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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.09.2021

Neles zweites Ausflug in den mittleren Westen

Straße nach Nirgendwo (Sheridan-Grant-Serie 2)
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Die beliebte Krimiautorin Nele Neuhaus im zweiten Teil ihres Amerikaausflugs: unter ihrem Mädchennamen Nele Löwenberg hat sie nun nach "Sommer der Wahrheit" einen zweiten Teil mit der jungen Sheridan Grant ...

Die beliebte Krimiautorin Nele Neuhaus im zweiten Teil ihres Amerikaausflugs: unter ihrem Mädchennamen Nele Löwenberg hat sie nun nach "Sommer der Wahrheit" einen zweiten Teil mit der jungen Sheridan Grant veröffentlicht, der seinen Anfang im tiefsten Mittleren Westen, im ländlich-abgeschiedenen Nebraska nimmt und zwar mit einem brutalen Gemetzel, das in der 2. Hälfte der 1990er Jahre auf dem Hof der Grants stattfindet und bei dem 5 Menschen ihr Leben lassen müssen. Für Sheridan ist dies der Beginn einer langen Odyssee - eine Festung der Einsamkeit, um mal mit Jonathan Lethem einen der bekanntesten US-Autoren zu zitieren, die sie mit sich herumträgt.

Im Gegensatz zum ersten Teil geht es hier richtig in die Krimihandlung, also in einen Bereich, in dem die Autorin voll und ganz zu Hause ist. Nur leider stehen trotz spannungsreicher Handlung zwei rührselige Selbstfindungsgeschichten - einmal die von Sheridan und dann noch die von Jordan, einem Polizisten, den sie im Zuge des Dramas, mit dem alles seinen Angang nimmt - im MIttelpunkt und ich muss leider sagen, dass ich beide als sehr kitschig und der eigentlich stringenten Handlung abträglich empfunden habe. Außerdem ist doch einiges extrem weit hergeholt und damit absolut unglaubwürdig. Die Schwarz-Weiß-Malerei der Figuren, die schon im "Sommer der Wahrheit" sehr auffiel, wird hier weiter vertieft.

Daher konnte ich das Buch leider nicht so wie Teil 1 genießen, obwohl Nele Neuhaus sich und ihrem atmosphärischen Schreibstil treu bleibt und Spannungselemente sind in genügender Anzahl vorhanden sind. Diesmal hat mich die Autorin leider ein kleines bisschen enttäuscht.

Veröffentlicht am 17.09.2021

Afrolook statt Tirolerhut

Veilchens Feuer
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Und das auch noch in Blond! Das ist das unschlagbare Erkennungszeichen der Innsbrucker Ermittlerin Valerie Mauser, genannt Veilchen, die nunmehr bereits in ihrem zweiten Fall unterwegs ist. Eine Protagonistin, ...

Und das auch noch in Blond! Das ist das unschlagbare Erkennungszeichen der Innsbrucker Ermittlerin Valerie Mauser, genannt Veilchen, die nunmehr bereits in ihrem zweiten Fall unterwegs ist. Eine Protagonistin, die definitiv im Gedächtnis bleibt - vom Äußeren her sowieso und dann stellt Autor Joe Fischler auch noch ihr Privatleben und ihre jeweilige Befindlichkeit ganz schön in den Vordergrund!

Keine Frage, Veilchen ist ein Typ, der auffällt - sie ist aber auch jemand, der polarisiert. Und immer wieder mal nervt - mich zumindest! Obwohl der Fall wirklich interessant, wenn auch nicht rasend spannend ist. Es geht um den alternden Rockstar Wolf Rock, ein Tiroler Urgestein, der anonym bedroht wird und Personenschutz erhält. Themen wie Shitstorm und Hype um bestimmte Kultfiguren werden dabei durchaus aufgegriffen, aber nicht so ausgeweitet, wie es aus meiner Sicht passend wäre. Und gerade in diesen Zeiten wäre das aus meiner Sicht ausgesprochen sinnvoll, denn die Themen fügen sich wirklich gut in das aktuell bestehende gesellschaftliche Gefüge ein. Schade, dass es hier bei den Ansätzen bleibt, ich wäre gerne viel tiefer eingetaucht!

Zudem ist der Stil überhaupt nicht meins - im Gegenteil, er hat das Buch für mich sehr schwer lesbar gemacht, so dass ich trotz vielschichtiger Hauptfiguren - von denen manche jedoch nicht zur Genüge beleuchtet wurden - immer wieder ins Stocken kam. Den Humor konnte ich auch nicht goutieren. Schade, denn es eigentlich finde ich es toll, eine weibliche Ermittlerin mit Biss als Serienheldin zu haben - mit Veilchen und vor allem mit dem Drumherum wurde ich aber nicht so recht warm. Da Fischlers Veilchen-Reihe aber schon über eine veritable Fangemeinde verfügt, sollten Sie unbedingt selbst testen, ob das Buch bzw. die Reihe Ihr Ding ist. Was mich nicht vom Hocker reißt, das könnte für Sie genau das Richtige sein. Einfach mal probieren!

