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Venatrix

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Veröffentlicht am 19.09.2020

Vom unbedingten Willen zu überleben

Der Aufstand von Treblinka
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Der polnische Journalist Michał Wójcik erzählt vom Aufstand der jüdischen Häftlinge im deutschen Vernichtungslager Treblinka im August 1943.

Dieser Lager, rund 80 km nördlich von Warschau gelegen, ist ...

Der polnische Journalist Michał Wójcik erzählt vom Aufstand der jüdischen Häftlinge im deutschen Vernichtungslager Treblinka im August 1943.

Dieser Lager, rund 80 km nördlich von Warschau gelegen, ist von Beginn an als reines Vernichtungslager angelegt - ca. 900.000 Menschen werden hier unter dem Code „Aktion Reinhardt“ umgebracht. Selbst für die arbeitsfähigen Deportierten gibt es nur eine kurze Überlebensphase. Sie wurden lediglich für die Sortierarbeiten von geraubten jüdischen Vermögen, wie schon ihre Bezeichnung „Goldjuden“, „Schuhjuden“ oder Kleiderjuden beweist, benötigt. Keiner konnte sich sicher sein, bei der Ankunft des nächsten Zuges nicht selbst in die Gaskammer geschickt zu werden - jeder ist leicht ersetzbar.

Die Augenzeugenberichte der wenigen Überlebenden berichten von besonders grauenvollen Erlebnissen. So sind die Knochen der Ermordeten zu feinem Knochenmehl zermahlen und gemeinsam mit Zement als Straßenbelag verwendet worden. Das klingt einfach so grausam, dass man es kaum glauben kann. Diese und ähnliche Ereignisse sind vermutlich auch daran schuld, dass die Engländer, die von den Gräueltaten gewusst haben, diese nicht glauben konnten.

Um dieser Vorhölle zu entkommen haben mehrer Ausbruchsversuche stattgefunden, die alle schon im Anfangsstadium gescheitert sind. Denn ohne Hilfe von außen, von der Bevölkerung der umliegenden Gehöfte ist ein Gelingen nicht möglich. Zudem wissen die Drahtzieher nie, ob sich unter den Verschwörern nicht doch ein Spitzel ist, der für einen Teller Suppe das Vorhaben verraten würde. Im August 1943 ist es dann soweit: Eine kleine Gruppe Entschlossener, teils mit militärischer Ausbildung aus dem Großen Krieg, haben kleinweise Waffen aus den Depots beiseitegeschafft und wagen den Aufstand. Und der gelingt! Rund 250 der 800 Lagerinsassen schaffen es, zu entkommen. Vieles ist improvisiert.

Doch damit ist ihre Flucht noch nicht zu Ende, denn einige polnische Partisanengruppen machen ebenso Jagd auf die Juden wie die Nazi-Schergen selbst. Hier widerspricht der Autor dem tradierten Geschichtswissen seiner Landsleute, die sich „ihren“ Anteil am Gelingen des Aufstandes in Treblinka auf ihre Fahnen heften.
Es stellt sich die Frage, warum nicht mehr aus dem Lager geflohen sind. Der Autor begründet das nicht nur mit der allgemeinen körperlichen Schwäche, sondern auch damit, dass nur ganz wenige in den Aufstand eingeweiht waren. Taktisches Geschick, das für eine solche beinahe militärisch anmutende Operation nötig ist, hat man den Juden ja seit Jahrzehnten abgesprochen. Die meisten sind gar nicht in der mentalen Lage, die Möglichkeit zu erfassen. Sie sind geknechtet, demoralisiert und nehmen sich selbst (fast) nicht mehr als Menschen wahr, sondern nur als dem Tod geweihte Masse.

Obwohl ich schon viele Bücher über die Shoa gelesen habe, war mir dieser Aufstand nicht bekannt. Es scheint, als würden es nicht einmal die Historiker so genau wissen (wollen). Ob dies an der Rolle der polnischen Partisanen und der nachfolgenden Politik der Warschauer Pakt-Staaten liegt?

Michał Wójcik hat jenen rund 100 Insassen, die Treblinka überlebt haben, nachgespürt. Einige von ihnen, wie Chil Rajchman oder Samuel Willenberg haben Erinnerungen hinterlassen, die Grundlage für dieses Buch sind. Allerdings lässt sich der Aufstand mangels weiterer, anderer Quellen nicht mehr rekonstruieren. Vielleicht gibt es noch Dokumente oder Berichte, die (noch?) tief in unzugänglichen Archiven schlummern. Und das ist gleichzeitig auch die Schwäche dieses Buches: Der Autor hat ausschließlich polnische Quellen benutzt, die im Anhang (samt deutscher Übersetzung) genannt sind
Das wundert mich ein wenig, denn die Ergebnisse der neueren (deutschen) Forschung sowie Gerichtsakte sollten eigentlich zur Verfügung stehen.

Dennoch gebe ich diesem Buch volle 5 Sterne, denn Michał Wójcik hat den Menschen, die im August 1943 alles riskierten, ein Denkmal gesetzt.

