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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.10.2025

Eine klare Leseempfehlung

Der deutsche Tycoon
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Dieser fünfte und möglicherweise, wie der Autor im Nachwort andeutet, letzte Fall für Hardy Engel gibt uns zunächst einen kurzen Rückblick in das Jahr 1920, als Hardy, damals noch als Reinhard Engel in ...

Dieser fünfte und möglicherweise, wie der Autor im Nachwort andeutet, letzte Fall für Hardy Engel gibt uns zunächst einen kurzen Rückblick in das Jahr 1920, als Hardy, damals noch als Reinhard Engel in die USA einwandert und am Pier in New York entscheidende Hilfe von Paul Levy erhält.

1932, Engel ist aktuell ein arbeitsloser Privatdetektiv, als sich die beiden wieder begegnen. Levy, nunmehr Paul Bern, hat es geschafft! Er ist nun einer der mächtigen Filmproduzenten von Metro-Goldwyn-Mayer und Ehemann von Hollywood-von Leinwandikone Jean Harlow (obwohl er eigentlich noch mit einer anderen Frau verheiratet ist).

Paul Bern beschafft Hardy einen lukrativen Job, was sowohl für den Privatdetektiv als auch für seinen besten Kumpel, den Barbesitzer Buck, der bei der Mafia hohe Schulden hat, einen Glücksfall darstellt. Wenig später wird Paul Bern ermordet und Hardy, der für seine Freunde so ziemlich alles tun würde, verbeißt sich in den Mordfall, der als Selbstmord vertuscht werden soll.

Natürlich geht das Ganze nicht ohne Blessuren für Hardy ab. Doch schlimmer ist die Erkenntnis, dass man in Hollywood niemandem trauen kann.

Meine Meinung:

Wie üblich verknüpft Autor Christof Weigold Fakten und Fiktion. Gekonnt stellt er die Schlangengrube Hollywood an den Pranger, die auch vor so manchem mächtigen Mann nicht Halt macht. Ob Bern Suizid beging oder doch einem Mord zum Opfer gefallen ist, ist nach wie vor Anlass für Spekulationen.

Wir begegnen zahlreichen etablierten Hollywood-Größen wie Clark Gable oder solchen, die es später, wie Cary Grant, noch werden sollten. Und ja, die zahlreichen echten oder erfundenen Sex-Affären von Clark Gable & Co machen auch vor Hardy Engel nicht Halt. Hollywood - DER Sündenpfuhl ist gespickt mit zahlreichen Affären zwischen Filmpartnern, ob Mann oder Frau, ungewollte Schwangerschaften, Ehebruch oder Bigamie.

Abermals hat Autor Christof Weigold viel Herzblut in die Recherche gesteckt und einen höchst komplexen Kriminalfall entwickelt. Manchmal ist nicht klar, ob Hardy aus diesem Interessenkonflikt unbeschadet herauskommen wird.
Jedenfalls steht sein Entschluss, dem Intrigantenstadel und Moloch Hollywood den Rücken zu kehren, fest. Wird es ihm gelingen?

Fazit:
Für Fans von komplexen Krimis, in denen gekonnt Fakten mit Fiktion verknüpft werden, ist die Hardy-Engel-Reihe höchst empfehlenswert. Gerne gebe ich hierfür 5 Sterne und hoffe doch auf eine Fortsetzung.

Veröffentlicht am 05.10.2025

Eine Leseempfehlung

Im Bann der Freibeuter
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Johann Christian Lotter entführt uns mit diesem historischen Roman in das 17. Jahrhundert. Als Rahmen dient die bevorstehende Hinrichtung des als Freibeuter verurteilten Richard Kreutzner, der eigentlich ...

Johann Christian Lotter entführt uns mit diesem historischen Roman in das 17. Jahrhundert. Als Rahmen dient die bevorstehende Hinrichtung des als Freibeuter verurteilten Richard Kreutzner, der eigentlich Sohn eines Silberminenbesitzers aus Freiberg in der Mark Meißen ist, und 1697 als 17-Jähriger der väterlichen Tyrannei entkommen ist. Bibliothekar in London wollte er werden. Doch in Hamburg fällt er auf einen Schwindel herein und findet sich auf einem Segler wieder, der anstatt nach London zu segeln auf die lange Reise nach China geht. wenig später wird aus dem ehemaligen Bergknappen ein unfreiwilliger Seemann und Freibeuter.

