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Veröffentlicht am 21.02.2018

Jagen und gejagt werden

Todesstrand
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Darum geht es hier.

Emma Klar hieß nicht immer so. Und sie war auch wesentlich unbefangener unterwegs - bis sie als Polizistin im Einsatz entführt und gefoltert wurde - von Teith und seinen Mannen. Sie ...

Darum geht es hier.

Emma Klar hieß nicht immer so. Und sie war auch wesentlich unbefangener unterwegs - bis sie als Polizistin im Einsatz entführt und gefoltert wurde - von Teith und seinen Mannen. Sie kam gerade so mit dem Leben davon - im Gegensatz zu zwei Typen von der Gegenseite. Nun jagt sie Teith - und er jagt sie. Und hinterlässt quasi nebenher eine Blutspur, die sich gewaschen hat.

Im Gegensatz zur Reihe um Hanna Peters geht es hier alles andere als ruhig und zurückgenommen zu - man sollte schon starke Nerven haben, um sich an den "Todesstrand" zu begeben, denn Herr Teith und nicht nur er, geht nicht gerade zimperlich mit seinen Opfern - hauptsächlich jungen und hübschen Mädchen, denen man so ein Schicksal am allerwenigsten wünscht, um.

Mir hat der Krimi gut gefallen, die Leidenschaften, die auf allen Seiten immer wieder aufblitzen - sowohl bei Tätern als auch bei Opfern und auch die Ermittler bleiben nicht verschont - ständig aufwallen, ja geradezu kochen, sind mir dann aber des Guten zu viel, statt dessen hätte ruhig noch ein wenig mehr "gewaltlose" Spannung an der ein oder anderen Stelle implement werden können. Nicht, dass es keine gab, aber die erotische Komponente hätte aus meiner Sicht nicht ganz so präsent sein müssen. Das Lokalkolorit ist nicht ganz so greifbar, so atmosphärisch dargestellt, wie ich es bei einem als Küstenkrimi propagierten Buch erwarten würde, gestört hat es mich allerdings wenig. Doch wer in der Erwartung, etwas im Stil der Ostfriesenreihe von Hans-Peter Wolff zu erhalten, zu dem Buch greift, wird enttäuscht werden.

Es sind eher die zwischenmenschlichen, die sozialen Komponenten, die im Vordergrund des Krimis stehen und die seine Wirkung ausmachen, nicht so sehr die Landschaft.

Insgesamt ist dies aus meiner Sicht ein wirklich packender Krimi mit einigen Thrillerelementen und dem Zeug dafür, zu einer handfesten Krimireihe ausgebaut zu werden. Ich jedenfalls freue mich schon jetzt auf den nächsten Teil.

Veröffentlicht am 21.02.2018

Blau, blau, blau

Gefährliche Empfehlungen
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blüht nicht nur der Enzian - nein auch der "Guide Gabin", DER Gastroführer überhaupt, erstrahlt in dieser Farbe. Und um diesen, nein, um einen ganz besonders wertvollen Jahrgang, dreht sich alles in diesem ...

blüht nicht nur der Enzian - nein auch der "Guide Gabin", DER Gastroführer überhaupt, erstrahlt in dieser Farbe. Und um diesen, nein, um einen ganz besonders wertvollen Jahrgang, dreht sich alles in diesem Buch!

Ich liebe Krimis mit historischem Touch, mit Rückblenden in die Vergangenheit- und ich liebe Xavier Kieffer, den luxemburgischen Koch! In diesem spannenden, aber vor allem unterhaltsamen und überraschenden Krimi hat man beides zusammen - was will man mehr?!

Es geht weiter mit Xavier - unkonventionell, sympathisch und ein Feinschmecker in jeder Hinsicht hat sich der Protagonist der vorhergehenden Bände kein bisschen verändert: das freut die geneigten Leser, die bereits ungeduldig auf die Fortsetzung dieser stimmungsvollen Reihe gewartet haben.

Er gerät durch seine Freundin, die Pariser Gastrokritikerin - nein, wohlgemerkt DIE Gastrokritikerin überhaupt - Valerie mal wieder in illustre Kreise: Francois Allégret, uns als Bürgermeister von Paris aus "Rotes Gold noch in Erinnerung und inzwischen zum Präsidenten von Frankreich avanciert, braucht Xaviers Hilfe in delikater Angelegenheit - nicht nur ein bestimmter Jahrgang des Guide Gabin muss gefunden werden, nämlich der 1939er, nein, im Zusammenhang damit offenbaren sich auch politische Geheimnisse, allerdings - wie könnte es anders sein - nur kleckerweise.