Veröffentlicht am 19.09.2020

Nicht ganz so gut wie der Vorgänger

El Gustario de Mallorca und das tödliche Gemälde
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Sven Ruge, Gastro-Kritiker und Privatermittler, trifft auf Sara Füssli, eine reiche Industriellentochter. Sven verliebt sich in die Schweizerin zeigt ihr die Insel und versucht ihr bei der Spurensuche ...

Sven Ruge, Gastro-Kritiker und Privatermittler, trifft auf Sara Füssli, eine reiche Industriellentochter. Sven verliebt sich in die Schweizerin zeigt ihr die Insel und versucht ihr bei der Spurensuche nach ihren Großeltern zu helfen. Die haben 1940, um der Deportation nach Nazi-Deutschland zu entgehen, Selbstmord begangen. Das erzählt sie zumindest. Doch bald kommen Sven erste Zweifel an Sara und ihrer Geschichte. Denn während er jeder noch so kleinen Spur nachgeht und seinen weitläufigen Bekanntenkreis nach Informationen abklappert, bleibt die vorgebliche Enkelin erstaunlich untätig. Als dann Sara dann noch verdächtigt wird, einen Mann vor einen Lastwagen gestoßen zu haben, erkennt Sven, dass Sara nicht unbedingt diejenige sein kann, für die sie sich ausgibt. Und dieser Tote wird nicht der Einzige bleiben.

Meine Meinung:

Dieser dritte Krimi um Sven Ruge, ist ein wenig anders als seine Vorgänger.
Insgesamt gibt es drei Handlungsstränge, die durch ein bestimmtes Bild, einen Beckmann, der einst im Besitz Saras Großeltern war, verknüpft ist. Da ist zum einem die historische Handlung und zwei Stränge, die in der Gegenwart spielen. Sara und ihre Suche nach dem Bild und ein chinesischen Sammler, der das Kunstwerk um jeden Preis haben will, aber im Dunklen bleibt.

Sehr gut gefallen hat mir die Rückschau in das Jahr 1940 bei der die politische Situation - hier die Franco-Dikatur in Spanien und dort Nazi-Deutschland - eine große Rolle spielt. Dieser Blick in die Vergangenheit bildet sozusagen den Kern des Krimis. Die Verzweiflung von Sara Füsslis Großeltern, die Wertsachen um Wertsachen verkaufen müssen, um gültige Ausreisevisa zu erhalten, um dann von einem Mitarbeiter des deutschen Konsulats betrogen zu werden, ist deutlich greifbar.
Nicht ganz so greifbar ist die Story, die Sara Füssli so erzählt. Ich hatte schon recht bald das Gefühl, dass mit der jungen Frau etwas nicht stimmt, und habe in allen Punkten recht behalten. In diesem Zusammenhang erscheint der sonst so toughe Sven Ruge ziemlich naiv. Okay, er hat sich verliebt und sieht Sara durch die rosarote Brille. Leider lässt ihn sein Instinkt diesmal in Stich, auch wenn er sich über den mangelnden Eifer an der Suche ihrer Großeltern und ihre Stimmungsschwankungen wundert.

Stellenweise plätschert der Krimi nur so dahin. Auch die Besuche in den Restaurants mit den köstlichen Speisen, die in den Vorgängern das Wasser in meinem Mund zusammenlaufen haben lassen, lesen sich irgendwie verwässert. Niemals hatte ich den Wunsch, unbedingt von der gebratenen Seezunge essen zu wollen, auch wenn sie noch groß und über den Tellerrand hängend, beschrieben worden ist. Diesmal hat mir ein wenig die Raffinesse der mallorquinischen Küche gefehlt. Wo bleibt hier der empfindliche Gaumen des wackeren Gastrokritikers Sven? Das habe ich von Brigitte Lamberts schon spritziger, interessanter gelesen.

Fazit:

Als entspannende Urlaubslektüre - gerne auch auf Mallorca - ist dieser Krimi durchaus passend. Mich persönlich hat er nicht ganz überzeugt. Diesmal reicht es leider nur für 3 Sterne.

Veröffentlicht am 19.09.2020

Noh einmal davongekommen

Tod auf Bewährung
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Das ist die Autobiografie einer Frau, die nach einer Fehldiagnose mehrere Zyklen Chemotherapie über sich ergehen lassen musste. Mit viel Glück hat sie die „Behandlung“ überlebt.

Die Conclusio aus diesem ...

Das ist die Autobiografie einer Frau, die nach einer Fehldiagnose mehrere Zyklen Chemotherapie über sich ergehen lassen musste. Mit viel Glück hat sie die „Behandlung“ überlebt.

Die Conclusio aus diesem Buch ist, vor allem bei einer so schockierenden Diagnose, unbedingt eine zweite Meinung einzuholen. Dabei sollten die Erstbefunde nicht vorgezeigt werden. Denn die würden einem weiteren Gutachten nur im Wege stehen.

Veröffentlicht am 15.09.2020

Eine humorvolle Autobiografie

Duschen und Zähneputzen – Was im Leben wirklich zählt
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Der deutsche Schauspieler Robert Atzorn, den die meisten als „Unser Lehrer Dr. Specht“ bzw. als Kommissar aus „Nord Nord Mord“ kennen, hat diese sehr persönliche Autobiografie vor allem für seine Enkel ...

