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Venatrix

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Veröffentlicht am 20.10.2022

Über die Entwicklung der plastischen CHirurgie

Der Horror der frühen Chirurgie
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Dieses Buch ist das zweite von Lindsey Harris, das sich mit historischer Medizin und ihren Pionieren beschäftigt. Es nimmt sich eines Themas an, das alles andere als leicht zu lesen ist: Die Rekonstruktion ...

Dieses Buch ist das zweite von Lindsey Harris, das sich mit historischer Medizin und ihren Pionieren beschäftigt. Es nimmt sich eines Themas an, das alles andere als leicht zu lesen ist: Die Rekonstruktion von Gesichtern, die auf Grund von im Ersten Weltkrieg erlittenen Verletzungen zerstört worden sind.
Dabei kommt auch dem psychologische Druck, dem die Kriegsinvaliden ausgesetzt sind zur Sprache. Während Männern, denen Arme oder Beine amputiert werden mussten, eher als „Helden“ betrachtet werden, verstecken sich jene, deren Gesichter entstellt wurden oder einige begehen Selbstmord. Nur die sogenannten „Kriegszitterer“ werden noch weniger geschätzt: Körperlich nahezu unversehrt, gelten sie als Simulanten und werden oft ins Irrenhaus gesteckt, wo man sie mit Elektroschocks und ander „Therapien“ quält. Doch das ist eine andere Geschichte.

Chirurg Harold Gillies (1882-1960) hat hunderten von „Gueules cassées“ (zerhauene Visagen) in mühevoller Kleinarbeit neu Gesichter modelliert. Dazu bedient er sich alter und neuartiger Methoden, die ich jetzt nicht im Detail ausführen möchte. Er gilt als Vater der plastischen Chirurgie. Während die Feldchirurgen hauptsächlich das Überleben ihrer Patienten im Sinn haben, legt Gillies legt sehr viel Wert darauf, dass durch seine Arbeit auch die Funktionen wie Öffnen und Schließen des Mundes oder der Augenlider wieder möglich sind. Wenn man bedenkt, dass für so eine Gesichtsrekonstruktion, die ohne Narkose erfolgt ist, Dutzende Operationen notwendig gewesen sind, muss man sowohl Gillies und seinem Team als auch den Patienten selbst, vollen Respekt zollen.

Neben seinem handwerklichen Geschick, lässt Gillies die Fortschritte seiner Arbeit dokumentieren. Einerseits werden „Vorher/Nachher-Fotos“ angefertigt und andererseits lässt er seine Operationsschritte durch einen Künstler festhalten, der detaillierte Skizzen anfertigt. Mit Hilfe seines Kollegen Bedford Russell und seinem früheren Patienten und Sekretär Robert Seymour sammelt Gillies Krankenakten und Notizen, um eine Studie zur Gesichtsrekonstruktion zu schreiben

Neben seinem handwerklichen Geschick, setzt Gillies auf Betreuung der Psyche. Seine Patienten können sich in einem umgebauten Herrensitz von ihren Strapazen erholen.

Meine Meinung:

Dieses Buch ist nichts für Zartbesaitete, da zahlreiche Verletzungen und Operationen detailliert geschildert werden. Dabei geht die Autorin sehr sachlich vor und weidet sich nicht an den Schmerzen und Verletzungen der Patienten. Daneben zeichnet Fitzharris ein ganz anderes Bild von Harold Gillies: Er ist ein passionierter Sportler und verbringt viel Zeit auf dem Golfplatz, vermutlich auch deswegen, um die schrecklichen Wunden seiner Patienten zu vergessen.

Wer einen historischen Roman zu diesem Thema lesen will, dem sei „Die Maskenbildnerin von Paris“ von Tabea König empfohlen. Hier werden die Gesichter der Kriegsinvaliden mit kunstvoll gestalteten Gesichtsprothesen ausgestattet.

Fazit:

Ein bestens recherchiertes Sachbuch über die plastische Chirurgie, dem ich gerne eine Leseempfehlung und 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 17.10.2022

Leider der schwächste Teil dieser Familien-Saga

Zeiten neuer Hoffnung
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Dieser letzte Teil der Trilogie ist für mich der schwächste Teil der Reihe. Wie schon im zweiten Teil („Aufbruch voller Sehnsucht“) wirkt einiges zu konstruiert und stellenweise auch unglaubwürdig.