Und nicht nur Xavier und Valerie geben sich hier die Ehre, nein, wir bekommen es auch wieder mal mit Pekka Vattanen, Xaviers trinkfreudigem und auch sonst überaus lebenslustigen Freund zu tun, ebenso wie dem geschäftstüchtigen Esteban, den Xavier noch aus Ausbildungszeiten kennt. Und wir lernen weitere Akteure kennen - ich habe mich besonders für einen kulinarisch versierten nordfranzösischen Metzger erwärmt, der auch sonst einiges auf Scheibe hat und entscheidend in die Handlung eingreift. Aber mehr darüber erfahren Sie erst, wenn Sie selbst zum Buch greifen.

Und es lohnt sich, denn im bereits fünften Band dieser wundervollen luxemburgischen Serie geht es ganz schön zur Sache - von der leichten Behäbigkeit, die einige Teile durchzog, ist keine Spur zu erkennen. Wer atmosphärische Krimis liebt, in denen Essen und Trinken, aber auch die Geschichte des 20. Jahrhunderts eine große Rolle spielen, auf knackige Spannung aber nicht verzichten will - für den ist "Gefährliche Empfehlungen" wie gemacht! Herrlich, wie Hillenbrand die Atmosphäre sowohl in Fronkreisch als auch im beschaulichen Luxemburg einfängt! Aber ob das Rauchen am laufenden Band - wie immer fast keine Seite, auf der sich Xavier nicht mindestens einen Glimmstengel gönnt - unbedingt sein muss? Hier wird es als typisch französische und auch luxemburgische Eigenart bzw. liebenswerte Marotte verkauft: nun, ich kenne jede Menge überzeugte bis militante Nichtraucher sowohl aus Frankreich als auch aus den Benelux-Ländern, für die genussvolles Essen und Zigarettenqualm am besten auf zwei unterschiedliche Planeten verteilt sein sollten... mir scheint, der Autor will hier auf charmante Art ein ganz persönliches Laster legitimieren. Das stört mich ein ganz kleines bisschen, tut dem Lesevergnügen in ganz großem Stil jedoch keinen Abbruch.

Veröffentlicht am 21.02.2018

Warm mit Charme

Mein gesundes, warmes Wohlfühlfrühstück
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ist gut für den Darm
und mundet reich und arm.
Sie sollten es sich zumindest ab und an gönnen und diesen Rat beherzigen, auch wenn Sie meinen Reim albern finde (was ich Ihnen absolut nicht übelnehme - ...

ist gut für den Darm
und mundet reich und arm.
Sie sollten es sich zumindest ab und an gönnen und diesen Rat beherzigen, auch wenn Sie meinen Reim albern finde (was ich Ihnen absolut nicht übelnehme - bin da ganz Ihrer Meinung)!

Nichtsdestotrotz sollten Sie sich das Kochbuch von Julia Waldhart mit einem reichhaltigen Fundus an warmen Frühstücksideen zu Gemüte führen und am besten gleich zulegen: es enthält mannigfaltige Ideen für warme Frühstücke, gerecht aufgeteilt in einen süßen und einen pikanten Teil, dazu Toppings und Getränke. Ich muss zugeben, dass ich einen Part extrem bevorzuge und das ist der mit dem süßen Frühstück, wobei ich bei der herkömmlichen Brötchen- und Brotvariante mehrheitlich herzhaft esse, wobei Käse eine nicht geringe Rolle spielt. Selbstverständlich habe ich das in diesem Buch abgedruckte Rezept für Zigarren-türkische Schafskäserollen nicht nur getestet, nein, ich habe es verinnerlicht und in mein Repertoire aufgenommen. Ansonsten kommt Käse aber kaum bis gar nicht vor und das hat damit zu tun, dass die Autorin des Buches den Grundsätzen der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) folgt. Allerdings nicht sklavisch, was sie mir überaus sympathisch macht.

