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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.10.2023

Hildur lässt bitten

Hildur – Die Spur im Fjord
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Dieser Krimi markiert den Auftakt zu einer ungewöhnlichen Reihe um die Kommissarin Hildur Rúnarsdóttir, die in den Westfjorden Islands, auf gut Deutsch am A... der Welt, ermittelt. Eigentlich leitet sie ...

Dieser Krimi markiert den Auftakt zu einer ungewöhnlichen Reihe um die Kommissarin Hildur Rúnarsdóttir, die in den Westfjorden Islands, auf gut Deutsch am A... der Welt, ermittelt. Eigentlich leitet sie die Abteilung für vermisste Kinder, aber aufgrund der dünnen Besiedlung und der damit verbundenen ebenso dünnen Besetzung des Polizeireviers hat sie immer wieder in anderen Bereichen zu tun.

Wir erleben sie zunächst bei der Einführung ihres neuen Kollegen, des Finnen Jakob Johannson, der sich für einige Monate zur Aufarbeitung persönlicher Probleme nach Island versetzen ließ. Die beiden geraten an eine große Aufgabe - es gilt, Überlebende eines schweren Erdrutsches zu finden, zu retten und die Umgebung zu sichern.

Quasi nebenher erfahren wir, dass auch Hildur ein nicht gerade kleines Päckchen an persönlichen Problemen mitschleppt. Dennoch lässt sie sich nicht unterkriegen und meistert ihr Leben und ihren Beruf mit Humor.

Hildur ist eine sehr sympathische Figur, der ich gern weiter folgen möchte. Allerdings kommt dieser Einstiegsband noch ein wenig verschachtelt und umständlich daher, denn es sind so einige Erzählstränge und Informationen, die die Autorin Satu Rämö, selbst eine auf Island gestrandete Finnin dort untergebracht hat. Ich bin aber bester Dinge, dass sie sich bis zum nächsten Band weiter eingeschrieben hat und ich ihn noch mehr genießen werde als bereits diesen!

Veröffentlicht am 27.10.2023

Driftet mir zu sehr ab

Drifter
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Ich kenne Ulrike Sterblich bereits von ihrem vor mehreren Jahren veröfflichten Memoir "Die halbe Stadt, die es nicht mehr gibt" über ihre Jugend im Westteil des geteilten Berlin. Dieses Buch empfand ich ...

Ich kenne Ulrike Sterblich bereits von ihrem vor mehreren Jahren veröfflichten Memoir "Die halbe Stadt, die es nicht mehr gibt" über ihre Jugend im Westteil des geteilten Berlin. Dieses Buch empfand ich als witzig, einfallsreich, herzerwärmend und berührend - um nur einige von den Worten des Lobes, die mir dazu einfallen, zu nennen. Daher freute ich mich sehr auf ihren vielgerühmten Roman, erwartete Ähnliches.

Doch leider konnte ich mit diesem so gar nichts anfangen - eine Art modernes Märchen über KI, neue Lebensformen und eine Art Gruppenbildung im Stil von Querdenkern: die Autorin verlor mich früh und bekam mich auch nicht zurück, obwohl ich tapfer durchhielt bis zum bitteren Ende, das mir ebenfalls wenig weiterhalf.

Veröffentlicht am 26.10.2023

Wer spielt hier eigentlich welche Rolle?

Endstation Malma
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Auf der Zugfahrt nach Malma und in der gesamten Handlung: Wie viele Väter gibt es und wie viele Töchter? Und wie ist die Rolle der Mütter im jeweiligen Zusammenhang?

Es geht um Harriet, immer ...

Auf der Zugfahrt nach Malma und in der gesamten Handlung: Wie viele Väter gibt es und wie viele Töchter? Und wie ist die Rolle der Mütter im jeweiligen Zusammenhang?

Es geht um Harriet, immer wieder um Harriet. Aber ebenso um Oskar und Yana. Sie alle wollen geliebt werden - und schaffen es vor allem nicht selber. Also, sich selbst zu lieben. Wie es bei den anderen ist? Nun, es viel Verachtung, Abfälligkeit, Kälte in dem Roman enthalten - nicht durchgehend und nicht von jeder Figur aus, aber doch immer wieder und wieder.

Aber für mich sind dies die Faktoren, die den Roman tragen: Kälte, Verachtung, Hass ebenso wie Gleichgültigkeit und Ignoranz und jeder einzelne von ihnen macht es mir schwer, mit diesem Buch klar zu kommen. Sicher, der Autor Alex Schulman schreibt eindringlich und süffig, es fiel mir überhaupt nicht schwer, am Ball zu bleiben. Zumindest, was den Stil anging. In Bezug auf die Handlung war es ganz anders, ich wurde zögerlicher, verhaltener, die letzten Seiten zu bewältigen - das dauerte eine halbe Ewigkeit.

Wobei es ein kleines Highlight gab: die letzte Szene von Harriet mit ihrem Vater. Der aber wieder eine Unmenge solcher Passagen gegenüber standen, die für mich schier unlesbar waren. Vom emotionalen Standpunkt aus.

Nein, obwohl es gut geschrieben ist, ist dies nicht mein Buch. Ganz und gar nicht!

