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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.10.2025

Penibel recherchiert und gekonnt erzählt

Wir dachten, das Leben kommt noch
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"Fahr nach Paris und schau, ob Lilou noch lebt!" .
Dieser historische Roman ist der zweite, der die junge Radiomoderatorin und Übersetzerin Gwen in den Mittelpunkt stellt. Ich habe den ersten Teil der ...

"Fahr nach Paris und schau, ob Lilou noch lebt!" .
Dieser historische Roman ist der zweite, der die junge Radiomoderatorin und Übersetzerin Gwen in den Mittelpunkt stellt. Ich habe den ersten Teil der Reihe (Porträt auf grüner Wandfarbe) nicht gelesen. Ob es der Vorgeschichte bedurft hätte, kann ich nicht sagen, werde aber bei Gelegenheit diese Lücke schließen.

Als Gwen die Chance erhält, ein Buch über jene Frauen zu schreiben, die während des Zweiten Weltkrieges für Winstin Churchils SOE (Special Operations Executive) in Frankreich ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben, um die deutsche Besatzung auszuspionieren, packt sie ihre Koffer, schnappt ihre kleine Tochter Ruth und reist nach Paris, um dort weiterführende Recherchen durchzuführen. Mit im Gepäck sind Tonbandkasetten, die ihre verstorbene Großmutter Isabé besprochen hat, denn sie scheint nicht nur ein großes Geheimnis gehütet zu haben, sondern hat auch einen Auftrag, der Gwens Sicht auf ihre Granny nachhaltig verändern wird:

"Fahr nach Paris und schau, ob Lilou noch lebt!" .

Meine Meinung:

Ich habe schon einige Romane von Elisabeth Sandmann gelesen und finde ihren Schreibstil sehr angenehm. Es gelingt ihr sehr gut, die Charaktere lebendig und mit Ecken und Kanten darzustellen.

Das Thema dieses historischen Romans, die Leistungen der Frauen der SOE, die im allgemeinen nicht gewürdigt, sondern verschwiegen worden sind, in den Fokus der Leserschaft zu rücken, ist an sich gut gelungen. Auch wenn ich mir ein wenig mehr erwartet habe. Ich habe nämlich eine mehrteilige Doku über einige dieser wagemutigen Frauen gesehen, von denen nur Noor Inayat Khan (1914-vermutlich 1944 im KZ Dachau) in diesem Roman Erwähnung findet.

Der Roman wird auf mehreren Zeitebenen erzählt und lässt uns mit den fiktiven Agentinnen des SOE, die ständig von der Enttarnung und mit dem Tod bedroht sind, mitzittern. Gleichzeitig lernen wir ihre Gedanken der Überlebenden kennen, weil sie sich niemandem anvertrauen können und mit Schuldgefühlen, eventuell an einer Verhaftung einer Kollegin schuldig zu sein, leben müssen. Auch die Recherchen, die Gwen anstellt, sind sehr interessant.

Elisabeth Sandmann hat für diesen Roman penibel recherchiert, was ich sehr schätze. Auch die Rolle der BBC während des Zweiten Weltkriegs wird beleuchtet.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Roman, der versucht die Leistungen der britischen Agentinnen postum zu würdigen, 4 Sterne.

Veröffentlicht am 21.10.2025

Gute Unterhaltung

Entführung im Himmelreich
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Wie schon im ersten Kriminalfall auf dem Campingplatz im Himmelreich lässt Andreas Winkelmann sein ungewöhnliches Trio, bestehend aus dem ehemaligen Schauspieler Björn Kupernikus, seiner Hundedame Pinguin ...

Wie schon im ersten Kriminalfall auf dem Campingplatz im Himmelreich lässt Andreas Winkelmann sein ungewöhnliches Trio, bestehend aus dem ehemaligen Schauspieler Björn Kupernikus, seiner Hundedame Pinguin und seiner Bekannten Annabelle abermals ermitteln.

Was haben das Verschwinden des Bäckers und das verdächtige Gehabe des Fleischhauers mit den durchaus als schräg zu bezeichnenden Gewese der alten Damen zu tun?

Kuperinkus fühlt sich in der Rolle des Ermittlers pudelwohl, obwohl er diese Rolle während seiner Schauspielkarriere nie inne gehabt hat. Ein Naturtalent? Aber reicht das, um die Entführung des Bäckers aufzuklären?