Im Vergleich zu anderen aktuellen Kochbüchern ist es sogar ausgesprochen erfrischend und wohltuend, wie locker die Autorin mit Dogmen und Grundsätzen umgeht, eine Eigenschaft, die mich glatt dazu verführt hat, aus diesem Buch ein Handbuch zur (fast) alltäglichen Inspiration und großen Bereicherung meiner Frühstückstafel zu machen. Vor allem, weil sie nicht nur schmackhaft, sondern ausgesprochen wohltuend, ja gar gesundheitsfördernd sind!

Ja, viele Rezepte dauern einen Tick länger und werden deswegen
Bei den süßen Frühstücken besteht übrigens ein Großteil aus Breien (auch wenn sie nur selten so genannt werden) und es gibt neben dem klassischen Porrigde in unterschiedlichsten Variationen spannende Vorschläge bpsw. mit Hirse und Couscous als Grundlage, die aus meiner Sicht ganz weit weg sind von klassischen Milchsuppen und - reis, die ich hasse. Diese sind übrigens ebenfalls enthalten, werden aber von mir konstant ignoriert, ebenso wie zahlreiche Körner- und Eiersuppen im herzhaften Bereich, hingegen die von mir zum Frühstück, nein, eigentlich zu jeder Tageszeit innig geliebte Saigon Phö, die vietnamesische bzw. südostasiatische Saigon Phö gar nicht aufgeführt wird.

Sie fragen sich, warum ich das Buch so hoch (be)werte, auch wenn ich viele Rezepte gar nicht nutze: Nun, es geht mir darum, dass hier meistmögliche Vielfalt geboten wird und das ist (mit Ausnahme der asiatischen Nudelsuppe), ein entschuldbares Manko, das möglicherweise ja in der nächsten Auflage korrigiert wird.

Zu der es, wie ich hoffe, schon bald kommt: wenn nämlich Sie alle meinen Vorschlag beherzigen und sich dieses wunderbare Buch zulegen, das neben den Rezepten auch viele Vorschläge zum Variieren und tolle Fotos enthält. Ich jedenfalls gebe meins nicht mehr her, auch wenn es bestimmt schon bald zerfleddert sein wird vom vielen Nutzen!

Veröffentlicht am 21.02.2018

Im Wald zwei Wege boten sich mir dar

Unterwegs mit dir (1)
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und ich ging den, der weniger betreten war - und das veränderte mein Leben. (Robert Frost)
Und manchmal sind es auch mehr als zwei: Neue Wege kann man nicht nur physisch beschreiten, nein, es ist auch ...

und ich ging den, der weniger betreten war - und das veränderte mein Leben. (Robert Frost)
Und manchmal sind es auch mehr als zwei: Neue Wege kann man nicht nur physisch beschreiten, nein, es ist auch auf spirituellem Wege möglich und oft bringen solche Wanderungen den denken Menschen weiter als eine Runde durch den Park oder gar eine lange Wanderung, beispielsweise in der Rhön.

Denn auch in unserer Seele gibt es Pfade, die noch nicht beschritten wurden, Hügel, die noch zu überqueren sind. Dazu braucht es gelegentlich einen Anstoß, eine geistige Motivation.

Genau diese erhalten die vier Frauen Hannah, Meg, Mara und Charissa - mit sehr unterschiedlichem Hintergrund, Erfahrungen und Zielen ausgestattet - in einem wöchentlichen Kurs, der eine Einführung in geistliche Übungen, sozusagen eine Reise zu und mit Gott. Das dies kein leichter Weg ist, viel Selbsterkenntnis, geistige Kraft und Ehrlichkeit - vor allem zu sich selbst, erfordert, das lernen die Frauen schnell.

Es ist also ein schwerer Weg, den sie da zusammen gehen und keine wird am Ende dieselbe sein wie vorher. Eine Läuterung also? Gewissermaßen, aber eher würde ich es als Weg nicht nur zu Gott, sondern auch zu sich selbst bezeichnen. Ein Weg, den der Leser mit gehen kann, die Übungen, die in dem Kurs gemacht werden, sind im Buch enthalten und nicht immer eins zu eins nachzuahmen - einmal ist es bspw. ein Labyrinth, das - auch physisch - zu beschreiten ist, aber man kann sie immer nachempfinden und auch darüber meditieren.

