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Veröffentlicht am 17.09.2021

In Irland haben es die Frauen nicht leicht

Lügenmauer. Irland-Krimi (Ein Emma-Vaughan-Krimi 1)
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Ein protestantischer Geistlicher ist in seinem eigenen Haus in der Nähe von Sligo ermordet aufgefunden worden. Nach und nach kommt heraus, dass er nicht nur Freunde hatte und selbst in der eigenen Familie ...

Ein protestantischer Geistlicher ist in seinem eigenen Haus in der Nähe von Sligo ermordet aufgefunden worden. Nach und nach kommt heraus, dass er nicht nur Freunde hatte und selbst in der eigenen Familie so einiges geleistet hat. Hat sein Tod etwas damit zu tun.

Neben dem Schicksal des Pfarrers gibt es ganz klar einen weiteren roten Faden in diesem Krimi, der für mich sogar an erster Stelle steht: die Rolle der Frauen in Irland.

Ja, in Irland hatten es die Frauen vor allem aufgrund der Macht der Kirchen nicht einfach - dies die hauptsächliche Botschaft dieses Krimis, der weit über das hinausgeht, was dieses Genre üblicherweise zu bieten hat und sowohl eine Reihe historischer Hintergründe als auch jede Menge Emotionales und Erschütterndes zur Lage der Frauen im Schatten der Kirchen beinhaltet. Ja, es war und ist wahrlich ein Schattendasein der tristesten Art, das den Frauen dort über Jahrhunderte auferlegt war - teilweise dauert dies noch bis zum heutigen Tag an.

Eine empfehlenswerte Lektüre also für Leser, die Krimis der besonderen Art mögen und sich gerne nebenher ein paar historische Infos "draufschaufeln". Auch wenn das Ende aus meiner Sicht ausgesprochen überraschend und für einen Krimi durchaus unkonventionell war, geht das zeitweise auf Kosten der Spannung.

Die charismatische Polizistin Emma Vaughan, die zwar irische Wurzeln hat, aber in New York aufwuchs, ist auf jeden Fall ein großer Gewinn für die internationale Krimi- und Ermittlerlandschaft. Eine ungewöhnliche Frau, die in Irland oft aneckt, sich überall durchkämpfen muss, an den richtigen Stellen aber durchaus Diplomatie walten lässt und vieles aus einer Perspektive sieht, aus der auch die meisten Leserinnen es wahrnehmen werden - also eine Identifikationsfigur. Sie hat mich persönlich auch mit dem teilweise etwas sperrigen Stil versöhnt und lässt mich auf eine baldige Fortsetzung einer möglichen neuen Krimireihe hoffen.

Veröffentlicht am 17.09.2021

Eva und die Menschen um sie herum

Die Geheimnisse der Küche des Mittleren Westens
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und die besondere Küche, die sie verbindet - das steht im Mittelpunkt dieses Episodenromans und nicht etwa Eva Thorwald, die zwar den roten Faden zwischen all den erzählten Geschichten, den dargestellten ...

und die besondere Küche, die sie verbindet - das steht im Mittelpunkt dieses Episodenromans und nicht etwa Eva Thorwald, die zwar den roten Faden zwischen all den erzählten Geschichten, den dargestellten Schicksalen bildet, keineswegs jedoch durchgehend im Fokus steht.

Es ist eine Geschichte ihres Lebens und sie ist es auch nicht: vor allem ist es eine Geschichte mit Mut zu Lücken, zu sehr vielen sogar. Denn sie zieht sich über Jahrzehnte hinweg, nimmt ihren Anfang in den 1970er Jahren, läuft dann Ende der 1980er mit Evas Geburt so richtig zu Hochtouren auf und nimmt ihr Ende erst in der Gegenwart.

Eva ist eine Köchin der besonderen Art, eine, für die nicht nur das Endprodukt, also das fertige Gericht zählt, nein, die Zutaten spielen eine besondere Rolle, ihre Herkunft und Herstellung. Ihnen wird fast noch mehr Aufmerksamkeit und auf jeden Fall mehr Zeit gewidmet als dem fertigen Endprodukt. Wie diese Geschichte baut bei dem Essen alles auf einander auf und deswegen müssen Sie dieses Buch schon selbst lesen, um zu erfahren, was Eva denn so treibt.

Und auch, was für eine Rolle die Menschen um sie herum so spielen, wie sie zu ihrem Schicksal beitragen - oder umkehrt. Manchmal ist es nur ein winziges Schräubchen, was da gedreht wird und die betreffende Figur taucht erst Hunderte von Seiten später auf, um dann wieder nur einen winzigen Part zu übernehmen, man tut also gut daran, sich an den ersten Auftritt eines jeden Players zu erinnern - oder diesen irgendwo zu notieren.

