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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.01.2023

Kleider machen Leute und Meinung

Staat tragen
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Haben wir uns nicht alle schon einmal, beim Betrachten unserer Politikerinnen und Politiker gefragt, ob sie ihre Kleidung wahlweise aus der Altkleidersammlung gezogen haben oder keinen Spiegel zu Hause ...

Haben wir uns nicht alle schon einmal, beim Betrachten unserer Politikerinnen und Politiker gefragt, ob sie ihre Kleidung wahlweise aus der Altkleidersammlung gezogen haben oder keinen Spiegel zu Hause haben, weil die Haare wild zu Berge stehen oder die Krawatte eher einem Strick gleicht? Dirndl und Leserhosen abseits von Volksfesten tragen oder mit nackten Oberkörper ihre Virilität zur Schau stellen - alles Absicht und Inszenierung?

Wenn ja, ist dieses Buch von Daniel Kalt die richtige Lektüre.
In folgenden sieben Kapitel beschäftigt sich der Autor mit dem Verhältnis von Mode und Politik:

Stilfrage: Bedeutung tragen mit Personaluniformen
Reinheitsgebot und Authentizitätsversprechen
Pleiten, Pech und Pannendienst
Die Leistungsfähigkeit der Körper
Besonderer Kommunikationsbedarf
Bescheidenheit ist eine Zier
Zaghafte Versuche: Die Mode engagiert sich

Politikerinnen und Politiker stehen in der Öffentlichkeit und sollten sich in ihrer Kleidung wohlfühlen und authentisch wirken. Ob Generation Slimfit oder Turnschuh, Kleider machen Leute. Manches ist vielleicht bequem, aber nicht wirklich staatstragend.

Entzückend finde ich das Cover mit der stilisierten Anziehpuppe.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem unterhaltsamen Style-Guide der Macht 4 Sterne.

Veröffentlicht am 27.01.2023

Gute Krimi-Unterhaltung

Madame Beaumarie und der Winter in der Provence
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Die pensionierte Pariser Kommissarin Florence Beaumarie reist zu den Weihnachtsfeiertagen in die Provence, um ihren Freund Charles Florentin in seinem Landhaus zu besuchen und sich im idyllischen Saignon ...

Die pensionierte Pariser Kommissarin Florence Beaumarie reist zu den Weihnachtsfeiertagen in die Provence, um ihren Freund Charles Florentin in seinem Landhaus zu besuchen und sich im idyllischen Saignon zu entspannen.

Doch daraus wird vorerst nichts! Denn schon bei ihrer Anreise gibt es einen Mordfall. Direkt vor der Polizeistation wird eine junge Frau erschossen. Wenig später wird Florence von ihrem früheren Chef gebeten, sich unauffällig umzuhören, denn seine Familie wird in den Fall hineingezogen. Das Opfer stammt aus Algerien und hat just in dem Frauenhaus Zuflucht gefunden, das seine Frau leitet.

Wenig später wird ein Deutscher, der sich militant gegen Pestizide und für Bio-Produkte einsetzt, ermordet.

Hängen die beiden Morde zusammen? Und wenn ja, wie?

Madame Beaumaries Fingerspitzengefühl und ihre ganze Erfahrung ist nun gefordert, zumal sie ja gar nicht offiziell ermitteln darf.

Meine Meinung:

Dieser zweite Krimi aus der Reihe „Madame Beaumarie“ hat mir recht gut gefallen, obwohl ich den ersten nicht kenne.

Die Autorin nimmt uns in die weihnachtliche Provence mit, wo wir bei zahlreichen Abendessen regionale Spezialitäten genießen dürfen.

Die Handlung selbst ist gut konstruiert. Nichts ist, wie es scheint. Dafür werden zahlreiche Spuren gelegt, die sich als falsche Fährten herausstellen oder in einer Sackgasse münden. Die Auflösung ist gelungen.

Die Charaktere sind recht gut beschrieben und haben so ihre Ecken und Kanten. Vor allem Florence, die gewohnt ist, alleine zu leben und selbst zu entscheiden, tut sich ein wenig schwer, sich in trauter Zweisamkeit mit ihrem neuen Freund Charles zu üben. Doch man weiß, Übung macht den Meister, und so gibt es hier eine positive Entwicklung.