Also ein Buch, das hilft, zu sich selbst zu finden? Wenn man schon auf dem Weg dazu ist, dies in Einklang mit dem christlichen Glauben zu tun, dann auf jeden Fall. Der Glaube und der Umgang mit Gott spielt in diesem Buch eine große Rolle, ich habe das sehr genossen, auch wenn ich nicht jeder Betrachtung der Autorin folgen konnte. Mir war auch manches zu schwarzweiß, ab und zu - so sah ich es zumindest - blitzte auch der erhobene Zeigefinger hervor. Dennoch habe ich die Lektüre außerordentlich genossen und empfehle sie jedem, der Gott in sein Leben läßt oder lassen will.

Veröffentlicht am 21.02.2018

Zwei, die nicht von der Musik lassen können

Ein letztes Lied für dich
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und voneinander auch nicht.

Das sind Edie, zu Kriegszeiten schon eine bekannte Sängerin und der junge Fox, Benjamin unter drei Brüdern, dessen Herz sowohl an der Klassik als auch an folkloristischer Musik ...

und voneinander auch nicht.

Das sind Edie, zu Kriegszeiten schon eine bekannte Sängerin und der junge Fox, Benjamin unter drei Brüdern, dessen Herz sowohl an der Klassik als auch an folkloristischer Musik hängt, die er sammelt. Edies Schlager sind eher nicht seine Welt - ihre Stimme jedoch nimmt ihn ebenso wie ihr gesamtes Wesen rasch gefangen. Das Problem ist nur
- Edie ist die Verlobte seines ältesten Bruders Jack: und der ist ein absoluter Gewinnertyp, der bislang immer alles bekommen hat, was er wollte. Hier ist es nicht anders und so gehen die beiden zunächst getrennte Wege, zumal sie einige Jahre trennen: Edie ist bereits eine reife Frau, Fox dagegen noch ein grüner Junge.

Da die Romanhandlung jedoch auf zwei Zeitebenen spielt und man rasch mitbekommt, dass Fox und Edie gemeinsame Töchter und auch Enkel haben, muss da wohl irgendwas gewesen sein. Oder ist es doch mehr Schein als Sein?

Eine überaus anrührende Geschichte, bei der die Musik, die Menschen verbinden, an vorderster Front steht, wird den Leser, der bereit ist, sich ein wenig Zeit zu nehmen, bald aufklären. Bald, weil die Handlung so anrührend und ergreifend ist, dass zumindest ich nur schwer das Buch aus der Hand legen konnte - und das trotz einiger "Unebenheiten" in beiden Handlungssträngen, sowohl demjenigen, der in der Vergangenheit spielt als auch in dem, der die Gegenwart behandelt.

Fern von Kitsch und Sentimentalität baut die Autorin ihre Story auf, mit einer Leichtigkeit, die den Leser das Buch kaum aus der Hand legen lässt. Hinter dem gefälligen und flüssigen, zuweilen gar humorvollen Erzählstil stecken eine große Tiefe, eine breit gefächerte Symbolik, ein beeindruckendes Hintergrundwissen und die vielen Gedanken, die sich die Autorin bei der Entstehung ihres Buches gemacht hat.

Eigentlich strotzt dieses Buch nur so vor Tragik: Hartgrove Hall ist ein tragischer Ort, die Familiengeschichten sowohl von Fox als auch von Edie sind mit einer ganzen Reihe von Tragödien verbunden. Aber die Leichtigkeit, mit der Natasha Solomons durch die Geschichte wandelt und - auf durchaus tröstliche Weise - in die Gegenwart vorgreift, gibt dem Leser Zuversicht.

Die Welt braucht solche Bücher - Bücher, die Hoffnung und Wärme transportieren und so werde ich dieses Buch mit Sicherheit häufiger als Mutmacher oder einfach zum darin Schwelgen verschenken. Trotzdem bin ich nicht uneingeschränkt begeistert - das große Talent der Autorin für die Darstellung des Atmosphärischen geht einher mit einer gewissen Schwäche bei thematischen Übergängen. Zäsuren - in diesem Buch meist tragische, manchmal jedoch auch erfreuliche Ereignisse, sind aus meiner Sicht nicht scharf genug gezeichnet und so bleiben manche Entwicklungen ein wenig schwammig. Dennoch ein lesenswertes Buch, das sowohl die Liebe als auch die Tradition der englischen Folkmusik hochhält!