Es geht um menschliche Schicksale, vor allem um das von Eva, vor allem jedoch geht es um Essen und um dessen Bedeutung, um die Relevanz liebevoll erstellter Produkte und ihren Beitrag zu einer jeden Mahlzeit.

Ein interessantes und unterhaltsames Buch nicht ohne Anspruch, das jedoch aus meiner Sicht zu sehr auseinanderfließt. Auch konnte ich nicht immer die Einzigartigkeit der Rezepte nachvollziehen, über die die Menschen so ins Schwärmen gerieten - es ist halt alles sehr amerikanisch - will sagen: sehr, sehr nahrhaft - egal wie gesund und naturgerecht es auch hergestellt wurde. In der Hinsicht definitiv schwere Kost für Mitteleuropäer und ein Buch, bei dem viele Fragen aufkommen - aus meiner Sicht jedenfalls!

Veröffentlicht am 17.09.2021

Ein ganzes Jahrhunder voller Marias!

Die Frauen von La Principal
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bzw. sogar noch um einiges mehr - die Geschichte umfasst die Jahre 1893 bis 2001 - erlebt der Leser dieses Romans des katalanischen Sängers Lluis Llach. Ein Protestsänger, so könnte man ihn nennen und ...

bzw. sogar noch um einiges mehr - die Geschichte umfasst die Jahre 1893 bis 2001 - erlebt der Leser dieses Romans des katalanischen Sängers Lluis Llach. Ein Protestsänger, so könnte man ihn nennen und ihn bspw. mit dem Griechen Mikis Theodorakis auf eine Stufe stellen, wo er auch durchaus gut und passend aufgehoben wäre. Wie Theodorakis hat er sich nämlich in große Gefahr gebracht, indem er sich - noch in sehr, sehr jungen Jahren - offen gegen eine Diktatur, nämlich die von Franco gestellt hat.

Hier nun sein erster Roman, in dem anhand von drei Frauenschicksalen - Großmutter, Mutter, Enkelin - die Geschichte seiner Heimatregion Katalanien dargestellt wird. Eine Menge Herz fließt hinein, dazu aber auch Witz und Humor.

Die beiden älteren, Maria, schon als 20jährige "die Alte" genannt, und ihre Tochter, deren Geschichte 1940 eine wichtige Wendung nimmt. Die Generationen liegen weit auseinander in dieser Familie starker Frauen, die sich auf dem Familiengut, auf dem seit Jahr und Tag Wein angebaut wurde, trotz widriger Umstände zu behaupten wissen. Es geht auch um Liebe und Leidenschaft und - wie könnte es bei einem Protestsänger anders sein - auch um Politik. Es geht um Gefühle, um Vertrauen, aber auch um Verlogenheit, um Machtkämpfe und Alliancen. Nicht zuletzt jedoch blitzt an dieser und jener Stelle immer mal ein bisschen Agatha Christie - ja, auch ein Inspektor spielt eine nicht geringfügige Rolle - auf, auch wenn ich das Buch eher in die Kategorie Familienroman packen und nicht als Krimi bezeichnen würde.

Dennoch spielt die Aufdeckung eines alten Mordfalls durchaus eine Rolle und so bleibt bis zum Schluss eine gewisse unterschwellige Spannung vorherrschend. Auch wenn es dann - wie auch zu Beginn - die ein oder andere Länge gibt, ist die Lektüre dieses unterhaltsamen und klugen Romans durchaus lohnenswert.

Veröffentlicht am 17.09.2021

Mal ganz was Neues von Brigitte Glaser!

Bühlerhöhe
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Köln und der Schwarzwald beziehungsweise Baden - das sind die Lieblingskulissen der Autorin Brigitte Glaser, die sie bereits häufig in ihren Krimis um die Kölner Köchin Katharina Schweitzer eingesetzt ...

Köln und der Schwarzwald beziehungsweise Baden - das sind die Lieblingskulissen der Autorin Brigitte Glaser, die sie bereits häufig in ihren Krimis um die Kölner Köchin Katharina Schweitzer eingesetzt hat.

Diesmal spielt die Handlung im Schwarzwald, nämlich im vornehmen Hotel Bühlerhöhe und was uns hier erwartet, ist kein lupenreiner Krimi, sondern sehr viel mehr: nämlich ein historischer Roman mit zahlreichen Spannungselementen, in dem auch das Rheinische nicht zu kurz kommt und zwar nicht allein deswegen, weil der erste Bundeskanzler in Nachkriegsdeutschland, Konrad Adenauer, im Mittelpunkt steht.

