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Veröffentlicht am 10.03.2023

wertes und unwertes Leben

Die marmornen Träume
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Simon Kraus ist zu seinem größten Bedauern recht klein gewachsen, doch er ist einer der größten als Psychiater. Die Ehefrauen von hochrangigen Nazis geben sich bei ihm die Klinke in die Hand. Sie alle ...

Simon Kraus ist zu seinem größten Bedauern recht klein gewachsen, doch er ist einer der größten als Psychiater. Die Ehefrauen von hochrangigen Nazis geben sich bei ihm die Klinke in die Hand. Sie alle träumen vom Marmormann, der sie Nachts aufsucht. Als Nebenerwerb erpresst er die Damen mit geheimen Aufnahmen ihrer Erzählungen, die, kurz vor Ausbruch des 2. Weltkrieges, nicht regierungskonform sind. Als eine nach der anderen bestialisch ermordet wird gerät Simon ins Blickfeld der Gestapo. Der SS Offizier Franz Beewen, überzeugter Nazi seitdem sein Vater psychisch unter den Folgen des ersten Weltkrieges leidet merkt schnell, dass er die Hilfe Simons bei der Aufklärung der Morde benötigt. Mit zu der Ermittlertruppe gehört auch die Baronin Minna von Hassel, Leiterin der psychiatrischen Klinik, in der Franz Vater versorgt wird.
Viele Ansätze werden benötigt, einige der Taten verdächtigt, bevor man die wahre Spur findet. Diese spannende Ermittlertätigkeit ist jedoch nur ein Aspekt des Romans. Hoch interessant sind die Beschreibungen aus der Zeit von 1939 bis 1942, der Umgang mit psychisch Kranken, die Ausrottung unwerten Lebens wie die Züchtung bevorzugten Lebens. Die Überlebenskämpfe der ärmeren Bevölkerung und die Lebensweise der Reichen und Regimetreuen. Historische Fakten werden mit fiktiven Personen verwoben und sehr spannend erzählt.

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Veröffentlicht am 10.02.2023

auf der Suche nach sich selbst

Gleißendes Licht
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Aus dem Autor Marc Sinan wird in diesem Roman der Deutschtürke Kaan, der auf der Suche nach sich selbst und seiner Identität ist. Kaan wächst in München auf, sein Vater ist Deutscher, seine Mutter Nur, ...

Aus dem Autor Marc Sinan wird in diesem Roman der Deutschtürke Kaan, der auf der Suche nach sich selbst und seiner Identität ist. Kaan wächst in München auf, sein Vater ist Deutscher, seine Mutter Nur, was soviel heißt wie gleißendes Licht, ist halb Armenierin, halb Türkin. Ehrgeizig sein und immer besser als die deutschen Kinder wurde für Kaan zur Pflicht. Sehr erfolgreich wurde er mit seinem Gitarrenspiel und eigenen Kompositionen. Die Besuche bei seinen Großeltern nehmen den größten Teil des Romanes ein. Die Geschichte seines Dede, der mit kleinen Gaunereien und viel Tatkraft vom einfachen Landkind zum wohlhabenden Haselnussplantagenbesitzer wurde, sich übernahm und wieder verarmte. Seine Großmutter, seine Anneanne, die von ihrer armenischen Mutter zurückgelassen wurde und Glück hatte, dass sie adoptiert wurde. Anhand dieser Personen wird uns die türkische Geschichte nahegebracht, die Art wie sie denken und fühlen, wie wichtig die Familie ist. Manche Episoden werden aus einer anderen Sicht wiederholt, und dabei haben sie sich ganz anders zugetragen. Was ist wahr, was sind erfundene Geschichten? Wie in vielen Fällen Ansichtssache.
Der Schreibstil gefällt mir ausgesprochen gut. Anspruchsvoll und doch gut lesbar, emotional und psychologisch.

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Veröffentlicht am 10.02.2023

Ägyptenfieber

Fräulein vom Amt – Der Tote im Kurhaus
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Alma Täuber arbeitet als Telefonistin in Baden-Baden. Von ihrem Freund, dem Kriminalkommissar Ludwig Schiller hat sie sich getrennt, da die als verheiratete Frau nicht berufstätig sein darf. Und ihre Selbständigkeit ...

Alma Täuber arbeitet als Telefonistin in Baden-Baden. Von ihrem Freund, dem Kriminalkommissar Ludwig Schiller hat sie sich getrennt, da die als verheiratete Frau nicht berufstätig sein darf. Und ihre Selbständigkeit ist ihr wichtiger als privates Glück. Durch ihre Freundin Emmi, einer angesehenen Floristin, hat sie eine begehrte Karte für die Oper Aida bekommen. Ganz Baden-Baden ist im Ägyptenfieber, seit den Ausgrabungen im Tal der Könige und dem Fund des Grabes von Tutanchamun. Beim anschließenden Ball, bei dem auch ägyptische Kunst ausgestellt wird, legt sich Emmis Freund August mit dem Tenor Josef Wittlich an, da Emmi heftig mit ihm flirtet. Als Josef Wittlich wenig später erschlagen aufgefunden wird, steht der Täter schnell fest. August. Da bleibt Alma nichts anderes übrig als wieder selbst zu ermitteln, wobei sie wieder auf Ludwig trifft.
Das Jahr 1924 wird hervorragend beschrieben, in die Personen wie auch in die Zeit kann man sich sehr gut hineinversetzen. Ernste wie humorvolle Passagen wechseln sich ab, der Aufbruch in eine bessere Zeit wie auch der bereits aufkommende Nationalsozialismus werden thematisiert. Der Kriminalfall an sich ist dagegen deutlich schwächer und wenig spannend als im ersten Band um die Telefonistin Alma.

