Platzhalter für Profilbild

Venatrix

Lesejury Star
online

Venatrix ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Venatrix über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.11.2021

Eine gelungene Fortsetzung

Der letzte Tod
0

Das Wien von 1922 ist die Hauptstadt des Elends. Alles, außer der Not und dem Tod, ist knapp und das wenige, was an Nahrungsmitteln vorhanden ist, wird täglich teurer. Eine einzelne Zigarette kostet 120 ...

Das Wien von 1922 ist die Hauptstadt des Elends. Alles, außer der Not und dem Tod, ist knapp und das wenige, was an Nahrungsmitteln vorhanden ist, wird täglich teurer. Eine einzelne Zigarette kostet 120 Kronen, was Inspektor August Emmerich ziemlich fassungslos macht, zumal er von Verdächtigen und Zeugen häufig um einen Glimmstängel angeschnorrt wird. Diese Summe von 120 Kronen geht Emmerich nicht aus dem Kopf und so wiederholt er sie ständig, was letztendlich zu einem geflügelten Wort in der Abteilung „Leib und Leben“ wird.

August Emmerich hat aber nicht nur mit der Inflation wie alle zu kämpfen, sondern auch an anderen Fronten. Da ist zum einem der Verlust von Luise, seiner großen Liebe, die an einer ihm zugedachten Kugel gestorben ist, und deren drei traumatisierten Kindern er Mutter und Vater ersetzen muss. Ihr leiblicher Vater, Xaver Koch hat die Mutter getötet. Des Weiteren muss er sich wieder mit seinem Kollegen Brühl herumschlagen, der auf seine, Emmerichs Aufklärungsrate eifersüchtig ist und deshalb immer wieder zu unlauteren Mitteln greift. Diesmal ist es Sándor Adler, ein Psychoanalytiker, der Emmerich begutachten und soll, um ihn mit einer schlechten Beurteilung aus dem Polizeidienst entfernen zu können.

Und zu guter Letzt findet man im Wiener Hafen eine männliche, mumifizierte Leiche, die nur durch einen Zufall nach Jahren in einem versperrten Tresor entdeckt worden ist. Es bleibt aber nicht bei dieser einer Leiche, es hat den Anschein, als hätten es die beiden mit einem Serienmörder zu tun.

Doch ganz auf sich alleine gestellt ist August Emmerich nicht. Er erhält Schützenhilfe von ungewohnter Seite: Zum einem von Ferdinand Winters Großmutter, die Emmerichs Kindern Unterschlupf gewährt, und zum anderen von Sándor Adler, der ihm eine Art Täterprofil liefert. Auch in Budapest, wohin sich Xaver Koch geflüchtet hat, erhält er Unterstützung durch die ungarische Polizei.

Meine Meinung:

Alex Beer ist eine fesselnde Fortsetzung gelungen. Die Charaktere dürfen sich weiterentwickeln. So wird Assistent Ferdinand Winter ein wenig selbstständiger. Brühl ist zwar derselbe Intrigant wie früher, doch seine Angriffe gegen Emmerich werden vor allem von der Sekretärin wahrgenommen, die als graue Eminenz die „Hühnerarmee“, nämlich die Archivarinnen befehligt.

August Emmerich ist nach wie vor ein aufrechter Charakter, der sich nicht verbiegen lässt. Er leidet nicht nur wegen Luises Tod, an dem er sich eine Mitschuld gibt, sondern auch an seiner Herkunft. Er ist im Waisenhaus aufgewachsen. Wir wissen ja inzwischen, dass er seine Mutter ausfindig machen konnte, die leider schon verstorben ist. Ein Hinweis bringt ihn auf die Spur des Vaters. In diesem Band fasst er endlich Mut und besucht den Baron, der doch anders ist, als gedacht. Nur leider wird es kein Happy End geben, sondern ein Warten auf den nächsten Band.

Geschickt sind wieder historische Persönlichkeiten in die Handlung eingebaut. So treffen wir gemeinsam mit Emmerich und Winter auf den Spekulanten Camillo Castiglioni, der mit gewagten Finanztransaktionen nicht nur den Staat sondern auch viele Leute in den Ruin getrieben hat. Auf der Seite der Guten, begegnen wir dem Polizeipräsidenten Johann Schober, der große Stücke auf August Emmerich und seine Ermittlungsarbeit hält. Schober wird maßgeblichen Anteil daran haben, dass es eine internationale Zusammenarbeit zwischen den Polizisten geben wird. Er erlaubt und fördert Emmerichs Bestreben, in den Nachbarstaaten nach ähnlichen Mordfällen zu suchen.

