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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.01.2024

Hier wird nicht im Trüben, sondern im Seichten gefischt

Die Eisfischerin vom Helgasjön
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Eine herbe Enttäuschung war der Roman mit dem vielversprechenden Titel für mich. Es geht nicht so sehr um den hohen Norden, der ausschließlich als ebenso kühle wie (un)atmosphärische Kulisse ...

Eine herbe Enttäuschung war der Roman mit dem vielversprechenden Titel für mich. Es geht nicht so sehr um den hohen Norden, der ausschließlich als ebenso kühle wie (un)atmosphärische Kulisse für Riekes Hineinschlittern in ein neues Liebesglück dienen darf.

Wobei schon auf den ersten Seiten klar wird, dass Marco alles andere als der Traumprinz fürs ganze Leben ist: weder unterstützt er Rieke während ihrer Krankheit, noch kommt er auf die Idee, den anvisierten Skiurlaub mit Freunden dafür zu stornieren.

Statt dessen ist es die liebe Mama, die dafür sorgt, dass Rieke sich nach Schweden begibt. Und dort "ganz zufällig" ihrer Jugendliebe, einem Kommilitonen, begegnet - wohlgemerkt haben sie in Norddeutschland und nicht in Skandinavien studiert.

Auch alles andere ist ähnlich konstruiert - für mich alles andere als ein Roman, in den man sich begeistert hineinfallen lassen kann. Ganz im Gegenteil - ich war froh, als ich da wieder raus war!

Veröffentlicht am 20.01.2024

Nicht nur Nachbarn sind es

Nachbarn
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die Autorin Diane Oliver hier betrachtet - denn gewissermaßen ist es eine Analyse, die sie in jeder ihrer Geschichten vornimmt, wenn auch eine gelegentlich eine recht gut versteckte.

Denn sie ...

die Autorin Diane Oliver hier betrachtet - denn gewissermaßen ist es eine Analyse, die sie in jeder ihrer Geschichten vornimmt, wenn auch eine gelegentlich eine recht gut versteckte.

Denn sie betrachtet vor allem die Lage schwarzer Frauen - nicht selten solcher, die sich in prekären Lebenssituationen befinden, die durch die jeweiligen Partner noch deutlich verschlimmert werden. Doch ab und zu gibt es auch einen Abstechere zu höheren sozialen Schichten oder in die Welt der Weißen.

Ich bin überhaupt kein Fan von Kurzgeschichten, doch in diesem Werk fühle ich mich wirklich wohl, auch weil die leider längst verstorbene Autorin ihre Ausdrucksweise perfekt dem jeweiligen Thema anpassen kann. Bzw. der Protagonistin, in der Regel werden sie Geschehnisse aus der Sicht einer solchen geschildert.

Und oft ist es beklemmend, erschütternd oder zermürbend, was man dort in einer messerscharfen, klaren Sprache mitgeteilt bekommt - in einer Selbstverständlichkeit, die ihresgleichen sucht und auf mich ausgesprochen demaskierend wirkt.

Eine Warnung noch: das Gelesene wird nicht einfach so an ihnen vorbei gehen. Mit Sicherheit werden Sie - ob bewusst oder unbewusst - in irgendeiner Form darauf reagieren, wird das Buch sie noch eine ganze Weile festhalten. Es nur deswegen ungelesen zu lassen, wäre ein schrecklicher Fehler.

Veröffentlicht am 14.01.2024

Schwarzweiß oder Schwarz?

Weiße Wolken
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Die Schwestern Dieo und Zazie sind Töchter einer Deutschen und eines senegalischen Einwanderers und haben nie woanders gelebt als in Deutschland. Aufgewachsen sind sie bei ihrer Mutter, nur die Jüngere, ...


Die Schwestern Dieo und Zazie sind Töchter einer Deutschen und eines senegalischen Einwanderers und haben nie woanders gelebt als in Deutschland. Aufgewachsen sind sie bei ihrer Mutter, nur die Jüngere, Zazie, hat regelmäßigen Kontakt zum Vater und war auch schon häufiger im Senegal.

Das Eigenartige an ihrem Leben - von außen werden sie immer als irgendwie fremd betrachtet, womit Dieo, Mitte dreißig, verheiratet und Mutter dreier Söhne, ganz gut zurecht kommt. Die Endzwanzigerin Zazie hingegen hadert damit, trägt eine gewisse Wut in sich, die sich immer mal den Weg heraus bahnt und sich nicht selten gegen die Schwester richtet.

Ein spannendes Werk, in dem die Schwestern erst in einer Extremsituation so richtig zueiander finden, teilweise ziemlich provokant, manchmal aber auch witzig und warmherzig rüberkommen.

