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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.12.2022

Das größte Hindernis bist du selbst

The Mountain Is You
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Das größte Hindernis bist du selbst

„Menschen tun oft Dinge, die sie eigentlich gar nicht tun wollen und sabotieren sich damit selbst. Doch was genau ist eigentlich Selbstsabotage? Wie kommt sie zu Stande? ...

Das größte Hindernis bist du selbst

„Menschen tun oft Dinge, die sie eigentlich gar nicht tun wollen und sabotieren sich damit selbst. Doch was genau ist eigentlich Selbstsabotage? Wie kommt sie zu Stande? Und warum hören wir nicht einfach auf damit, uns selbst im Weg zu stehen?“

In 7 Kapiteln gibt die Autorin einfühlsam, aber mit ein einem Quäntchen Nachdruck zahlreiche Ratschläge, endlich mit der Selbstsabotage aufzuhören:

Das Hindernis bist du selbst
Es gibt keine Selbstsabotage
Deine Trigger weisen dir den Weg in die Freiheit
Emotionale Intelligenz aufbauen
Die Vergangenheit loslassen
Eine neue Zukunft aufbauen
Von Selbstsabotage zur Selbstbestimmung

Es werden Ausdrücke erklärt und Maßnahmen vorgestellt, die Selbstsabotage, falsche Glaubenssätze erkennen lassen. Hat man endlich erkannt, warum man sich selbst im Weg steht, kann eine Verhaltensänderung in Angriff genommen werden.

Meine Meinung:

Das Buch ist ein weiteres in den meterlangen Regalen der Ratgeber.

Erstens, gibt es keine wirklich neuen Erkenntnisse und zweitens, das liest sich alles ziemlich einfach, ist es aber nicht. Denn wir Menschen sind in ein Umfeld eingebettet, das es uns nicht immer leicht macht, uns zu verändern.

Fazit:

Wenig neue Erkenntnisse, weshalb dieser Ratgeber von mir nur 3 Sterne erhält.

Veröffentlicht am 26.12.2022

Ein Mann auf Rachefeldzug

Die tausend Verbrechen des Ming Tsu
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Dieses Buch ist das Debüt von Tom Wentao Lin, der jüngste Autor, der jemals mit der Andrew Carnegie Medal for Excellence in Fiction ausgezeichnet wurde.

Worum geht’s?

Man schreibt das Jahr 1869 und ...

Dieses Buch ist das Debüt von Tom Wentao Lin, der jüngste Autor, der jemals mit der Andrew Carnegie Medal for Excellence in Fiction ausgezeichnet wurde.

Worum geht’s?

Man schreibt das Jahr 1869 und die Pacifiy Railway wird quer durch den Kontinent getrieben. Abertausende chinesische Arbeiter schuften für einen Hungerlohn. Als sich der Chinese Ming Tsu, in Ada, die Tochter eines Eisenbahnmagnaten, verliebt, wird er von dessen Handlangern fast getötet und als Arbeitssklave auf der Baustelle gehalten. Doch Ming Tsu überlebt und schwört blutige Rache. Schon bald wird auf ihn ein Kopfgeld von 10.000 Dollar ausgesetzt und sein Steckbrief hängt in jeder noch so kleinen Stadt.

Mit Hilfe eines greisen, blinden Chinesen, genannt »Der Prophet«, und einer bunt gemischten Zirkustruppe, die ihn zu ihrem Schutz angeheuert hat, arbeitet er sich zielstrebig Richtung Reno, Kalifornien durch. Dort hofft er, seine Ada wieder zu treffen.

Auf dem Weg dorthin zieht er eine blutige Spur, denn „das Töten machte ihm schon lange nichts mehr aus.“ ...

Meine Meinung:

Obwohl nur knapp 200 Seiten lang (epub), fesselt die Geschichte des Ming Tsu bis zur letzte Seite.

Natürlich sind Rachefeldzüge im amerikanischen Westen keine neue Erfindung. Allerdings sind sie in den letzten Jahren ein wenig aus der Mode gekommen.

Wer Sergio Leones Western „Spiel mir das Lied vom Tod“ kennt, weiß um die Brutalität mit der die Eisenbahnen durch Amerika gebaut worden sind. Diesmal wird diese Geschichte nicht aus der Sicht der Siedler, die ihres Lebens und ihres Landes beraubt werden, sondern aus der Sicht eines chinesischen Arbeitssklaven erzählt. Eine Zeit lang kann Ming Tsu darauf vertrauen, dass Weiße die chinesischen Gesichter nicht erkennen können bzw. einem „Schlitzauge“ nicht ins Gesicht schauen wollen.

Der Schreibstil ist kurz und knackig. Tom Lin hält sich nicht mit Sentimentalitäten auf, wenn man davon absieht, dass Ming Tsu seinen Traum von Ada zehn Jahre lang akribisch verfolgt. Dass er dabei über zahlreiche Leichen geht, muss man ihm fast verzeihen. Auf seinem Weg der Rache trifft er unterschiedliche Menschen, die ihn teils ablehnen, herausfordern und solche, die ihm weiterhelfen.

