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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.08.2022

Bauen für Menschen

Architektur als soziales Handeln
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Wenn Gunter Wratzfeld behauptet, dass „jeder zehnte Bregenzer in einer Wohnung wohnt, die von mir geplant wurde“, klingt das verdächtig nach Eigenlob und Größenwahn. Ist es aber nicht, wie dieses Buch ...

Wenn Gunter Wratzfeld behauptet, dass „jeder zehnte Bregenzer in einer Wohnung wohnt, die von mir geplant wurde“, klingt das verdächtig nach Eigenlob und Größenwahn. Ist es aber nicht, wie dieses Buch von Karin Mack zeigt.

Karin Mack hat das Werk des 1939 in Bregenz geborenen Architekten akribisch unter die Lupe genommen und rund 50 Projekte für dieses Buch ausgewählt. Gunter Wratzfelds hat den sozialen Wohnbau erneuert. Mit viel Liebe zum Menschen und zur Natur hat er für Grundstücke mit ungünstigen Grundrissen seine Wohnbauten geplant. Und wer sagt, dass sozialer Wohnbau hässlich sein muss? Farbliche Akzente in der sonst eher schnörkellosen Fassadengestaltung geben den Bauwerken ein charakteristisches Merkmal

Wratzfeld hat Ressourcen schonend gebaut, als das Wort „Nachhaltigkeit“ vor allem im sozialen Wohnbau noch völlig unbekannt war.

Gerne verwendet er Holz als Baustoff. Holzbauten haben in Vorarlberg schon lange Tradition und warum nicht auch im sozialen Wohnbau verwenden?

Herausgeberin Karin Mack stellt 50 von Gunter Wratzfeld Bauten vor. Zahlreiche Grundrisse, Schnitte und rund 150 Fotos geben den Lesern einen Eindruck vom Schaffen des Architekten. Auf Grund der kleinräumigen Struktur in Vorarlberg beschäftigte er sich mit verschiedenen Typen von Reihenhäuser und viele seiner Häuser sind in steilem Gelände im Einklang mit der Natur errichtet.

Interessant ist auch das Frühwerk, das u.a. ein Kinderspital (1966/67) in Westafrika und Unterkünfte für Ingenieure in Algerien (1970) umfasst und aus von der VOEST vorgefertigten Teilen bestand.

Das Cover finde ich nicht so ganz gelungen. Das Grau dominiert und die das angedeutete Gebäude ist kaum zu entdecken.

Fazit:

Ein gelungenes Buch über einen Architekten, der Architektur nicht als Selbstverwirklichung des Planers sondern als soziales Handeln verstanden hat. Gerne gebe ich diesem Buch 5 Sterne.

Veröffentlicht am 28.08.2022

Warum Eva Adam überlegen ist

Wunderwerk Frau
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Seit Jahrzehnten stellt sich die Wissenschaft die Frage, warum Frauen länger leben als Männer. Oder, weil eben gerade aktuell, warum erkranken Frauen weniger schwer an Covid-19?

Prof. DDr. Johannes Huber, ...

Seit Jahrzehnten stellt sich die Wissenschaft die Frage, warum Frauen länger leben als Männer. Oder, weil eben gerade aktuell, warum erkranken Frauen weniger schwer an Covid-19?

Prof. DDr. Johannes Huber, seines Zeichens Gynäkologe und Theologe hat mit diesem Buch versucht, wissenschaftlich fundierte Antworten zu geben. In zehn Kapiteln geht er akribisch auf Spurensuche:

Im Auftrag ihrer Majestät, der Evolution
Gütesiegel der weiblichen Seele
Eva hat mehr Gene als Adam
Eva wurde wahrscheinlich vor Adam erschaffen
Frauenherzen schlagen für zwei
Eva sitzt am längeren und stärkeren Ast
Immunologische Meisterleistungen des weiblichen Körpers
Das längere Leben von Eva
Wachsam, merkfähig, nachhaltig
Die Geheimarchive des weiblichen Körpers

In diesem Buch, das ein leidenschaftliches Plädoyer dafür ist, Frauen endlich als jenes Wunderwerk der Natur zu sehen, das sie sind, erklärt der Autor die Strategie der Evolution, das Überleben zu sichern.

