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Venatrix

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Veröffentlicht am 27.02.2022

Mehy Psychogramm als Krimi

Grado im Licht
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Die frischgebackene Commissaria Maddalena Degrassi dringt mit ihrem Dienstantritt in eine absolute Männerdomäne ein und wird mehr als scheel angesehen. Dazu kommt, dass es für die engagierte Polizistin ...

Die frischgebackene Commissaria Maddalena Degrassi dringt mit ihrem Dienstantritt in eine absolute Männerdomäne ein und wird mehr als scheel angesehen. Dazu kommt, dass es für die engagierte Polizistin nichts zu tun gibt. Noch herrscht Ruhe, bevor die Ferienzeit anbricht und Abertausende Urlauber, vornehmlich aus Österreich die Stadt und die Strände bevölkern.

Dann endlich, passiert etwas: Pauline, die neunjährige Tochter der Familie Wildner verschwindet spurlos ...

Meine Meinung:

Dieser Krimi stellt eigentlich den Beginn der Reihe rund um Commissaria Maddalena Degrassi dar, erzählt er doch von ihrem Dienstantritt bei der Polizia di Stato im beliebten Urlaubsort Grado. Wer, so wie ich, alle Fälle Degrassis kennt, wird zwar nicht restlos zufrieden sein, aber das Buch doch gerne lesen. Dafür sorgt schon das Cover.

Wer Maddalena noch nicht kennt, kann sich ein Bild von der jungen Frau machen, die einen - für ihre Familie - ungewöhnlichen Berufsweg einschlägt. Wir erfahren viel über die Dienststelle, die Kollegen und Maddalenas Chef, der in den weiteren Bänden eine immer größer werdende Rolle spielen wird. Allerdings besteht die Gefahr, dass der starke Fokus auf die Familie des Opfers und weniger auf die Ermittlungen den einen oder anderen Leser enttäuschen könnte.

Sehr geschickt und gut eingefügt ist das Psychogramm der Familie Wildner, die ziemlich dysfunktional ist. Für das (Noch)Ehepaar konnte ich keine Sympathie aufbringen! Besonders der Vater ist für mich ein Versager, der nur wegschaut und letztlich auch vor seiner alkoholkranken Ehefrau wegläuft und die Kinder allein zurücklässt. Dabei sollte er als Richter wissen, dass er sich der Vernachlässigung von Schutzbefohlenen schuldig macht.

Dass Personen mit psychischen Problemen immer sehr gut gelingen, ist dem Brotberuf von Andrea Nagele geschuldet. Sie ist Psychotherapeutin und kann aus dem Vollen schöpfen, wenn sie ihren Klienten betreut.

Leider tritt der Kriminalfall zu zugunsten der Psychogramme in den Hintergrund. Daher ist die Auflösung des rätselhaften Verschwindens der kleinen Pauline nicht ganz rund. Sicher, spannend, weil wieder eine psychisch angeschlagene Person aus dem heimischen Umfeld der Wildners in Grado auftaucht und von der Autorin dazu benützt wird, für Degrassi und die Leser die eine oder andere falsche Spur zu legen.

Gefreut habe ich mich, Simon Rosner wieder zu treffen, auch wenn er Degrassi ziemlich überheblich gegenüber tritt. Simon Rosner ist Ermittler in (s)einer eigenen Krimi-Reihe.

Fazit:

Ich bin ein wenig zwiegespalten, denn die eigentliche Krimihandlung kommt doch ein wenig zu kurz und vor allem Maddalena Degrassi wird in den Hintergrund gerückt. Die psychologische Komponente dominiert hier eindeutig. Daher gibt es diesmal 4 Sterne.

Veröffentlicht am 25.02.2022

Hat mich nicht überzeugt

Mrs Agatha Christie
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Dieser historische Roman gehört in die Reihe „Starke Frauen im Schatten der Weltgeschichte“ von Marie Benedict und ist neben „Frau Einstein“ und „Lady Churchill“ der dritte dieser Serie.

Während Mileva ...

Dieser historische Roman gehört in die Reihe „Starke Frauen im Schatten der Weltgeschichte“ von Marie Benedict und ist neben „Frau Einstein“ und „Lady Churchill“ der dritte dieser Serie.

Während Mileva Einstein und Lady Churchill im Schatten ihrer Weltgeschichte schreibenden Männer stehen, liegt der Fall bei Agatha Christie anders.
Als sie im Dezember 1926 für jene berühmt berüchtigten elf Tage ihres Lebens verschwindet, ist sie bereits eine bekannte Schriftstellerin. Es ist ihr Ehemann Archibald Christie, der in ihrem Schatten steht.

Es wurde nie restlos geklärt, was in den Tagen ihres Verschwindens wirklich passiert ist. Wurde sie entführt? Wenn ja, wer steckte dahinter? Oder hat sie sich eine „Auszeit“ von ihrem fremdgehenden und nörgelnden Ehemann gegönnt?
Diese Lücke in Agatha Christies Leben hat Marie Benedict zum Anlass genommen, dieses Buch zu schreiben.

