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Veröffentlicht am 05.03.2023

Out of Katernberg

Keine gute Geschichte
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Und zwar Essen- Katernberg: das ist Arielle geglückt, die dort nach dem Verschwinden ihrer Mutter bei ihrer Oma aufgewachsen ist, die ihre Enkelin nun, nach vielen Jahren, auf subtile Art zurückbeordert ...

Und zwar Essen- Katernberg: das ist Arielle geglückt, die dort nach dem Verschwinden ihrer Mutter bei ihrer Oma aufgewachsen ist, die ihre Enkelin nun, nach vielen Jahren, auf subtile Art zurückbeordert hat. Denn freiwillig hätte Arielle nun wirklich keinen einzigen Fuß mehr nach Katernberg hineingesetzt, euben der größten sozialen Brennpunkte des Ruhrgebiets gesetzt, das hat sie sich mehr oder weniger geschworen.

Entsprechend unwohl fühlt sie sich dort - ihr Alltag findet inzwischen in einem ganz anderen Umfeld statt, in Düsseldorf nämlich, wo sie in der Werbebranche tätig ist. Erfolgreich. Naja, meistens jedenfalls.

Zurück in dem Milieu ihrer Kindheit und Jugend, trifft sie die ein oder andere Bekanntschaft aus ihrer Vergangenheit und auch ein paar neue Leute und erfährt, dass zwei kleine Mädchen verschwunden sind. Auf ähnliche Weise wie ihre Mutter, nur dass die kein kleines Mädchen mehr war.

Mehr und mehr drängt es sie, über ihre Mutter zu sprechen, gerade auch mit Menschen außerhalb der Familie. Trotzdem kommt es dadurch auch immer wieder zu einer Beschäftigung mit den beiden abgängigen Zehnjährigen - das lässt sich überhaupt nicht vermeiden.

Ein Roman für Leser, die offen an ihre Lektüre herangehen und bereit sind, auch Wörter und Sprüche zu lesen, die sie selbst nie in den Mund nehmen würden. Und sich mit einem Setting, in dem eine öffentliche Tischtennisplatte zu einem romantischen Treffpunkt wird, zufrieden geben.

Lisa Roys Erstling ist ein ungewöhnliches Werk - ein Familienroman, ein Roman mit sozialem Sendungsbewusstsein, ein Krimi? Es hat ein bisschen von allem etwas, aber längst nicht alles. Die Autorin ist so mutig, ihren eigenen Weg zu gehen. Ich kann mir vorstellen, dass er nicht jedermanns Sache ist - wichtig ist er allemal.

Veröffentlicht am 04.03.2023

Ein Roman, der schmerzt

Gleißendes Licht
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Die Geschichte eines Jungen - Kaan - der erst peu à peu seine Herkunft und damit seine Identität entdeckt, auch seine Vergangenheit - wodurch seine Vorfahren ins Spiel kommen. Eigentlich zählen ...

Die Geschichte eines Jungen - Kaan - der erst peu à peu seine Herkunft und damit seine Identität entdeckt, auch seine Vergangenheit - wodurch seine Vorfahren ins Spiel kommen. Eigentlich zählen irgendwann nur diese - und er selbst.

Dieser Roman hat mir ungeheuer weh getan beim Lesen und nicht, weil ich so mitgefühlt hätte! Denn die Protagonisten - also Kaan und sein Dede sind so dermaßen machomäßig und unsympathisch beschrieben, dass es beim Lesen förmlich schmerzt - ich habe immer mit Zizi und und anderen, zeitweise auch in die Rolle der Benachteiligten gepackten Akteure gelitten.

Vor allem Kaan tut nur, was er will - als Erwachsener selbstverständlich erst, als er selbstbewusst ist, seine Begabung erkannt wurde und das allerschönste und -tollste Mädchen ihn liebt (und zwar schon seit Jahren): Da tritt er dann auf, als sei er der Großmogul höchstpersönlich.

