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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.01.2026

komplexe Handlung mit Wendungen

Bad Actors
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Die Slow Horses mit ihren Chef Jackson Lamb sind eine Gruppe abgehalfterter Mitarbeiter des britischen Geheimdienstes, teils aus dem aktiven Bereich, teils aus dem Bereich Recherche. Was sie eint ist die ...

Die Slow Horses mit ihren Chef Jackson Lamb sind eine Gruppe abgehalfterter Mitarbeiter des britischen Geheimdienstes, teils aus dem aktiven Bereich, teils aus dem Bereich Recherche. Was sie eint ist die Versetzung aufs Abstellgleis, alle haben irgendeine Art von Dreck am Stecken, durch schlecht ausgeübte Arbeit oder persönliche Probleme mit Alkohol, Drogen oder mangelnder Impulskontrolle. Sympathieträger ist jedenfalls keiner von ihnen. Für wichtige Dinge im Geheimdienst werden sie nicht benötigt, wie jetzt, da die Regierungsberaterin, die Schweizerin Dr. Sophie de Greer spurlos verschwunden ist. Bei einem offiziellen Treffen erscheint der Leiter des russischen Geheimdienstes, der sich seit Tagen unentdeckt in London aufhält und von dem keiner weiß, was er in diesen Tagen dort gemacht hat und wen er getroffen hat. Doch die Slow Horses finden eine Spur und mischen auch ansonsten mit, auf sehr unkonventionelle Weise.
Es ist von Vorteil die Vorgängerbände zu kennen um die unangepassten Charaktere besser zu verstehen. Die Handlung ist komplex und mit aktueller Politik aus dem Jahr 2022 versehen, was ein sehr aufmerksames Lesen erfordert. Immer neue Wendungen sorgen für Spannung und der berühmte trockene Humor kommt nicht zu kurz.

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Veröffentlicht am 14.01.2026

Morde im Nachkriegsberlin

Die weiße Nacht
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Es ist kurz vor Weihnachten im zerstörten Berlin 1946. Fast alles liegt noch in Trümmern, es ist eisig kalt und tief verschneit und die Menschen hungern und frieren. Lou Faber, die im Widerstand war und ...

Es ist kurz vor Weihnachten im zerstörten Berlin 1946. Fast alles liegt noch in Trümmern, es ist eisig kalt und tief verschneit und die Menschen hungern und frieren. Lou Faber, die im Widerstand war und außer Bruno, mit dem sie sich eine Wohnung teilt, alle ihre Freunde verloren hat, streift auf der Suche nach guten Fotos durch die Stadt um sie an eine Zeitung zu verkaufen. Mitten im Schnee liegt eine weibliche Leiche wie aufgebahrt, mit gefalteten Händen. Für die Ermittlungen ist der Kriminalkommissar Alfred König zuständig, die auf Lous Fotos angewiesen ist und auch im weiteren Verlauf immer wieder mit ihr zusammen kommt. Die Polizei ist im Neuaufbau, man sucht nach Polizisten ohne Nazivergangenheit und so ist der ehemalige Soldat, der sich weigerte, bei einem Erschießungskommando einen Schuss abzugeben und in der Haft ein Auge verloren hat, die richtige Person.
Neben der Klärung der Morde erleben wir den Wiederaufbau im Nachkriegsberlin, den Überlebenskampf der Bevölkerung, die ohne dem verbotenen Schwarzmarkt keine Chance hätten. Die Sektoren, die zur Teilung der Stadt führen und die damit komplizierte Polizeiarbeit sind ebenso Thema wie die Aufarbeitung der Nazizeit und Reflexionen über eigene Versäumnisse und Schuld. Der Kriminalfall sorgt für Spannung und die gesellschaftliche und politische Situation dieser Zeit wurde ganz hervorragend beschrieben. Ich freue mich schon auf weitere Fälle von König und Faber.

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Veröffentlicht am 28.12.2025

drei Monate im Leben Thomas Manns

Wenn die Sonne untergeht
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Sehr früh, bereits Anfang 1933, erkennt die Familie Thomas Mann die Gefahren, die das Leben in Deutschland mit den Nationalsozialisten mit sich bringt. Sie fahren in die Schweiz, noch mit der Hoffnung, ...