Die Geschichte wird im Wechsel in zwei Handlungssträngen erzählt: nämlich jenem vom Oktober 1912, in dem sich Agatha Miller und Archie Christie kennenlernen und eben jenem im Dezember 1926 als Agatha für 11 Tage verschwunden ist.
Grundsätzlich mag ich häufige Rückblenden. Doch diesmal sind die Kapitel in der jeweiligen Zeit sehr kurz, was mich mehrmals aus dem Lesefluss gerissen hat.

Die Leser können sich ihre eigenen Gedanken über die fehlenden elf Tage im Leben der wohl bekanntesten Kriminalschriftstellerin machen. Der Doyenne der Kriminalliteratur ist durchaus zuzutrauen, den Plot für das Spektakel selbst erfunden zu haben.

Fazit:

Dieser Roman hat mir nicht ganz so gut gefallen wie die beiden anderen, daher gibt es diesmal nur 3 Sterne.

Veröffentlicht am 25.02.2022

Hat mich nicht überzeugt

Ostfriesensturm
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„Gegen die Sturmflut hatten sie Deiche gebaut. Aber vor dem, was dann kam, konnte kein Deich sie schützen…“

„Ostfriesensturm“ ist das 16. aus der Reihe rund um Ann Kathrin Klaasen und ihrem Mann Frank ...

„Gegen die Sturmflut hatten sie Deiche gebaut. Aber vor dem, was dann kam, konnte kein Deich sie schützen…“

„Ostfriesensturm“ ist das 16. aus der Reihe rund um Ann Kathrin Klaasen und ihrem Mann Frank Weller. Gemeinsam mit ihrem Team lösen sie schwierige Kriminalfälle.

Dieses Mal macht ihnen nicht nur eine Mordserie das Leben schwer, sondern auch die Corona-Pandemie und die diversen Anordnungen der Behörden. Eigentlich sollten ja alle Zweitwohnsitzbesitzer sowie alle Touristen aus Ostfriesland abgereist sein. Aber, doch nicht alle ...

In einem zweiten Handlungsstrang erhalten wir Einblick in die soziale Tristesse des 17-jähringen Niklas Wewer, dessen Vater säuft und dessen Mutter, wie einige andere Frauen, von ihrem Vermieter zu sexuellen Handlungen genötigt und dabei auch noch gefilmt werden. Als Niklas hinter das Geheimnis der Mutter kommt, reift ein unheilvoller Plan in ihm ...

Meine Meinung:

Ich habe einige Bände mit AKK - wie sie auch genannt wird - gelesen. Nicht alle in der richtigen Reihenfolge und mit einer längeren Pause. Trotzdem habe ich mich wieder gut zurechtgefunden.

Mit Ruperts Machogehabe komme ich nach wie vor nicht klar. In den Zwischenbänden „Rupert undercover“ waren seine Sprüche noch irgendwie passend, aber diesmal bin ich nicht so begeistert. Dass er alle Frauen so taxiert, ist ziemlich unangebracht.

Gute getroffen ist die Stimmung in der von Touristen normalerweise gestürmten Nordseeregion.

Dass die soziale Misere des Jugendlichen so lebensecht geschildert ist, ist dem persönlichen Erleben des Autors geschuldet, wie er im Nachwort erklärt. Häusliche Gewalt ist nach wie vor ein Tabuthema, bei dem wir wirklich nicht wegschauen dürfen.

Wir treffen wieder viele Figuren aus den Vorgängerbänden und deshalb darf auch Dr. Bernhard Sommerfeld nicht fehlen.
Das Ende ist für mich nicht glaubwürdig herübergekommen.

Fazit:

Diesmal kann ich nur 3 Sterne vergeben. Es sind viele Kleinigkeiten, die ich jetzt nicht alle benennen will, die mich dazu veranlasst haben.

Veröffentlicht am 25.02.2022

Ein Plädoyer für das NIchtstun

Langeweile
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Dieses Buch ist Teil der Reihe „Übermorgen“ aus dem Verlag Kremayr & Scheriau, die sich mit aktuellen, gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Themen auseinandersetzt. Das Motto dieser Reihe ist ...

Dieses Buch ist Teil der Reihe „Übermorgen“ aus dem Verlag Kremayr & Scheriau, die sich mit aktuellen, gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Themen auseinandersetzt. Das Motto dieser Reihe ist „Gib mir nur ein Wort“ - und so besteht der Titel jedes Werks nur aus einem Schlagwort. Nach „Wir“,“Pathos“, „Dummheit“, „Offenheit“, „Hoffnung“, „Sorge“, Heimat“ und „Angst“ dürfen wir uns mit der Langeweile beschäftigen.