Besonders faszinierend ist jenes Kapitel, in dem belegt wird, dass Eva rund 100 Mal mehr Gene als Adam hat.

Auch für die „Volkskrankheit“ Hypertonie (erhöhter Blutdruck) bei Frauen nach der Menopause sowie das Phänomen der trockenen Augen findet sich auf S. 90/91 eine Erklärung. Beides wird durch den Abfall des Östrogenspiegels verursacht. Ob der Umkehrschluss, eine Gabe dieses Hormons ersetzt den Einsatz von Blutdruck senkenden Medikamenten zulässig ist? Versuche bestätigen die Annahme.

Dieses Buch ist eine Hommage an die Frauen, die sich - nun auch wissenschaftlich erforscht - als das wahrhaft starke Geschlecht erweisen.

Ein wunderbares Geschenk für alle Frauen, die eh schon wussten, dass sie toll sind.

Fazit:

Dieses Buch präsentiert die neuesten Erkenntnisse der gynäkologischen Forschung und ist gleichzeitig eine Hommage an die Evolution und das bislang unterschätzte Geschlecht. Schade, dass nicht mehr als 5 Sterne vergeben werden können!

Veröffentlicht am 28.08.2022

Eine gelungene Fortsetzung

Blutige Stille
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Das Syndicat der Brüder Sass hat sich zwischen den anderen kriminellen Vereinigungen etabliert. Man handelt mit allem, vor allem Schnaps, Autos und mit Waffen, von denen es nach wie vor genügend aus Armeebeständen ...

Das Syndicat der Brüder Sass hat sich zwischen den anderen kriminellen Vereinigungen etabliert. Man handelt mit allem, vor allem Schnaps, Autos und mit Waffen, von denen es nach wie vor genügend aus Armeebeständen gibt. Obwohl Franz Sass die Geschäfte seines Partners Ian McCullen mit der IRA suspekt sind, werden Waffen an sie verkauft. Überbringer der heißen Ware ist niemand geringerer als das Fliegerass aus dem Ersten Weltkrieg, Hermann Göring, der de facto zur Untätigkeit verdammt ist, da das besiegte Deutschland gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrags keine Luftwaffe haben darf, und der jede Gelegenheit zu fliegen wahrnimmt.

Als dann am 24.06.1922 der deutsche Außenminister Walter Rathenau erschossen wird, scheint eine Spur zum Syndicat zu führen, denn die Waffe stammt aus dem Schmuggelgut der Brüder Sass. Nun gerät Franz Sass auch in den Fokus der Kriminalpolizei und wird verhaftet.

Meine Meinung:

Wie schon im ersten Band „Blutgold“ gelingt es Autor Michael Jensen die Zustände der Weimarer Republik authentisch darzustellen. Jeder kämpft gegen jeden - Straßenschlachten inklusive. Die Spannung ist hoch und bleibt das auch das ganze Buch hindurch.

Gut gefallen hat mir, dass ich Jens Druwe, einer Figur aus einer anderen Krimi-Reihe des Autors, wieder begegnen durfte. Michael Jensen schafft es immer wieder fiktive Figuren und historische Persönlichkeiten elegant in die Story einzubetten.

Ich freue mich schon auf den dritten Teil „Blutiger Schnee“, der im November 2022 erscheinen wird. Ob mit „Schnee“ tatsächlich der kalte Niederschlag gemeint ist?

Fazit:

Eine gelungene Fortsetzung, der ich gerne 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 28.08.2022

Brunetti ermittelt wieder

Milde Gaben
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In diesem Krimi ist wieder (fast) alles beim Alten: Guido Brunetti darf in seinem 31. Fall seine grauen Zellen anstrengen, seine Schwiegermutter über Tratsch und Klatsch ausfragen, Signorina Elettra auf ...

In diesem Krimi ist wieder (fast) alles beim Alten: Guido Brunetti darf in seinem 31. Fall seine grauen Zellen anstrengen, seine Schwiegermutter über Tratsch und Klatsch ausfragen, Signorina Elettra auf ihrer Recherche zahlreiche mitunter nicht ganz legale Wege beschreiten und Venedig in seinem alten Glanz erstrahlen.