Gut, dass ich viele deutlich jüngere Kollegen habe, sonst wäre ich in bezug auf die doch sehr stylishe Sprache während der Lektüre oft verloren gewesen. Autorin Yandé Seck nimmt auch Abstand von gewissen Erklärungen im Vorfeld, der Leser wird mit jeder Tatsache, jeder Situation direkt konfrontiert - das kannte ich so nicht, kam aber überraschend gut klar damti.

Ein ungewöhnlicher Roman, in dessen Verlauf die Autorin beweist, dass sie sich auch durchaus selbst auf die Schippe nehmen kann - der Leser muss jedoch einiges an Geduld mitbringen!

Veröffentlicht am 09.01.2024

You not see nothing like the mighty Quinn

Der späte Ruhm der Mrs. Quinn
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So lautet einer meiner Lieblingssongs von Bob Dylan, aber auch das Urteil vieler Fernsehzuschauer bei der Backchallenge, an der die 77jährige Jenny Quinn teilnimmt und gemeinsam mit ihrem Konkurrenten ...

So lautet einer meiner Lieblingssongs von Bob Dylan, aber auch das Urteil vieler Fernsehzuschauer bei der Backchallenge, an der die 77jährige Jenny Quinn teilnimmt und gemeinsam mit ihrem Konkurrenten Azeez bald zum Zuschauerliebling avanciert.

Doch bis dahin war es ein langer Weg für die Dame, die seit Jahrzehnten jeden Tag köstliche Backwaren zaubert - bislang allerdings nur für die Familie und die wenigen Freunde, die sie und ihr Ehemann so haben. Und so mighty - mächtig also - wie sie teilweise rüberkommt, fühlt sie sich auch während der Challenge nicht.

Nun sollte sie am Ziel ihrer Wünsche sein, oder? Nun, das was Jenny treibt, ist nicht der Ehrgeiz zum Backstar der Nation zu werden. Natürlich will sie dort Erfolg haben, mehr noch jedoch ist für sie der Umstand, dass sie überhaupt so weit gekommen ist, ein Grund zur Freude - und das Erlebnis an sich.

Aber in ihrem Leben gibt es ein ganz, ganz großes, ja riesiges Geheimnis, von dem nicht einmal ihr Mann etwas ahnt. Wie wird sie wohl damit umgehen?

Ein Roman, dem ich zunächst nicht allzuviel abgewinnen konnte, denn auf mich wirkte er sehr harmlos - und ein kleines bisschen langweilig. Doch das legte sich rasch, die Handlung wurde dichter, vielschichtiger und vor allem tiefgründiger. Ein Buch mit Ecken und Kanten, das ich ins Herz geschlossen habe - ebenso wie die Protagonistin und ihre Lieben.


Veröffentlicht am 06.01.2024

Wahlverwandtschaften

Das dritte Licht
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Ein Mädchen wird an ein kinderloses Ehepaar, die Kinsellas, abgegeben. Nicht für immer, nur bis ihre Mutter mit dem nächsten Kind niedergekommen und wieder halbwegs auf die Beine gekommen ist. Sie schildert ...



Ein Mädchen wird an ein kinderloses Ehepaar, die Kinsellas, abgegeben. Nicht für immer, nur bis ihre Mutter mit dem nächsten Kind niedergekommen und wieder halbwegs auf die Beine gekommen ist. Sie schildert das Geschehene aus ihrer Sicht.

Zunächst fühlt sie sich - wie kann es auch für ein Kind anders sein - fremd, weiß nicht so recht, wie sie sich verhalten soll. Doch bald erfährt sie etwas bisher nicht Gekanntes, nämlich persönliche Wertschätzung. Die Kinsellas freuen sich, dass sie bei ihnen ist, dass sie Zeit mit ihr verbringen dürfen. Mit ihr als Person, nicht mit irgendjemandem. Sie ist nicht mehr nur eine weitere Esserin, sondern jemand, den man gerne bei sich hat und den man das auch spüren lässt. Sie wird um ihrer selbst Willen geliebt und das kommunizieren die Kinsellas nicht nur ihr, sondern auch Außenstehenden gegenüber.

Und dann kommt der Tag, an dem es für sie zurück ins Elternhaus geht....

Was für ein Buch! Die irische Autorin Claire Keegan vermag es, auf wenigen Seiten ungeheuer viel auszudrückt: sowohl in dem, was sie schreibt, als auch in dem, was sie nicht schreibt. Was für eine ungeheure Kraft steckt in ihren Worten, den eher knappen Sätzen. Keegan bringt es im wahrsten Sinne des Wortes auf den Punkt. Ich bin sehr dankbar, dass ich diese so besondere Autorin kennenlernen durfte, die zeigt, dass Warmherzigkeit nicht unbedingt vieler Worte bedarf. Ein außerordentliches Werk, dem jeder Preis der Welt gebührt und das ich jedem, der gerne liest, von Herzen empfehle!