer Zeit auseinanderbrach - sehr zufrieden. Denn sie hat ihren Traumjob als Leiterin des lokalen Museums und kann ausserdem lesen - was ganz anders gemeint ist, als das, was wir darunter verstehen: sie kann nämlich durch Berührung die Geschichte verschiedener Gegenstände "lesen", eine Gabe, über die auch in ihrer Heimat nicht gerade viele verfügen. Auf eine Ehe hatte sie bisher keine Lust, aber nun hat sie keine Wahl: an oberster Stelle wurde beschlossen, dass sie heiraten soll und zwar einen Mann von der Arche Pol - wo es wirklich so kalt ist, wie an den Polen, die wir auf der Erde kennen. Eine politische Zweckhochzeit also.

Ophelia hat keine Wahl: sie muss bereits vor der Hochzeit nach Pol umsiedeln, an ihrer Seite, quasi als Anstandsdame ihre Patentante Roseline.
Ihr Verlobter Thorn holt sie ab und entpuppt sich als überaus schweigsamer, nicht gerade zugänglicher Zeitgenosse. Und ein bisschen beängstigend: kein Wunder, gehört er doch zum Klan der Drachen.

Ophelia und Roseline werden zunächst bei Thorns Tante Berenilde in der Himmelsburg untergebracht, wo höchst eigenartige Dinge vor sich gehen, aber das ist längst nicht alles...

"Die Spiegelreisende" - das ist Fantasy auf französisch und zwar im besten Sinne: intelligent und charmant, auch vieldeutig, ohne jemals anrüchig zu werden - elegant natürlich und eloquent - auch in der Übersetzung (weswegen ich annehme, dass auch das Original die Merkmale erfüllt).

Der vorliegende Band markiert Teil 1 eines Vierteilers und ist für nicht zu junge Jugendliche geeignet, aber mindestens genauso gut für Erwachsene - ich las es mit großer Spannung und steigender Begeisterung. Das Einzige, was mich richtig enttäuschte, war das sehr abrupte Ende. Es ist halt wirklich ein "richtiger" erster Teil, einer der nichts ist ohne die nachfolgenden.

Denn er beinhaltet wenn überhaupt, dann ein nur sehr provisorisches Ende, ich würde es eher als Abschluss bezeichnen. Einer, den ich nur mit sehr großer Ungeduld und auch nur sehr vorübergehend akzeptieren kann. Denn schon jetzt zittert alles in mir dem nächsten Band, bzw. den folgenden dreien entgegen, um endlich zu erfahren, ob "die" wirklich gestorben sind, ob Ophelia tatsächlich Besuch aus der Heimat erhält und um noch massenweise Antworten auf andere, zentralere Fragen (die ich hier gar nicht erst aufwerfe, um nicht zu viel zu verraten) zu erhalten.

Eine neue Welt, die ich im Herzen behalten will. Auf jeden Fall!

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Veröffentlicht am 17.03.2019

Ein Abenteuer, das in Herrnhut beginnt

Das Mädchen aus Herrnhut
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Dort landet nämlich Luise, die im Jahr 1731 aus dem Haus gejagt wird, in dem sie ihre bisherige Stellung hatte. Zu viele Fehler hat sie in letzter Zeit gemacht. Sie landet in Herrnhut in der Brüdergemeine, ...

Dort landet nämlich Luise, die im Jahr 1731 aus dem Haus gejagt wird, in dem sie ihre bisherige Stellung hatte. Zu viele Fehler hat sie in letzter Zeit gemacht. Sie landet in Herrnhut in der Brüdergemeine, wo sich herausstellt, dass eine schlimme Augenkrankheit der Grund für ihre fehlerhafte Arbeit war.

Trotz dieses Handicaps ist Herrnhut der Ort, an dem sie sich geborgen fühlt. Doch irgendwie fühlt sie sich ständig beobachtet. Auch noch, als sie bereits den Kutscher Bruder Christian geheiratet hat. Kann es sein, dass eine Figur, die sie noch von ihren längst verstorbenen Eltern erhielt, das Ziel seiner Begierde ist?

Die Handlung wechselt in die Gegenwart bzw. ins Jahr 2007, in dem Lehrerin Emma mit ihren Schülern eine Klassenfahrt nach Herrnhut unternimmt. Dort lernen sie und ihre Schüler, der ebenso vorwitzige wie intelligente Falk und die zurückhaltende Rahel den Historiker Daniel Ritter und seinen Freund Josua Tauss, kennen - eine flüchtige Reisebekanntschaft. Dachten sie.

Dann jedoch erleben sie - jeder für sich - eine unangenehme Befragung durch ein paar finstere Gesellen. Emma wird sogar in ein Auto gezerrt. Deren Interesse richtet sich auf Daniel Ritter und eine gewisse Nikodemusfigur, von der jedoch weder Emma noch ihre Schüler je gehört haben.

Schwuppdich, ist Daniel ein Teil von Emmas Leben geworden, denn schnell stellt sich heraus, dass es um ein Geheimnis geht, das sie alle zusammen am besten lösen können. Und Daniel macht keinen Hehl daraus, dass er Emmas Gesellschaft am liebsten auf Dauer genießen würde...

Bald schon finden sowohl sie als auch die beiden Schüler und Josua sich als Gejagte wieder - Josua wird sogar überfallen. Die ganze Geschichte wächst sich zu einem handfesten Krimi bzw. gar Thriller aus. Wer ist ihnen auf der Spur und um was genau geht es?

Ich selbst wäre gern ein wenig bei Luise und Christian im 18. Jahrhundert verweilt, um mehr über sie und ihre Geschicke zu erfahren. So bleibt doch einiges offen.

Dennoch hat diese Mischung aus Historien-, Liebes und Kriminalroman ganz eindeutig was - den typischen Büchle-Faktor, der bewirkt, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann - und man ist so schnell am Ende, dass man sofort Ausschau nach dem nächsten Büchle-Buch hält. Eine Sucht gewissermaßen.