Der für mich interessanteste Charakter ist der „Prophet“, ein blinder Chinese, dessen Vorhersagen, sei es das Wetter oder den nahen Tod eines Mitreisenden betreffen, immer eintreffen.

Der Showdown am Ende ist unerwartet. Doch ein Happy End mit „Liebe, Wonne und Waschtrog“ wäre unrealistisch und unglaubwürdig.

Fazit:

Natürlich wird dieser Roman nicht allen Leser gefallen, aber ich bewerte diesen genialen Rachewestern mit 5 Sternen und einer Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 21.12.2022

Subjektiver Bericht aus dem Chaos

ZOV – Der verbotene Bericht
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Seit dem 24. Februar 2022 tobt ein Angriffskrieg der russischen Armee gegen die Ukraine. Ein Krieg, der laut Wladimir Putin nur eine „Spezialoperation“ sein soll. Ein Krieg, den sich der Herr im Kreml ...

Seit dem 24. Februar 2022 tobt ein Angriffskrieg der russischen Armee gegen die Ukraine. Ein Krieg, der laut Wladimir Putin nur eine „Spezialoperation“ sein soll. Ein Krieg, den sich der Herr im Kreml anders vorgestellt hat.

Dieser verbotene Bericht des ehemaligen Soldaten und Kriegsteilnehmers Pawel Filjatjew zeigt das Menschen verachtende Regime Putins. Ohne Rücksicht auf Verluste werden schlecht bis gar nicht ausgerüstete Soldaten, die kaum eine ordentliche Ausbildung erhalten haben, ohne Verpflegung und Nachschub mit veraltetem schlecht funktionierenden Kriegsgerät in den Krieg geschickt.

Schonungslos berichtet Pawel Filatjew wie er stündlich mehr an der russischen Armeeführung zweifelt. Als Sohn eines Soldaten ist er in militärischem Umfeld aufgewachsen, war selbst Soldat, später dann Pferdezüchter und ist während der Corona-Pandemie aus finanziellen Gründen wieder zum Militär gegangen. Er kennt also den Unterschied des Heeres aus den früheren Jahren und dem aktuellen Zustand.

Filatjew erzählt als erster Soldat der russischen Armee, was er bei seinem Einsatz in der Ukraine erlebt hat. Dieses Buch zeigt plastisch, warum die russische Armee, in der Vetternwirtschaft und Korruption vorherrschen, so schlecht funktioniert. Wir Leser erfahren, dass die Soldaten über Ziel und Zweck ihres Einsatzes völlig im Unklaren gelassen worden sind.

Der Autor berichtet, dass die Soldaten den versprochenen Sold nicht erhalten, dass Verwundete nicht ausreichend medizinisch versorgt werden und die einzelnen Kommandierenden oftmals nicht wüssten, was als nächstes oder überhaupt zu tun sei. Eine Standardfloskel, der das Chaos durchaus gut um- und beschreibt lautet: „Die/wir haben sicher einen Plan“. Dieser Satz ist mehrmals zu lesen, jedes Mal zynischer.

Meine Meinung:

Für Nicht-Militaristen ist dieses Buch nicht ganz einfach zu lesen. Es wimmelt von militärischen Abkürzungen wie EPa, Javelin etc. und Bezeichnungen von russischen (Kriegs)Gerät (AGS-17, UAZ, KAMAZ etc.), das mühsam im Internet recherchiert werden muss. Manches erschließt sich durch aufmerksames Lesen aus dem Text, aber ein Abkürzungsverzeichnis wäre sehr hilfreich.

Ein bisschen mehr Struktur hätte diesem sehr subjektiven Bericht nicht geschadet. Es gibt häufige Zeitsprünge und Ortswechsel. Aber, vielleicht ist das auch ein Stilmittel, um sich die chaotischen Wochen von der Seele zu schreiben.

Dennoch kann ich mir es nicht verkneifen, die eine oder andere Aussage in Zweifel zu ziehen. So sollen die hungernden und schlecht ausgerüsteten russischen Soldaten „nur“ Verpflegung aus den zerstörten ukrainischen Geschäften gestohlen haben. Dass gefangengenommen, weil spionierende, Zivilisten nach halbherzigen Befragungen wieder unbehelligt entlassen worden sind, scheint mir ein wenig unwahrscheinlich.

Auch dass er straflos das Gewehr und den Stahlhelm verliert, kann ich mir kaum vorstellen. Gut, das Gewehr findet sich wieder, aber der Helm? Keine Sanktionen?

Fazit:

Es erfordert Mut, sich aus dem Chaos zu verabschieden und die subjektiven Erlebnisse überhaupt niederzuschreiben. Dafür muss man dem Autor Respekt zollen.
Trotzdem bleibt bei mir ein gewisses Unbehagen, was diesen Bericht betrifft. Die jahrelange Indoktrination lässt sich nicht schönreden. Gerne gebe ich hier 3 Sterne.

Veröffentlicht am 20.12.2022

Athmospärisch dichter hist. Krimi

Die Wilderin
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Sophie Reyer entführt uns mit ihrem historischen Roman in sie karge und schroffe Bergwelt Tirols von 1900.

