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Venatrix

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Veröffentlicht am 13.02.2022

Ein gelungenes Ende der Trilogie

Palais Heiligendamm - Tage der Entscheidung
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Dieser dritte und letzte Teil der Trilogie rund um das Hotel am Heiligendamm zeigt, wie die Nazis nach ihrer Machtübernahme immer mehr in das Leben der Menschen eingreift. Elisabeth und Julius können sich ...

Dieser dritte und letzte Teil der Trilogie rund um das Hotel am Heiligendamm zeigt, wie die Nazis nach ihrer Machtübernahme immer mehr in das Leben der Menschen eingreift. Elisabeth und Julius können sich lange, mit List gegen die Vereinnahmung wehren. Elisabeth hängt natürlich am Lebenswerk ihres Vaters und will das Hotel nicht aufgeben. Julius ist da viel weitsichtiger und drängt zur Auswanderung. Erst als ihrem kleiner Sohn Oskar, der ein wenig stottert, Gefahr droht, erkennt Elisabeth, dass sie nicht mehr in Deutschland bleiben können.

Besonders gefährdet ist natürlich Paul, der seine Homosexualität stets verbergen muss. Als dann sich sein Sohn als fanatischer Hitleranhänger entpuppt und Carl, sein zeitweiliger Lebenspartner im Zusammenhang mit dem Röhm-Putsch hingerichtet wird, ist auch er seines Lebens nicht mehr sicher.

Luise, die als Schauspielerin in Film und Theater Erfolg hat und sich bislang immer wieder durchlaviert hat, muss erkennen, dass das Regime skrupellos ist und man sich dem Wunsch eines Hermann Görings nach einem kostbaren Bild nicht widersetzen kann.


Meine Meinung:

Michaela Grünig ist ein großartiger Abschluss ihrer Hoteltrilogie gelungen.
Das liegt vor allem an ihren Charakteren, die sich lange weigern, Teil des NS-Regimes zu werden. Letzten Endes müssen sie einsehen, dass sie keine Chance haben. Bleiben und sich arrangieren oder auswandern und ihre persönliche Integrität und Selbstachtung behalten. Die Entscheidung ist mehr als schwierig und wird beinahe zu spät getroffen.

Die Angst, die ganz Deutschland befällt, ist deutlich spürbar dargestellt. Zuerst sind es nur kleine Nadelstiche und man wähnt sich durch gute Beziehungen sicher.

Gekonnt verquickt die Autorin wieder Fakt und Fiktion. Carl, der sich durch seine Mitgliedschaft zur SA und seine Nähe zu Ernst Röhm sicher fühlt, wird in der als „Nacht der langen Messer“ im Sommer 1934 wie Röhm und zahlreiche seiner Getreuen ermordet. Spätestens dann ist klar, dass Hitler als Diktator keine Skrupel hat, eigene Leute ermorden zu lassen, wenn er dies für opportun hält.
Michaela Grünig spricht auch die medizinische Forschung an, die sich weniger auf Heilung, sondern auf Selektion und Vernichtung von, in Hitlers Augen „unwerten Lebens“ ausrichtet.

All diese Gräuel des NS-Regimes werden hier in diesem letzten Teil der Trilogie verarbeitet, jedoch für jene Leser, die „nur“ gut unterhalten werden wollen, in einem verträglichen Maße. Wer tiefer in die NS-Zeit einsteigen will, muss zu den Sachbüchern greifen.

Fazit:

Ein gelungenes Ende der Trilogie rund um das „Palais Heiligendamm“, dem ich gerne 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 06.02.2022

Herrliche Sätze zu den Themen "Spiel und Spielen"

Spiel
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„Ich warne Sie, schöpferisches Denken und Handeln führt auf den Spielplatz!“

Der Verlag Kremayr & Scheriau hält mit diesem wunderbaren Buch aus der Essay-Reihe „Übermorgen“ ein Plädoyer für das „Spielen“. ...

„Ich warne Sie, schöpferisches Denken und Handeln führt auf den Spielplatz!“

Der Verlag Kremayr & Scheriau hält mit diesem wunderbaren Buch aus der Essay-Reihe „Übermorgen“ ein Plädoyer für das „Spielen“.

Norbert Trawöger nimmt uns dazu in seine persönliche Welt des Spielens mit. Eine Welt, die wir Erwachsene leider oft verloren haben. Der sogenannte „Ernst des Lebens“ mit Job und Familie hält uns gefangen und lässt uns wenig Spielraum für lustvolles Spielen.

Der Autor ist Musiker, weshalb das Wort spielen noch eine weitere Dimension erhält und Musik, ernste und/oder Unterhaltungsmusik einen breiten Raum in diesem Essay erhält. Man spielt die erste Geige oder sind doch nur zweite Besetzung.