„Das Leben als Pirat ist anstrengend und der Gesundheit abträglich.”

In New York kommen Richard seine bergmännischen Kenntnisse zugute. Doch es hilft alles nichts. In London macht man ihm gemeinsam mit Captain Kidd und einigen anderen Männern den Prozess wegen Piraterie.

Während Richard Kreutzner mit fünf anderen Männern, darunter einem Mann namens Thursday, auf den Docks von London auf seine Hinrichtung durch den Strang wartet, wittert der Gerichtsreporter und Dichter Daniel Defoe eine spannende Story und lässt sich von Kreutzner die Geschichte seines Lebens erzählen.

Wird er in letzter Sekunde vom König begnadigt werden?

Meine Meinung:

Autor Johann Christian Lotter hat hier einen historischen Abenteuerroman geschrieben, der sich sehr gut lesen lässt. Wir begegnen historischen Personen wie William Kidd, der zunächst mit offiziellem Kaperbrief der englischen Krone ausgestattet, Jagd auf französische Schiffe macht, sowie unter anderem Daniel Defoe, der seinen Lebensunterhalt als Gerichtsreporter bestreitet.

Schon bei der Erwähnung der Namen Thursday und Daniel Defoe sind bei mir Erinnerungen an einen mehrfach verfilmten Lesestoff hochgekommen. Der geneigte Leser kann sich denken, dass es hier um Robinson Crusoe handelt.
Ist schon Defoes Robinson ein Tausendsassa, der angebliche 28 Jahre auf einer einsamen Insel überlebt, so steht ihm Christian Kreutzner in nichts nach. Als Bücherwurm hat er einiges theoretisches Wissen angehäuft und kann dieses nun endlich (?!) in die Praxis umsetzen. So baut er sich aus Holzstücken einen Jakobsstab mit dem er eine recht grobe Ortsbestimmung durchführen kann. Entzückend auch die Liebesgeschichte mit einer indischen Prinzessin, die ihm an Einfallsreichtum und handwerklichen Fertigkeiten ebenbürtig ist. ,

Schmunzeln musste ich, weil Kreutzner als Seemann nur bedingt geeignet ist. Er hat Höhenangst, weshalb das Klettern in den Wanten für ihn ein Albtraum ist und davon befreit wird. Nun ja, das halte ich für ein wenig geschönt und unwahrscheinlich. Genauso wird das harte Leben an Bord ein wenig weichgespült. Ja, es gibt den einen oder andern Seemann, der Richard nicht mit Wohlwollen begegnet. Als Geschützmeister macht Kreutzner seine Sache recht gut.

In den vier Jahren seit seiner Flucht vor dem Vater erlebt Richard mehr Abenteuer als ihm lieb sind. Dass sein Vater ein besonderes Exemplar an Unmenschlichkeit ist, zeigt der Brief, den er an den Sherriff von London schickt in dem erstens seinen Sohn als Piraten bezeichnet und zweitens einen Geldbetrag von neunzig Pfund Sterling und zwei Shilling einfordert.

Interessant ist die Erwähnung der Fahrkunst, einer frühen Variation eines bergmännischen Aufzuges, mit dem die Kumpel in die Stollen und Schächte befördert worden sind.

Fazit:

Diesem gelungenen Abenteuerroman, der sich flott lesen lässt, gebe ich gerne 4 Sterne.

Veröffentlicht am 05.10.2025

Beruht auf wahren Begebenheiten

Die verschwundenen Jahre
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Während der Aufstieg der Nationalsozialisten und der anschließende Zweite Weltkrieg längst Eingang in die Belletristik gefunden haben, so habe ich den Eindruck, der Spanische Bürgerkrieg und die Franco-Diktatur ...

Während der Aufstieg der Nationalsozialisten und der anschließende Zweite Weltkrieg längst Eingang in die Belletristik gefunden haben, so habe ich den Eindruck, der Spanische Bürgerkrieg und die Franco-Diktatur sind (noch) nicht so präsent. Astrid Töpfner schafft hier durch diesen historischen Roman ein wenig Abhilfe.

