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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.10.2025

Vom Schwarzwald nach Konstantinopel

Der Uhrenhändler
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"Der Uhrenhändler" von Birgit Hermann ist ein packender historischer Roman, der uns auf eine faszinierende Reise vom Schwarzwald nach London, Wien, Prag und das Osmanische Reich des 18. Jahrhunderts mitnimmt. ...

"Der Uhrenhändler" von Birgit Hermann ist ein packender historischer Roman, der uns auf eine faszinierende Reise vom Schwarzwald nach London, Wien, Prag und das Osmanische Reich des 18. Jahrhunderts mitnimmt.

Matthias Faller gilt als schwarzes Schaf seiner Familie, die als Uhrmacher ihr Einkommen erzielt, weil er eigene Ideen hat und sich so gar nicht der strengen Hand seines Vaters unterordnen will. Für ihn zählen nur Erfolg, Macht und Geld - doch bis er alles erreicht, dauert es eine Weile, Abstürze in tiefste Armut und Kerker inklusive.

Wir folgen allerdings nicht nur Matthias auf seinem Lebensweg sondern auch Resle, Matthias‘ Jugendliebe, die mit einer zerlegten Spieluhr den eigentlichen Grundstock für Matthias‘ Reichtum legen wird, sowie ihrem Bruder Pirmin, der als Strafgefangener in der Österreichischen Armee gegen die Osmanischen Truppen kämpfen muss, weil er als Dieb verurteilt worden ist. Natürlich darf der eine oder andere Widersacher auch nicht fehlen.

Meine Meinung:

Wie schon in „Die Apfelrose“ dem anderen historischen Roman, der ebenfalls die Schwarzwälder Uhrenmanufakturen als Thema hat, verbindet auch dieser geschickt historische Fakten mit fiktiven Elementen und bietet so ein lebendiges Bild jener Zeit. Matthias Faller ist eine historisch verbürgte Person, dessen Geschichte sich so ähnlich zugetragen haben kann. Geboren um 1745, hat er fünf Brüder mit denen er um 1770 eine Handelsgesellschaft gründet, aus der wenig später ausgeschlossen wird. 1794 wird er Opfer eines Raubüberfalls in der Türkei, worüber sogar die Zeitungen berichten.

Die Autorin bietet einen Einblick in die Lebensbedingungen der Frauen und ihrer kinderreichen Familien. Besonders schwierig ist es nach dem Tod des Ehemanns die Familie durchzubringen, ohne erneut zu heiraten, also eine Versorgungsehe einzugehen.

Wie schon in den anderen historischen Romanen wie „Die Suche nach der eigenen Farbe“ oder „Die Glasbläserin“ dürfen starke Frauen nicht fehlen. Hier sind es das Resle und Mutter Faller, die als Witwe in Abwesenheit der Söhne das Unternehmen inoffiziell leitet.

Brigitte Hermann hat penibel recherchiert und einen gelungenen historischen Roman geschaffen. Die Sprache ist dem Zeitalter gut angepasst. Hin und wieder sind einzelne Ausschmückungen für meinen Geschmack ein wenig zu ausführlich geraten. Aber, das ist Meckern auf höchstem Niveau.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Roman, der uns in die Welt der Uhrenmanufakturen des Schwarzwaldes im 18. Jahrhundert entführt, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 16.10.2025

Winterliche Gaunergeschichten

Arosa - wo auch Gauner Urlaub machen
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Mit dieser Sammlung von Kurzkrimis ist Andreas Russenberger eine witzige, winterliche Anthologie gelungen, die im Schweizer Ferien- und Luftkurort Arosa, spielt. Normalerweise bin ich ja nicht so der ...

Mit dieser Sammlung von Kurzkrimis ist Andreas Russenberger eine witzige, winterliche Anthologie gelungen, die im Schweizer Ferien- und Luftkurort Arosa, spielt. Normalerweise bin ich ja nicht so der Fan von Kurzgeschichten, doch diesmal hat mich der überwiegende Teil zum Schmunzeln gebracht. Zudem gibt es einzelne Geschichten, die zum Nachdenken anregen. Besonders die „Spaghetti-Ski mit den Parablacks“ haben mich erheitert - lang und schmal mit dem Kunststoffgupferln. Slalomläufer wie Hansi Hinterseer sind damals damit gefahren. Aber, wer sie erfunden hat, weiß ich nicht mehr. Die Geierschnäbel an den Spitzen sind von Erwin Stricker.

