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Veröffentlicht am 21.02.2018

Ost und West gesellt sich gern?

Sammlung der Leidenschaften
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Naja, manchmal: und einfach ist es auch nicht immer. Dass Olessja eine Au-Pair-Stelle im Badischen bekommt, ist ein Glückstreffer, dass sie diese auch noch bei einer protestantischen Familie kriegt, die ...

Naja, manchmal: und einfach ist es auch nicht immer. Dass Olessja eine Au-Pair-Stelle im Badischen bekommt, ist ein Glückstreffer, dass sie diese auch noch bei einer protestantischen Familie kriegt, die Bildung nicht nur für die eigenen Kreise großschreibt, ist ein Glücksfall.

Dabei ist es gar nicht so, dass Olessja auf Gedeih und Verderb in den Westen wollte, nein, über ihre Sozialisierung im heimischen Lemberg erfahren wir zunächst so einiges - bspw. dass die Mädchen dort mehr als behütet aufwachsen - zumindest in den besseren Kreisen, aus denen auch Olessja stammt - aber dennoch so ihre eigenen Wege gehen, wenn es darum geht, das Leben an sich mit allem Zipp und Zapp - also auch dem anderen Geschlecht zu erkunden.

Aber so schräg wie in Süddeutschland geht es da nicht zu, denn nachdem Olessja ihre behütete Aupair-Rolle verlässt und ein Studium aufnimmt, macht sie die Erfahrung, dass ukrainische Frauen offenbar als Freiwild gelten: ihre genau so gemeinte Zimmersuche wird als etwas ganz anderes verstanden und auch sonst hat sie es nicht gerade leicht.

Aber Olessja geht mit wachen Augen durchs Leben und ist zudem mit einer gehörigen Portion Humor und auch Mut gesegnet: was ihren Aufenthalt mehr als erträglich und dieses Buch lesenswert macht. Wenngleich man sich bei der Lektüre ab und an ein wenig wundert, um dann beim genaueren Hinsehen zu erfahren, dass es sich hier um ein Buch handelt, dass 2001 erstmals aufgelegt wurde. Also, die ganzen Dramen, die sich jetzt so in der Ukraine abspielen, sind noch in weiter Ferne und auch die EU-Grenze ist noch nicht so weit in den Osten gerückt.

Aber einiges hat sich kein bisschen geändert - der Mensch und seine Leidenschaften nämlich, die sich hier sammeln.

Veröffentlicht am 21.02.2018

Urlaub zu zweit auf den Galapagos-Inseln

Abgrund
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Den hat sich die Kieler Kripochefin Anne Detlefsen, Hermann Paulis neue Partnerin erträumt, doch ist sie noch nicht lange genug mit einem Wissenschaftler zusammen, um zu wissen, dass sie ihn immer mit ...

Den hat sich die Kieler Kripochefin Anne Detlefsen, Hermann Paulis neue Partnerin erträumt, doch ist sie noch nicht lange genug mit einem Wissenschaftler zusammen, um zu wissen, dass sie ihn immer mit seinen Forschungen teilen muss - so auch hier, denn die Galapagos-Inseln sind für Hermann ein wahres Schatzkästchen und außerdem sind gerade seine wissenschaftlichen Weggefährten zum Forschen da - klar, dass er sich nicht lange ziert und mittut.

Anne ist zunächst ein bisschen - oder auch ein bisschen mehr - beleidigt, entdeckt jedoch mehr und mehr ihren eigenen Bereich: neben der reichhaltigen Flora und Fauna gibt es nämlich auch Kriminalistisches zu erkunden: es hat gleich mehrere Brandanschläge auf Schiffe gegeben, einmal sogar waren Todesopfer zu beklagen. Und auf den Inseln gibt es einen ziemlich knackigen Ermittler, der nur zu gerne mit Anne fachsimpelt...

Eine Geschichte, in der es um Kriminalistisches, in großen Teilen aber auch um Umwelt- und vor allem Artenschutz geht, um die Rolle der Forschung darin (oder auch gerade nicht). Die ganze Forschercommunity, die gerade auf den Inseln weilt und ihre Belange spielen eine nicht gerade geringe Rolle.

Wobei: auch wenn es mir schwerfällt, dieses Buch einem Genre zuzuordnen: eines ist es ganz sicher nicht: ein Wissenschaftskrimi. Dafür gehen das ganz "Wissenschaftsgetue" zu wenig in die Tiefe, an die Subtanz, der in seinem Erzählstil und den Inhalten durchaus klug agierende Bernhard Kegel lässt sich nie endgültig bzw. bedingungslos auf dieses Sujet ein, so mein Eindruck.