Worum ...

Dieser letzte Teil der Trilogie ist für mich der schwächste Teil der Reihe. Wie schon im zweiten Teil („Aufbruch voller Sehnsucht“) wirkt einiges zu konstruiert und stellenweise auch unglaubwürdig.

Worum geht’s?

Erikas Ehe mit Erich ist nicht glücklich. Man bleibt aber der Kinder wegen zusammen. Doch die entwickeln sich anders als geplant oder erwünscht und als dann Erikas Jugendliebe Jakub nach dem SCheitern des Prager Frühlings 1968 wieder in Wien kommt, beginnt sie ein neues Leben. Doch ganz können sich Erika und Erich nicht voneinander lösen, denn als Jakub nach einigen Jahren mit Erika stirbt, kehrt sie zu ihrem Ex-Mann zurück.

Auch andere Familienmitglieder erleiden Schicksalsschläge: So stirbt Georg, Billies Mann kurz vor der Geburt der Zwillinge und Erikas Tochter ist auf die Unterstützung von Mutter und Freundin Ulla angewiesen.

Die Lebensgeschichten von Hanns und seinem Sohn Paul sowie anderer Personen wird weiter gesponnen.

Meine Meinung:

Erika, die im ersten Band sympathisch erschienen ist, weil sie unter der herrschsüchtigen, verbitterten Tante Mimi, zu leiden hatte, hat leider selbst eine nicht so nette Entwicklung genommen. Als nämlich 1968, nach dem Prager Frühling, Kamilla, die angibt Tante Mimis Tochter zu sein, im Haushalt von Erika und Erich auftaucht, begegnet ihr Erika nicht wirklich mit Wohlwollen. Kamilla wird zwar als „arme Verwandte“ in den Haushalt aufgenommen, aber akzeptiert wird sie von Erika ob der fehlenden Geburtsurkunde nicht. Selbst mit 91 Jahren schupft Kamilla noch immer den Haushalt. Erika scheint vergessen zu haben, dass auch sie einst als Flüchtling nach Wien gekommen ist und jedoch von ihren hier lebenden Verwandten sehr liebevoll aufgenommen worden ist.

Dann gibt es noch die Episode mit Pavel, der nicht nur ein Buchhändler und Vertrauter ist, sondern mit geraubten Kunstschätzen handelt. Ausgerechnet er kommt in Besitz eines Bildes, das einst Erikas Familie gehört hat und auf wundersame Weise plötzlich auftaucht. Das halte ich dann doch für ein bisschen zu dick aufgetragen, zumal ausgerechnet Paul, der jetzt Billie heiratet, Provenienzforschung betreibt. Verwirrt? Dieser Handlungsstrang hätte für meinen Geschmack ein wenig mehr ausgearbeitet werden können. Denn in der ehemaligen Heimat Hohenfurth haben fast alle Besitztümer neue Eigentümer gefunden.

Gut hat mir der Besuch von Erika und Billie in Hohenfurth gefallen, der alle Illusionen von einer möglichen Rückkehr nun endgültig zunichte gemacht hat. Dass sie dabei ausgerechnet Paul begegnen, ist einer jener Zufälle, der mit persönlich zu viel sind.

Hanns hat sich meiner Meinung nach am weitesten entwickelt.

Witzig, wenn auch sehr vom Zufall getrieben, ist wie Pauls Tochter Laura und Billies Zwillinge für ihren Vater bzw. ihre Mutter eine neue Partnerin/Partner suchen. Auch hier wird die Gunst des Schicksals ziemlich strapaziert, dass gleich der erste Versuch von Erfolg gekrönt ist, zumal sich Paul und Billie ja schon in Hohenfurth begegnet sind.

Und dass dann noch zu guter Letzt Beweise für Kamillas Herkunft auftauchen, erscheint für mich ein bisschen gar zu dick aufgetragen.

Fazit:

Das Ende der Trilogie, die nach Angabe der Autorin, wahre Begebenheiten aus ihrer Familie enthält, gleitet für meinen Geschmack ein wenig Richtung Kitsch ab. Leider kann ich hier nur 3 Sterne vergeben, schade!