Gut gelungen ist Alex Beer die Darstellung des Elends in Wien. Schmunzeln musste ich über die Nachbarin von Emmerich im Metzleinstaler Hof. Eine solche Situation in einem Wiener Gemeindebau ist aus dem Alltag gegriffen und auch 100 Jahre später noch anzutreffen.

Fazit:

Alex Beer ist wieder ein authentischer historischer Krimi aus dem Wien der Zwischenkriegszeit gelungen. Wer einen Wohlfühlkrimi sucht, ist bei dieser Reihe falsch, denn hier geht es um Wut, Rache und dem Elend der Zeit. Gerne gebe ich hier 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 01.11.2021

Furioses Ende der Reihe

Feind des Volkes
0

Dieser siebente Fall ist der letzte für Max Heller, den integren Kommissar aus Dresden, der sowohl den Nazis als auch der SED getrotzt hat.

Man schreibt das 1961 und völlig unbemerkt von der Weltöffentlichkeit ...

Dieser siebente Fall ist der letzte für Max Heller, den integren Kommissar aus Dresden, der sowohl den Nazis als auch der SED getrotzt hat.

Man schreibt das 1961 und völlig unbemerkt von der Weltöffentlichkeit bereitet die DDR den Mauerbau in Berlin vor.

Max Heller hat nur noch wenige Wochen bis zu seiner endgültigen Pensionierung. Mehrmals hat man ihm, dem Unbeugsamen, ja mit dem Hinauswurf bzw. Mit der vorzeitigen Pensionierung gedroht. Doch immer hat ihm sein Erfolg recht gegeben.
Er hat noch einen sehr komplexen Fall abzuschließen, der ihn an den Rand der Verzweiflung bringt.

Daneben muss er miterleben, wie seiner Adoptivtochter Anna der Besuch einer weiterführenden Schule verwehrt wird, obwohl sie mehrmals Jahrgangsbeste ist. Näherin soll sie werden. Max und Karin ist klar, dass das als Strafe für seine eigene Weigerung der SED beizutreten und ein willfähriger Denunziant bzw. Apparatschik zu werden, zu werten ist.

Als sich dann noch der alte Kriminalfall als doch nicht abgeschlossen entpuppt, wird er vom angeordneten Innendienst wieder abgezogen und muss ermitteln. Dabei wird er nicht nur von der Stasi, sondern auch von dem Täter abgehört und bespitzelt. Der Täter spielt ein grausames Spiel mit Max Heller und bedroht nun auch Karin und Anna.

Karin denkt ja seit 1953 zu Erich, dem anderen Sohn, der in Köln lebt, abzuhauen. Damals sind sie wegen der schwangeren Erika, Klaus‘ Freundin in Dresden geblieben. Jetzt hält es Karin beinahe nicht mehr aus.

Als Klaus unerwartet von einer Dienstreise nach Hause zurückkommt, packt er seine Eltern und Anna und bringt sie, quasi als letzten Liebesdienst an die Zonengrenze. Damit beginnt für die Hellers ein neuer Lebensabschnitt, den wir leider nicht weiterverfolgen können.

Meine Meinung:

Anhand der Figur Max Heller versteht es Frank Goldhammer perfekt, die Stimmung in der DDR gut einzufangen. Man weiß nie, wer Freund, wer Feind ist. Die Risse gehen durch die Familien.

Doch Max lässt sich nicht beirren. Aus einfachen Verhältnissen kommend, im Ersten Weltkrieg verwundet macht er seinen Weg, auch wenn er steinig und dornig ist. Heller ist integer und biedert sich keiner Seite an, auch wenn ihm dieser Starrsinn häufig Nachteile einbringt. Im Gegenteil, er legt sich mit den herrschenden Regimes an. Sein innerster Antrieb ist das Gefühl für Gerechtigkeit. Und wenn er sieht, wie in den Jugendheimen von 1961 die Kinder und Jugendlichen gebrochen werden, lassen das seine Erinnerungen an die NS-Zeit hochkommen. Wo ist da das soziale, demokratische Deutschland? Andersdenkende werden mundtot gemacht oder verschwinden einfach. Alles schon einmal da gewesen, oder?.