Meine Meinung:

Andreas Winkelmann ist abermals ein kurzweilige Cosy-Krimi gelungen, der einem für geraume Zeit den stressigen Alltag vergessen lassen kann. Höchstspannung darf man sich nicht erwarten, dafür die eine oder andere humovolle Szene, die einen schmunzeln lässt.

Fazit:

Dieser Krimi hat mich gut unterhalten, weshalb ich ihm 4 Sterne gebe.


Veröffentlicht am 16.10.2025

Vom Schwarzwald nach Konstantinopel

Der Uhrenhändler
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"Der Uhrenhändler" von Birgit Hermann ist ein packender historischer Roman, der uns auf eine faszinierende Reise vom Schwarzwald nach London, Wien, Prag und das Osmanische Reich des 18. Jahrhunderts mitnimmt. ...

"Der Uhrenhändler" von Birgit Hermann ist ein packender historischer Roman, der uns auf eine faszinierende Reise vom Schwarzwald nach London, Wien, Prag und das Osmanische Reich des 18. Jahrhunderts mitnimmt.

Matthias Faller gilt als schwarzes Schaf seiner Familie, die als Uhrmacher ihr Einkommen erzielt, weil er eigene Ideen hat und sich so gar nicht der strengen Hand seines Vaters unterordnen will. Für ihn zählen nur Erfolg, Macht und Geld - doch bis er alles erreicht, dauert es eine Weile, Abstürze in tiefste Armut und Kerker inklusive.

Wir folgen allerdings nicht nur Matthias auf seinem Lebensweg sondern auch Resle, Matthias‘ Jugendliebe, die mit einer zerlegten Spieluhr den eigentlichen Grundstock für Matthias‘ Reichtum legen wird, sowie ihrem Bruder Pirmin, der als Strafgefangener in der Österreichischen Armee gegen die Osmanischen Truppen kämpfen muss, weil er als Dieb verurteilt worden ist. Natürlich darf der eine oder andere Widersacher auch nicht fehlen.

Meine Meinung:

Wie schon in „Die Apfelrose“ dem anderen historischen Roman, der ebenfalls die Schwarzwälder Uhrenmanufakturen als Thema hat, verbindet auch dieser geschickt historische Fakten mit fiktiven Elementen und bietet so ein lebendiges Bild jener Zeit. Matthias Faller ist eine historisch verbürgte Person, dessen Geschichte sich so ähnlich zugetragen haben kann. Geboren um 1745, hat er fünf Brüder mit denen er um 1770 eine Handelsgesellschaft gründet, aus der wenig später ausgeschlossen wird. 1794 wird er Opfer eines Raubüberfalls in der Türkei, worüber sogar die Zeitungen berichten.

Die Autorin bietet einen Einblick in die Lebensbedingungen der Frauen und ihrer kinderreichen Familien. Besonders schwierig ist es nach dem Tod des Ehemanns die Familie durchzubringen, ohne erneut zu heiraten, also eine Versorgungsehe einzugehen.

Wie schon in den anderen historischen Romanen wie „Die Suche nach der eigenen Farbe“ oder „Die Glasbläserin“ dürfen starke Frauen nicht fehlen. Hier sind es das Resle und Mutter Faller, die als Witwe in Abwesenheit der Söhne das Unternehmen inoffiziell leitet.

Brigitte Hermann hat penibel recherchiert und einen gelungenen historischen Roman geschaffen. Die Sprache ist dem Zeitalter gut angepasst. Hin und wieder sind einzelne Ausschmückungen für meinen Geschmack ein wenig zu ausführlich geraten. Aber, das ist Meckern auf höchstem Niveau.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Roman, der uns in die Welt der Uhrenmanufakturen des Schwarzwaldes im 18. Jahrhundert entführt, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 16.10.2025

Winterliche Gaunergeschichten

Arosa - wo auch Gauner Urlaub machen
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Mit dieser Sammlung von Kurzkrimis ist Andreas Russenberger eine witzige, winterliche Anthologie gelungen, die im Schweizer Ferien- und Luftkurort Arosa, spielt. Normalerweise bin ich ja nicht so der ...

