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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.02.2018

Simple auf recht komplexe Art und Weise

Simple
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Die Kochbuchautorin Diana Henry führt ein großes Wort im Munde: wir können alle kochen, wenn wir uns auf das Einfache, eben auf das Simple besinnen: den Geschmack der Zutaten, der sowieso schon gegeben ...

Die Kochbuchautorin Diana Henry führt ein großes Wort im Munde: wir können alle kochen, wenn wir uns auf das Einfache, eben auf das Simple besinnen: den Geschmack der Zutaten, der sowieso schon gegeben ist, in den Vordergrund stellen und ihn in besonderen, dabei unkomplizierten Kombinationen besonders hervorheben.

Das Buch ist zunächst aufgeteilt in einzelne Arten von Lebensmitteln wie Eier, Fleisch, Fisch, Gemüse, es kommen weitere Kategorien verschiedener Mahlzeiten wie Toast, Salate, Ofengerichte, Süßspeisen hinzu. In insgesamt 12 Kapitel hat die Autorin ihre Rezepte eingeteilt, die Auswahl ist also groß.

Die Autorin kommt aus England und kocht wohl hauptsächlich in London, wo ihr tatsächlich eine riesige Fülle von Zutaten zur Verfügung steht wie frischer Wolfsbarsch, Thunfisch, ungewöhnliche Wurstsorten wie Belle de Morteau, Schlehenlikör, Süßkartoffeln und Nduja (fragen Sie mich bitte nicht, was das ist). Und es scheint auch besonders erstrebenswert zu sein, viele unterschiedliche Zutaten zu nutzen und vieles davon, wie diverseste Gewürze und eine ganze Batterie von Alkoholika, auch stets zu Hause vorrätig zu haben.

Also, für mich verfolgt das alles erstmal keine klare Linie und ist zudem viel zu komplex. Ich fühle mich von diesem Kochbuch eher abgeschreckt als angeregt, muss ich gestehen. Denn es offenbart sich ein solcher Wust von Rezepten, dass ich Wochen brauchen würde, um mir darüber klar zu werden, was ich überhaupt kochen möchte und weitere Wochen, bis ich klären würde, wo ich manche Zutaten herbekomme.

Mein Fazit also: Interessant, aber nicht alltagstauglich!

Veröffentlicht am 21.02.2018

FliegerIN, grüß mir die Sonne

Unsere Hälfte des Himmels
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... grüß mir die Sterne und grüß mir den Mond!

So durfte es in den Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft nicht mehr heißen, in denen die Frauen nur für die Familie da sein sollten.

Das ...

... grüß mir die Sterne und grüß mir den Mond!

So durfte es in den Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft nicht mehr heißen, in denen die Frauen nur für die Familie da sein sollten.

Das bekommen Amelie, Johanna und ihre Freundinnen, die seit Jahren dem Segelflug in Frankfurt am Main frönen, zu spüren, wobei Johanna und Amelie sich dennoch um einen Ausbildungsplatz im von ihnen erstrebten Berufsfeld bemühen und durchaus noch darauf Chancen haben.

Doch unerwarteterweise wird etwas anderes für Amelie wichtiger, als die Liebe in ihr Leben tritt. Wird sich ein Keil zwischen die beiden Freundinnen schieben?

1971, über dreißig Jahre später: Amelies Tochter Liselotte sorgt sich um ihre Mutter, die ins Koma gefallen ist. Wird sie jemals daraus erwachen und Liselotte eine Antwort auf die vielen Fragen zu ihrer Herkunft geben können? Und wird Liselotte es schaffen, sich von ihrem spießigen Mann Eduard zu lösen, der sie nur als Heimchen am Herd zu brauchen scheint?

Die junge Nachbarin ihrer Mutter, die Studentin Marga wird eine unerwartete Hilfe für Liselotte bei dem Versuch, das Tor zur Vergangenheit zu öffnen.