Veröffentlicht am 17.09.2021

Liebe auf den zweiten Blick

Die Eismacher
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Liebe auf den zweiten Blick: Das ist es , was ich für diesen Roman empfunden habe - sie ist zwar nicht frei von Einschränkungen, dafür aber mit Sicherheit beständig!

Der Einstieg in die Geschichte - der ...

Liebe auf den zweiten Blick: Das ist es , was ich für diesen Roman empfunden habe - sie ist zwar nicht frei von Einschränkungen, dafür aber mit Sicherheit beständig!

Der Einstieg in die Geschichte - der Protagonist beschreibt die späte Liebe seines Vaters zu der (ost)deutschen Hammerwerferin Betty Heider (einer real existierenden Sportlerin und Olympiasiegerin), die sich nur über den Fernseher manifestiert hat und jahrelang nachhallte - ist einer der witzigsten im Bereich der Gegenwartsliteratur überhaupt, die mir je begegnet sind. Doch dann wird die Geschichte langatmig - das habe zumindest ich empfunden, die ich mir die weitere Handlung ein wenig aufzwingen musste, hatte ich mich doch bereit erklärt, dieses Buch umfänglich zu rezensieren. Ein Glück, muss ich im Nachhinein sagen: Andernfalls hätte ich es im Leben nicht beendet und mir wären viele wunderbare kleine Episoden - damit brilliert Autor Ernest van der Kwast - vorenthalten geblieben, die ich mein Lebtag nicht vergessen werde. Und nicht wenige davon sind wahr, hat der Autor seine Geschichte doch in ein Setting zwischen zwei Berufsstände, die unterschiedlicher nicht sein können, angesiedelt. Einerseits die Herstellung und der Verkauf von Speiseeis, andererseits die professionelle Beschäftigung mit Lyrik, die Giovanni, der älteste Sohn der Familie Talamini, gegen den Willen seiner Eltern, zum Beruf erwählt, anstatt das elterliche Eiscafé in Rotterdam zu übernehmen. Das macht dann der jüngere Bruder - nur ein Meilenstein in der Dynamik, ja lebenslangen Konkurrenz der geschwisterlichen Beziehung.

Ganz klar: Ernest van der Kwast kann schreiben. Ganz wunderbar sogar, ist doch sein kleiner Roman "Fünf Viertelstunden bis zum Meer" einer meiner All-Time-Favourites und definitiv alles andere als ein Romänchen. Nein, er hat Kraft, Eleganz, Eloquenz, Ideen und ist von einer Klugheit beseelt, die ihresgleichen sucht. Aber: er kann besser kurz. Viel besser, finde ich. Bei "lang" verliert er sich teilweise in Längen, quält sich durch Episoden, die die Welt nicht braucht. Ich bilde mir ein, zu merken, welche Passsagen für den Autor Pflicht und welche Kür waren.

Dennoch ein wunderbarer, unbedingt empfehlenswerter Roman, Aber: Eine Geschichte, mir der man Geduld haben muss, eine, die sich langsam entwickelt - dann jedoch bereichert sie mit vielen kleinen, dabei klugen und oft auch witzigen Episoden und Essenzen. Wenn man dann irgendwann den Überblick über die gesamte Handlung hat, quasi ihren Sinn begreift und damit versteht, worauf genau der Autor eigentlich hinauswill, dann, ja, dann ist es eine sehr wichtige und grundlegende Botschaft, die man erhält.

Ich jedenfalls freue mich schon sehr auf den nächsten - hoffentlich kurzen - Roman von Ernest van der Kwast und wage es, ihm, der originell wie selten ein anderer ist, eine international glorreiche Zukunft zu prophezeien!

Veröffentlicht am 17.09.2021

Einsamkeit hat viele Facetten

Vom Ende der Einsamkeit
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Das lernt Jules früh, als er, erst zehnjährig, seine Eltern durch einen Unfall verliert und zusammen mit seinen um einiges älteren Geschwistern Marty und Liz in ein Internat kommt - eines, das weder Schicki-Micki ...

Das lernt Jules früh, als er, erst zehnjährig, seine Eltern durch einen Unfall verliert und zusammen mit seinen um einiges älteren Geschwistern Marty und Liz in ein Internat kommt - eines, das weder Schicki-Micki ist noch Hanni-und-Nanni-Gruppenstimmung aufkommen lässt. Nein, es ist eines, in das Kinder und Jugendliche mehr oder weniger abgeschoben werden und da sind sie nun, die drei Unglücklichen und leben mehr oder minder nebeneinander her. Marty stürzt sich auf Wissenschaftliches, Liz mag Männer und Fluchten und Jules bleibt allein zurück, bis sich eines Tages Alva, auch sie eine Zurückgelassene, neben ihn setzt. Seitdem gibt es Jules und Alva - aber auch Alva mag andere Männer und sie mag es, davonzulaufen. Wie vertraut das Jules scheint.