Veröffentlicht am 21.10.2023

Das Leben geht weiter

Abendrot
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Dieses Buch ist sozusagen die Fortsetzung des Romans "Lied der Weite, in dem verschiedene Leben zusammengewürfelt werden, ihre Gemeinsamkeit: alle Protagonisten leben wie in allen Romanen Harufs in der ...

Dieses Buch ist sozusagen die Fortsetzung des Romans "Lied der Weite, in dem verschiedene Leben zusammengewürfelt werden, ihre Gemeinsamkeit: alle Protagonisten leben wie in allen Romanen Harufs in der fiktiven Kleinstadt Holt in Colorado. Was nicht bedeutet, dass sie die Stadt nie verlassen. Nein, aber die wichtigsten Player kehren stets dorthin zurück.

Tom Guthrie mit seinen Söhnen Bobby und Ikem Victoria Roubideaux mit ihrer Tochter Katie, die Lehrerin, Maggie Jones, und die BrüderRaymond und Harold McPheron, sie alle treffen wir in diesem Roman wieder. Ihre Leben sind inzwischen mehr oder weniger eng miteinander verzahnt und es kommen weitere Akteure hinzu, die reizende, aber einsame Sozialarbeiterin Rose, ihre Schützlinge Luther und Betty mit ihren Kindern und der Junge DJ mit seinem kranken Großvater. So einige müssen Furchtbares durchmachen, bei anderen wiederum normalisiert sich das Leben um einiges.

Kent Haruf erzählt mit einer gewissen Distanz, dennoch warmherzig von seinen Helden des Alltags und immer wieder ist es ganz schön starker Tobak, den sie da durchmachen müssen. Doch immer wieder sind es Momente des Zusammenhalts, der Hilfsbereitschaft, die eine Wendung bringen und so klappt der Leser - zumindest ich - am Ende das Buch mit einem sehr warmen, wohligen Gefühl im Bauch zu.

Die Erzählweise des Autors ist sicher nichts für jeden, denn er schildert ausschließlich die jeweilige Gegenwart, blickt nicht zurück. Es sind also keine Figuren mit einer Historie, die wir kennenlernen bzw. erfahren wir nur ganz wenig und auch nur durch Hinweise der Charaktere selbst, wie sie zu dem wurden, was sie sind. Allerdings erstreckt sich die geschilderte Zeitspanne über etliche Monate, bzw. etwa ein Jahr und so gibt es durchaus Entwicklungen zu verfolgen , sowohl äußere als auch innere - beide sind spannend dargestellt.

Es ist ein leises Buch, aber dennoch eines mit Schwung, eines, in dem ordentlich Handlung drin vorkommt, man sollte nur bereit sein, sich darauf einzulassen. Mit seinem Roman über Helden des Alltags in Nordamerika stellte sich der Autor Kent Haruf - leider bereits 2014 verstorben - in eine Reihe mit Autorinnnen wie Anne Tyler, deren Romane alle in Baltimore spielen oder auch der kanadischen Nobelpreisträgerin Alice Munro, deren Erzählungen ebenfalls an einem Ort angesiedelt sind. Ein Autor, den es sich kennenzulernen lohnt!

Veröffentlicht am 21.10.2023

Ein Mann am Rande der Gesellschaft

Kein guter Mann
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....kann nur ein schlechter Mann sein! So denken immer noch viele und bei seinen Kunden - er ist Briefzusteller - ist er nicht beliebt. Besonders bei einem nicht, mit dem er sich richtig bekriegt. ...

....kann nur ein schlechter Mann sein! So denken immer noch viele und bei seinen Kunden - er ist Briefzusteller - ist er nicht beliebt. Besonders bei einem nicht, mit dem er sich richtig bekriegt. Das geht so weit, dass er strafversetzt wird - in die Christkindlfiliale in Engelskirchen, wo die Kinder vor Weihnachten ihre Wunschzettel hinschicken. Auch dort stänkert er herum, bis er an die Briefe von Ben, einem zehnjährigen Jungen, der sich praktische Hilfe - und zwar nicht vom Weihnachtsmann, sondern von Gott höchstpersönlich. Denn er muss den Haushalt für sich und seine Mutter schmeißen.

Walter beginnt irgendwann, ihm zurückzuschreiben... als Gott natürlich. Doch auch das bringt ihm wieder Ärger.

Ein stimmungsvoller, dabei warmherzig-humorvoller Roman, in dem es vor allem darum geht, wer Walter eigentlich ist. Beziehungsweise: was ihn zu dem gemacht hat, der er ist. Das sind schlechte Erfahrungen, vor allem aber sein Ruf, der Menschen veranlasst, ihm nicht gerade wohlwollend entgegenzutreten. Und noch einiges mehr, was der Leser höppchenweise in einem Rückblick erfährt.

Ein Buch, in dem vieles Traurige und Ärgerliche auf den Tisch kommt, das mich aber trotzdem mit einem warmen Gefühl im Bauch zurücklässt. Das ist der Verdienst des Autors Andreas Izquierdo, der hier wieder einmal den richtigen Ton trifft und es inhaltlich auf den Punkt bringt. Eine herzliche Empfehlung für dunkle Herbst- und Winterabende!