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 16.10.2022

eher Geschichte als Krimi

Der Bundesbrief
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Als die beiden Polizisten Bassi und Barwand ihre Ermittlungen im Mordfall des Restaurators Benjamin Am Bach aufnehmen, wissen sie noch nicht in welches Wespennest von Korruption, Nationalismus und Kunstfälschungen ...

Als die beiden Polizisten Bassi und Barwand ihre Ermittlungen im Mordfall des Restaurators Benjamin Am Bach aufnehmen, wissen sie noch nicht in welches Wespennest von Korruption, Nationalismus und Kunstfälschungen sie hinein stechen.
Benjamin Am Bach ist nämlich ein Unbequemer und ein kritischer Bürger, der nicht nur die Gründungslegende rund um den Bürgerbrief in Frage stellt. Bei den Recherchen stellt sich heraus, dass zahlreiche Mitglieder der Familie Am Bach schon seit Jahrhunderten als „Enfant Terrible“ gelten und einige davon auch wirklich hingerichtet worden sind.

Dass Benjamin Am Bach auch noch das künstlerische Geschick, zu malen wie kaum ein Zweiter hat, passt auch zu seinem Vorfahr, das seinerzeit in Zusammenhang mit dem Bundesbrief zu sehen ist ...

Meine Meinung:

Ich muss vorausschicken, dass ich mich in der Geschichte der Schweiz nicht so gut auskenne. Der Gründungsmythos rund um den Rütli-Schwur, die Anfänge der Eidgenossenschaft sowie die Glaubenskämpfe und dann die Invasion der Französichen Revolutionstruppen unter Napoleon Bonaparte und die Schweizer Haltung der NS-Diktatur sind mir in großen Zügen bekannt. Das eine oder andere Detail natürlich nicht. Deshalb habe ich mit großem Interesse diesen Krimi von Peter Beutler gelesen.

Die Krimihandlung tritt zu Gunsten der Geschichtsstunden durch mehrere Jahrhunderte stark zurück. Der Stammbaum der Familie Am Bach zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte. Regelmäßig gibt es Revoluzzer, die der Obrigkeit wenig abgewinnen können und ihre Haltung mit dem Leben bezahlen.

Ich hätte mit dem Mord an Benjamin Am Bach und dessen Aufklärung durchaus das Auslangen finden können. Die tiefe, detaillierte und aktuelle Verstrickung einiger mächtiger Männer hätte es meiner Meinung gar nicht so gebraucht. Die Historie ist fesselnd genug.

Der Autor hat zahlreiche Details recherchiert und das ist für diesen Krimi gleichzeitig ein bisschen ein Mangel. Nicht alles was ein Autor weiß, muss dem Leser bis ins kleinste Detail nahegebracht werden. Das kann einzelnen Lesern zu viel sein. Durch die fesselnden Rückblick in die Vergangenheit der Schweiz wird man doch aus dem Lesefluss des aktuellen Krimis gerissen.

Aber, insgesamt ein (Kriminal)Roman, der die Schweizer Geschichtsschreibung in Frage stellt. Glänzend recherchiert und hochexplosiv.

Fazit:

Ein fesselnder Ausflug in die Schweizer Geschichte, dem ich gerne 4 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 16.10.2022

Nicht nur für Eisenbahnfreunde

Monsieur Orient-Express
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Wenn man vom Orient-Express spricht, haben Eisenbahnfreunde ein verdächtiges Glitzern in den Augen. Doch nicht nur sie, sondern auch Krimifans und Cineasten, gilt doch der Zug als Inbegriff des Mythos. ...

Wenn man vom Orient-Express spricht, haben Eisenbahnfreunde ein verdächtiges Glitzern in den Augen. Doch nicht nur sie, sondern auch Krimifans und Cineasten, gilt doch der Zug als Inbegriff des Mythos. Selbst die Transsibirische Eisenbahn kommt an den Orient-Express nicht heran. Zum Ruhm des Orient-Expresses haben nicht nur die legendären Verfilmungen beigetragen. Maßgebliche Anteil an seiner Bekanntheit hat sein Erfinder Georges Lambert Casimir Nagelmackers (1845-1905).

