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TochterAlice

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Veröffentlicht am 30.12.2017

Wer sich umdreht oder lacht

Bodin lacht
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kriegt den Buckel schwarz gemacht!

So auch der Psychiater Bodin, dessen unangenehmes Lachen an den merkwürdigsten Stellen, bei den merkwürdigsten Gelegenheiten zu hören ist.. Bodin ist auf der Suche- ...

kriegt den Buckel schwarz gemacht!

So auch der Psychiater Bodin, dessen unangenehmes Lachen an den merkwürdigsten Stellen, bei den merkwürdigsten Gelegenheiten zu hören ist.. Bodin ist auf der Suche- vordergründig nach einer ehemaligen Patientin, in Wahrheit wohl eher nach dem Sinn des Lebens. Der Hermaphrodit Martin sucht nach seiner Identität, seine Mutter Paula nach der Jugend - oder nach dem wahren Glück? Sie alle verbindet etwas: das Blut, eine frühere Affäre.... aber vor allem der Umstand, dass sie alle die engelsgleiche Pianistin und Klavierlehrerin Evelyn kannten, die ermordet aufgefunden wird - und das in unmittelbarer Nähe von Paulas Haus... Verfolgt von einem eigenartigen Ermittlerteam, das untereinander merkwürdige, ja abstoßende Beziehungen hegt... Ein eigenartiges Buch, dessen schönes, pralles und auffälliges Cover fast mehr verspricht, als es halten kann.
Doch möglicherweise irritiert nur mich diese ungewöhnliche Geschichte, dieses eigenartige Sammelsurium von Figuren, von denen viele untereinander, die meisten jedoch hauptsächlich mit sich selbst hadern... und dadurch im Leben merkwürdige, ja befremdliche Pfade einschlagen.

Ein Buch, dass Lesern ungewöhnlicher Krimis, bspw. Fans von Heinrich Steinfest gefallen könnte und in das der Leser, ob es ihm nun bedingungslos zusagt oder auch nicht, mehr und mehr eintaucht und sich treiben lässt... um sich am Ende mit einem gewissen Erstaunen wieder zu lösen...

Veröffentlicht am 30.12.2017

Eine sachliche Romanze

Die Frau des Botschafters
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Die Botschaftergattin Oda hat nicht viel zu tun - auf einem ihrer einsamen Spaziergänge im Botschaftsgarten in Helsinki kommt sie auf die Idee mal zu angeln - ihr Nichtkönnen wird belohnt - durch ein Geschenk: ...

Die Botschaftergattin Oda hat nicht viel zu tun - auf einem ihrer einsamen Spaziergänge im Botschaftsgarten in Helsinki kommt sie auf die Idee mal zu angeln - ihr Nichtkönnen wird belohnt - durch ein Geschenk: einen riesigen Fisch, den ihr ein älterer Herr mit einer knallroten Jacques-Costeau-Mütze auf den Bootssteg wirft. Langsam lernt Oda Klaus, der einen deutschen Vater hat, näher kennen und er sie: er erfährt, dass ihr Sohn schwerbehindert ist, sie erfährt, dass er seinen Vater - der als deutscher Soldat im 2. Weltkrieg in Finnland stationiert war, nie kennengelernt hat. Langsam entwickelt sich eine Freundschaft, die in einer Art gemeinsamen Road-Movie, einer mehr als verwegenen - jedoch alles andere als wilden - gemeinsamen Reise nach Deutschland mündet.

Zudem spielen der Botschafter Robert, Odas Ehemann sowie der Bibliothekar der deutschspachigen Bücherei in Helsinki eine jeweils nicht unwesentliche Rolle in dem ganzen - ja, Drama? Gesellschaftsstück? ich konnte es nicht eindeutig einordnen - der künftige Leser darf gespannt sein.

Nicht nur als Romancier outet sich Stefan Moster, nein, auch als eine Art Dokumentar der Zeitgeschichte und der jüngeren Vergangenheit - genau sind die Daten, an denen relevante Ereignisse stattfinden, fixiert: die Geschichte selbst spielt im Jahre 2011, was durch die Schilderung diverser gesellschaftspolitischer Ereignisse belegt wird, ein für die Handlung wichtiges Schlüsselerlebnis hat in früheren Zeiten, auf einer Wahlparty im Jahre 1987 in der damaligen Hauptstadt Bonn stattgefunden. Und natürlich wird die auch die Rolle Finnlands im 2. Weltkrieg, bzw. die damaligen deutsch-finnischen Beziehungen angesprochen.

Als eine sachliche Romanze - eine Romanze mit wechselnden Akteuren in der Hauptrolle - beginnt das Buch, wird zum Ende hin jedoch lyrischer und zarter.