Um ihre Familie zu erhalten, muss Theres, die einen kleinen Bergbauernhof betreibt, wie weiland ...

Sophie Reyer entführt uns mit ihrem historischen Roman in sie karge und schroffe Bergwelt Tirols von 1900.

Um ihre Familie zu erhalten, muss Theres, die einen kleinen Bergbauernhof betreibt, wie weiland schon ihr Vater zur Bockbüchse greifen und das eine oder andere Stück Wild zu erlegen.

Als dann ein Mann erschossen aufgefunden wird, gerät Theres unter Verdacht, da man bei ihm ein rotes Tuch findet, das Theres gehört.

Die Dorfbewohner wollen es schon immer gewusst haben, denn wer wildert, schießt auch auf Menschen. Und so scheint das Urteil bereits festzustehen, denn auch für den Postenkommandanten ist Theres schuldig. Nur Inspektor Andreas Schmidt hat so seine Zweifel und sucht nach Beweisen für Theres‘ Unschuld.

Meine Meinung:

Wie wir es von Sophie Reyer gewöhnt sind, begibt sie sich mit ihren Romanen in eine mystische Ebene. Im Fall der „Wilderin“ sind die Tiroler Sagengestalten der Saligen sehr präsent. Die saligen Frauen werden als scheue, aber hilfsbereite und weise Frauen beschrieben, die in Not geratenen Menschen helfen. Das zeigt sich letztlich auch beim Prozess gegen die Theres. Es scheint als ob die Saligen der Gerechtigkeit zum Sieg verhelfen, denn nun werden alte Konflikte aufgelöst und der wahre Täter meldet sich.

Obwohl das Leben auf der Alm mehr als karg ist und Theres zahlreiche Schicksalsschläge hinnehmen muss, verzagt sie nicht. Sie nimmt das Schicksal so an, wie es ist.

Sophie Reyer zeichnet ein Sittenbild des Tirols zu Beginn des 20. Jahrhunderts, das diesen Roman zu etwas Besonderem macht. Wir erleben Theres in ihrer ganz eigene Welt, die abgeschottet vom übrigen Weltgeschehen auf ihrer Alm ums Überleben kämpft. Theres lebt im Einklang mit der Natur und entnimmt nur das, was sie für das Überleben braucht. Diese Eigenständigkeit, dieses Anders sein ist den Dorfbewohnern ein Dorn im Auge.

Fazit:

Ein historischer Krimi nach einer wahren Begebenheit, der mehr Sittenbild einer Region als Kriminalroman ist, aber durch seine bildhafte Sprache besticht. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 20.12.2022

Eine gelungene Fortsetzung

Mord am Kehlsteinhaus
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In seinem zweiten Fall als frischgebackener Leiter der Kripo Berchtesgaden bekommt es Bergpolizist Simon Perlinger mit einer Blut verschmierten Liftkabine des Kehlsteinhauses zu tun. Ein dazugehöriges ...

In seinem zweiten Fall als frischgebackener Leiter der Kripo Berchtesgaden bekommt es Bergpolizist Simon Perlinger mit einer Blut verschmierten Liftkabine des Kehlsteinhauses zu tun. Ein dazugehöriges Opfer fehlt allerdings. Zeitgleich wird Golo Gruber, einer der drei Geschäftsführer der Grubermilch AG, vermisst. Seine Ehefrau scheint nicht allzu besorgt über das Verschwinden zu sein.
Wenig später wird die Leiche eines am Mannlgrat verunglückten Bergsteigers gefunden, der sich als Gernot Gruber, Bruder des Vermissten, herausstellt. Zufall?

Simon Perlinger glaubt an vieles, aber nicht an Zufälle und beginnt zu ermitteln. Je tiefer er in die Familiengeschichte der Grubers eindringt, desto mehr Rätsel tauchen auf.

Als dann der vermisste Golo Gruber doch noch wohlbehalten auftaucht, müssen die Ermittlungsansätze neu überdacht werden ...

Meine Meinung:

Dieser Krimi besticht durch zahlreiche Wendungen und Unwägbarkeiten. Damit wird die Spannung aufrecht erhalten. Simon Perlinger und seine Kollegin Luisa Sedlbauer haben alle Hände voll zu tun. Mitunter schleifen sich auch kleine Konzentrationsfehler ein und Perlinger wirkt nicht immer souverän. Das macht ihn menschlich. Akribisch wird buchstäblich jeder Stein mehrmals umgedreht bis sich die Auflösung dem Leser erschließt.

Gut ist die Geschichte des Kehlsteinhauses in den Krimi eingeflochten.

Die Charaktere sind gut angelegt. Diesmal gibt es mehr „Personal“ und die Verstrickung vieler Personen in den Kriminalfall macht es weder Perlinger noch dem Leser leicht, die Übersicht zu bewahren. Da hilft das Personenverzeichnis am Anfang des Buches sehr.

Fazit:

Ein spannender Krimi bei dem wenig so ist, wie es scheint. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.