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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.11.2021

Fesselnd bis zur letzten Seite

Weißes Teufelskraut
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Dieser dritte Fall für die Apothekerin Maja Ursinus hat es in sich.
Sie wird vom Anwalt eines des Giftmordes Verdächtigen ersucht, ein zweites Gutachten zu erstellen, denn der Sachverständige und der ...

Dieser dritte Fall für die Apothekerin Maja Ursinus hat es in sich.
Sie wird vom Anwalt eines des Giftmordes Verdächtigen ersucht, ein zweites Gutachten zu erstellen, denn der Sachverständige und der Pathologe sind nicht ganz einer Meinung. Als Maja zusagt, weiß sie noch nicht, dass ihr ganzes bisheriges Leben völlig auf den Kopf gestellt wird.

Meine Meinung:

Jürgen Seibold ist mit diesem dritten Buch rund um Maja Ursiuns ein fesselnder Krimi gelungen, der mit zahlreichen Überraschungen aufwartet und bis zur letzte Seite fesselt.

Wir begegnen zahlreichen Figuren aus den Vorgängern, die sich Maja gegenüber nicht sehr wohlwollend verhalten. Ich kann die Enttäuschung ihres Vaters zwar nachvollziehen, dass weder Maja noch ihr Bruder Michael in die Familien-Apotheke einsteigen wollen, aber dieser unversöhnliche Hass auf die eigenen Kinder, ist mir unverständlich.

Die Auflösung des Falles, der sich so ganz anders als erwartet entwickelt, ist raffiniert. Das offene Ende macht Hoffnung auf eine Fortsetzung, auch wenn Maja vielleicht nie mehr ihre Nase in Kriminalfälle stecken kann.

Fazit:

Spannende Krimiunterhaltung, der ich gerne 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 14.11.2021

Kratzt am Image der ehemaligen Herrscherfamilie

Die Hohenzollern und die Nazis
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Dieses rund 750 Seiten starke Buch ist das Ergebnis von Jahre langen Recherchen des Autors wie sich zahlreiche Vertreter der Familie Hohenzollern dem aufstrebenden NS-Regime anbiedern, weil sie glauben, ...

Dieses rund 750 Seiten starke Buch ist das Ergebnis von Jahre langen Recherchen des Autors wie sich zahlreiche Vertreter der Familie Hohenzollern dem aufstrebenden NS-Regime anbiedern, weil sie glauben, ihre frühere Macht wieder zu erhalten. Zahlreiche Briefe belegen, wessen Geist vor allem die Söhne des letzte deutschen Kaisers und ihre Ehefrauen waren.

Obwohl man meinen könnte, dass die ehemalige Herrscherfamilie und die Nationalsozialisten nichts gemeinsam haben, ergeben sich zahlreiche Gemeinsamkeiten und Überschneidungen: beide sind antidemokratisch, reaktionär, hassen sowohl Sozialisten als auch Kommunisten, Juden sowieso und beiden ist das „gemeine Volk“ völlig egal. Die Masse soll arbeiten, Steuern zahlen und im Krieg (egal für welche) Herrschaft verbluten.

Ein großes Thema ist auch der, von den Hohenzollern vorgebrachte Entschädigungsanspruch nach den Enteignungen von 1918. Obwohl die Mitglieder der Familie einige Immobilien und Vermögenswerte (im Gegensatz zu den Habsburgern, die beinahe mittellos aus „Restösterreich ausgewiesen wurden) behalten durften, will die Familie mehr, viel mehr, und glauben auch noch, im Recht zu sein.
Stephan Malinowski untermauert seine Thesen mit zahlreichen Quellen, und lässt sich von Anzeigen der Familie Hohenzollern gegen ihn, nicht einschüchtern.

Fazit:

Das Buch muss sorgfältig gelesen werden. Es ist aber verständlich geschrieben und wird durch zahlreiche Abbildungen bereichert. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 14.11.2021

Anna Göldi - ein Justizirrtum

Anna Göldi – geliebt, verteufelt, enthauptet
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„Das Verfahren gegen Anna Göldi war, selbst nach den Maßstäben des Rechts der damaligen Zeit gemessen, mit schweren Fehlern behaftet: Das Gericht war nicht zuständig, es unterlag dem Einfluss und den dauernden ...

„Das Verfahren gegen Anna Göldi war, selbst nach den Maßstäben des Rechts der damaligen Zeit gemessen, mit schweren Fehlern behaftet: Das Gericht war nicht zuständig, es unterlag dem Einfluss und den dauernden Interventionen eines Prozessbeteiligten, und die Untersuchung der Krankheitssymptome bei Anna Maria Tschudi war oberflächlich und von Vorurteilen geleitet.“ (S.70)

Autor Walter Hauser ist Jurist und Journalist und beschäftigt sich seit Jahren mit dem letzten Hexenprozess in der Schweiz. Dieses Buch ist das Ergebnis neuerer Forschung und gleichzeitig Hausers drittes Buch zum Justizmord an Anna Göldi.

Angesichts der Ergebnisse seiner Recherchen zu diesem Buch initiierte er die Anna-Göldi-Stiftung, die sich gegen Justiz- und Behördenwillkür engagiert und 2017 das Anna Göldi Museum in Glarus.