Dennoch eine durchaus lohnenswerte Lektüre, in der als weitere Themen die Liebe im Alter und immer wieder Interessenskonflikte verschiedener Art. Und Galapagos wird ausgesprochen atmosphärisch geschildert, mich juckt es schon, dorthin zu reisen.

Selbst Darwin, der Vater der Galapagos-Forschung, bekommt seine Rolle - in einem Prolog, der sich aus meiner Sicht allerdings ein wenig verliert, am Ende kann ich seine Relevanz fürs Geschehen nicht so recht einordnen.

Keine leichte Lektüre, ich empfand sie phasenweise sogar als sperrig, habe aber dennoch mit Genuss gelesen und am Ende mein Buch mit einer gewissen Befriedigung beiseite gelegt. Neue Interessen wurden geweckt, alte wiederbelebt - was will man mehr.

Für Freunde von klugen Unterhaltungsromanen, die Wissenschaftsthemen nicht abgeneigt sind, genau das Richtige!

Veröffentlicht am 21.02.2018

Ein Mann gibt sich preis

In jedem Augenblick unseres Lebens
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Tom verliert seine Frau, kurz bevor es zum schönsten Moment ihres gemeinsamen Lebens kommen kann:nämlich dem, in dem sie zusammenEltern werden. Und das Unfassbare passiert: das kleine Mädchen Livia - die ...

Tom verliert seine Frau, kurz bevor es zum schönsten Moment ihres gemeinsamen Lebens kommen kann:nämlich dem, in dem sie zusammenEltern werden. Und das Unfassbare passiert: das kleine Mädchen Livia - die Mutter, die noch eine Weile um ihr Leben kämpft, kann ihr noch diesen Namen geben - überlebt, die Mutter muss ihre Familie verlassen, noch bevor diese zu einer geworden ist: Karin hat eine schreckliche Krankheit, eine seltene, die spät entdeckt wird und unheilbar ist, sie erlebt ihre Mutterschaft nur noch kurz und quasi in einer Zwischenwelt - zwischen Leben und Tod.

Tom erlebt diese unfassbare Zeit, in der er - quasi automatisch - zum alleinerziehenden Vater wird - wie durch einen Film, durch den falschen Film, in den er geraten ist. Und das Schlimme - der Tod ist weiterhin um ihn herum, sein Vater und Schwiegervater ringen damit.

Und das Unfassbarste an allem - Tom Malmquist, der Autor, IST Tom, er hat diese erschreckenden Erfahrungen hinter sich, hat seine Geschichte aufgeschrieben - als Roman.

Tom ist ein Dichter, ein junger Mann, der der Poesie verpflichtet und nicht so recht von dieser Welt ist. Sprache benutzt er als Waffe, so scheint es, als eine Art Abwehrmittel gegen die Welt um sich. Und daher wirkt seine Geschichte oft sehr befremdend, sehr distanziert.

Ich kann mir vorstellen, dass das die einzige Art ist, mit diesen Schicksalsschlägen klarzukommen, sie in irgendeiner Form aushalten, ja: parieren zu können. Und deswegen hat er, der Mann des Wortes seine Geschichte in einen Roman gepackt, in dem er sie aus der Ferne erlebt: seinen Lesern gibt er sich und sein trauriges Schicksal dadurch preis. Eine sehr mutige Art, mit seinem Schicksal umzugehen, finde ich.

Ob ich das Buch empfehle? Ja, natürlich, aber die Lektüre kostet viel Kraft, man sollte es also nicht in jeder Lebenslage lesen - sondern eine wählen, in der man eine gewisse Stabilität an sich feststellt, in der man sich ein wenig auf sich selber verlassen kann. Sonst kann ich - und Tom sicher auch nicht - für nichts garantieren.

Veröffentlicht am 21.02.2018

Lycke ist weg

Glücksmädchen
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Auf dem Weg zum Tennisunterricht ist sie verschwunden. Ein achtjähriges Mädchen, ein Scheidungskind aus einer Patchworkfamilie, das hin und her gereicht wird. Kein Kind, das auf der Sonnenseite des Lebens ...

