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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.03.2023

Fesselnd bis zur letzten Seite

Lemmings Blues
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Stefan Slupetzky ist für seine pointierten Geschichten bekannt. Mit diesem Krimi „Lemmings Blues“, dem 6. aus der Reihe rund um Leopold „Lemming“ Wallisch, spricht er zahlreichen Lesern aus der Seele. ...

Stefan Slupetzky ist für seine pointierten Geschichten bekannt. Mit diesem Krimi „Lemmings Blues“, dem 6. aus der Reihe rund um Leopold „Lemming“ Wallisch, spricht er zahlreichen Lesern aus der Seele. Denn wie vielen von uns, hängen auch ihm die Weltuntergangs- und Verschwörungstheorien längst zum Hals heraus.

Frau und Kind sind verreist, Polivka,sein Partner in der Detektei, auch und so sieht er sich alleine einem neuen Fall gegenüber: Herkules, genannt „Kuli“ ist sein neuester Klient. Das Ungewöhnliche daran ist, Kuli ist ein Mops, der seiner Überbringerin zufolge, in akuter Lebensgefahr schwebt und beschützt werden muss. Der Lemming staunt nicht schlecht, als der Mops mit ihm kommunizieren kann. Die Gefahr droht augenscheinlich von einem Motorrad fahrenden Hundefänger, der es auf den Mops abgesehen hat und auch vor Kollateralschäden nicht zurückschreckt.

Doch wer steckt dahinter? Und warum ist Wien plötzlich voller Menschen, die eine Schweißerbrille mit hellblauen Gläsern tragen? Sollte eine Schweißerbrille zum Schutz der Augen nicht ganz dunkle Scheiben haben?

Als der Lemming erfährt, warum die Schweißerbrillenträger (und Trägerinnen) hinter Herkules her sind, ist es beinahe zu spät. Jetzt kommt es auf jede Sekunde an und Lemming kann auf den unverhofft zurückgekehrten Polivka zählen.

Meine Meinung:

Die Corona-Pandemie hat uns allen einiges abverlangt. Nicht nur die Krankheit selbst, sondern die schier unüberschaubare Anzahl von Verschwörungstheorien. Ob Aluhut oder Schweißerbrille, da ist wenig Unterschied.

Warum sich so viele Menschen der Realität verweigern kann auch Slupetzky mit seinem Lemming nicht beantworten. Für den Lemming ist eine rote Ampel einfache ein Mittel, um Verkehrsströme, in geregelte Bahnen zu lenken und die Daten,die sich in den Mikrochips von Hund und Katz‘ stecken, dienen lediglich dazu, ein eventuell verloren gegangenes Haustier dem Besitzer zurückzubringen.

Slupetzky verpackt das ernste Thema, wie leicht die Menschen manipulierbar sind und abstrusen Verschwörungstheorien anheim fallen, in eine fesselnde Geschichte, in der psychedelische Trips infolge eines ungewöhnlichen Kautabaks für slapstickartige Szenen sorgen. Doch diese komischen Situationen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die im wahrsten Sinne des Wortes, Ge- bzw. Verblendeten vor Waffengewalt nicht zurückschrecken, um ihre Ziele zu erreichen.

Der Schreibstil ist wie immer grandios und die vielen Wortspielereien, die für Stefan Slupetzky üblich sind, lassen mich immer wieder schmunzeln. Ein Beispiel gefällig?

„Ob ein Buchhalter auf seinem Sofa Stornos buchte oder Pornos suchte, war für seinen Chef schwer festzustellen, wenn er sich nicht von kompetenten Schnüfflern dabei helfen ließ.“

Fazit:

Ein rasanter Wien-Krimi, der durch seine wohlgesetzten Worte besticht. Dafür erhält er 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 12.03.2023

Unterhaltsamer Krimi

Diva del Garda
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Katharina Eigner, bekannt durch ihre beiden Salzburg-Krimis, hat nun den Schauplatz eines Verbrechens an den schönen Gardasee verlegt.