„Ein Mangel ist die Langeweile, auch der Wunsch nach einem tröstlichen Nichts, einem Fallenlassen und danach, dass man aufgefangen wird.“

Autorin Isabella Feimer lässt ihren Gedanken zu „Langeweile“ freien Lauf. Spüren wir überhaupt noch Langeweile? In einer Gegenwart, in der wir allerlei gewünschten und unerwünschten Reizen ausgesetzt sind, ist es schwierig echte Langeweile zu spüren. Swir sind ständig bemüht, auch die kleinsten Leerläufe mit sinnvollen (?)Tätigkeiten zu füllen. So wird in den öffentlichen Verkehrsmitteln (lautstark) telefoniert, auf den Smartphones gespielt oder eifrig Nachrichten ausgetauscht. Den kleinen Auszeiten, in denen manchmal Langeweile aufkommen könnte, wird keine Aufmerksamkeit geschenkt.

Im Zeitalter des „Dauernd-beschäftigt-sein“ fühlen sich manche Menschen, die es nicht gelernt haben mit sich selbst zu sein, von der Langeweile bedroht. Das Nichtstun, das „Löcher-in-die Luft-starren“ (eine Spezialität mancher Männer, die uns Frauen rasend macht) oder das „aus-dem-Fenster-schauen“ ist abgekommen.

„Man genießt etwas ganz und gar Zufälliges, man betrachtet das ganze Dasein von diesem Standpunkt, lässt die Wirklichkeit des Daseins daran scheitern.“ (S.69)

Meine Meinung:

Mir hat dieser Essay recht gut gefallen. Wir haben verlernt, mit Langeweile umzugehen und sie zu genießen.

Sprachlich ist dieses Buch ein Genuss. Was mich allerdings stört, sind die vielen englischen Zitate, die hier doch sehr zahlreich abgedruckt sind. Natürlich ist ein Zitat in der Originalsprache eindrucksvoller als in einer Übersetzung. Das kostet den 5. Stern.

Sehr hübsch ist das Cover, das aus einem Linolschnitt angefertigt ist.

Fazit:

Ein Plädoyer für das Nichtstun und das Spüren der Langeweile. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 23.02.2022

Beruht auf wahren Begebenheiten

Der Tod der dreckigen Anna
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Die 72-Jahre alte Anna wird am Weihnachtstag ermordet aufgefunden. Die Frau ist nicht nur ermordet, sondern auch ausgeweidet worden. Im Dorf ist man entsetzt, vermutet Landstreicher oder andere Fremde ...

Die 72-Jahre alte Anna wird am Weihnachtstag ermordet aufgefunden. Die Frau ist nicht nur ermordet, sondern auch ausgeweidet worden. Im Dorf ist man entsetzt, vermutet Landstreicher oder andere Fremde als Täter. Viel Mitleid hat man mit der Toten allerdings nicht, gilt sie ja als verrückt. Anna hat während der Geburt einen Sauerstoffmangel erlitten und ist gemeinsam mit ihren beiden Schwestern in einem lieblosen, ärmlichen Haus aufgewachsen.
Als dann Hilde, eine der Schwestern wegen geistiger Verwirrung in ein Heim kommt und Elsa, die andere, einen plötzlichen Herztod stirbt, bleibt die zurückgebliebene Anna allein und verwahrlost zurück.

Obwohl man gewöhnlich über Tote nichts Schlechtes sagt, wird die Verstorbene so charakterisiert:
„Die Elsa war sogar zum Sterben zu faul.“

Die polizeilichen Ermittlungen gestalten sich als schwierig, denn die Dorfbewohner mauern, denn es kann ja keiner von ihnen gewesen sein.

Meine Meinung:

Autorin Tina Seel hat mit diesem Krimi eine gespenstische dörfliche Welt in Szene gesetzt. Sie entführt uns in ein kleines Dorf in den 1970er Jahren. Man sagt zwar immer, die Großstadt ist das Übel, weil man einander nicht kennt. Doch alles von den Nachbarn zu wissen, ist auch oft verhängnisvoll.

In ihrem Nachwort erläutert sie, dass dieser Krimi an einer wahren Begebenheit Anleihe genommen hat.

Die Geschichte ist fesselnd geschrieben und manchmal kaum zu ertragen. Die Menschen sind gut beschrieben. Nur wenige wirken sympathisch. Die meisten, Frauen wie Männer, haben wenig einnehmende Eigenschaften. Die Kinder werden nach der schwarzen Pädagogik erzogen, mehr Prügel als Nahrung. Für Liebe ist wenig Platz.

Ich habe schnell herausgefunden, wer der Täter ist, zumal wir ihm ja über die Schulter schauen dürfen bzw. an seinen Gedanken teilhaben dürfen. Eigentlich ist er ein Opfer seiner Umgebung, was aber die grausame Tat an einer wehrlosen alten Frau keinesfalls rechtfertigt.

Sprachlich ist dieser Krimi ein Genuss.

„Weil aufgrund dieser Frage, deren Sinn er nicht verstand, in seinem Hirn noch Gegenverkehr herrschte, musste er das noch ein drittes Mal machen.“ (S.82).

Es ist immer wieder faszinierend, über die Arbeit der Kriminalisten von früher zu lesen, als weder DNA-Abgleich noch andere technische Hilfsmittel zur Verfügung gestanden sind.

Fazit:

Ein Krimi, der in einer tristen Umgebung spielt und auf einer wahren Begebenheit beruht. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.