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Veröffentlicht am 10.02.2023

Eifeldorf Wollseifen

Ginsterhöhe
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Im Jahr 1919 kehrt nach längerem Krankenhausaufenthalt der Bauernsohn Albert Lintermann auf seinen Hof im Eifeldorf Wollseifen zurück. Seine Entstellung, das halbe Gesicht wurde von einer Granate zerstört, ...

Im Jahr 1919 kehrt nach längerem Krankenhausaufenthalt der Bauernsohn Albert Lintermann auf seinen Hof im Eifeldorf Wollseifen zurück. Seine Entstellung, das halbe Gesicht wurde von einer Granate zerstört, schockiert seine Frau Bertha, die sich immer mehr von ihm zurückzieht. Dabei hat er den Krieg überlebt, Leni, die Verlobte seines besten Freundes, muss das Leben mit ihrer kleinen Tochter Hildegard alleine bewältigen. Nach und nach wird das Leben für alle besser, man schafft neue Landwirtschaftsgeräte an, sorgt für eine Strom- und Wasserversorgung und denkt, dass man die Schrecken des Krieges überwunden hat.
Bis das rechte Gedankengut und die Nationalsozialisten auch in ihr Dorf ziehen. Der schlimmste ist Johann Meller, der sich auf dubiosen Wegen ein Landgut erschlichen hat. Um im Dorf das Sagen zu haben benötigt er eine Ehefrau. Die schöne Leni kann doch froh sein, wenn sie jemand trotz des unehelichen Kindes heiratet. Leni ist jetzt zwar materiell versorgt, glücklich wird sie mit ihm nicht.
Der Roman behandelt die Zeit von 1919 bis 1949 in der aus dem verschlafenen Wollseifen in der Nazizeit das Ausbildungszentrum Vogelsang entstand und den Charakter des Dorfes zerstörte. Die fiktiven Personen nehmen uns emotional mit in die reale Geschichte, die als Tagebuch des Dorflehrers Martin Faßbender in Zwischenschüben erzählt wird. Realität und Fiktion werden aufs Beste miteinander verwoben.

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Veröffentlicht am 10.02.2023

gab es Hans je?

Der Inselmann
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Warum sich die Eltern von Hans Roleder entschließen, das Leben in der Stadt gegen das auf einer einsamen Insel zu tauschen, erfahren wir nicht. Auch Hans kennt nicht den Grund, doch er freut sich darauf. ...

Warum sich die Eltern von Hans Roleder entschließen, das Leben in der Stadt gegen das auf einer einsamen Insel zu tauschen, erfahren wir nicht. Auch Hans kennt nicht den Grund, doch er freut sich darauf. Endlich wird er nicht mehr von den Nachbarskindern drangsaliert, außer Kalle hatte er keinen Freund. Auf der Insel bewohnt die Familie eine heruntergekommene Hütte, die Schafe im Stall leiden Hunger, der Tod kloppt bei ihnen schon an. Ein verwilderter und abgemagerter Hund wird nun Hans Freund. Gemeinsam durchstreifen sie die Gegend und werden eins mit der Natur. Das Leben dort ist hart, sehr arbeitsam und mit immer der gleichen Graupensuppe am Abend. Doch für Hans ist es das Paradies, er ist hier der König. Bis die Schulbehörde einen Bescheid schickt und er jeden Tag eine Stunde und eine Stunde zurück zur Schule rudert. Dort trifft er wieder auf die Gruppe Jungen, die ihn quälen. Dass er die Schule nicht mehr aufsucht nimmt die Schulbehörde nicht so hin, er wird abgeführt und in eine Besserungsanstalt gesteckt. Statt zu lernen ist es ein Gefängnis, die Jungen werden zu harter Arbeit mit Schläge getrieben. Doch Hans ist stark und der Wunsch, seine Insel, seinen Hund wieder zu sehen, halten ihn am Leben.
Ein Roman über das Anderssein, über Außenseiter und Eigenbrödler, die ein Leben in Einsamkeit dem der Hektik einer Stadt vorziehen. Was diesen Roman so besonders macht ist die lyrische Sprache, mit knappen Worten werden wir in das Leben von Hans hineingezogen, wir leben und leiden mit ihm mit und am Ende stellt sich die Frage, ist die Geschichte traurig? Ist sie schön? Ist sie beides? Gibt es Hans noch? Gab es ihn je?

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