Sehr früh, bereits Anfang 1933, erkennt die Familie Thomas Mann die Gefahren, die das Leben in Deutschland mit den Nationalsozialisten mit sich bringt. Sie fahren in die Schweiz, noch mit der Hoffnung, bald in ihr großes Haus in München zurückkehren zu können. Doch die Lage verschlechtert sich zusehends und so suchen sie für ihr Exil eine angemessene Unterkunft. Sie finden sie im beschaulichen Sanary in Südfrankreich. Dort treffen sie auf eine kleine Exilgemeinschaft mit Zweig und Feuchtwanger und Aldous Huxlex und bald auch auf Heinrich Mann mit seiner Nelli. Das Verhältnis der Brüder Mann ist nicht ungetrübt und mit der einfachen Nelli sind Gespräche schwierig. Probleme gibt es auch im Verhältnis des Vaters Thomas mit seinen sechs Kindern, die alle um die Aufmerksamkeit buhlen. Drogen, Alkohol und Medikamentenmissbrauch sind allgegenwärtig und die Freitodrate, auch in der Vorgeschichte, recht hoch. Wir erfahren über diesen Sommer in Sanary auch vieles aus der Familiengeschichte, über die Eltern Katia Manns, die wohlhabend und hochgebildet für ihren Mann ihre Karriere aufgab und die jüdischen Wurzeln Katias. Wissenschaftlich ist dieser Roman sehr gut anhand von Briefen, Tagebucheinträgen, Fotos und Beschreibungen von Zeitgenossen aufgearbeitet worden und dabei von einer erzählerischen Leichtigkeit, die es zu einem Lesevergnügen für Thomas Mann Kenner wie Laien macht.

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Veröffentlicht am 28.12.2025

Mutterliebe

Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels
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Die Autorin Vea Kaiser schildert ihre Gespräche im Gefängnis mit der wegen Veruntreuung verurteilten Angelika Moser. Über drei Millionen hat sie innerhalb von 30 Jahren mit einer kreativen Buchführung ...

Die Autorin Vea Kaiser schildert ihre Gespräche im Gefängnis mit der wegen Veruntreuung verurteilten Angelika Moser. Über drei Millionen hat sie innerhalb von 30 Jahren mit einer kreativen Buchführung und gefälschter Rechnungen aus dem Grand Hotel Frohner heraus auf ihr eigenes Konto geleitet. Angelika wuchs in ärmlichen Verhältnissen mit einer alleinerziehenden Mutter auf und träumte immer von einem besseren Leben. Als Buchhalterin im Hotel bat sie der Chef um eine Manipulation der Bilanz um jüdische Forderungen abzuwenden. Sie ließ sich darauf ein, denn inzwischen ist sie selbst Alleinerziehend und das Geld knapp. Um ihren Sohn Sebastian ein besseres Leben als ihr eigenes zu ermöglichen hat sie immer wieder Geld aus dem Hotel veruntreut, das ihre gefälschten Rechnungen ohne Kontrolle akzeptiert wurden. Immer wieder traten Probleme auf, teilweise auch durch Angelikas Naivität. Wir erleben eine junge Frau, die sich zwischen drei Männer entscheiden musste, eine junge Mutter, die sich um ihr Kund sorgte, eine Buchhalterin in leitender Funktion, die zur Stütze des Hotels wurde und die meinte, zum Wohle ihres Sohnes kriminell werden zu müssen.
Trotz der Länge ist der Roman kurzweilig erzählt, der reale Hintergrund macht ihn glaubwürdig. Einen großen Raum nimmt die Problematik alleinerziehender Mütter ein, denen es immer an Zeit und Geld fehlt und die alles für ihr Kind tun würden. Sehr gut geschrieben.

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Veröffentlicht am 28.12.2025

Hoffmanns Hand

Das Antiquariat am alten Friedhof
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Im Jahr 1930 trifft sich der Club Casaubon in Leipzig im Antiquariat von Vadim. Zur Finanzierung des Geschäftes stiehlt die Gruppe junger Männer, bestehend aus Julius, Eddie, Vadim und Felix, besondere ...

Im Jahr 1930 trifft sich der Club Casaubon in Leipzig im Antiquariat von Vadim. Zur Finanzierung des Geschäftes stiehlt die Gruppe junger Männer, bestehend aus Julius, Eddie, Vadim und Felix, besondere Bücher. Von Eva, Eddies Schwester, werden sie auf E.T.A. Hoffmanns Hand aufmerksam gemacht, die leicht zu stehlen ist und für die Vadim bereits einen Käufer hat.
Nach Kriegsende 1945 kommt Felix, inzwischen amerikanischer Staatsbürger, in das zerstörte graphische Viertel zurück. Der Vorleser Hitlers möchte ausschließlich mit Felix über den Verbleib von Hitlers Bücher sprechen. Kurz nach seiner Ankunft findet er eine Tote, die außer wirren Buchstaben den Satz in die Haut eingraviert bekam, ich starb durch Hoffmanns Hand. Dieser Satz führt Felix immer wieder in seine Jugendzeit ins Jahr 1930 zurück.
Das graphische Viertel mit seinen Verlagen, Buchhandlungen und Druckereien wird sehr anschaulich beschrieben. Die Liebe zu Büchern wird spürbar. Interessant ist die Verknüpfung des Geschehens von 1930 mit dem von 1945, der Zerstörung und dem Überlebenskampf der Leipziger und dem Sichern von Werten durch die Amerikaner bevor die Russen die Stadt übernehmen werden. Historisch gut aufgearbeitet und mit viel Spannung geschrieben.

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