Dass der besondere Stil aus der musischen Begabung des Autors geboren wurde, ist mir bewusst und ich weiß den Umstand zu würdigen - nicht jedoch die Aktion selbst - ich bin so gar nicht damit klargekommen. Auch nicht mit den implementierten Versen, die mich so gar nicht trafen - weder ins Gehirn, noch ins Herz. Und auch nicht in die Seele.

Wem ich dieses Buch empfehle? Eigentlich niemandem, auf keinen Fall Frauen, die hier nicht besonders gut wegkommen - in dieser Hinsicht wirkt dieser Roman geradezu unzeitgemäß auf mich. Ich hatte auf ein spannendes Werk über den Völkermord an den Armeniern seitens der Türkei gehofft - bzw. über dessen Wirkung oder Folgen - nein, es ist ein sehr persönliches Werk. Ich weiß nicht, ob für den Autor, mindestens jedoch für seinen Protagonisten und ich wünschte, ich könnte schreiben, es hätte mich gelangweilt. "Nur" gelangweilt.

Nein, leider habe ich mich richtiggehend geärgert

Veröffentlicht am 03.03.2023

Was die Vergangenheit birgt

Als Großmutter im Regen tanzte
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Einmal von einem der Alptraumszenarien in Deutschland - dem Nationalsozialismus und der unmittelbar darauf folgenden Zeit - aus einer anderen als der deutschen, in diesem Falle der norwegischen ...

Einmal von einem der Alptraumszenarien in Deutschland - dem Nationalsozialismus und der unmittelbar darauf folgenden Zeit - aus einer anderen als der deutschen, in diesem Falle der norwegischen Perspektive zu lesen: Das ist schon etwas ganz Besonderes. Zumal das Szenario ein recht außergewöhnliches ist.

Wie so häufig, spielt die Handlung auf zwei Ebenen: Auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Mann kehrt Juni in das Haus ihrer verstorbenen Großeltern zurück, das sie von ihrer Mutter - auch diese lebt nicht mehr - geerbt hat. Dort hat sich nichts geändert - alles ist so, wie sie es erinnert, was schön und traurig zugleich ist. Sie stöbert in alten Dokumenten und entdeckt, dass ihre Großmutter - damals noch blutjung - offenbar am Ende des Krieges in Deutschland war. Und dass sie offenbar einen deutschen Soldaten - diese hatten ja Norwegen besetzt - näher kannte.

Juni geht der Sache nach, dringt immer tiefer ein und findet Verbindungen auch zu sich selbst.

Ein wirklich berührender historischer Roman, bei dem - so mein Eindruck - die dramatischen Geschehnisse in Demmin im Osten Deutschlands nicht ganz im Detail recherchiert wurden - über den dortigen Massensuizid im Mai 1945 habe ich bereits viel gelesen und auch einige Dokumentationen gesehen. Andererseits ist dies ein Roman, in dem alles seine eigene Geschichte haben darf.

Auch wenn ich manchmal ein bisschen befremdet war, habe ich diesen sehr besonderen Roman doch genossen - wenn man etwas, das viel Qual und Schmerz darstellt, überhaupt genießen kann. Doch die Autorin Trude Teige versteht es, ein gewisses Licht, eine Zuversicht durchscheinen zu lassen - und das bezieht sich nicht nur auf die Großmutter, die im Regen tanzte!

Eine empfehlenswerte Lektüre für alle, die gern Romane über die jüngere deutsche Geschichte lesen.

Veröffentlicht am 26.02.2023

Leben und Lernen im Katzeninternat

Mitternachtskatzen, Band 3 - Der König der Federträger
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Wo sonst ist das möglich als in London, England - der Stadt der Internate im Land der Internate! Das Glück dieses Abenteuers - und es ist wirklich eines - wird nur Nova, Henry und anderen Felidix, ...