Neben einem Personenverzeichnis und der Übersetzung französischer Worte sind auch zwei interessante Rezepte angehängt.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Krimi 4 Sterne und werde mir den ersten Band besorgen.

Veröffentlicht am 27.01.2023

Hat mich nicht ganz gepackt

Commissario Conti und der Tote im See
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Dieses Debüt ist der Auftakt zu einer neuen Krimireihe rund um den Gardasee.

Ein Urlauberkind entdeckt eine Leiche im Gardasee. Dass der Tote keines natürlichen Todes gestorben ist, ist leicht an der ...

Dieses Debüt ist der Auftakt zu einer neuen Krimireihe rund um den Gardasee.

Ein Urlauberkind entdeckt eine Leiche im Gardasee. Dass der Tote keines natürlichen Todes gestorben ist, ist leicht an der zur Beschwerung befestigten Felge zu erkennen. Fast gleichzeitig ist Luca Conti, der am Ende seiner Ausbildung zum Commissario steht, mit der Kontrolle von Autos beschäftigt, um eventuellen Trüffelschmuggel aufzudecken. Als er in einem Lieferwagen mehrere Kisten mit dem wertvollen Gut entdeckt, springt er in seinen Wagen und verfolgt, ohne seine Kollegen zu informieren, das verdächtige Fahrzeug.

Ob und wie die beiden Fälle zusammenhängen, ist Gegenstand dieses Krimis.

Meine Meinung:

Die Landschaftsbeschreibungen sind, wie für einen Regionalkrimi üblich, gut gelungen. Die Informationen zum Trüffelgeschäft sind penibel recherchiert und zeigen, wie viel Geld mit dem Luxusgut zu verdienen ist.

Der Krimi lässt sich leicht und locker in wenigen Stunden lesen. Die Charaktere, allen voran Luca Conti, sind noch nicht wirklich ausgereift. Der ehrgeizige Neuling Conti ermittelt ohne Team und fährt betrunken Auto. Das geht für mich gar nicht! Der jugendliche Heißsporn schert sich weder um Geschwindigkeitsbegrenzungen noch um Regeln des Polizeidienstes. Es scheint, als hielte der Onkel, der ebenfalls im Polizeidienst ist, seine schützende Hand über Luca Conti. Denn eigentlich kann kein Vorgesetzter die mitunter gefährlichen Alleingänge des Neulings tolerieren.

Aufgefallen ist mir, dass hier munter für diverse Produkte geworben wird, deren Namen in kursiver Schrift noch extra hervorgehoben werden. So eine auffällige Produktplatzierung hat meiner Meinung nach in einem Krimi nichts verloren.

Fazit:

Als Urlaubslektüre, vielleicht sogar am Gardasee, ist der Krimi ganz gut geeignet. Mich hat er nicht ganz überzeugt und erhält dafür 3 Sterne.

Veröffentlicht am 26.01.2023

Fesselnd bis zur letzten Seite

Das lange Schweigen
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„Als Kind hatte ich meinen Vater als einen sehr strengen, autoritären Mann erlebt. Arnold bestimmte, er war das Gesetz und Widerworte durfte es nicht geben. Menschliche Wärme und väterliche Zuneigung waren ...

„Als Kind hatte ich meinen Vater als einen sehr strengen, autoritären Mann erlebt. Arnold bestimmte, er war das Gesetz und Widerworte durfte es nicht geben. Menschliche Wärme und väterliche Zuneigung waren mir gänzlich fremd.“ So beschreibt Autor Nikolaus Münster seine Kindheitserinnerungen. Warum sein Vater so war, hat er erst bei der Aufarbeitung von dessen Lebensgeschichte erfahren.

