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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.01.2025

intensive Gespräche

In einem Zug
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Eduard Brünhofer ist, oder vielmehr war, ein sehr erfolgreicher Liebesromanautor. Seit einigen Jahren hat er nichts mehr zu Papier gebracht, nun wird sein Verlag ungeduldig. Er hat keine 5 Wochen bis zur ...

Eduard Brünhofer ist, oder vielmehr war, ein sehr erfolgreicher Liebesromanautor. Seit einigen Jahren hat er nichts mehr zu Papier gebracht, nun wird sein Verlag ungeduldig. Er hat keine 5 Wochen bis zur Abgabefrist seines Manuskripts von dem es noch keine einzige Seite gibt. Jetzt sitzt er im Zug von Wien nach München um seine Ideen durchzusehen. Dazu kommt er nicht, die Frau, die ihm schräg gegenüber sitzt, beginnt ein Gespräch, sie weckt sein Interesse und da die Zugfahrt 4 Stunden dauert ist er dem nicht abgeneigt. Die als Therapeutin arbeitende Catrin Meyr erzählt ein wenig über sich selbst, sie schafft es aber sehr geschickt die Fragen immer wieder zurückzuspielen, Eduard zum Reden zu bringen und Dinge aus ihm herauszuholen, die er normalerweise nicht preisgibt. Dinge über seine lange Ehe mit Gina, über seine Tochter Tanja, über seine Gefühle zu den beiden, über seine Einstellungen zu Liebe, Ehe, Treue, Sex, Freiheit und Geheimnisse. Während der Reise werden die Gespräche immer intensiver, auch die Störung eines italienischen Reisenden, der sich zu ihnen setzt, kann dies nicht aufhalten. Bis kurz vor München, wo Catrin ihn mit einer Mitteilung überrascht.
Zwei Fremde, die sich im Zug treffen und Gespräche führen, daraus besteht im Wesentlichen der Roman. Die Dialoge sind schriftstellerisch ganz hervorragend, Wortspiele und tiefgründige Debatten, interessante und außergewöhnliche Formulierungen zeichnen diesen Roman aus.

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Veröffentlicht am 26.01.2025

die Brüder Opgard

Der König
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Im kleinen norwegischen Ort Os hat Carl Opgard das sagen. Ihm gehört das neu entstandene Wellnesshotel und er baut gerade an seinem eigenen kleinen Palast. Seinen älteren Bruder Roy gehört die Tankstelle ...

Im kleinen norwegischen Ort Os hat Carl Opgard das sagen. Ihm gehört das neu entstandene Wellnesshotel und er baut gerade an seinem eigenen kleinen Palast. Seinen älteren Bruder Roy gehört die Tankstelle und ein Lokal und er träumt von einem Freizeitpark mit einer besonderen Achterbahn. Gerade jetzt werden Pläne vorgelegt, dass ein Tunnel gebaut werden soll und der Ort abgeschnitten wird. Das können die Brüder nicht zulassen, ihr Einfluss und ihr Vermögen steht auf dem Spiel. Bereits in der Vorgängergeschichte haben die beiden ihre kriminelle Energie unter Beweis gestellt, so schrecken sie auch dieses Mal nicht vor drastischen Maßnahmen zurück. Sie versuchen es mit Bestechungen. Kurt, der nach seinem verstorbenen Vater der neue Ortspolizist ist, versucht nach wie vor die Brüder für den Tot seinen Vaters zur Rechenschaft zu ziehen. Auch ihm ist dabei jedes Mittel recht.
Aus der Sicht von Roy wird die Handlung sehr spannend erzählt und auch wenn man weiß dass Roy Menschen manipuliert und auch tötet, hat man Sympathie für ihn.

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Veröffentlicht am 26.01.2025

Puzzleteile

Wackelkontakt
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In Wien lebt der als Trauerredner arbeitete Franz Escher recht zurückgezogen. Als Eigenbrödler meidet der Kontakt zu anderen Menschen und beschäftigt sich am liebsten mit puzzlen. Nun jedoch wartet er ...