Auf dem Weg zum Tennisunterricht ist sie verschwunden. Ein achtjähriges Mädchen, ein Scheidungskind aus einer Patchworkfamilie, das hin und her gereicht wird. Kein Kind, das auf der Sonnenseite des Lebens steht, wie sich mehr und mehr herausstellt, auch wenn es viele Bezugspersonen in ihrem Leben gibt, fast schon zu viele. Unter anderem auch eine Stiefmutter, die auch schon die "Konkurrenz", den kleinen Stammhalter, auf die Welt gebracht hat und ständig ihre Stellung behauptet. Hat sie damit zu tun? Oder vielleicht der Tennistrainer? Oder einer der leiblichen Eltern? Wie gesagt, ist die Auswahl groß.

Dazu kommt, dass Ellen, die für ihr Magazin berichten soll, auf eine ganz eigene Art, die sich erst nach und nach erschließt, in der Geschichte drinhängt.

Das alles verspricht einen spannenden Thriller. Aber leider bleibt es über weite Phasen bei diesem Versprechen, die Geschichte kommt nicht so recht in die Gänge.

Mein Fazit also: Eine traurige Geschichte über ein verschwundenes Mädchen, das leider immer mehr in den Hintergrund rückt und zeitweilig (fast) verschwindet. Wie auch einige der Erzählstränge, die vielversprechend aufgenommen werden, nicht nur um die kleine Lycke, sondern auch um Reporterin Ellen Tamm. Dabei ist diese Figur durchaus vielschichtig aufgebaut und hat - mit ein wenig Feinjustierung - durchaus das Zeug zu einer recht originellen Serienprotagonistin. Sollte es also einen Nachfolgeband geben, ich würde Ellen Tamm und damit der Autorin Mikaela Bley durchaus noch eine Chance geben. Im Moment kann sie jedoch noch nicht mithalten mit anderen Größen nordischer Kriminalliteratur.

Veröffentlicht am 21.02.2018

Wild und gefährlich

Mein Herz ist ein wilder Tiger
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ist das Leben der Zirkusartistin Elly Simon. Beziehungsweise war es das für lange Zeit, denn inzwischen lebt sie fast hundertjährig in einem Pflegeheim in Berlin und wartet auf ihren Tod, im Gepäck schillernde ...

ist das Leben der Zirkusartistin Elly Simon. Beziehungsweise war es das für lange Zeit, denn inzwischen lebt sie fast hundertjährig in einem Pflegeheim in Berlin und wartet auf ihren Tod, im Gepäck schillernde und abenteuerliche Erlebnisse vergangener Zeiten.

Wild und gefährlich ist auch das Leben von John Mbete, einem Flüchtling aus Somalia, schillernd allerdings würde es niemand nennen - voller unglücklicher Erlebnisse und Traumata ist es. Er trifft im Heim auf Elly - als ihr Pfleger, sie erzählt ihm aus ihrem Leben und findet bei ihm Gehör, Verständnis und auch Zuneigung.

Weit herumgekommen ist die alte Dame, viel gesehen hat sie, auch in ihrem Leben gab es viel Trauer, es war von Verlusten geprägt, ebenso wie das noch recht Kurze von John. Für eine kurze Zeit sind sie einander Halt und Zuflucht, doch droht John bereits der nächste Verlust, denn es ist klar, dass Elly nicht mehr lange leben wird.

Eine Geschichte voller Liebe, Achtung und Zuversicht, die mich dennoch nicht in ihrer Gänze erreicht hat. Ich bin ein großer Fan von Tanja Weber, habe viele ihrer Bücher gelesen und mich für fast alle begeistern können, hier allerdings scheint mir die Geschichte nicht ganz rund zu sein. Mit ihren Schilderungen um die Suche nach einer Zuflucht, einem Zuhause hat sie mich nicht ganz erreichen können.

Auch wenn es auf jeden Fall der richtige Schritt war, gerade in diesen Zeiten den Themen Flucht und Vertreibung gerade auch ein Format, eine Präsenz auf literarischer Ebene zu verleihen. Und wie man es von der Autorin nicht anders kennt, nähert sie sich dem Thema behutsam und voller Achtung, wobei sie mutig die unterschiedlichsten Aspekte anspricht. Schwarz und weiß gibt es bei ihr definitiv nicht, auch nicht als Hautfarben, alles verbindet sich, alles ist vielschichtig und nicht so, wie es zunächst scheint. Ach, wie gerne hätte ich mich völlig begeistert in dieses Buch "geworfen", doch irgendwie hat es mich nicht ganz gepackt. Anderen mag es anders ergehen und ich möchte interessierte auf jeden Fall dazu ermutigen, sich an dieses Buch zu wagen.