Ein praller, stimmungvoller und vor allem authentischer Einblick in das Leben in der Lutherzeit
Die geheime BrautWer erfahren will, wie es in Wittenberg zu Luthers Zeiten zugegangen sein könnte und sich dabei noch bestens unterhalten lassen will - der kommt an der neuesten Schöpfung der Historikerin Brigitte Riebe ...
Wer erfahren will, wie es in Wittenberg zu Luthers Zeiten zugegangen sein könnte und sich dabei noch bestens unterhalten lassen will - der kommt an der neuesten Schöpfung der Historikerin Brigitte Riebe nicht vorbei: "Die geheime Braut" ist ein anspruchsvoller, amüsanter und überaus spannender Roman, der zudem bestens recherchierte Hintergrundinformationen liefert.
Worum geht es: die ehemalige Braut Christi Susanna ist obdachlos - das Kloster, in dem sie und ihre Freundin Binea lebten, wurde aufgelöst - seitdem pilgern sie quasi heimatlos, am Rande einer gesellschaftlichen Existenz, durch die Lande. In Wittenberg kommt es zu einer überaus abenteuerlichen Begegnung mit Jan Faber, seines Zeichens Geselle bei Lucas Cranach, die die beiden Mädchen komplett ins Unglück stürzen könnte - statt dessen bietet Jan ihnen den rettenden Anker, indem er ihnen eine Stellung als Mägde beschafft - ausgerechnet beim großen, gestrengen Martin Luther und seiner Frau Katharina von Bora. In diesem überaus geschichtsträchtigen Umfeld nun kommt es zu mehreren Morden an jungen Frauen - und der cranachsche sowie der luthersche Haushalt mitsamt Mägden stecken bald mittendrin.
Gefährlich geht es zu, aber auch lehrreich. Schauplätze sind nicht nur die Häuser Cranachs und Luthers, nein, die Autorin versteht es geschickt, auch die Universität, die fürstliche Residenz mitsamt ihren Herrschern , aber auch eher am Rande der sozialen Existenz stehende Orte wie das örtliche Freudenhaus einzubinden.
Ein bunter Reigen also - vielleicht gar zu bunt? Mitnichten, denn Brigitte Riebe kann schreiben und ist eine erfahrene Historikerin. Der Leser begegnet vielen Charakteren, doch sind diese so plastisch beschrieben, dass man sie unschwer auseinanderhalten kann. Auch Längen kommen in diesem Roman nicht vor, im Gegenteil - es ist fast unmöglich, ihn aus der Hand zu legen. Mich persönlich haben einzig die zahlreichen Sexszenen, die oft stark im Vordergrund standen, gestört. Doch das ist meine persönliche Meinung - ich mag es eben gern etwas subtiler.
Ansonsten empfehle ich es jedem, der sich entführen lassen will in Luthers Zeit und dabei wirklich gut und mit hohem Anspruch unterhalten werden will. Ein Roman, in dem man so richtig schwelgen kann - etwas für lange Wochenenden, an denen man (fast) unbegrenzt Zeit hat!