Der Name des Skiortes erinnert mich an meine Kindheit, in der die Grazer Firma Englhofer, die mit Schokolade gefüllten Pfefferminzzuckerl namens Firn, auch jene (für meinen damaligen Geschmack) extra scharfen Zuckerl (ohne Schoki) mit dem Namen Arosa erzeugt hat. Hier hat der Wintersportort Pate gestanden. Beide in einem rechteckigen Format und in Silberpapier gewickelt. Die Firn-Zuckerl gibt es ohne nennenswerte Unterbrechung seit rund 100 Jahren, die Arosa sollen Gerüchten zufolge wieder erzeugt werden. Aber, das ist eine andere Geschichte!

Das Cover, das an eines der alten Plakate des Fremdenverkehrsvereines erinnert, lädt ein, diese Krimis zu lesen. Nicht immer stirbt jemand. Lachen musste ich über die (erfundene ?) Anekdote über Arthur Conan Doyle und seine Rutschpartie auf dem Hosenboden.

Fazit:

Winterliche Mordgeschichten, die sich bei einer heißen Schokolade oder Tee recht schnell lesen lassen und dafür 4 Sterne erhalten.

Veröffentlicht am 16.10.2025

Ein gelungener Jugendkrimi

Greta Grimaldi und der Junge aus dem Schatten
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Die schier unglaubliche Geschichte des Kaspar Hauser (vermutlich 1812-1833) hat den Jugendbuchautor Davide Morosinotto inspiriert, eine fiktive, historische Detektivgeschichte zu schreiben.

Im Mittelpunkt ...

Die schier unglaubliche Geschichte des Kaspar Hauser (vermutlich 1812-1833) hat den Jugendbuchautor Davide Morosinotto inspiriert, eine fiktive, historische Detektivgeschichte zu schreiben.

Im Mittelpunkt seiner Geschichte, in der wir neben Kaspar Hauser weiteren historisch belegten Figuren wie den Nürnberger Bürgermeister Jakob Friedrich Binder, Stadtgerichtsarzt Dr. Preu und Georg Friedrich Daumer begegnen, steht die fiktive Greta Grimaldi, die 1829 mit ihrem Vater, dem Detektiv und Arzt Dr. Grimaldi, nach Nürnberg gereist ist, um das rätselhafte Schicksal von Kaspar Hauser zu ergründen. Dabei gerät Greta tief in ein Netz aus Täuschung, Geheimnissen und gefährlichen Wahrheiten.

Meine Meinung:

Geschickt verquickt Autor Davide Morosinotto Fakten und Fiktion zu einer spannenden Detektivgeschichte für Leserinnen und Leser ab ca. zwölf Jahren. Der Jugendkrimi lässt sich flüssig lesen und regt ein wenig zum Nachdenken an. Ist der erste Eindruck immer der richtige? Hat Dr. Grimaldi Recht, wenn er behauptet, die richtige Lösung ist die einfachste?

Das rätselhafte Schicksal des Kaspar Hauser hat seit seinem Auftauchen am Pfingstmontag des Jahres 1828 Anlass zu Spekulationen zu seiner Person gegeben. War er ein der versteckt Sohn des Kurfürsten von Baden? Oder doch ein Hochstapler und Betrüger? Oder war er ein Überlebender eines Experimentes? Man wird es wohl nie erfahren.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Jugendkrimi, der die düstere Stimmung jener Epoche sehr gut wiedergibt, 4 Sterne.

Veröffentlicht am 15.10.2025

Erinnerungen an die eigen Jugend

Der Plattenspieler unter der Dachschräge
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Wir begleiten Siegfrid „Sigi“ Niedermayr seit er zehn Jahre alt ist und in die erste Klasse des Gymnasium kommt. Nun, in diesem 4. Band ist er 16 Jahre alt und seine Welt ist steter Veränderung unterworfen. ...