In Wien lebt der als Trauerredner arbeitete Franz Escher recht zurückgezogen. Als Eigenbrödler meidet der Kontakt zu anderen Menschen und beschäftigt sich am liebsten mit puzzlen. Nun jedoch wartet er auf den Elektriker, der sich um die Steckdose in der Küche kümmern soll. In dieser Wartezeit nimmt er ein Buch über die Mafia zur Hand, ein Themengebiet, über das er schon viel gelesen hat. Dieses Buch handelt von dem jungen Elio Russo, der gegen die Mafia aussagen will und im Hochsicherheitstrakt auf seine Entlassung ins Zeugenschutzprogramm wartet. Von seinem Zellengenossen Sven hat er ein deutsches Buch erhalten, um seine Deutschkenntnisse zu verbessern. In diesem Roman geht es um Franz Escher, der auf einen Elektriker wartet.
Im Laufe der Handlung wird immer wieder zwischen den beiden Erzählsträngen gewechselt, oft mitten im Satz, ohne dass man den Anschluss verliert. Wir nehmen teil am neuen Leben des Marko Steiner in Deutschland mit Frau und Kind, immer in Sorge vor Entdeckung. Wir erleben den verschlossenen Franz Escher, bei dem sich eine zarte Bande zu einer Arbeitskollegin entwickelt.
Literarisch außergewöhnlich kreisen die Geschichten umeinander herum, aufeinander zu, bis sie wie Puzzleteile ein Bild ergeben. Ein ganz besonderes Buch.

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Veröffentlicht am 26.01.2025

Familienzusammenhalt

Als wir im Schnee Blumen pflückten
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Der Winter im Norden Schwedens ist hart, besonders für das alte, kinderlose, samische Paar Mariddja und Biera, die in einem inzwischen heruntergekommenen Haus leben. Sie hat gerade von der Krebsdiagnose ...

Der Winter im Norden Schwedens ist hart, besonders für das alte, kinderlose, samische Paar Mariddja und Biera, die in einem inzwischen heruntergekommenen Haus leben. Sie hat gerade von der Krebsdiagnose erfahren, sie hat nicht mehr lange zu leben. Ihr Mann Biera ist dement und benötigt ihre Hilfe. Doch Hilfe von anderen wollen sie nicht. Mariddjas größter Wunsch ist es, den Sohn von Biera Schwester noch mal zu sehen, dass Kind, dass eine Weile bei ihnen lebte um dann mit der Mutter plötzlich und unauffindbar verschwunden ist. Ihren Kummer teilt sie der netten Telefonistin Siri mit, die sie um Hilfe bei der Suche bittet.
Ein weiterer Handlungsstrang befasst sich mit einem jungen Paar, Mimmi und Kaj sind in die von Samen bewohnte Gegend gezogen, nachdem Kajs Mutter starb.
Der Roman fängt langsam, und leider auch ein wenig langweilig an, doch man wird belohnt, wenn man dabei bleibt. Viel wird über die samische Kultur, deren Mythen und die Zeit der Zwangsumsiedlung erzählt. Wichtig ist ihnen die Fürsorge füreinander und der Familienzusammenhalt. Aber auch Probleme, die jeden von uns betreffen können, wie Krebs oder Demenz, die Hilfsbedürftigkeit alter Menschen oder der Neuanfang eines jungen Paares werden thematisiert. Die Sprache ist ruhig und bildhaft.

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Veröffentlicht am 02.01.2025

Faschismus in England und Deutschland

Die Mitford Schwestern
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Aus Sicht von Nancy wird das Leben und die politische Haltung und Einflussnahme der Mitford Schwestern ab 1932 geschildert. Nancy selbst ist die älteste und verarbeitet die Ereignisse und Einstellungen ...

Aus Sicht von Nancy wird das Leben und die politische Haltung und Einflussnahme der Mitford Schwestern ab 1932 geschildert. Nancy selbst ist die älteste und verarbeitet die Ereignisse und Einstellungen ihrer Familie in ihren Romanen, was zu so manchen Differenzen sorgt. Der Vater, adlig, einflussreich wohlhabend, wenn auch mit einen finanziellen Einbußen in der letzten Zeit, war nach dem großen Krieg ein Hunnenhasser, er ließ kein gutes Haar an den Deutschen. Das änderte sich als seine Töchter Unity und Diana sich dem Faschismus in England, Diana war mit dem britischen Faschistenführer Oswald Mosley liiert, und Deutschland, Unity umgarnte Hitler, traf sich privat mit ihm, er richtete sogar eine Wohnung in München für sie ein, zuwandten. Bald waren auch die Eltern begeisterte Anhänger Hitlers. Jessica hingegen war im spanischen Bürgerkrieg auf der Seite der Kommunisten aktiv. Nancy sah die Begeisterung für den Faschismus sehr kritisch und überlegte, ob sie ihre Insiderinformationen an ihren Cousin, Winston Churchill, weitergeben sollte.
Der Roman ist mit wechselnden, chronologisch aufgebauten Episoden der Schwestern erzählt. Der Schreibstil ist angenehm flüssig lesbar, weißt jedoch die eine oder Länge auf. Bisher habe ich von dem enormen Einfluss der Mitford Familie im Faschismus nichts gehört, so dass ich einiges dazu nachgelesen habe. Zumindest das Meiste in diesem Roman geschilderte entspricht nachweislich der Realität.

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