Der deutsche Schauspieler Robert Atzorn, den die meisten als „Unser Lehrer Dr. Specht“ bzw. als Kommissar aus „Nord Nord Mord“ kennen, hat diese sehr persönliche Autobiografie vor allem für seine Enkel geschrieben. Obwohl er anfänglich von dieser Idee nicht wirklich begeistert war, ist sie ihm sehr gut gelungen.

Er schildert sein Leben, seine Ehen und seine Karriere sehr offen und schreckt auch nicht davor zurück, Fehler, Zweifel und eigene Unzulänglichkeiten bekannt zu machen.

Besonders liebenswert ist, dass seine zweite Frau Angelika ihre eigenen Gedanken in diesem Buch einbringen konnte.

Der Schreibstil ist schnörkellos und erfrischen echt, so als säße der Schauspieler seinen Leser gegenüber und erzählte höchstpersönlich.

Gut gelungen und eher ungewöhnlich ist der Abdruck Atzorns handschriftlicher Notizen auf den Vorsatzblättern. Einige liebevoll ausgewählte Fotos ergänzen diese Autobiografie, der ich gerne 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 15.09.2020

Toller Auftkat einer neuen Krimi-Reihe

Der falsche Preuße
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Dieser historische Krimi ist der Auftakt zu einer neuen Krimi-Reihe. Zentrale Figur ist der Ermittler und Offizier Wilhelm Freiherr von Gryszinski. Wie leicht aus dem Namen zu erkennen, kein waschechter ...

Dieser historische Krimi ist der Auftakt zu einer neuen Krimi-Reihe. Zentrale Figur ist der Ermittler und Offizier Wilhelm Freiherr von Gryszinski. Wie leicht aus dem Namen zu erkennen, kein waschechter Bayer, sondern ein Preuße. Als Sonderermittler soll er die königlich bayerische Polizei ein wenig modernisieren. Weg vom Herausprügeln eines Geständnisses, sondern hin zu ZDF (Zahlen, Daten und Fakten) wie er es bei seinem Lehrmeister Hans Groß in Graz gelernt hat.

Der Fall an sich beginnt recht normal: Man findet die Leiche eines stadtbekannten Bierbeschauers am Ufer der Isar. Ungewöhnlich ist allerdings der kostbare Umhang aus Federn, in den die Leiche gehüllt ist und der Abdruck eines einzelnen Fußabdrucks eines Elefanten. Wilhelm Freiherr von Gryszinski kommt auf der Suche nach dem Täter einer Verschwörung biblischen Ausmaßes auf die Spur und steht vor der Entscheidung, seine Ehre als bayerischer Beamter oder als preußischer Offizier aufgeben zu müssen. Wie wird er sich entscheiden?

Meine Meinung:

Autorin Uta Seeberg ist in ihrem Krimi gelungen, das ewige Spannungsfeld Bayern versus Preußen gut darzustellen. Auch dem heute altmodisch anmutenden Begriff von „Ehre“, sei es als Beamter oder sei es als Offizier schenkt sie gebührende Aufmerksamkeit.
Sehr gut ist das München um 1900 beschrieben. Da fährt Gryszinski mit der Pferdetramway zu den Ermittlungen. Er sammelt Informationen und benützt das bei Hans Groß gelernte Wissen, um auf wissenschaftliche Weise seinen Fall zu lösen. Die Autorin hat hier penibel recherchiert und stellt jedem Kapitel ein Zitat aus Hans Groß‘ Lehrbuch der Kriminalistik voran.

Dass Gryszinski dabei dem einen oder anderen gut vernetzten Bürger auf die Zehen tritt, versteht sich von selbst. Das führt dazu, dass sich der Ermittler, der ein Mann der Wissenschaft ist, gleich einmal duellieren muss, obwohl dies eigentlich verboten ist. Dennoch drückt die Obrigkeit hier gerne zwei bis drei Augen zu, wenn es um den Ehrbegriff geht.

Gut gefällt mir, dass wir einen Polizisten vor uns haben, der ein intaktes Familienleben besitzt. Er ist kein vom Leben zerstörter Mensch wie so manch anderer Ermittler. Mit dem Charakter des Wilhelm Freiherr von Gryszinski ist der Autorin ein sympathischer Protagonist gelungen. Doch auch alle anderen für die Geschichte relevanten Figuren wirken auf den Leser authentisch. Sie sind mit viel Liebe ins Detail von Uta Seeburg ausgearbeitet worden.

Durch einige unerwartete Wendungen bleibt der Krimi bis zum Ende spannend.
Gut gelungen ist auch der Epilog, in dem die Autorin den interessierten Leser aufklärt, was Fakt und/oder Fiktion ist. Der Stadtplan von München auf den Vorsatzblättern erleichtert allen jenen, das historische München nicht so gut, auf den Wegen von Wilhelm Freiherr von Gryszinski zu wandeln.

Fazit:

Ein tolles Krimi-Debüt, das sich 4 Sterne und eine Leseempfehlung verdient hat.