Doch zurück zum Buch:

Anna Göldi wurde am 13. Juni 1782 in Glarus durch das Schwert des Scharfrichters enthauptet. Just zu einer Zeit, in der die Mehrheit der Menschen nicht mehr an Hexerei glaubten, warf ihr die Anklage vor, das Kind ihres früheren Dienstherrn, des Arztes und Richters Johann Jakob Tschudi, vergiftet zu haben.

Die Familie Tschudi ist einflussreich und daher ist es kaum verwunderlich, dass die einfache Magd Anna Göldi keine Chance hat, dem Prozess und dem Urteil zu entkommen. Zahlreiche Zeugen der Anklage stammen entweder aus dem weit verzweigten Tschudi-Clan oder sind mit ihm freundschaftlich verbunden oder von ihm abhängig.

Anhand der Prozessakten enthüllt der Autor die Chronique Scandaleuse, wie Meineide geschworen, Untersuchungen nachlässig geführt und Geständnisse unter der Folter abgepresst wurden.

Ein Motiv für die Verleumdungen, die zur Hinrichtung Anna Göldis führten, ist nicht wirklich auszumachen. Der (scheinheilige) Vorwurf des verbotenen außerehelichen Beischlafs kann nicht wirklich ernst genommen werden, da zu jener Sex außerhalb der Ehe sowohl für Frauen als auch für Männer verboten und unter Strafe gestellt war. Also, hätte auch Tschudi vor Gericht gestellt gehört, der er hat Anna Göldi vermutlich zum Beischlaf gezwungen.

Walter Hauser hat bei seinen Recherchen eine interessante Entdeckung gemacht, nämlich den Einfluss des Churer Priesters und Teufelsaustreibers Johann Joseph Gassner, der in zwei weiteren Hexenprozesse (1775 im süddeutschen Kempten und 1779 im bündnerischen Tinizong) ein unrühmliche Rolle spielt.

Nicht zuletzt auf Grund Walter Hausers Bemühungen, wird die zu Unrecht verurteilten Frau spät, aber doch, im Jahr 2008 durch den Glarner Landrat rehabilitiert. Dies ist die erste „Hexenrehabilitierung“ durch ein Parlament.

Fazit:

Ein Schicksal, das bis heute bewegt, aufrüttelt und polarisiert. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 14.11.2021

Auf den Spuren unserer Vorfahren

Oberösterreich in der Steinzeit
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Gemeinsam mit Autor Helmut Ardelt, einem lokalen Heimatforscher und Hobby-Archäologen dürfen wir auf den Spuren der Vergangenheit in Oberösterreich wandeln.

Das Buch gewährt uns Einblicke in die Ur- ...

Gemeinsam mit Autor Helmut Ardelt, einem lokalen Heimatforscher und Hobby-Archäologen dürfen wir auf den Spuren der Vergangenheit in Oberösterreich wandeln.

Das Buch gewährt uns Einblicke in die Ur- und Frühgeschichte der Menschheit. Wo früher Ur- und Frühgeschichtler mit Spaten und Zahnbürste die Funde bearbeiteten gibt es heute interdisziplinäre Zusammenarbeit und moderne Methoden, ohne durch Grabungsarbeiten wichtige Spuren zu vernichten.

Helmut Ardelt zeigt uns zahlreiche Orte, an denen die Menschen des Neolithikums lebten. Dazu gibt es viele Fotos von teils privaten Fundstücken und Querverweise zu Forschungsergebnissen in anderen Teilen der Welt.

Fazit:

Für Leser, die gerne über Herkunft des Menschen und seiner Entwicklung lesen, kann ich dieses Buch gerne empfehlen. Es ist leicht zu lesen und die die zahlreichen Abbildungen versprechen Abwechslung. Einige der Ausgrabungsstätten und/oder Museen (wie der „Heldenberg“ oder das Urgeschichtemuseum in Asparn an der Zaya, beides NÖ) liegen zwar nicht in Oberösterreich, laden aber herzlich ein, die dortigen Ausstellungen anzusehen. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 14.11.2021

Messerscharfe Analysen und Sachwissen

So sah ich Die Welt. Life is a story - story.one
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In diesem dritten Teil der Trilogie, die anlässlich des Ablebens von Hugo Portisch erschienen ist, dürfen wir „live“ an bedeutenden Momenten seines Lebens teilhaben.

Der wohl Berührendste ist jener, als ...

In diesem dritten Teil der Trilogie, die anlässlich des Ablebens von Hugo Portisch erschienen ist, dürfen wir „live“ an bedeutenden Momenten seines Lebens teilhaben.

Der wohl Berührendste ist jener, als er im Jahr 1944, gerade einmal sechzehnjährig, so wie viele seiner Alterskollegen, in ein Wehrertüchtigungslager einrücken sollte. Der Beitritt zur Freiwilligen Feuerwehr von Pressburg (heute Bratislava) rettet ihm und seinen Mitschülern vermutlich das Leben.

Seine Berichte aus dem Jahr 1956 vom Ungarn-Aufstand und 1968 vom Prager Frühling sind legendär.

Seine messerscharfen Analysen und sein Fachwissen werden mir ebenso fehlen wie seine großartige Art, schwierige politische Themen zu vermitteln.