Rosina, eine Restauratorin, die sich in der Vergangenheit immer in ...

Katharina Eigner, bekannt durch ihre beiden Salzburg-Krimis, hat nun den Schauplatz eines Verbrechens an den schönen Gardasee verlegt.

Rosina, eine Restauratorin, die sich in der Vergangenheit immer in Windeseile verliebt (natürlich in ein Windei), hat auch mit dem letzten Lover kein Glück, denn der bringt sie um ihr Haus. Allerdings lässt sie sich nicht entmutigen und residiert von nun an in einem schicken Wohnmobil. Freundin Cara, aus deren Perspektive der Krimi erzählt wird, ist eher das Gegenteil: vorsichtig und misstrauisch.

Nun stolpern die beiden über den Diebstahl eines wertvollen Bildes von Artemisia Gentileschi. Rosina leckt Blut und beginnt zu ermitteln. Dabei werden sie tatkräftig von einem Ex-Kardinal und einem Ex-Schweizer Gardisten unterstützt.

Die Polizei kann der Bestohlene, Signore Martinelli, nicht einschalten, da das Bild unbekannter Provenienz ist ...

Meine Meinung:

Dieser Krimi gehört fraglos in die Kategorie „Cozy-Crime“, denn wirklich ernsthaft ermittelt mit Polizei und so, wird hier nicht. Die Polizei ist nur eine Randerscheinung, die in Garda Strafzettel verteilt. Aber, das macht gar nichts, denn hier geht es um das Savoir Vivre in einer schönen Umgebung und, ja. um ein bisschen Liebe. Dazwischen wird, wie es sich in Italien gehört, gekocht und gespeist und das eine oder andere Gläschen Wein aus der Region gezwitschert.

Der Kriminalfall tritt ziemlich in den Hintergrund, was so manchen eingefleischten Krimi-Fan enttäuschen wird. Doch die sind ohnehin nicht unbedingt die Zielgruppe der Autorin. Locker, flockig und mit Humor vermittelt Katharina Eigner einige Kenntnisse über Kunstgeschichte.

Fazit:

Wer eine Geschichte in einer wunderschönen Umgebung mit Urlaubsflair und ein paar Herzerln in den Augen lesen will, ist hier richtig. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 12.03.2023

Gute Unterhaltung

Winterküsse unterm Nordstern
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Dieses Buch entführt uns nach Lappland, das Land der Mythen und Legenden. Dort findet Charlotte einen Job im Dorf des Weihnachtsmannes und führt als Weihnachtselfe verkleidet, Touristen durch Rovaniemi.

Charlotte ...

Dieses Buch entführt uns nach Lappland, das Land der Mythen und Legenden. Dort findet Charlotte einen Job im Dorf des Weihnachtsmannes und führt als Weihnachtselfe verkleidet, Touristen durch Rovaniemi.

Charlotte hat sich das karge Lappland für ihren Neuanfang gewählt, weil sie den Rat ihres Großvaters beherzigt, immer dem Nordstern zu folgen, wenn sie sich verlaufen hat. Charlotte hat sich zwar nicht verlaufen, aber durch die toxische Beziehung mit Henning, ihre Orientierung verloren.

Als sie von Eveliina, einem kleinen Mädchen, zwei Briefe für den Weihnachtsmann erhält, weiß sie noch nicht, dass sich ihr Leben wieder einmal komplett ändern wird ...

Meine Meinung:

Ich bin ja weder ein Weihnachtstyp noch ein Fan von Liebesgeschichten. Doch hin und wieder darf es auch für mich eine solche geben.

Heimliche Stars neben Eveliina sind die Rentiere, die hier leben. Und natürlich „Hottie“, der gut aussehende Rentierzüchter, der zum Leidwesen zahlreicher weiblicher Fans, zurückgezogen lebt.

