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Venatrix

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Veröffentlicht am 25.07.2020

Ein toller biografischer Roman

Die Dirigentin
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Kaum jemand kennt den Namen Antonia Brico, dabei steckt eine äußerst interessante Persönlichkeit dahinter. Mit diesem biografischen Roman hat die niederländische Autorin Maria Peters einer zu ihren Lebzeiten ...

Kaum jemand kennt den Namen Antonia Brico, dabei steckt eine äußerst interessante Persönlichkeit dahinter. Mit diesem biografischen Roman hat die niederländische Autorin Maria Peters einer zu ihren Lebzeiten verkannten Frau ein großartiges Denkmal gesetzt.

Wer ist sie nun, diese Antonia Brico?

Wir begegnen der bereits erwachsenen jungen Frau, die als Willy Wolters, mit ihren Eltern in einer kleinen Wohnung in New York lebt, und seit ihrem 5. Lebensjahr den unbändigen Drang nach Musik verspürt. Ihr Vater, ein Müllmann hat ein ausrangiertes Klavier organisiert, dessen Lautstärke sie mit Fetzen dämpft und auf dem sie stundenlang übt. Während üblicherweise Eltern die musikalischen Begabungen ihrer Kinder fördern, verhält sich vor allem die Mutter reserviert und nicht gerade liebevoll. Um ihrer Liebe zur Musik frönen zu können, ist ihr fast jedes Mittel Recht. So nützt sie ihren Job als Platzanweiserin in Musiktheater, um den großen Dirigenten und Orchestern nahe zu sein. Sie verliert den Job, aber inzwischen hat sich der Wunsch, Dirigentin zu werden, in ihrem Kopf und Herzen manifestiert. Sie verschweigt ihrer Familie, dass sie sich auf die Zulassungsprüfung für das Konservatorium vorbereitet. Die geldgierige Mutter entdeckt ihr Geheimnis
und beim anschließenden Streit ums liebe Geld, wirft Frau Wolters Willy an den Kopf, dass sie eigentlich Antonia Brico heißt und ein Adoptivkind ist. Genaueres erfährt sie vorerst nicht. Im Zuge ihrer Recherchen entdeckt sie, dass die Wolters ihre eine Menge Lügen aufgetischt haben.

Der endgültige Bruch ist unausweichlich und zielstrebig arbeitet sie an ihrer Ausbildung als Dirigentin. Dabei hat sie mit Ablehnung, Spott, anmaßenden Bemerkungen und sexistischen Übergriffen, zu kämpfen. Ihr steiniger Weg führt sie in die Niederlande, dann nach Deutschland und schließlich wieder zurück in die USA. Doch trotz abgeschlossenen Studiums muss sie sich ihren Platz erst mühsam erarbeiten. Während sie in Europa immerhin als „Kuriosität“ ge- und behandelt wird und dirigieren darf, hat sie in den USA doppelt schwer. Dabei heißt es doch immer „Amerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten“. Das gilt vermutlich nur, wenn man weiß und männlich ist.

Doch Antonia hat nicht nur Widersacher, sie hat auch Freunde und Fürsprecher, die sie unterstützen. Eine Audienz bei Amerikas First Lady, Eleanor Roosevelt, gibt Antonia Auftrieb. Mit den Worten „Machen Sie, was Ihnen Ihr Herz sagt, denn Kritik gibt es so oder so“, macht diese Antonia Mut.


Meine Meinung:

Ich bin fasziniert von diesem biografischen Roman über eine Frau, die allen Widrigkeiten zum Trotz unbeirrbar ihren Weg gegangen ist. Dafür kann ich Antonia Brico nur ehrfürchtig und voller Demut begegnen. Ich habe ja selbst einen von Männern dominierten Beruf und weiß, wie schwer es ist, sich durchzusetzen. Aber zwischen Antonia Bricos und meiner eigenen Berufsausbildung liegen rund 60 Jahre (und ein Weltkrieg), in denen sich doch einiges getan hat.