Wir begleiten Siegfrid „Sigi“ Niedermayr seit er zehn Jahre alt ist und in die erste Klasse des Gymnasium kommt. Nun, in diesem 4. Band ist er 16 Jahre alt und seine Welt ist steter Veränderung unterworfen. Das einzige, das sich nicht ändert sind seine Liebe zu Büchern und gutes Essen, das er sich nun selbst kochen kann, obwohl er deswegen von seinem Vater gehänselt wird.

Wie schon in den Vorgängern erinnert sich der erwachsene Sigi beim Digitalisieren der zahlreichen Dias aus seiner Kindheit und Jugend, die er beim Ausräumen des Hauses seiner verstorbenen Mutter, entdeckt hat.

So führt er uns an bei der Betrachtung der Fotos in seine Welt von damals zurück. Eine Welt, die sich um die Schule, Mädchen und schicke Klamotten (beides beinahe unerreichbar) sowie das Erwachsenwerden in einem oberösterreichischen Dorf dreht. Es gibt kaum Unterhaltung und für Vergnügungen außerhalb fehlt Sigi das Geld. Deshalb zieht sich Sigi mit seiner Stereoanlage, die er sich von seinem Lohn aus dem Ferialjob gekauft hat, in sein Zimmer unter der Dachschräge zurück und hört die Rockmusik der 1970er. Statt wie früher Karl May liest er nun Peter Handke und Perry Rhodan. Der erste Bartflaum sprießt wie die Pickel und Sigi beginnt abzunehmen.

Sigi entwickelt sich zu einem selbstbewussten Schüler (mit durchwachsenem Noten), der seinen Mund noch nicht halten kann, wenn es um Ungerechtigkeiten geht. Schließlich wird er zum Klassensprecher gewählt und findet sich in einer undankbaren Situation wieder.

Doch nicht alles geht glatt in seinem jungen Leben: Die Eltern trennen sich, nachdem der Vater betrunken einen Autounfall verursacht hat und nicht Sigis Mutter auf der Beifahrerseite gesessen ist. Auch seine geliebte Großmutter wird von Woche zu Woche vergesslicher. Mit der häuslichen Situation ist Sigi ziemlich überfordert. Da tritt mit Tante Irmgard endlich eine Person in seine Welt, die ihn und seine Sorgen ernst nimmt und ihm einige gute Ratschläge (bezüglich Frauen) mit auf seinen weiteren Lebensweg geben kann. Ob er sich daran hält, werden wir hoffentlich in einem nächste Band lesen können.

Meine Meinung:

Wie schon bei den Vorgängern erzählt Autor Herbert Dutzler die Episoden aus Sigis (und vermutlich seiner eigenen) Jugend mit ein wenig Augenzwinkern.

Für alle jene, die die rund um 1960 geboren sind, ist dieses Buch eine Reminiszenz an die eigene Jugend: Nachprüfung in der Schule, Liebeskummer, (Hard)Rock hören sowie erste Jeans und Glockenhosen, inklusive. Einige werden sich vermutlich mit Abscheu an das Brummen des Schädels nach übermäßigem Konsum von Bier oder Wein und dem Rauchen erinnern.

Jetzt eben, beim Rezension schreiben, habe ich Deep Purple (Made in Japan, Machine Head) sowie Black Sabbath und Uriah Heep gehört.

Fazit:
Gerne bin ich mit Sigi wieder in die 1970er-Jahre eingetaucht, auch, wenn die eine oder andere Erinnerung für mich persönlich nicht so angenehm gewesen ist (verpatzte Nachprüfung in Französisch und sitzenbleiben). Aber, das ist eine andere Geschichte. Für die von Sigi gibt es jedenfalls 5 Sterne.

Veröffentlicht am 15.10.2025

Penibel recherchiert und gekonnt erzählt

Sieben Jahre
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Wer kennt sie nicht, die Erzählungen über die Schlesischen Kriege, deren dritter als Siebenjähriger Krieg in die Geschichte eingegangen ist? Ursprünglich als österreichischer Erbfolgekrieg geführt, um ...