Eine große Stütze ist ihm seine Ehefrau Karin, die ihn gegen den Willen ihrer Eltern geheiratet hat. Beide leiden darunter, dass die Söhne sich auseinanderentwickelt haben. Erich bleibt nach dem Krieg im Westen und Klaus tritt sofort der SED bei und arbeitet bei der Stasi. Wie groß der Einfluss von Klaus ist, bleibt ein wenig im Verborgenen. Max und Karin machen sich so ihre Gedanken. Einerseits scheinen sie ein wenig bevorzugt zu sein, andererseits hängt über ihnen das Damoklesschwert der Bespitzelung. Hier darf der Leser seine eigene Fantasie spielen lassen.

Schade, dass die Reihe nun zu Ende ist und wir den weiteren Lebensweg der Familie Heller nicht weiterverfolgen können.

Fazit:

Ein furioses Ende einer fesselnden Krimi-Reihe aus dem geteilten Deutschland. Gerne gebe ich wieder 5 Sterne.

Veröffentlicht am 31.10.2021

Hat mich nicht überzeugt

Wiener Wind
0

Emil Dvorak kommt dekoriert, aber jeder Illusion beraubt 1918 aus dem Großen Krieg nach Wien zurück. Das Habsburgerreich ist zerfallen und er muss mitansehen, wie der Rumpfstaat seine Bürger im Stich lässt. ...

Emil Dvorak kommt dekoriert, aber jeder Illusion beraubt 1918 aus dem Großen Krieg nach Wien zurück. Das Habsburgerreich ist zerfallen und er muss mitansehen, wie der Rumpfstaat seine Bürger im Stich lässt. Zahllose ausgemergelte Menschen stellen sich um die wenigen verfügbaren Lebensmittel an, während einige wenige den großen Reibach machen.

Emil beschließt, gemeinsam mit seinem Freund Johannes und dessen Lebensgefährtin Karoline die Lebensmittelverteilung in eigene Hände zu nehmen. Der Coup klingt verwegen: Man will die Fuhrwerke, die die Lebensmittel in die Stadt bringen, überfallen und deren Inhalt an die Ärmsten der Armen verteilen. Blöd nur, dass sich das der Schwarzmarktkönig Kocinski nicht gefallen lassen will.

Meine Meinung:

Das Krimi-Debüt Simon Müllauers zeichnet ein düsteres Bild von Wien um 1918. Vom Glanz der Hauptstadt der Monarchie ist wenig übrig geblieben. Die Stadtverwaltung ist, ob der vielen arbeitslosen Menschen, heillos überfordert. Die Versorgung mit Wohnraum und Lebensmitteln liegt in den Händen von wenigen, die sich damit eine goldene Nase verdienen.

Diese Kulisse bietet den Hintergrund zu einem spannenden Krimi. Ich kenne zahlreiche Krimis aus dem oberösterreichischen Verlag „Federfrei“ und weiß um die Intention, fesselnde Krimis österreichischer Autorinnen und Autoren herauszubringen, die maximal 200 Seiten haben sollen. Diese Seitenbeschränkung wird diesem Krimi ein wenig zum Verhängnis, weil ihm, für mein Dafürhalten, ein paar Seiten mehr, gutgetan hätten.


Auffällig ist auch, dass selbst die Ganoven eine gewählte Sprache verwenden. Das passt so gar nicht zum Milieu, in dem der Krimi spielt. Ein Beispiel gefällig:

»Als ich aufwachte und merkte, wie spät es war, da war ich überzeugt, dass eine Observierung nicht mehr zielführend sein würde. Ich hatte sonst nichts zu tun, zu Hause halte ich es untertags nicht aus, also machte ich einen Spaziergang. Erst da fiel mir ein, dass an dem Tag ein Fußballspiel war, das ich mir gerne anschauen wollte. Wie gesagt, es war mit dem Tag sowieso nichts Sinnvolles mehr anzufangen, also dachte ich mir, ich könnte so meine freie Zeit ausfüllen. Als ich beim Stadion ankam, da werden Sie nicht glauben, wer das selbige gerade betrat?«

Mit diesen Worten berichtet ein Handlanger seinem Chef Kocinski - nicht ganz authentisch.


Fazit:

Dem historischen Krimi liegt eine interessante Idee zugrunde, die leider nicht optimal umgesetzt worden ist, daher nur 3 Sterne.

Veröffentlicht am 31.10.2021

Hat mich nicht überzeugt

Goldenes Gift
0

Xavier Kieffer, ehemaliger Haubenkoch, der nun in seiner Heimat Luxemburg nur mehr Bodenständiges auf den Teller bringt, ermittelt nun zum 7. Mal. Diesmal sind er und seine Freundin Valerie Gabin unabhängig ...