Dieses Buch ist das Ergebnis von Forschungsarbeiten und einer peniblen Auseinandersetzung mit der Lebensgeschichte eines Mannes, der aufgrund seiner kommunistischen Gesinnung während der NS-Zeit acht Jahre seines Lebens in Haft war. Dass sich ausgerechnet dieser Mann in Lilly Curtius, eine Frau, die ein Kind von einem verheirateten nationalsozialistischen Klinikdirektor hat, verliebt, ist wohl eine große Ironie des Schicksals.

Das Buch gliedert sich in drei große Teile, die sich zuerst jeweils Arnold und danach Lilly allein und anschließend dem Paar nähern. Nikolaus Münster entdeckt dabei einen ganz anderen Menschen als jenen, den er kennt. Er lernt einen zutiefst traumatisierten, intelligenten und zerrissenen Mann kennen, der auch der neuen Bundesrepublik mit gebotener Skepsis begegnet, den der Ungeist des alten Regimes ist nach wie vor in den Köpfen der Menschen vorhanden.

Meine Meinung:

Diese Annäherung an die bislang unbekannte Seite seines Vaters macht betroffen. Das „ohrenbetäubende Schweigen“ hallt noch lange nach. Üblicherweise sind die Kinder von NS-Opfern noch zu nahe am Geschehen, um sie aufarbeiten zu können. Meist ist es die Aufgabe der Enkel, die Vergangenheit der Eltern und Großeltern zu durchforsten.

Doch Nikolaus Münster ist es sehr gut gelungen, die Lebensabschnitte seines Vaters zu rekonstruieren. Dabei ist das umfangreiche Handarchiv von Arnold ein wahrer Schatz.

Sehr gelungen, weil außergewöhnlich, ist das Cover: Das Foto der von Bomben zerstörten Stadt steht Kopf, so wie die Welt des Autors nach der Aufarbeitung der Geschichte seines Vaters vermutlich Kopf gestanden ist.

Fazit:
Gerne gebe ich dieser Hommage an einen fast vergessenen Widerstandskämpfer und verkannten Vater, die an manchen Stellen fordernd, weil sie verstörend, ist, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 25.01.2023

Von einer, die auszog Bestsellerautorin zu werden

Die nächste Depperte
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Wer träumt nicht davon, einen Bestseller zu schreiben? Eben - Autorin Susanne Kristek ist eine dieser Träumerinnen.

In diesem Buch beschreibt sie mit beißender Ironie und viel Humor, wie es ihr gelungen ...

Wer träumt nicht davon, einen Bestseller zu schreiben? Eben - Autorin Susanne Kristek ist eine dieser Träumerinnen.

In diesem Buch beschreibt sie mit beißender Ironie und viel Humor, wie es ihr gelungen ist, ein Buch („Nur die Liege zählt“) zu schreiben, den Weg zu einem Verlag sowie die vielen kleinen Katastrophen bis das Buch in die Buchhandlungen und anschließend in die Hände von Leserinnen und Lesern gelangt.

Der Titel ist das Statement einer Passantin, die Kristeks Versuch, Bücher an Vorbeieilende zu verkaufen, sichtlich nicht goutiert. Nun gut, wenn man weiß, dass allein im deutschsprachigen Raum rund 69.000 Bücher verlegt werden, ist es für eine neue Autorin doch recht schwer, das Buch an den Mann zu bringen. Dabei sind jene 69.000 Bücher nur 1-2 Prozent der eingereichten Manuskripte. Klingt nun nicht so recht ermutigend.

Der Schreibstil ist ein wenig schrill. Allerdings kann man die Aufregung gut nachvollziehen.

Neben den eigenen Gedanken der Autorin gibt es noch jene des Ehemanns und - sehr lustig zu lesen - die aufmunternden Worte von Krimiautorin Martina Parker, die in kürzester Zeit drei Bestseller in die Buchhandlungen bringen konnete (der vierte ist in Arbeit). Außerdem besuchen wir gemeinsam mit Susanne Kristek die Bestsellerautorin Hera Lind in Salzburg, um Tipps zu bekommen und erfahren, wie zerbrochene Beziehungen auch das Ende eines möglichen Bestsellers sein können.

Fazit:

Ein Buch zum Schmunzeln, das mir persönlich ein wenig zu schrill ist. Daher gibt es 3 Sterne.