Nagelmackers ist der Sohn eines belgischen Bankiers, nicht in die Fußstapfen seines Vaters treten will, sondern seine eigenen Visionen verwirklichen will. Sein Ziel: in einer Zeit des Nationalismus und der streng gehüteten Landesgrenzen Europas eine schnelle und bequeme Möglichkeit vom Westen in den Osten zu reisen schaffen.

Dieses Buch erzählt die Geschichte des Orient-Expresses, die seines Schöpfers, die Höhen und Tiefen bis es Nagelmackers 1883 gelingt, seinen luxeriösen Zug von Paris bis Konstantinopel fahren zu lassen.

Nagelmackers gelingt das Kunststück, mit den zahlreichen teils privaten Bahngesellschaften Verträge über die Benützung der Bahnanlagen abzuschließen.
Beteiligte Bahnen waren:

die Chemins de fer de l’Est
die Reichseisenbahn in Elsass-Lothringen
die Großherzoglich Badischen Staatseisenbahnen
die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen
die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen
die k.k. Staatsbahnen
die priv. Österreichisch-ungarische Staateisenbahngesellschaft
die Căile Ferate Române

Erst ab 1890 besteht die durchgehende Eisenbahnstrecke. Neben seinem Luxuszug ließ Nagelmackers auch zahlreiche Hotels bauen, um seinen Fahrgästen den größmöglichen Luxus zu bieten.

Meine Meinung:

Autor Gehard J. Rekel, der für das TV-Magazin „Terra X“ das Drehbuch zu „Orient-Express - Ein Zug schreibt Geschichte“ geschrieben hat, bringt uns in diesem Buch diesen Traum des Georges Nagelmackers näher.

Rekel erzählt die Geschichte des Visionärs spannend. Seine akribische Recherche hat zahlreiche, bislang unbekannten Details über den Orient-Express zu Tage gefördert.

Zahlreiche Fotos und Faksimiles bereichern den interessanten Text. Mit Hilfe der Zeittafel am Ende des Buches kann man die Geschichte von Georges Nagelmacker und seiner Vision gut einordnen. Zahlreiche Anmerkungen vervollständigen dieses gelungene Sachbuch, das in gediegener Aufmachung im Verlag Kremayr & Scheriau erschienen ist.

Fazit:

Ein Sachbuch über den Orient-Express, dass nicht nur die Herzen von Eisenbahn-Fans höher schlagen lässt. Gerne gebe ich diesem Buch 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 16.10.2022

Interessantes Sachbuch

Inside Vogue
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Autorin Nina-Sophie Miralles widmet sich in ihrem Buch dem wohl bekanntesten Mode-Magazin der Welt: der Vogue.

Detailliert sind die Anfänge des amerikanischen Magazins beleuchtet, das recht bald Ableger ...

Autorin Nina-Sophie Miralles widmet sich in ihrem Buch dem wohl bekanntesten Mode-Magazin der Welt: der Vogue.

Detailliert sind die Anfänge des amerikanischen Magazins beleuchtet, das recht bald Ableger in London und Paris erhält.

Das Sachbuch listet penibel zahlreiche Mythen um Herausgeber, Verlagsmitarbeiterinnen sowie politische Einflussnahmen auf. Es verschweigt auch nicht, dass das Magazin mehrmals vor der Pleite stand.

Wie es sich für ein Sachbuch gehört ist der Schreibstil sachlich-informativ und die Aufzählung der Ereignisse chronologisch. Hin und wieder gibt es Rückblenden und Wiederholungen, wenn ein Ereignis besonders einschneidend war.

Sehr gut hat mir das umfassende Quellenverzeichnis gefallen, so dass das eine oder andere Detail noch anderswo nachgelesen werden kann. Die zahlreichen Fotos vervollständigen die Erfolgsgeschichte dieses Magazins, das spätestens seit „Der Teufel trägt Prada“ auch in jenen Kreisen bekannt ist, die nicht so modeaffin sind.

Fazit:

Die penibel recherchierte Geschichte eines Modemagazins, das weltweit bekannt ist und neben Höhenflügen auch Abstürze erlebt hat. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.