Gelungene Mischung aus Unterhaltung und Nachdenklichkeit
Du hast noch einen Sommer, sagt der TodAls mich der Tod zum ersten mal besuchte, war meine Psychotherapeutin gerade dabei, eine neue spirituelle Technik an mir auszuprobieren. - Seite 7
Als ich "Du hast noch einen Sommer, sagt der Tod" entdeckt ...
Als mich der Tod zum ersten mal besuchte, war meine Psychotherapeutin gerade dabei, eine neue spirituelle Technik an mir auszuprobieren. - Seite 7
Als ich "Du hast noch einen Sommer, sagt der Tod" entdeckt habe, ist das Buch direkt auf meiner Wunschliste gelandet. Allein der Titel hat mich sehr neugierig auf die Geschichte gemacht, der Klappentext und dass das Buch als sommerliche Dramödie beworben wurde, haben dann den Rest erledigt. Wenig später ist es dann auch schon bei mir eingezogen, da ich es im Rahmen einer Leserunde gewonnen habe, worüber ich mich sehr gefreut habe.
Alba ist Chemielaborantin und lebt ein sehr zurückgezogenes und ruhiges Leben. Am liebsten sitzt sie auf der Fensterbank in ihrer Wohnung und beobachtet die Straße unter sich. Bis... eines Tages der Tod in Form einer Steckdose zu ihr spricht, während sie gerade bei ihrer Psychotherapeutin sitzt. Der Tod stellt Alba 5 Aufgaben, erfüllt sie diese nicht innerhalb der Frist, stirbt sie am Ende des Sommers. Doch schon die erste Aufgabe, ein Date, ist für Alba eine Herausforderung.
"Du hast noch einen Sommer, sagt der Tod" fing schon richtig vielversprechend an. Der Einstieg in die Geschichte ist mir sehr leichtgefallen und ich mochte Marie-Kristin Hofmanns Schreibstil wirklich gern, das Buch las sich flüssig, sehr angenehm und voller Humor.
Erzählt wird im Ich-Erzähler aus Sicht von unserer Protagonistin Alba. In Alba konnte ich mich sehr gut hineindenken und sie war mir von Anfang an sympathisch. Alba hat eine Sozialphobie, eine Angststörung und Zwänge und sitzt bzw. liegt zu Beginn des Buches gerade bei ihrer Psychotherapeutin, die eine neue spirituelle Technik an ihr ausprobiert, als ihr der Tod in Form einer Steckdose erscheint, um ihr mitzuteilen, dass sie am Ende des Sommers sterben wird, wenn sie nicht seine 5 Aufgaben erfüllt. Ich konnte ihre Ängste so gut nachvollziehen und habe mich stellenweise schon fast selbst darin wiedergefunden.
Den Tod fand ich richtig cool. Ich fand es so witzig, wie er immer wieder in den verschiedensten Gegenständen auftauchte, wenn man es gerade am wenigsten erwartet. Und vor allem, worin man ihn nicht erwartet. Los ging es mit der Steckdose, weiter ging es mit einer Gitarre und noch einigen weiteren Dingen, die ich aber nicht spoilern möchte.
Albas erste Aufgabe lautet, dass sie auf ein Date gehen soll. Dort lernt sie den Yogalehrer Marlon kennen, den ich schnell mochte. Seine Art ist so ganz anders als die von Alba und obwohl ich erst noch nicht das Gefühl hatte, dass die beiden im romantischen Sinne zusammenpassen, mochte ich die Dynamik zwischen ihnen echt gern und hatte das Gefühl, dass sie sich gut tun. Je mehr sich die Beziehung entwickelt hat, desto mehr habe ich auch das Knistern zwischen ihnen gespürt.
Auf der einen Seite ist "Du hast noch einen Sommer, sagt der Tod" richtig unterhaltsam, hat mir Spaß gemacht und mich zum Lachen gebracht. Doch das Buch hat auch eine tiefgründigere, nachdenkliche und fast schon bedrückende oder melancholische Seite. Die Mischung ist wirklich sehr gut gelungen, der Humor macht weder das Nachdenkliche lächerlich, noch zieht das Nachdenkliche die Unterhaltung zu sehr runter. Im Buch gibt es Content Notes, da ein paar sensible Themen behandelt werden. Schaut euch die unbedingt an, wenn ihr mit irgendwas Probleme haben solltet.
Die Entwicklung der Handlung gefiel mir an sich wirklich gut. Wir erfahren nicht nur viel über Alba sondern lernen zusammen mit ihr auch Marlon näher kennen, während sie nach und nach die Aufgaben des Todes erfüllt. Ich muss allerdings sagen, dass ich mir manchmal... mehr gewünscht hätte. Mit rund 330 Seiten ist das Buch relativ kurz und ich finde leider, dass man das in der Geschichte spürt. Mir blieb manches ein wenig zu oberflächlich oder wurde zu schnell abgefrühstückt. Genauer kann ich leider nicht darauf eingehen, da ich sonst spoilern würde, aber besonders eine Sache ist mir da im Kopf geblieben, die innerhalb von wenigen Sätzen einfach so erledigt war. Ich hab das Gefühl, dass dem Buch ein paar Seiten mehr gut getan hätten, das ist aber vermutlich einfach Geschmacksache.
"Du hast noch einen Sommer, sagt der Tod" ist ein abgeschlossener Einzelband und das Ende hat mir wirklich gut gefallen, ich fand es sehr schön. Eine Frage, die ich mir beim Lesen immer mal wieder gestellt habe, ist allerdings leider unbeantwortet geblieben, und ich hätte mir echt gewünscht, dass es da eine Info gegeben hätte.
Mein Fazit:
Insgesamt fand ich "Du hast noch einen Sommer, sagt der Tod" sehr gut. Die Geschichte über das Leben und den Tod bringt eine gelungene Mischung aus Humor und Unterhaltung und einer nachdenklicheren Seite mit sich, die mir gefallen hat. Stellenweise hätte ich mir allerdings ein wenig mehr Tiefe gewünscht, manches blieb mir persönlich etwas zu oberflächlich.