Ein Buch über die Rolle der Frau im Laufe des 20.Jahrhunderts, die uns Frauen des 21. Jahrhunderts zeigt, dass unsere Ahninnen es um einiges schwerer hatten als wir und nicht wenige Hürden zu nehmen hatten. Für meinen Geschmack enthält dieser Roman, der insgesamt durchaus mitreißend und spannend ist, ein paar Klischees zu viel. Doch ist es wahrlich interessant, die Geschichte der Fliegerinnen und einige (erfundene) Einzelschicksale zu verfolgen. Ein Buch über Frauen, die ihren eigenen Weg gehen wollten!

Veröffentlicht am 21.02.2018

Späte Bekanntschaft mit der Heimat

Die Töchter des Roten Flusses
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macht die Juristin Tuyet, Kind vietnamesischer Eltern, aufgewachsen in Deutschland beim Vater und der deutschen Stiefmutter. Sie kommt im Alter von 29 Jahren zum ersten Mal nach Hanoi in Vietnam, die Stadt, ...

macht die Juristin Tuyet, Kind vietnamesischer Eltern, aufgewachsen in Deutschland beim Vater und der deutschen Stiefmutter. Sie kommt im Alter von 29 Jahren zum ersten Mal nach Hanoi in Vietnam, die Stadt, aus der ihre Eltern kommen - und ihr wird erst während ihres Aufenthaltes dort klar, dass sie ihre leibliche Mutter, der sie zuletzt als Kleinkind begegnet ist, suchen will. Dadurch steht ihr einiges an Erlebnissen und Abenteuern bevor.

Doch den Leser erwartet noch einiges mehr, denn ihm wird auch noch die Geschichte von Tuyets Eltern, die in der DDR studiert bzw. gearbeitet haben, vermittelt sowie jede Menge Wissenswertes über Vietnam.

Für mich war es wie eine Rückkehr - ich habe vor ein paar Jahren Vietnam bereist und es war wunderbar, die Erinnerungen auf farbigste Art und Weise wieder aufleben zu lassen.

Doch so farbig und belebend die Darstellungen des historischen und kulturellen Hintergrundes durchgehend waren, so zäh und zunächst schwer nachvollziehbar waren manche der Wendungen, die die Autorin Beate Rösler ihren Charakteren so auferlegte. Dennoch, auch wenn es des Guten ein wenig zu viel war, hat mir der Roman insgesamt gut gefallen, vor allem das vietnamesische Lokalkolorit das man beim Lesen in Hülle und Fülle zu schnuppern bekommt sowie das überaus vielschichtige Bild von der DDR, das die Autorin den Leser sehr geschickt durch den Filter der vietnamesischen Studenten und Gastarbeiter wahrnehmen lässt - eine ganz neue Perspektive - auch das gab es in der "Zone"!

Ja, die Autorin Beate Rösler hat akribisch recherchiert und sie hat ein Händchen fürs Atmosphärische: so gelingt es dem Leser nicht nur, ins farbenprächtige Treiben in Vietnam einzutauchen, sondern auch in das Ostberlin der späten 1970er und 1980er Jahre bis hin zur Wende einzutauchen.

Die Irrungen und Wirrungen jedoch, die ihre Figuren so durchmachen müssen, sind fast des Guten zu viel - dass eine Person all diese Schicksalsschläge auf sich vereinbaren muss, ist (nicht nur in einem Fall) einfach nicht nachvollziehbar!


Ein spannendes und vielschichtiges Buch, das viele Aspekte der Probleme des heutigen und auch des früheren Vietnam anspricht. Dadurch bleibt die Feinarbeit im Hinblick auf die Ausarbeitung der Figuren und auch die Entwicklung einiger Erzählstränge leider ein bisschen auf der Strecke. Insgesamt jedoch ein farbenprächtiges und auch einfühlsames Buch, das einlädt, mit offenerem Blick durchs Leben zu gehen, auch in andere Kulturen einzutauchen: es lohnt sich!