Worum geht‘s eigentlich genau?

Elisabetta, Brunettis Jugendfreundin erscheint in der Questura und gibt an, die Familie ihrer Tochter würde bedroht. Brunetti möge doch eine verdeckte Ermittlung befehlen. Bei ihrer ersten Betrachtung sehen weder Brunetti noch Vianello ein Bedrohungsszenario. Die Tochter ist eine geschätzte Tierärztin und der Schwiegersohn Buchhalter für eine wohltätige Stiftung.

Als wenig später die Tierarztpraxis verwüstet wird, ermitteln Brunetti & Co nun offiziell und können nun auch die Stiftung ein bisschen beleuchten. Dabei treffen sie auf den Namen eines Vizeadmirals, der im Vorstand sitzt, aber seit Jahren dement ist. Alles nur Schimäre? Und wohin versackt das Geld, das angeblich für ein Krankenhaus in Südamerika gesammelt wird?

Meine Meinung:

Reifen quietschende Verfolgungsjagden sucht man in Venedig mangels Straßen ohnehin vergebens, atemraubende Spannung ebenso. Dennoch hat mir dieser Krimi besser gefallen als so mancher Vorgänger. Durch einige Sackgassen wird dennoch Spannung aufgebaut, die bis zum Schluss gehalten wird.

Die Conclusio? Um Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen, ist vielen Verbrechern jedes Mittel recht. Hier wird auf die Gutgläubigkeit der Spender vertraut, die Hochglanzbroschüren Glauben schenken.

Gut gelungen ist die Beschreibung des dementen Vizeadmirals, der eigentlich der Hauptleidtragende dieses Krimis ist.

Fazit:

Wieder ein gelungener Brunetti-Krimi, dem ich gerne 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 27.08.2022

Erwachsen werden im Exil

Svendborg 1937
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Im Gegensatz zu Hunderttausenden anderen Juden hat es die Familie Dinkelspiel geschafft. Sie haben im dänischen Svendborg, bei der verwitweten Tante, die einstmals mit einem Quäker verheiratet war, Unterschlupf ...

Im Gegensatz zu Hunderttausenden anderen Juden hat es die Familie Dinkelspiel geschafft. Sie haben im dänischen Svendborg, bei der verwitweten Tante, die einstmals mit einem Quäker verheiratet war, Unterschlupf gefunden. Das Leben des Ehepaars und der drei Kinder Meret, Ricarda und dem behinderten Friedrich in einem Land, dessen Sprache nicht können, gestaltet sich als schwierig. Auch deswegen, weil sich die Tante nicht immer von ihrer liebenswürdigen Seite zeigt. Erst als halbwüchsigen Schwestern Meret und Ricarda im Schuppen das Motorrad des Onkels finden und Motorrad fahren lernen, haben sie ein wenig Spaß und genießen die Freiheit, die ihnen das Motorrad bietet. Auch das Treffen mit den Frauen rund um Bertold Brecht bringt Abwechslung in den Alltag.

Während sich Meret mit der Situation arrangiert, will Meret nach wie vor nach Palästina auswandern, Als sich eine Gelegenheit bietet, verschwindet sie.

Meine Meinung:

Dieses Buch reiht sich nahtlos in die zahlreichen Bücher rund um vertriebene jüdische Familien ein. Es zeigt den schwierigen Alltag in der Fremde. Aufgelockert wird dieses Buch durch die Ménage à trois, in der Bertold Brecht mit Margarete Steffin und Helene Weigl in Svendborg lebt, auch wenn Brecht gar nicht persönlich anwesend ist.

In ihrem Nachwort erfährt der Leser, wie es der Familie nach dem Krieg ergangen ist.

Einzig das Cover hätte ein wenig besser gestaltet werden können. Es ist unscheinbar und erst auf dem zweiten oder gar dritten Blick lässt sich erahnen, dass man hier eine Frau in einem Eisenbahnwagon sehen kann.

Fazit:

Ein Buch, das nachhallt. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.