Das Erwachsenenleben lässt die drei Geschwister zwar nicht unbedingt zusammenrücken, doch durchaus mehr aufeinander zukommen. Vor allem Marty hat seinen Weg gefunden, beruflich und privat herrschen bei ihm stabile Verhältnisse. Liz ist immer noch unstet, kehrt aber immer wieder zu ihren Brüdern zurück - zumindest das. Und Jules, er hat einen tollen Job, der ihm Spass macht, aber Alva - Alva ist ihm schon vor vielen Jahren - noch zu Schulzeiten - durch die Lappen gegangen. Dabei wollten sie Kinder zusammen haben, wenn sie es - einzeln jeweils - noch nicht geschafft haben, Eltern zu werden, bevor sie 30 sind.

Jules findet Alva - kinderlos, aber verheiratet mit einem sehr viel älteren Mann - und es beginnt ein seltsames Leben für ihn. Wir begleiten Jules und seine Leute noch einige Jahre und erobern gemeinsam mit ihm seine Festung der Einsamkeit, verlassen diese aber auch wieder mit ihm.

Ein Buch über Freundschaft und Familie, vor allem aber über Vertrauen und über verschiedene Arten von Beziehungen. Das Leben geht seltsame Wege, doch aufhören tut es erst durch den Tod, vorher ist man nicht am Ende, auch wenn man es oftmals denkt und sich verlassen fühlt.

Ein schön geschriebenes Buch, das ich gern gelesen habe, das mir in seiner Botschaft ingesamt aber einen Hauch zu einfach war. Ein Buch für zwischendurch, eines, mit dem man sein Bedürfnis nach schönen Worten und Sätzen befriedigen kann. Es ist weit davon entfernt, bedeutungslos oder oberflächlich zu sein - aber so inhaltsreich, dass es noch lange in mir nachhallen wird, ist es dann auch wieder nicht - obwohl mich Wells' Worte immer mal wieder ergriffen haben und ich viele Parallelen zu meinem eigenen Leben fand.

Veröffentlicht am 17.09.2021

Totenhaus

Totenhaus
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Ein Krimi der anderen Art. Eher der ruhigen, der introvertierten - doch wer glaubt, es ginge hier gemächlich zu, der befindet sich auf dem Holzweg!

Worum es geht: Bestatterin Blum - eingeführt bereits ...

Ein Krimi der anderen Art. Eher der ruhigen, der introvertierten - doch wer glaubt, es ginge hier gemächlich zu, der befindet sich auf dem Holzweg!

Worum es geht: Bestatterin Blum - eingeführt bereits im Vorgängerband "Totenfrau"- hat richtiggehend Schwierigkeiten: jede Menge Leichen haften ihr an. Und sie begibt sich auf eine Flucht - zunächst jedoch auf eine Suche, denn sie hat etwas für sie Ungeheuerliches entdeckt: eine Frau auf einem Zebra - beides ausgestopft und somit schon generell sehr speziell - die genauso aussieht wie sie. Recht schnell stellt sie fest, dass es für sie eine zweite Familie gibt, denn es gibt durchaus einen direkten Zusammenhang mit Björk, wie ihr Alter Ego heisst.

Schneller, als sie sich umschauen kann, pflastern Leichen ihren Weg bzw. haften ihr an - und sie muss sich aus dem Staub machen - ohne ihre Kinder und ohne die Zuverlässigen Bezugspersonen Karl - den ehemaligen Schwiegervater und Reza - den zeitweiligen Geliebten.

Weitere Figuren tauchen auf - sie alle als schräg zu bezeichnen, ist - gelinde gesagt - eine Untertreibung sondergleichen! Und die Handlung wird blutig und hart - auch wenn es viel um innere Entwicklungen geht, sind es große Themen, die hier angesprochen werden: es stellt sich die Frage, wem man vertrauen kann und wer man selber ist - vom gesamten Umfeld gar nicht zu Reden. Blum jedenfalls bereitet sowohl sich als auch anderen jede Menge Schwierigkeiten - wobei nur der kleinere - durchaus nicht geringe Teil - hausgemacht ist .

Ein ruhiger, aber heftiger Thriller, an dessen Ende man noch lange nicht weiß, wohin die Reise geht - man kann es nur erahnen. Trotz der Härte, der Unbarmherzigkeit ist dies ein Buch der langsamen Entwicklungen - manchmal zu langsam für mich. Das bezieht sich aber ausschließlich auf den Schreibstil, wenn man sich vergegenwärtigt, was da so los ist, geht es eindeutig Knall auf Fall.

Ein Buch für anspruchsvolle Thrillerfreunde, die wollen, dass es kracht und die nicht zu empfindlich sind. Meinen Geschmack hat es allerdings nur teilweise getroffen!