Marina, die Enkelin der 102-jährigen Clara, ist TV-Journalistin und soll eine Reportage rund um die Exhumierung und neuerliche Beisetzung von Spaniens Diktator Francisco Franco vorbereiten. Noch weiß sie nicht, wie der Bürgerkrieg ihre eigene Familie betroffen hat. Klar ist nur, dass sowohl das Verhältnis zwischen Großmutter Clara und ihrem Sohn Ivo (Marinas Vater) zerrüttet ist als auch ihre eigene Beziehung zum Vater ein gespanntes ist, denn Ivo ist voll Wut. Auf Frauen im allgemeinen, auf seine beiden Ex-Frauen, seine Tochter, auf die Politik und vermutlich auch auf sich selbst. Obwohl Marina in ihrem Job selbstbewusst ist, muss sie sich eingestehen, dass keine ihrer Beziehungen Bestand hat. Hat das alles mit den Ereignissen von 1936 zu tun? Eine Art epigenetisches Trauma?

In den langen Gesprächen mit Clara werden wir in die Zeit ab 1936 zurückkatapultiert, in eine Zeit, die nach wie vor nicht aufgearbeitet worden ist und unsägliches Leid über Spaniens Familien gebracht hat.

Astrid Töpfner pendelt geschickt zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart hin und her. Die Ereignisse von 1936 erzeugen eine Sogwirkung, der man sich kaum entziehen kann. Die Autorin hat penibel recherchiert und erzählt nicht nur über die Grausamkeiten des Regimes sondern auch eine Familiengeschichte, die von verpassten Chancen, Missverständnissen, Neid, Trauer, Liebe, Schuld und Vergebung zerrissen ist.

Der Roman wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, sodass hier eine spannende wie tragische Geschichte, in der nicht klar ist, wer Freund oder Feind ist, entstehen kann.

Die Charaktere sind sehr gut herausgearbeitet. Wie sehr die Ereignisse die Menschen prägen, ist an der Figur Ivo zu sehen. Mit einer Mutter, die vor Trauer um ihren Mann kaum lebensfähig ist, die weil sie als Regimegegnerin gilt, weder Lebensmittelmarken, Arbeit noch eine Witwenrente erhält, kann das Kind Ivo keine gesunde Entwicklung nehmen. In der Schule verachtet und verprügelt, wird er, um weiter nicht aufzufallen, zu einem Opfer der Indoktrination durch Lehrer sowie Mitschüler und zu einem fast fanatischen Anhänger Francos.

Wie schon erwähnt, weiß ich über den Spanischen Bürgerkrieg und seine bis heute bestehenden Nachwirkungen und die immer wieder aufpoppenden Konflikte (ETA, Autonomie- bzw. Abspaltungsbestrebeungen) zu wenig Bescheid. Meine bisherige Lektüre hat sich eher mit den Internationalen Brigaden, der Legion Condor oder der Rolle der Intellektuellen wie Picassos (Stichwort Guernica) beschäftigt. Ich weiß zwar, dass man Familien, die im Verdacht gestanden sind, Regimegegner also Kommunisten und Sozialisten zu sein, die Kinder weggenommen hat, um sie in Klöstern und/oder regimetreuen Familien zu linientreuen Untertanen zu erziehen. Wie viele Kinder betroffen waren und sind, lässt sich nicht genau eruieren, weil der Wille diese Grausamkeiten der Franco-Diktatur aufzuarbeiten, (noch?) nicht vorhanden ist. Es braucht mehr solcher Kriegsenkel wie Marina, die ihre Familientraumata begreifen und verarbeiten wollen.

Fazit:

Dieser historische Roman, der auf wahren Begebenheiten beruht, steht stellvertretend für alle jene Familien, die während und nach der Franco-Diktatur unsägliches Leid erfahren haben. Gerne gebe ich hier 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 05.10.2025

Schatten der Vergangenheit

Das geplünderte Nest
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Erst vor kurzem ist der Ich-Erzähler aus Beirut in seine Heimat nach Alpach in Tirol zurückgekehrt. Im Gepäck hat er zahlreiche Eindrücke des vom Bürgerkrieg geschüttelten Landes, von Toten und Verwundeten, ...