Xavier Kieffer, ehemaliger Haubenkoch, der nun in seiner Heimat Luxemburg nur mehr Bodenständiges auf den Teller bringt, ermittelt nun zum 7. Mal. Diesmal sind er und seine Freundin Valerie Gabin unabhängig voneinander gepanschtem Honig auf der Spur. Sie in Amerika, er in Luxemburg, weil der Imker, der die Stadtbienen versorgt, plötzlich tot neben den Bienenstöcken liegt.

Was dann folgt ist eine Art Schnitzeljagd (!) durch die halbe Welt und eine Menge Klischees. Diesmal trifft es vor allem die Chinesen, die ja alles kopieren.

Wieder mit dabei sind Pekka Vatanen, Finne und Liebhaber von mindestens einer Flasche „Rivaner“ pro Tag sowie die luxemburgische Polizistin, die gerne Motorrad fährt. Natürlich wird wie in allen Vorgängern geraucht was die Lunge so hergibt. Muss das wirklich sein? Vor allem das beinahe weinerliche Bedauern, dass in den USA und Europa nirgends mehr geraucht werden darf, in China sei man Gott sei Dank noch nicht so weit.

Dass Honig zu den am häufigsten ge- bzw. verfälschten Lebensmitteln gehört, ist nichts Neues. Das Gerücht von „Killerbienen“ gibt es auch schon ewig. Allenfalls neu ist, dass in den diversen Labors an besonderen Königinnen herumgezüchtet wird.

Fazit:

Dieser Krimi ist mein erster und wird auch mein letzter Krimi rund um Xavier Kieffer sein, denn der Fall wirkt ziemlich an den Haaren herbeigezogen und sympathisch sind weder der Koch noch das andere Personal. Hier gibt es nur 2 Sterne von mir.

Veröffentlicht am 31.10.2021

Hat mich nicht überzeugt

Die unhöfliche Tote
0

Diesmal führt uns die Autorin direkt in den Buckingham Palace. Die Queen ist not amused, dass das Vereinigte Königreich aus der EU ausgetreten ist. Daneben machen ihr ihre Corgies Sorgen. Dann findet Sir ...

Diesmal führt uns die Autorin direkt in den Buckingham Palace. Die Queen ist not amused, dass das Vereinigte Königreich aus der EU ausgetreten ist. Daneben machen ihr ihre Corgies Sorgen. Dann findet Sir Simon Holcroft eine Leiche im königlichen Schwimmbad und die Queen vermisst zu allem Überdruss ein Gemälde. Nun, sie besitzt über 7.000 davon, da käme es auf das eine oder andere nicht an, vor allem, wenn es noch dazu eher hässlich ist, meint Prinz Philipp mit seinem höchst eigenwilligen Humor.

Doch die Queen kann das „Kriminalisieren“ nicht lassen und beginnt heimlich zu ermitteln. Dass sie dabei nicht als Person in Erscheinung treten kann ist klar und so bedient sie sich wieder ihrer Privatsekretärin Rozie, die ihre Erkundigungen einzieht. Dabei stößt Rozie auf einige Ungereimtheiten, die das Leben der Toten betreffen und wird selbst Ziel von Mobbing.

Meine Meinung:

Dieser zweite Fall für die Queen enthält wie schon der erste Fall „Das Windsor-Komplott“ keine unerträgliche Spannung. Stellenweise wirkt das Buch sogar sehr langatmig. Der Einblick in das Leben der Queen ist zwar interessant, aber für den Leser, der einen fesselnden Krimi erwartet, nicht gar so spannend.
Möglicherweise hängt der fade Eindruck mit der Übersetzung zusammen. Schon beim Titel „Die unhöfliche Tote“ hapert es ein wenig - im Original heißt das Buch „A three dog problem“.

Gut gefallen hat mir der typisch britische Humor, der vor allem durch den Herzog von Edinburgh verkörpert wird. Ein witziger Einfall ist auch, die Queen, wie seinerzeit als Kind, in einen Kasten schlüpfen zu lassen und sie somit unsichtbare Ohrenzeugin eines vielsagenden Gesprächs zu werden.

Das jeweilige Cover (Band eins in pink, dieser hier in leuchtendem türkis), passt gut zur farbenfrohen Kleidung der Queen.

Fazit:

Ich finde es schade, dass aus dieser Idee, der ermittelnden Queen, nicht mehr herausgeholt worden ist. Auch diesmal gibt es nur 3 Sterne.