Natürlich darf es Küsse, Zweifel und ein Happy End geben - die Geschichte spielt ja im Weihnachtsdorf.

Fazit:

Das richtige Buch für einen trüben (Winter)Tag, um mit Keksen und heißer Schokolade für entspannte Lesestunden gerüstet zu sein. Gerne gebe ich für die lockere Unterhaltung 4 Sterne.

Veröffentlicht am 12.03.2023

Hat noch ein wenig Luft nach oben

Tod in Masuren
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Die deutsche Hochschullehrerin Marie kann es kaum erwarten, wieder in ihr Feriendomizil, einem alten liebevoll renovierten Vierkanthof in Masuren, zu reisen und dort an ihrem Buch zu schreiben.

Doch ...

Die deutsche Hochschullehrerin Marie kann es kaum erwarten, wieder in ihr Feriendomizil, einem alten liebevoll renovierten Vierkanthof in Masuren, zu reisen und dort an ihrem Buch zu schreiben.

Doch aus der geruhsamen Idylle wird diesmal nichts, denn als der Teich auf dem Nachbargrundstück, das ursprünglich Teil des Vierkanthofs war, ausgebaggert wird, finden die Arbeiter eine Leiche. Da Marie den Teich vor rund zwei Jahren an den Nachbarn veräußert hat, rückt sie in den Fokus der Ermittlungen. Denn der Gerichtsmediziner datiert den Tod des Mannes just für diesen Zeitraum.

Es dauert eine geraume Zeit, bis die Identität des Toten feststeht, denn der einzige Hinweis ist ein altes Maßband, das auch von Geodäten verwendet wird. Als sich dann herausstellt, dass der Ermordete wirklich der Landvermesser Józef Koszak ist, finden Marie und die Polizisten einige Leute, die ein Motiv hätten. Der Mann hat es mit seiner Arbeit nicht allzu genau genommen, weshalb so mancher nun Schwierigkeiten mit dem Grundbuchamt hat.

Aber ist es wirklich so einfach?

Marie hat die Neugier gepackt und will mehr über den Toten herausfinden, denn es kommt ihr komisch vor, dass niemand den Mann vermisst. Marie und ihre Freunde, Staszek und Malgorzata, beginnen ihre eigenen Nachforschungen anzustellen und kommen einem Familiengeheimnis auf die Spur und dem Täter sehr nahe.

Meine Meinung:

Ella Sophie Lindow ist das Pseudonym der Autorin, die in ihrem Brotberuf wie ihre Protagonistin ebenfalls Hochschullehrerin ist, entführt ihre Leser in eine Region, die nicht sehr häufig in deutschsprachigen Krimis vorkommt: in die Masurische Seenplatte in Polen. Dementsprechend werden polnische Namen und Ausdrücke verwendet, die so manchem schon beim Lesen einen Knoten in der Zunge verursacht. Für mich als Wienerin ist die polnische Sprache keine ganz so große Herausforderung, weil man uns ja nachsagt, eine „böhmische“ Großmutter zu haben. Die tschechische und polnische Sprache ähneln einander. Zusätzlich gibt es am Ende eine kurze Erklärung der Aussprache.

Mich hat es ein wenig irritiert, dass Marie, obwohl sie ja freiwillig seit Jahren ihre Zeit in Polen verbringt und sichtlich auch gesellig ist, nicht mehr polnisch spricht.

Die Grundidee der Story selbst hat mir gut gefallen, da ich ja selbst Geodätin bin. Der Landvermesser heißt bei uns in Österreich nach wie vor Geometer. Falsche Messergebnisse führen zwar bei uns auch zu Streitereien, enden aber vor Gericht und nicht im Leichenschauhaus.

Der Schreibstil hat noch ein wenig Luft nach oben. Die Spannung hält sich in Grenzen. Mehrmals werden die unzureichenden Sprachkenntnisse von Marie erwähnt. Wir Leser können uns so etwas merken, da braucht es keine mehrfachen Wiederholungen.