Still und ein wenig spröde wie die finnische Landschaft - so wirkt Mosters Erzählstil auf mich. Man muss sich einlassen, hadert ab und an mit dem Gelesenen, um dann wieder die Bürde der Figuren verständnisvoll mitzutragen, bis zum - nein, nicht bitteren, sondern aus meiner Sicht versöhnlichen Ende. Der Autor schreibt gefällig, der Leser muss bereit sein, sich auf die Nuancen einzulassen, in denen sein Stil vom Herben zum Zarten, vom eher Strengen zum Lyrischen wechselt. Mit seiner Sprache Bilder malen - das vermag der Autor dennoch in jeder Situation - man kann sich den Botschaftsgarten, in dem Oda ihre Runden zieht, die Ostsee, das Pflegeheim, in dem der Sohn betreut wird, die Wahlparty in den 1980ern tatsächlich bildlich vorstellen.

Ein fesselndes Buch, doch mir persönlich zeitweilig dann doch zu widersprüchlich, nicht durchgehend konnte ich mich bedingungslos darauf einlassen. Trotzdem eine vorbehaltlose Empfehlung meinerseits - für Leser, die stille, intelligente Romane lieben und die nicht daran glauben, dass es immer so weitergehen muss wie bisher!

Veröffentlicht am 30.12.2017

Ein perverser Serienmörder unterwegs in Düsseldorf

Der Schmerzsammler
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...und zwar ist die Intention dieses Mörders ganz besonders pervers und auch widerlich - er ist ein Sammler, seine Sammelleidenschaft konzentriert sich auf Schmerzen, genauer gesagt auf Schmerzensschreie. ...

...und zwar ist die Intention dieses Mörders ganz besonders pervers und auch widerlich - er ist ein Sammler, seine Sammelleidenschaft konzentriert sich auf Schmerzen, genauer gesagt auf Schmerzensschreie. Die Opfer werden nach Stimmlage ausgewählt - freuen Sie sich also ausnahmsweise über Ihre heisere, kratzige oder sonst in irgendeiner Form unattraktive Stimme - mit großer Wahrscheinlichkeit wären Sie nämlich nicht vom Schmerzsammler "eingeladen" - so bezeichnet er das Überwältigen seiner Opfer - worden. Oder vielleicht doch...

Im Verlauf des Thrillers nämlich erhält der Leser immer wieder Einblick in die Psyche dieses Mannes - und es ist definitiv kein Mensch (so man ihn noch als solchen bezeichnen kann), den man gerne kennen würde.

Geht es hier um satanistische Ritualmorde? Die junge Profilerin und Sektenbeauftragte Fran Miller und ihr Team ermitteln fieberhaft, immer wieder mal gestoppt von politischen oder anderen Interessen hochrangiger Vorgesetzter - besonders dramatisch wird es, als auch die Stieftochter des ermittelnden Staatsanwaltes der Bestie zum Opfer fallt. Dramatisch, schnell, blutig , schaurig und atmosphärisch schreibt der Autor Martin Conrath - da kann auch schon mal der ein oder andere Erzählstrang im Sande verlaufen, die ein oder andere Figur nicht ganz stimmig beschrieben sein - das fällt wahrscheinlich nur Lesern wie mir, die eigentlich den klassischen stimmungsvollen Krimi, den Whodunnit bevorzugen, ins Auge. Liebhaber brutalster Thiller sind hier bestens aufgehoben, der "Schmerzsammler" kann mit jedem Machwerk aus amerikanischer Feder mühelos konkurrieren. Dazu kommt noch die atmosphärische Schilderund des Tatortes Düsseldorf - nein, zu meckern gibt es hier nicht viel: bei mir wird es sicher einfach an der etwas anders gearteten literarischen Vorliebe liegen, das hier am Ende doch gewisse Fragezeichen über mir schweben. Trotzdem freue ich mich auf Frans nächsten Fall. Ich weiß aber jetzt schon, dass ich ein extremes Stimmungshoch meinerseits abwarten werde, bevor ich zur Lektüre greife.... in depressiver Laune sollte man wahrlich nicht zu dieser - im übrigen auch stilistisch einwandfreien - Lektüre greifen!

Veröffentlicht am 30.12.2017

Die jahrelange Suche nach einem Mörder

Der Mann im Park
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... beschäftigt Kommissar John Stierna von der Stockholmer Kriminalpolizei von 1928 bis 1953 und überdauert vieles: politische Strukturen, Freundschaften, Stiernas Ehe. Doch gelingt es dem Ermittler 1953 ...