Seine spielerischen Erzählungen der eigenen Erfahrungen lassen auch bei den Lesern ein „Aha-Erlebnis“ und ein „ja, genau“-Gefühl aufkommen. Ich mag Trawgögers Wortspiele, die mich häufig zum Schmunzeln bringen und manchmal laut auflachen lassen.

„Spielen“ so meint der Autor, gehöre wie Atmen zu den „Werkseinstellungen des Menschen“ (S.15). Diesen Vergleich finde ich entzückend! Könnten wir doch manchmal den Reset-Knopf drücken und uns auf die Werkseinstellungen zurücksetzen.

„Spielen ist keine Frage des Könnens, sondern eine des Tuns. Wer will, der kann, wenn er oder sie Lust dazu hat. Spielen ist Tätigkeit, Zustand und Energie.“ (S.16)

Dem ist wohl wenig hinzuzufügen.

Fazit:

Ich habe schon lange keine so brillanten Sätze zum Thema „Spiel und Spielen“ gelesen, wie diese hier. Dieses Buch verdient definitiv mehr als 5 Sterne - schade, dass es nicht mehr sein dürfen.

Veröffentlicht am 05.02.2022

Hat mich nicht überzeugt

Perfect Day
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Mit der Verhaftung ihres Vaters bricht für Ann die Welt zusammen. Ein Serienmörder soll er sein. Ausgerechnet er? Der ruhige, in sich gekehrte Professor, der sich seit dem frühen Tod seiner Ehefrau rührend ...

Mit der Verhaftung ihres Vaters bricht für Ann die Welt zusammen. Ein Serienmörder soll er sein. Ausgerechnet er? Der ruhige, in sich gekehrte Professor, der sich seit dem frühen Tod seiner Ehefrau rührend um Tochter Ann gekümmert hat?

Die Polizei wirft ihm vor, im Laufe von mehr als vierzehn Jahren zehn kleine Mädchen ermordet zu haben. Als „Schleifenmörder“ bezeichnen ihn die Medien, weil er mit roten Bändchen Spuren zu seinen Opfern legt.

Ann kann und will nicht glauben, dass ausgerechnet ihr Vater solche Verbrechen begangen haben soll. Sie setzt Himmel und Hölle in Bewegung, um seine Unschuld zu beweisen. In ihrem Schmerz ist sie nicht wirklich zimperlich in der Auswahl der Mittel, verrennt sich in Hirngespinste und Sackgassen.

Meine Meinung:

Ich muss gleich gestehen, Thriller mit Serienmördern gehören nicht unbedingt zu meinen Lieblingsbüchern. Zu diesem, meinem ersten von Romy Hausmann, habe ich erstens durch das Cover und zweitens durch die durchwegs guten Bewertungen zu den anderen Büchern der Autorin hinreißen lassen.

Die Idee habe ich auch interessant gefunden. Wir nehmen Anteil an Anns Leben, das nicht erst durch die Verhaftung ihres Vaters aus dem Ruder läuft. Der Tod der Mutter, den sie als kleines Mädchen miterlebt hat, prägt Ann natürlich, vor allem weil der Vater keine neue Beziehung mit einer Frau eingeht. Überhaupt, die zwischenmenschlichen Beziehungen scheinen hier insgesamt ein wenig auf der Strecke zu bleiben. Überall trifft man auf gebrochene Menschen. Manchmal führt auch der Zufall (?) Regie. So arbeitet z.B. die Mutter eines Verbrechensopfers im selben Burgerlokal wie Ann.

Doch je länger ich dieses Buch gelesen habe, desto weniger mochte ich Ann. In ihren Bemühungen, die Unschuld ihres Vaters zu beweisen, legt sie eine Besessenheit an den Tag, der beängstigend ist.
So jagt sie einem Mann nach, den sie als Verdächtigen einstuft.

Der Schreibstil hat mir zu Beginn recht gut gefallen, da seine Schnörkellosigkeit zu einem Thriller sehr passt. Doch dann gleitet der Thriller in eine Unglaubwürdigkeit ab, die mich fast ein wenig geärgert hat.

Der mehrfache Perspektivenwechsel lässt die Spannung recht schnell steigen. Nach einiger Zeit nützt sich Anns Besessenheit einen anderen, als Täter überführen zu müssen, ziemlich ab und wird anstrengend und unglaubwürdig. Das Motiv des Serientäters wirkt ein wenig an den Haaren herbeigezogen.

Fazit:

Das Buch hat interessant begonnen, aber im Laufe der Zeit an Glaubwürdigkeit verloren. Daher reicht es nur für 3 Sterne.