Veröffentlicht am 21.02.2018

Erben auf gut Kölsch

Vor dem Erben kommt das Sterben
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Erben in Köln geht auch nicht wesentlich anders vonstatten als in anderen Gefilden - wer viel hat, um den scharen sich die Geldgierigen wie die Schmeißfliegen - nur haben sie in der Regel eher nicht allzugroßen ...

Erben in Köln geht auch nicht wesentlich anders vonstatten als in anderen Gefilden - wer viel hat, um den scharen sich die Geldgierigen wie die Schmeißfliegen - nur haben sie in der Regel eher nicht allzugroßen Erfolg, wenn sie nicht mit der Zielperson verwandt sind. Lebenskünstlerin bzw. zu ihrem Leidwesen eher Möchtegern-Lebenskünstlerin Blanche, die mittellos an die Stätte ihrer Kindheit - eine Familienwohnung in der Südstadt, wie Gott es will, genau neben dem noch nicht eingestürzten Archiv zurückkehrt, hat da einen Plan: Sie möchte die reiche, aber hoffnungslos naive Sybille nämlich mit Übersinnlichem um ihr Erbe bringen - und lässt sich dazu einiges einfallen.

Und nicht nur Blanche, sondern auch Autorin Ulrike Blatter erweist sich als ausgesprochen originell: Die Geschichte ist ein virtuoser Mix von realen und erfundenen Elementen, auch Fantastisches und Märchen- bzw. Sagenhaftes gibt die Autorin in ihren bunten (Krimi)Cocktail, wobei sie es für meinen Geschmack an der ein oder anderen Stelle ein bisschen zu bunt treibt und den roten Faden kurzfristig aus den Augen verliert.

Doch insgesamt ist dies ein überaus unterhaltsamer, stellenweise tollkühner Krimi mit ordentlich kölscher Atmosphäre, lässt die Autorin doch sogar den Karnevalsspirit walten - und das mitten in der Südstadt. Und hier sind wahrlich die echten Karnevalisten zugange, die die Bräuche mit der Muttermilch eingesogen haben und nicht irgendwelche Touristen oder Imis, wie der Kölner Dazugezogene nennt. Wer noch nie einer das Ende des Karnevals markierenden Nubbelverbrennung beigewohnt hat, kann dies durch die Lektüre des Buches in großen Teilen kompensieren ebenso wie einen der traditionellen katholischen Aschermittwochsgottesdienste - beides wird überaus eindrucksvoll beschrieben.

Ja, Ulrike Blatter vermag es wirklich wie selten ein Autor, Köln von seiner ursprünglichen Seite darzustellen, die kölsche Seele offenbart sich hier auf jeder einzelnen Seite. Nicht nur, dass jede Menge Sehenswürdigkeiten - und zwar nicht nur die touristischen "Sights" eine Rolle spielen, nein, in die Handlung sind auch jede Menge kölscher Sagen eingeflochten. Und jede Menge real existierender Südstadtoriginale! Dazu einer der dunkelsten Momente Kölns in den letzten Jahren, nämlich der Einsturz des Kölner Stadtarchivs. Und natürlich kommt auch das Idiom der Stadt, das Kölsch, immer wieder zum Tragen und es ist nicht, wie so oft, irgendetwas Gestelltes, Künstliches, sondern so schwaden die Leute wirklich!

Doch der absolute Höhepunkt ist aus meiner Sicht ein Spaziergang des real existierenden, überregional bekannten Kriminalbiologen Mark Benecke mit der Protagonistin Blanche über den Kölner Melatenfriedhof. Doch welche Rolle der "echte" Herr dabei spielt, der im Übrigen auch noch an anderen Stellen im Buch auftaucht, das erfahren Sie erst, wenn Sie sich selbst an die Lektüre wagen.