... beschäftigt Kommissar John Stierna von der Stockholmer Kriminalpolizei von 1928 bis 1953 und überdauert vieles: politische Strukturen, Freundschaften, Stiernas Ehe. Doch gelingt es dem Ermittler 1953 - nachdem er frühzeitig in Rente gegangen, den Fall seines Lebens doch noch zu Ende zu führen?
Dieser Fall ist ein besonderer - quasi das Gegenteil eines Serienmordes: ein kleines Mädchen, Ingrid Svensson wird am 2. September 1928 ermordet. Aufgewachsen bei einer alleinerziehenden Mutter, hatte Ingrid bis zu ihrem Tod gleichwohl eine glückliche Kindheit, man musste nicht zu sehr sparen, Ingrid wurde von Mutter, Großeltern und Onkel geliebt, war in der Schule gut und bei ihren Klassenkameraden beliebt. Einige wussten, dass sie in ihrem letzten Sommer einen Mann im Park kennengelernt hatte - war das ihr Mörder? Die Gesellschaft und auch die Polizei ist überaus erschüttert von diesem Fall, doch es ist schwer, der Spur des Mörders zu folgen. Deswegen bleibt der Fall bis 1953 ein ungelöster...
Ein außergewöhnliches, ein interessantes Buch, doch eines mit Längen. Das Cover verspricht einen Thriller, doch könnte das Buch auf Freunde herkömmlicher, knallharter Thriller ausgesprochen langweilig, gar schwerfällig wirken. Ich sehe es als eine Art historischen Spannungsroman mit Krimielementen, als solcher ist er - lässt man mal die sich teilweise wirklich recht langatmig entwickelnde Handlung, sich immer mal wiederholende Sujets außer Acht - ein absoluter Gewinn, zumal der Autor, der schwedische Journalist Pontus Ljunghill, ausgesprochen sorgfältig recherchiert hat und somit zumindest Ereignisse der damaligen Zeit wirklich gut in die Handlung einbaut. Atmosphärisch hingegen wirkt dieses Buch auf mich nur gelegentlich, nicht immer gelingt es dem Autor, mich in dem Setting der 1920er, 1930er, 1940er und schließlich der Nachkriegszeit, der 1950er Jahre einzufangen. Trotzdem spreche ich eine Empfehlung aus: Ljunghill schreibt wirklich gut, das Sujet ist ungewöhnlich - historische Krimis aus Schweden kannte ich bisher nicht. Und auch wenn ich mich bei ihm nicht wie in den Berliner Krimis von Susanne Goga, die in den 1920er Jahren oder wie in der im Hamburg der unmittelbaren Nachkriegszeit, in den späten 1940er Jahren spielende Serie von Cay Rademacher um den Oberinspektor Frank Stave bedingungslos in die Zeit hineinversetzen kann, war die Lektüre sowohl unterhaltsam als auch lehrreich. Sollte es eine Fortsetzung bzw. ein zweites Buch des Autors geben, würde ich eine Lektüre zumindest ins Auge fassen!

Veröffentlicht am 30.12.2017

Schwarzwaldmord

Und nie sollst du vergessen sein
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Emma Hansen, Kommissarin im Stress, macht seit langem mal wieder Urlaub - und begibt sich "back to the roots", zur Stätte ihrer Kindheit, nach Nöggenschwiel im Schwarzwald, dem idyllischen Rosendorf, in ...

Emma Hansen, Kommissarin im Stress, macht seit langem mal wieder Urlaub - und begibt sich "back to the roots", zur Stätte ihrer Kindheit, nach Nöggenschwiel im Schwarzwald, dem idyllischen Rosendorf, in dem ihre Familie vor deren Zerbrechen Jahr für Jahr den Sommerurlaub verbrachte. Sie wohnt bei ihren früheren Vermietern, möchte die Stätten ihrer Kindheit aufsuchen, alte Freunde wiedertreffen - und so ist es ein Schock für sie, dass Charlotte, ihre Ferienfreundin, seit fünfzehn Jahren verschwunden ist.

Auch sonst ist nicht viel von der Rosenidylle Nöggenschwiel zu spüren, das liegt nicht zuletzt daran, dass nun November ist, das Wetter entsprechend unwirtlich. Gleich an Emmas erstem Ferienmorgen wird eine Leiche aufgefunden - ein alter, versoffener Bauer, der Hab und Gut verloren hatte und nach dem Tod seiner Frau jegliche Lust am Leben verloren hatte, sagen alle - bis herauskommt, dass er ermordet wurde.

Und was ist mit Charlotte passiert - ist sie auf und davon? Oder ist auch sie einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen?

Der Krimi beginnt ausgesprochen atmosphärisch und faszinierend, eindrucksvoll zeichnet Jörg Böhm seine Figuren, lässt den Leser in das Schwarzwälder Dorfleben eintauchen und macht Seite für Seite Lust auf mehr, auf die Auflösung - doch leider kann er das Tempo, den Spannungsaufbau nicht halten. Die Handlung wird zunehmend wirr, der Leser kann den Entwicklungen nicht mehr so klar folgen: bspw. kommen sehr viele Figuren vor - mir ist es öfter mal passiert, dass ich nicht mehr wusste, wer wer ist. Hier wäre weniger mehr gewesen und auch die - zumindest teilweise - ausgesprochen überraschende Auflösung konnte das Buch nicht mehr in Gänze retten. Trotzdem habe ich Emma Hansen in mein Herz geschlossen und hoffe sehr, dass es weitere Krimis mit ihr geben wird