Marschbefehl in idyllischer Schärenlandschaft
Mörderische SchärennächteDer vierte Teil von Viveca Stens auf und um die idyllische Ferieninsel Sandhamn angesiedelten Krimi-Reihe lässt schon auf den ersten Seiten die gewohnte atmosphärische Spannung aufkommen, die ich so liebe. ...
Der vierte Teil von Viveca Stens auf und um die idyllische Ferieninsel Sandhamn angesiedelten Krimi-Reihe lässt schon auf den ersten Seiten die gewohnte atmosphärische Spannung aufkommen, die ich so liebe. Die Handlung garantiert wie immer Aufregung und Unterhaltung gleichermaßen. Diesmal entführt uns die Autorin in ein für das friedliche und friedliebende Schweden sehr ungewöhnliches Setting - in die Welt des Militärs, die auch hier existiert. Zunächst wird ein toter junger Mann, ein Psychologie-Student aufgefunden, es folgen weitere Leichen - Männer in den 50ern, alle mit einer gemeinsamen militärischen Vergangenheit in den 1970er Jahren - und zwar bei den damals in unmittelbarer Nähe zu Sandhamn stationierten Küstenjägern. Allmählich kristallisiert sich eine Verbindung zwischen allen Todesfällen heraus - denn der Junge Student hat Forschungen im militärischen Umfeld getätigt. Wie so oft bei Viveca Sten, gibt es auch hier Verbindungen zu früheren Ereignissen - diesmal zur schwedischen Armee der 1970er Jahre.
Wie immer spielt auch die Rahmenhandlung um den attraktiven Ermittler Thomas Andreasson und seine Freundin aus Kindheitstagen, die Juristin Nora, eine Rolle, wobei sich das Leben der beiden in unterschiedliche Richtungen entwickelt: während Thomas und seine Exfrau wieder zueinander gefunden haben, treibt Nora die Scheidung zum untreuen Gatten voran und versucht sich mit dem Leben als alleinerziehende Mutter zu arrangieren.
Neben der Krimihandlung legt Viveca Sten in ihren Büchern stets den Akzent auf die Vermittlung und Relevanz gewisser Werte wie Freundschaft und Treue - da dies niemals mit dem erhobenen Zeigefinger und eher beiläufig geschieht, ist dies aus meiner Sicht ein angenehmer Aspekt, auf den ich mich bei jedem neuen Sandhamn-Krimi schon freue.
Wie auch in den beiden Vorgängern beweist sich die Autorin auch diesmal als Meisterin der atmosphärischen Dichte: der treue Leser kennt Sandhamn mittlerweile (fast) wie seine Westentasche und auch das Stockholmer Umfeld des Kripo-Teams ist ihm nicht mehr fremd. So fällt es ihm nicht schwer, mit Thomas, seiner Kollegin Margit und nicht zuletzt mit der wie immer an den Ermittlungen partizipierenden Nora - die diesmal als Lieferantin extrem wichtiger Hintergrundinformationen fungiert - mitzufiebern, sie quasi dabei zu begleiten. Dieser Band beinhaltet viele besonders tragische und auch brutale Elemente - gleichwohl gelingt es der Autorin, die über der Ferieninsel schwebende Leichtigkeit und spezifische Atmosphäre aufrechtzuerhalten, wobei von Unbeschwertheit keine Rede sein kann.
Viveca Sten hat sich mit ihren Krimis bereits eine treue Fangemeinde in Deutschland geschaffen - dieser wieder einmal überaus gelungene Band wird diese sicher noch vergrößern. Für Leser, die Autoren wie Viveca Stens Landsmänninnen Helene Tursten und Camilla Läckberg oder auch die Finnin Leena Lehtolainen lieben, ein gefundenes und von mir aus ganzem Herzen empfohlenes Fressen mit der Chance zu einer weiteren skandinavischen Lieblingsserie, wenn sie es nicht schon längst ist!