Mit dieser Sammlung von Kurzkrimis ist Andreas Russenberger eine witzige, winterliche Anthologie gelungen, die im Schweizer Ferien- und Luftkurort Arosa, spielt. Normalerweise bin ich ja nicht so der Fan von Kurzgeschichten, doch diesmal hat mich der überwiegende Teil zum Schmunzeln gebracht. Zudem gibt es einzelne Geschichten, die zum Nachdenken anregen. Besonders die „Spaghetti-Ski mit den Parablacks“ haben mich erheitert - lang und schmal mit dem Kunststoffgupferln. Slalomläufer wie Hansi Hinterseer sind damals damit gefahren. Aber, wer sie erfunden hat, weiß ich nicht mehr. Die Geierschnäbel an den Spitzen sind von Erwin Stricker.

Der Name des Skiortes erinnert mich an meine Kindheit, in der die Grazer Firma Englhofer, die mit Schokolade gefüllten Pfefferminzzuckerl namens Firn, auch jene (für meinen damaligen Geschmack) extra scharfen Zuckerl (ohne Schoki) mit dem Namen Arosa erzeugt hat. Hier hat der Wintersportort Pate gestanden. Beide in einem rechteckigen Format und in Silberpapier gewickelt. Die Firn-Zuckerl gibt es ohne nennenswerte Unterbrechung seit rund 100 Jahren, die Arosa sollen Gerüchten zufolge wieder erzeugt werden. Aber, das ist eine andere Geschichte!

Das Cover, das an eines der alten Plakate des Fremdenverkehrsvereines erinnert, lädt ein, diese Krimis zu lesen. Nicht immer stirbt jemand. Lachen musste ich über die (erfundene ?) Anekdote über Arthur Conan Doyle und seine Rutschpartie auf dem Hosenboden.

Fazit:

Winterliche Mordgeschichten, die sich bei einer heißen Schokolade oder Tee recht schnell lesen lassen und dafür 4 Sterne erhalten.

Veröffentlicht am 16.10.2025

Ein gelungener Jugendkrimi

Greta Grimaldi und der Junge aus dem Schatten
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Die schier unglaubliche Geschichte des Kaspar Hauser (vermutlich 1812-1833) hat den Jugendbuchautor Davide Morosinotto inspiriert, eine fiktive, historische Detektivgeschichte zu schreiben.

Im Mittelpunkt ...

Die schier unglaubliche Geschichte des Kaspar Hauser (vermutlich 1812-1833) hat den Jugendbuchautor Davide Morosinotto inspiriert, eine fiktive, historische Detektivgeschichte zu schreiben.

Im Mittelpunkt seiner Geschichte, in der wir neben Kaspar Hauser weiteren historisch belegten Figuren wie den Nürnberger Bürgermeister Jakob Friedrich Binder, Stadtgerichtsarzt Dr. Preu und Georg Friedrich Daumer begegnen, steht die fiktive Greta Grimaldi, die 1829 mit ihrem Vater, dem Detektiv und Arzt Dr. Grimaldi, nach Nürnberg gereist ist, um das rätselhafte Schicksal von Kaspar Hauser zu ergründen. Dabei gerät Greta tief in ein Netz aus Täuschung, Geheimnissen und gefährlichen Wahrheiten.

Meine Meinung:

Geschickt verquickt Autor Davide Morosinotto Fakten und Fiktion zu einer spannenden Detektivgeschichte für Leserinnen und Leser ab ca. zwölf Jahren. Der Jugendkrimi lässt sich flüssig lesen und regt ein wenig zum Nachdenken an. Ist der erste Eindruck immer der richtige? Hat Dr. Grimaldi Recht, wenn er behauptet, die richtige Lösung ist die einfachste?

Das rätselhafte Schicksal des Kaspar Hauser hat seit seinem Auftauchen am Pfingstmontag des Jahres 1828 Anlass zu Spekulationen zu seiner Person gegeben. War er ein der versteckt Sohn des Kurfürsten von Baden? Oder doch ein Hochstapler und Betrüger? Oder war er ein Überlebender eines Experimentes? Man wird es wohl nie erfahren.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Jugendkrimi, der die düstere Stimmung jener Epoche sehr gut wiedergibt, 4 Sterne.