Wo sonst ist das möglich als in London, England - der Stadt der Internate im Land der Internate! Das Glück dieses Abenteuers - und es ist wirklich eines - wird nur Nova, Henry und anderen Felidix, also Katzenmenschen zuteil - denn hier lernen sie, mit Katzen zu leben und, wenn notwendig, für ihr Wohlergehen zu sorgen.

Und das ist gar nicht so einfach, denn es gibt einen echt fiesen Katzenkönig namens Fergus Finnigan, der in Schottland residiert und Böses mit der englischen Herrscherin vorhat.

Außerdem befindet sich Novas Vater im Gefängnis, nicht in Schottland, nein, gleich in London - vollkommen unschuldig natürlich und Novas Mutter, auch sie eine Felidix und Lehrerin an Novas Schule, ist aus Schottland zurückgekehrt, um ihm zu helfen.

Aber das können doch Nova und Henry viel besser und vor allem schneller - denken sie zumindest selbst und machen sich flott auf ins Gefängnis - natürlich mitten in der Nacht und in katziger Begleitung.

Und das ist erst das erste Abenteuer, das die Leser mit Nova bestehen dürfen. Nein, dieses Buch ist nun wirklich nichts für schwache Nerven, da geht es schon superspannend zu. Und zwar durchgehend

Eigentlich ist dies ein Buch für alle jungen und etwas älteren Leser und Leserinnen, die Spannungsliteratur mit fantastischen Elementen mögen - allerdings sollte man nicht gerade Katzenhasser sein, denn dann wird man das Buch wohl kaum so richtig genießen können!

Veröffentlicht am 25.02.2023

DDR-Ferienlager

Schneckenmühle
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Sommer 1989: Jens, ein Berliner Junge im Teenageralter aus dem Osten der Stadt fährt, wie auch in den Jahren davor, ins Jugendlager Schneckenmühle. Und zwar mit gemischten Gefühlen: einerseits freut er ...

Sommer 1989: Jens, ein Berliner Junge im Teenageralter aus dem Osten der Stadt fährt, wie auch in den Jahren davor, ins Jugendlager Schneckenmühle. Und zwar mit gemischten Gefühlen: einerseits freut er sich, viele Freunde wiederzutreffen, andererseits hadert er mit dem Ungewissen. Wie wird es dort dieses Jahr, das zudem sein Letztes ist? Außerdem ist er kein Durchschnittsbürger: er hat durch Verwandtschaft viel Westkontakt und ist zudem "kirchlich" - seine Eltern sind also Christen. Das unterscheidet ihn in einigem von anderen, verleiht ihm eine teilweise distanziertere, teilweise aber auch naivere Sichtweise.

Dieses Buch thematisiert den Aufbruch und zwar in unterschiedlicher Hinsicht: aus Jens' ganz eigener Perspektive den ins Erwachsenenleben, aus der Sicht seiner Familie den in ein neues, anderes Leben im Westen, aus politischer Sicht den Aufbruch in eine andere Zeit mit neuen Strukturen, neuen Grenzen. Das alles ist, da aus Jens' Sicht dargestellt, unglaublich subtil geschildert - auch wenn es der Blickwinkel eines ganz normalen, frechen Jugendlichen ist, wirkt es sehr zart, sehr empfindsam.

Ein Buch für Erwachsene? Schwer zu sagen. Ein Jugendbuch? Ganz bestimmt nicht! Was ist es denn und für wen ist es gedacht? Nun, in erster Linie ein toll geschriebener Roman, deutsche Gegenwartsliteratur zum Genießen. Aber auch eine Dokumentation einer ganz wichtigen, ja der wichtigsten Veränderung in Deutschland in den letzten 50 Jahren. Also etwas für jeden, der sich für das Thema "Wende" und "Wiedervereinigung" interessiert und nicht nur reine Fakten, sondern auch Stimmungen erfassen will. Das nämlich ist durch dieses Buch möglich: eine besondere Gabe des Autors und ein Geschenk für die Leser - jedenfalls für diejenigen, die einen Sinn für so etwas haben.