Wer kennt sie nicht, die Erzählungen über die Schlesischen Kriege, deren dritter als Siebenjähriger Krieg in die Geschichte eingegangen ist? Ursprünglich als österreichischer Erbfolgekrieg geführt, um die Pragmatische Sanktion, die der österreichischen Erzherzogin Maria Theresia ihre Recht auf den Thron sichern sollte, und sich zu einem Machtkampf in Europa entwickelt, weil jeder Herrscher glaubt, vertragsbrüchig werden zu müssen und der jungen Regentin Gebiete entreißen zu können.

Und in genau jene Epoche entführt uns Tanja Kinkel nun. Dabei geht es ihr nicht ausschließlich um militärische und politische Erfolge, sondern auch um das Selbstverständnis der Herrscherfiguren. Als Österreicherin liegen ja meine Sympathien bei Maria Theresia, die nie gekrönte Kaiserin von Österreich sondern Erzherzogin der österreichischen Erblande, Königin von Böhmen und Mähren sowie Königin von Ungarn und Herrscherin über Dutzende andere (kleine) Reiche, die hier zu erwähnen, den Rahmen sprengen würden. Kaiserin ist sie nur als Gemahlin von Franz Stephan von Lothringen, der als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation zum KAISER desselben gewählt worden ist. Friedrich spricht auch in diesem Buch von Maria Theresia immer abschätzig als Königin von Ungarn. Nach ihrem Tod im Jahr 1780 wird er in einem Brief an d’Alembert 1781 schreiben.

„Sie hat ihrem Thron und ihrem Geschlecht Ehre gemacht.“

Geschickt und bildhaft versucht Tanja Kinkel die komplexe Person Friedrich, der sich 1756 am Zenit seiner Macht befindet, zu beschreiben. Wir lesen von seiner bekannten Beziehung zu seinem Vater, der ihn und seinen Freund Katte wegen Fahnenflucht zum Tode verurteilt, das Urteil dann aber doch nur an Katte vollstrecken lässt, aber Friedrich zum Zuschauen zwingt. Was das mit einer ohnehin schwierigen Vater-Sohn-Beziehung macht, kann man sich ausrechnen bzw. in weiterer Folge zum Beispiel an Hand seines Verhaltens seinem Neffen Friedrich Wilhelm gegenüber, den er zum Thronfolger bestimmt, aber gleichzeitig ziemlich ruppig behandelt, nachlesen.

Wir erfahren aber auch um andere, höchst emotionale Beziehungen innerhalb der Familie der Hohenzollern. Ich habe vor einigen Jahren das Buch von Katrin Feuerstein-Praßer Friedrich der Große und seine Schwestern gelesen, in dem das innige Verhältnis zu seinen Schwestern beschrieben wird. Zu den Brüdern Heinrich und August Wilhelm ist das Verhältnis ein wenig schwieriger, besteht es doch aus einem komplexen Geflecht aus Loyalität und Rivalität.

Was ich an Tanja Kinkel schätze, ist ihr Gespür für die Sprache in jener Zeit, in der das Werk spielt sowie das geschickte Verknüpfen von historischen Fakten und Fiktion. Dazu ist genaue Recherche erforderlich, die Tanja Kinkel perfekt beherrscht.

Zudem kommen hier mehrfach Perspektivenwechsel zum Einsatz, so dass ein und dieselbe Situation von unterschiedlichen Blickwinkel betrachtet werden. Das gefällt mir, weil sich si ein mehrdimensionales Bild der entsprechenden Lage ergibt.

Am Beginn dieses rund 850 Seiten starken historischen Romans finden wir ein Personenverzeichnis, das uns hilft die zahlreiche Mitglieder der Hohenzollern, ihre Feinde und Freund (auch in wechselnden Allianzen) auseinander zu halten.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem penibel recherchierten und opulent erzählten historischen Roman, der weder vom Umfang noch vom Inhalt ein Leichtgewicht ist, 5 Sterne.