Nein, nein - eine Hauptfigur ist er nicht, doch man kann ihn durchaus als Dreh- und Angelpunkt des Geschehens bezeichnen! Denn er reist 1952 in den Schwarzwald, um dort seinen wohlverdienten Kurzurlaub zu verleben - und das ruft eine Menge von Akteuren auf den Plan, so auch die Jüdin Rosa Silbermann, Kölnerin wie Adenauer, die rechtzeitig ins gelobte Land emigriert ist und Mitarbeiterin des Geheimdienstes ihres Landes ist. Sie soll ein Attentat gegen den Bundeskanzler verhindern und zwar ausgerechnet eines, das von ihren Landsleuten geplant wird, einer revolutionären Organisation, die die ersten Annäherungs- und Wiedergutmachungsversuche der Bundesrepublik verhindern will.

Eine ganze Reihe faszinierender Charaktere - Figuren sind definitiv eine Stärke der Autorin und hier hat sie aus meiner Sicht ihr Meisterstück abgeliefert - geben sich hier quasi die Klinke in die Hand und gestalten das spannungsreiche Geschehen, dessen wesentlicher Ausgang sich ein kleines Bisschen zu früh abzeichnet. So ahnt der geneigte Leser bereits, wie der gewaltige Showdown enden wird, doch ist die Geschichte so dicht, spannend und mitreißend, dass dies meine Begeisterung nur ganz geringfügig geschmälert hat.

In einem Punkt ist sich die Autorin absolut treu geblieben - ihren Figuren wird nie ein uneingschränktes Glück beschert. Doch das ist nicht als Kritik gedacht, obwohl ich das gerade Rosa, die aus meiner Sicht durchaus eine Sympathieträgerin ist, von Herzen gegönnt hätte.

Insgesamt bin ich absolut begeistert von diesem faszinierenden und außergewöhnlichen Roman und hoffe sehr, dass Brigitte Glaser sich von diesem für sie neuen Genre - dem historischen Roman - nicht so schnell verabschieden wird!

Veröffentlicht am 17.09.2021

Es brennt in der Camargue

Brennender Midi
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Capitaine Roger Blanc, der eigentlich gegen seinen Willen in die Camargue versetzt wurde, hat einen neuen Fall und zwar einen sehr aktuellen. Es geht um den Mord an einem Piloten in Ausübung seiner Tätigkeit, ...


Capitaine Roger Blanc, der eigentlich gegen seinen Willen in die Camargue versetzt wurde, hat einen neuen Fall und zwar einen sehr aktuellen. Es geht um den Mord an einem Piloten in Ausübung seiner Tätigkeit, also des Fliegens. Und dann stirbt auch noch ein Landarbeiter, ein Nordafrikaner? Hängen die Fälle zusammen? Womit haben sie zu tun? Umweltfragen?

Sie kommen beide auf dem Grundbesitz eines absoluten Ekels zu Tode - was hat dieser Umstand mit dem Mord zu tun? Blanc - der sich im Übrigen bei diesem seinem bereits 3. Fall erst seit 9 Wochen in der Provence befindet, beginnt, wie üblich, auf unkonventionelle Art zu ermitteln und gerät - auch das nicht unüblich - rasch ins Kreuzfeuer unterschiedlicher Interessen.

Cay Rademacher gibt seinen Lesern das Gefühl, sie befinden sich mitten in der Provence zwischen malerischen Landschaften, köstlichen Speisen, netten - und einigen wenigen nicht so netten - Nachbarn, Wein und Lavendel. Wer sich nicht bereits dort wähnt, der will unbedingt dorthin und beginnt im Geiste schon mit der Urlaubsplanung.

Cay Rademacher beweist, dass er sich nicht nur in Hamburg, wo seine großartigen Nachkriegskrimis um Oberinspektor Frank Stave angesiedelt sind, sondern auch in der Camargue bestens auskennt. Mir hat dieser Fall nicht ganz so gut wie der Vorgänger, "Tödliche Camargue" gefallen. Neben den vielfältigen erotischen Verstrickungen und der damit verbundenen Problematik, die aus meiner Sicht teilweise zu sehr im Mittelpunkt stand, störten mich diesmal ein paar Längen und vor allem ein Erzählstrang, der komplett im Sande verlief. Aber das wird mich nicht davon abhalten, die Fälle von Roger Blanc weiter zu lesen und zu genießen.

Insgesamt habe ich mich von diesem ruhigen, aber spannenden Krimi gut und auf hohem Niveau unterhalten gefühlt und freue mich nun schon auf den nächsten Teil dieser Serie mit einem - ich vergaß zu erwähnen - recht ungewöhnlichen Ermittlerteam mit einer ganz besonderen Dynamik!