Veröffentlicht am 05.02.2022

Sehr gut recherchiert und opulent erzählt

Keltenschwur
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Das ist der zweite Band rund um die Keltin Rowan, die einst gemeinsam mit ihrem Milchbruder Johs von römischen Soldaten verschleppt und als Sklavin auf einem Weingut am Rhein arbeiten muss.

In diesem ...

Das ist der zweite Band rund um die Keltin Rowan, die einst gemeinsam mit ihrem Milchbruder Johs von römischen Soldaten verschleppt und als Sklavin auf einem Weingut am Rhein arbeiten muss.

In diesem Band gelingt ihre Befreiung durch ihre große Liebe Drystan, den Sohn des Häuptlings. Doch die Rückkehr in das heimatliche Dorf wird von einigen Bewohnern, darunter ihre eigene Familie, mit argwöhnischen Blicken beäugt. Vor allem auch deshalb, weil Rowan nur eine Bauerntochter ist, die nur innerhalb ihres Standes heiraten darf. Drystan wäre nach den bisherigen Gepflogenheiten tabu für sie.

Doch das sind nicht die einzigen Schwierigkeiten, die auf das junge Paar warten. Drystans Vater ist während seiner langen Abwesenheit gestorben und der Nachfolger will seine Macht und Position nicht aufgeben.

Wie weit die gehässigen Neider, die aus Rowans eigener Familie kommen, gehen, wird hier eindrucksvoll beschrieben.

Meine Meinung:

Mir hat dieser historische Roman rund um Rowan, Drystan und die Römer Caius und Aurelia recht gut gefallen. Es wäre gut, die Vorgeschichte „Keltensonne“ dieser Trilogie zu kennen, denn warum Rowans Familie gar so bösartig ist, wird hier nur angedeutet.

Da es ja keine schriftlichen Zeugnisse der Kelten gibt, sondern nur Berichte der Römer und einige Artefakte, kann sich die Fantasie der Autorinnen sehr gut entfalten.

Die Trilogie ist in Rheinland-Pfalz, beim Donnersberg angesiedelt. Hier hat man Überreste einer Kreisgrabenanlage gefunden, die auf ein größeres keltisches Oppidum hinweisen.

Darauf weisen die Autorinnen in ihrem Nachwort hin. Für alle jene, die mit Latein nicht viel am Hut haben, werden die wichtigsten lateinischen Begriffe in einem Glossar dargestellt.

Die Geschichte hat mir gut gefallen. Sie zeigt, dass es nicht immer leicht ist, Anführer zu sein und, dass Nachsicht, häufig missverstanden wird.

»Eine Gemeinschaft muss sich auf alle Mitglieder verlassen können. Nur dann ist sie stark!«


Fazit:

Ein gelungener historischer Roman aus der Zeit rund um 90 vor Christus. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.02.2022

NIcht nur für Kinder ab 9 Jahren

Flüsterwald - Der Schattenmeister erwacht: Das spannende Staffelfinale! (Flüsterwald, Staffel I, Bd. 4)
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Mit diesem 4. Band ist die erste Staffel rund um Lukas und Ella, die mit ihren magischen Freunden zahlreiche Abenteuer im Flüsterwald erleben, beendet.

Wie schon in den Vorgängern zählen Köpfchen, Freundschaft ...

Mit diesem 4. Band ist die erste Staffel rund um Lukas und Ella, die mit ihren magischen Freunden zahlreiche Abenteuer im Flüsterwald erleben, beendet.

Wie schon in den Vorgängern zählen Köpfchen, Freundschaft und das Miteinander im Kampf gegen das Böse. Diesmal ist der Gegner der Schattenmeister, der seine dunkle Macht ausdehnen und festigen will. Gemeinsam mit Elfe Felicitas, Menok Rani und der Katze Punchy versuchen Lukas und Ella dem Bösen Einhalt zu gebieten.

Meine Meinung:

Diese Reihe ist nicht nur für Kinder ab 9 Jahren lesenswert, sondern auch für Erwachsene, die für einige Stunden dem gewöhnlichen Alltag entfliehen wollen und die magische Welt des Flüsterwaldes eintauchen wollen.

Entzückend sind wieder die Illustrationen von Timo Grubing, die den Text sehr gut begleiten.

Die Charaktere sind liebevoll gestaltet und die Handlungen sind schlüssig.

Dass die Abenteuer im Flüsterwald weitergehen werden, beweist der Epilog, in dem sich eine fremde Katze unter die Bewohner des Flüsterwaldes gemischt hat. Freund oder Feind? Mit Spannung wartet die große und kleine Lesergemeinschaft auf die nächste Abentuer.

Fazit:

Eine Buchreihe nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene, die gerne magische Abenteuer erleben wollen. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.