Stellenweise liest sich das Buch wie ein Reiseführer durch Masuren. Das gefällt mir an sich gut, doch leider fehlt hier ein wenig die Leichtigkeit eines Jean-Luc Bannalec, der diese Art Krimis perfekt beherrscht.

Ich hatte recht bald eine Idee, wie in welchem Verhältnis die auftretenden Personen stehen. Die hat sich dann auch als richtig erwiesen.

Mit den Charakteren bin ich nicht ganz warm geworden. Die beiden Polizisten, allen voran Pjotr schießen sich zu Beginn auf Marie als Täterin ein und ermitteln für mein Dafürhalten ein wenig schlampig. Denn wie kann es sein, dass man das Maßband und auch das Messer in der Nähe der Leiche übersehen hat? Vorurteil einer deutschen Autorin oder nur ungenau beschrieben? Pjotr kann ich gar nicht einordnen. Manchmal kehrt er den strengen Polizisten Marie gegenüber heraus und dann teilt er ihr den Stand der Ermittlungen mit.

Fazit:

Diesen Krimi habe ich hauptsächlich wegen der Profession des Opfers und des mir unbekannten Schauplatzes gelesen. Von mir erhält dieser Krimi 3 Sterne, da noch ein wenig Luft nach oben ist.

Veröffentlicht am 12.03.2023

Ein Krimi mit Liebesgeschichte

Im Zauber der Stille
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Nach außen ist Rémy Beauvolet ein liebevoller Vater, aufmerksamer Ehemann und äußerst erfolgreiche Geschäftsmann. Offizielle verdient er sein Geld mit einer Hotel- und Casinokette, doch in Wirklichkeit ...

Nach außen ist Rémy Beauvolet ein liebevoller Vater, aufmerksamer Ehemann und äußerst erfolgreiche Geschäftsmann. Offizielle verdient er sein Geld mit einer Hotel- und Casinokette, doch in Wirklichkeit dient diese nur der Tarnung seiner eigentlichen Geschäfte: Menschen- und Drogenhandel.

Schon seit Jahren ist ihm die Polizei von Marseille, in der Person von Capitaine Kylian Plevantier auf den Fersen. Doch jedes Mal schlüpft der Kriminelle durch die Maschen des Gesetzes, nicht ohne zahlreiche tote Polizisten zu hinterlassen. Der Verdacht drängt sich auf, einen Maulwurf in den eigenen Reihen zu haben.

Nun bietet sich Plevantier eine einmalige Chance: Fleur will nach Jahren im goldenen Käfig ihren Ehemann Rémy Beauvolet gemeinsam mit ihren Töchtern endlich verlassen. Dass dies nicht einfach sein wird, ist Fleur bewusst und deshalb kopiert sie den Inhalt von Rémys Rechner als Rückversicherung auf einen Stick, um ihn Kylian Plevantier zu übergeben. Ganz vertrauen sich die beiden nicht, und droht der schöne Plan aus dem Ruder zu laufen ....


Meine Meinung:

Dieser Krimi, der im Grafit-Verlag erschienen ist, ist mein erster von Silke Ziegler.

Der Schreibstil ist fesselnd und die Charaktere sind gelungen. Was ich in einem Krimi nicht so sehr „brauche“ sind schwülstige Liebesgeschichten. Manche Handlungen von Fleur wirken naiv. Die eine oder andere Reaktion der Ermittler ist für mich vorhersehbar. Die Idee vom Maulwurf bei der Polizei hat sich natürlich bestätigt, lediglich die Person hat ein wenig überrascht. Nun ja, dass Sex und Geld die beliebtesten Motive für Verbrechen sind, hat sich auch hier bestätigt.

Fazit:

Wer einen Krimi aus Südfrankreich mit reichlich Spannung lesen will und sich von einer Liebesgeschichte nicht abschrecken lässt, ist hier richtig. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.