Erst vor kurzem ist der Ich-Erzähler aus Beirut in seine Heimat nach Alpach in Tirol zurückgekehrt. Im Gepäck hat er zahlreiche Eindrücke des vom Bürgerkrieg geschüttelten Landes, von Toten und Verwundeten, verfeindeten Clans und als krassen Gegensatz dazu rauschend Partys, bevor die nächsten Granaten einschlagen sowie einer aktiven Graffiti-Szene. Bei der Bearbeitung des Fotomaterials in seinem, vom Großvater Ludwig geerbten, Haus, erinnert er sich an seine eigene Jugend, in der er selbst als Sprayer unterwegs gewesen ist, und an Hugo Lenz, jenen einarmigen Berliner Maler, der 1944, also lange vor seiner Geburt, nach Alpach gekommen ist und dem man nachsagte, ein Spion zu sein. Später hat Lenz ihn unter seine Fittiche genommen hat, um ihm alles über die Malerei beizubringen. Dazu haben die beiden ausgedehnt Spaziergänge unternommen, bei denen auch Gerüchte über die Rolle Ludwigs in der NS-Zeit zur Sprache gekommen sind.

Als der Ich-Erzähler wenig später den Historiker Martin Reischer kennenlernt, der über Partisanen in Tirol schreibt, muss er sich wohl oder übel mit der Vergangenheit seines Großvaters, der Aufseher im nahe gelegenen Kriegsgefangenenlager gewesen sein soll. Hat er mit dem Verschwinden des ukrainischen Gefangenen Artem zu tun?

Meine Meinung:

Autor Robert Prasser schickt in diesem interessanten Roman einen Enkel (den Ich-Erzähler) auf die Spuren seines Großvaters und dessen Rolle im Zweiten Weltkrieg. Wie häufig, wurde in den Familien nicht über die NS-Zeit gesprochen. Sei es, dass man von der Verfolgung betroffen oder daran beteiligt war.

Mir hat der Roman recht gut gefallen. Leider greift Robert Prasser zur modernen Unsitte, keine Redezeichen bei der direkten Rede zu verwenden.

Spannend zu lesen ist, wie der Ich-Erzähler langsam, in die Vergangenheit des Großvaters eintaucht, um Gerüchte Halbwahrheiten und Tatsachen zu erfahren, die Auswirkungen bis in seine aktuelle Gegenwart haben.

Fazit:

Gerne gebe ich dieser interessanten Spurensuche, die so oder so ähnlich häufig vorkommt, 4 Sterne.

Veröffentlicht am 05.10.2025

Hat mich nicht ganz überzeugt

Festlich morden
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24 weihnachtliche Kurzkrimis sind wie Vanillekipferl oder Anisbögen in einer Keksdose. Einzeln köstlich, wenn man zu viele davon nascht, ist man leicht übersättigt.

So ähnlich ist es mir hier ergangen. ...

24 weihnachtliche Kurzkrimis sind wie Vanillekipferl oder Anisbögen in einer Keksdose. Einzeln köstlich, wenn man zu viele davon nascht, ist man leicht übersättigt.

So ähnlich ist es mir hier ergangen. Einzelne Krimis habe ich gut bzw. witzig gefunden, andere hätten ohne die weihnachtliche Verbrämung zu jeder Jahreszeit an jedem Ort stattfinden können, wie z.B. jener mit den Lovescammern, die sich an einsame ältere Frauen heranmachen. Manche bedienen Klischee und andere wiederum bilden die zwischenmenschlichen Beziehungen, die sich manchmal zu Abgründen verwandeln, ab.

Anerkennen muss wieder, dass es gar nicht so leicht ist, auf nur wenigen Seiten, eine spannende Geschichte zu schreiben. So haben Krimi-Koryphäen wie Volker Kutscher, Tatjana Kruse oder Jennifer B. Wind einen Beitrag geleistet.

Leider hat mir diese Sammlung von Festtagskrimis nicht so ganz gefallen, so dass es nur für 3 Sterne reicht.