Für mich ist dies ganz klar der originellste Köln-Krimi, der bisher geschrieben wurde und ich empfehle ihn sowohl kölschen Krimifreunden als auch solchen, die die Stadt mal von ihrer echten Seite kennenlernen wollen!

Veröffentlicht am 21.02.2018

London um 1900 - einfach über-irdisch

Das Haus in der Nebelgasse
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und unterirdisch auch! Und auf beiden Ebenen unglaublich spannend.

Diesmal entführt uns die virtuose und - so scheint es - allwissende Susanne Goga in das London der vorletzten Jahrhundertwende, wo Lehrerin ...

und unterirdisch auch! Und auf beiden Ebenen unglaublich spannend.

Diesmal entführt uns die virtuose und - so scheint es - allwissende Susanne Goga in das London der vorletzten Jahrhundertwende, wo Lehrerin Mathilda, früh zur Waisen geworden, ein sehr selbstständiges und für die damalige Zeit sehr intensives Leben führt. Die tatkräftige junge Frau lebt zur Untermiete bei einer Autorin von Heftchenromanen und pflegt ein enges und gutes Verhältnis zum älteren Bruder, der leider als Soldat in Südafrika weilt, wo der Burenkrieg tobt. In der Schule gilt Mathilda als etwas zu selbstständig und unternehmungslustig, gleichwohl ist sie bei den Schülerinnen - selbst nur wenige Jahre älter als diese - ausgesprochen beliebt.

Eine von ihnen, Laura, elternlos wie Mathilda selbst wird von ihrem Vormund unerwarteterweise von der Schule entfernt und auf eine Europareise "entführt" - was die Zustimmung des gesamten Lehrkörpers ausser Mathildas findet. Sie hat das junge Mädchen, das kurz vor dem Abschluss steht, als wißbegierig und ehrgeizig kennengelernt und kann sich nicht vorstellen, dass sie so kurz vorher abbricht. Und dann erhält sie Post von Laura - es scheint eine gewöhnliche Postkarte zu sein, doch Mathilda wittert einen Hilferuf.

Und dieser führt sie kreuz und quer durch London, lässt sie Bekanntschaft mit den abenteuerlichsten Gestalten wie dem Antiquitätenhändler Arkwright, aber auch dem interessanten und noch jungen Historiker Stephen Fleming schließen. Und sie lernt neben dem sichtbaren das unterirdische London kennen, zugeschüttete Häuser, Friedhöfe und Flüsse, die ihr eine eigene Welt offenbaren. Kann sie Laura helfen, muss sie das überhaupt und schafft sie das ohne sich selbst in Gefahr zu bringen?

Susanne Goga hat schon durch ihre historischen Krimis um Kommissar Leo Wechsler im Berlin der 1920er Jahre ihr großartiges Talent in Sachen historische Romane unter Beweis gestellt: auf der einen Seite recherchiert sie akribisch und integriert fundierte, oft wenig bekannte historische Fakten in ihre Handlung, auf der anderen Seite bietet sie eine fiktive Geschichte mit jeder Menge Spannung und Emotionen - aber ohne jeglichen Kitschfaktor.

Auch hier ist ihr dies wieder aufs Trefflichste gelungen: "Das Haus in der Nebelgasse" ist ein ebenso packender wie dramatischer und kluger Roman über eine spannende Epoche der englischen Geschichte, in die unter anderem die Geburt der Frauenbewegung fällt. Es ist faszinierend, die Lebensumstände des Londoner Bürgertums um 1900 zu erleben. Wie immer zeigt sich die Autorin auch von der humorvollen Seite, die sie diesmal ganz besonders häufig hervorblitzen lässt

Ein ganz großartiges Leseerlebnis ist es somit, das Ihnen mit diesem wunderbaren Buch geboten wird - eines, das lange nachhallen wird und dazu einlädt, sich auch weiterhin mit der Geschichte Londons zu beschäftigen. Definitiv eines meiner literarischen Highlights in den letzten Monaten!