Dennoch, eine Frau am Pult (dem Dirigentenpult nämlich) gilt auch 2020 immer noch als Sensation und wird in den Medien als Ausnahmeerscheinung gehandelt. Der Beruf des Dirigenten gehört zu den letzten Männerbastionen unserer Gesellschaft. Nur sehr langsam bröckelt dieser Mythos. Inzwischen gibt es mehr als 90 Dirigentinnen im Orchesterbereich. Ich kann mich gut an die Diskussion bei den Wiener Philharmonikern in den 1990er Jahren erinnern, die keine Frauen als Musikerinnen aufnehmen wollten. Die Argumente mehr als faden- und scheinheilig: Frauen brächten Unruhe ins Orchester und störten den optischen Gesamteindruck durch individuelle Kleidung (???) als hätte man noch nie etwas von Uniformen gehört. Nun, seit 1997 ist das auch vorbei und derzeit sind rund 20 Musikerinnen in diesem wunderbaren Orchester zu hören. Frauen sind zwar immer noch unterrepräsentiert, aber gut Ding braucht eben Weile und einen langen Atem.

Meine Vision ist: Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker dirigiert von einer Frau.

Doch zurück zu diesem Buch. Maria Peters hat einen wunderbaren biografischen Roman verfasst. Aus mehreren Perspektiven wird Antonias Geschichte erzählt. Es kommen neben der Dirigentin noch ihr Freund Robin, der selbst ein streng gehütetes Geheimnis mit sich herumschleppt und Frank zu Wort. Zu Beginn wird Antonia noch als „Willy“ bezeichnet, dann später, als „Antonia“. Jede beleuchtet seinen Standpunkt, seine Sicht auf Antonia. So gelingt es, eine schöne, runde Vorstellung der Antonia Brico zu erhalten. Nicht verschwiegen werden die bigotte Einstellung der Menschen dieser Zeit. Sei es die Haltung der Klöster egal welcher Konfession oder die Einstellung Frauen im Allgemein und Antonia gegenüber im Besonderen.

Maria Peters Schreibstil ist eindringlich eingängig. Sie deutet Manches nur an, besonders, wenn die Gefahr bestünde, ins Kitschige abzugleiten. Die Charaktere sind allesamt sehr plastisch beschrieben, vor allem auch, wenn die eine oder andere Figur durch die eigene Oberflächlichkeit, ein besonders Ekel ist. Eine extrem unsympathische Figur ist die „Klimpermutter“ - Antonias Adoptivmutter - berechnend, geizig und geldgierig.

Das Buch ist in Zusammenarbeit mit Rex Brico, Antonias Cousin entstanden. Zuvor hat die Autorin einen Film über Antonia Brico gedreht. Das Bild auf dem Cover ist eine Szene daraus.

„Meine Füße spüren die Erde, die Hände den Takt, die Ohren hören die Musik, die Augen verfolgen die Noten, meine Aufmerksamkeit gilt den Musikern, meine Seele gehört dem Komponisten. Kurz vergesse ich, wem mein Herz gehört. Ich bin siebenundzwanzig. Ich stehe vor den weltberühmten Berliner Philharmonikern, und das ist meine Weltpremiere.“ (S. 240)

Sehr interessant sind auch das Nachwort und die Liste mit weiterführende Literatur.

Fazit:

Ein wunderbarer biografischer Roman und eine Hommage an eine Frau, die an sich selbst geglaubt hat. Leider ist ihr der ganz große Durchbruch und Erfolg versagt geblieben. Das Buch erhält 5 Sterne und eine unbedingte Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 23.07.2020

"Bei Lotus werde ich Weltmeister oder ich bin tot"

Jochen Rindt
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Am 5. September jährt sich der tödliche Unfall des gebürtigen Mainzers und mit österreichischer Rennlizenz fahrenden Jochen Rindt zum 50. Mal. Im Alter von nur 28 Jahren verunfallt Rindt auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke ...

Am 5. September jährt sich der tödliche Unfall des gebürtigen Mainzers und mit österreichischer Rennlizenz fahrenden Jochen Rindt zum 50. Mal. Im Alter von nur 28 Jahren verunfallt Rindt auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke in Monza in seinem Lotus tödlich. Seinen WM-Titel gewann er am Ende der Saison dennoch, da Jochen Rindt mit ein nicht mehr einholbaren Punktevorsprung vor seinem Konkurrenten Jacky Ickx führte.

Dieses Buch ist eines von vielen, das aus diesem Anlass erscheint bzw. neu aufgelegt ist. Zahlreiche imposante Fotos von Rennstrecken aus aller Welt und einfühlsame Texte, in denen Weggefährte wie Helmut Marko, Jackie Stewart oder Niki Lauda zu Wort kommen, versuchen dem Phänomen Jochen Rindt (zumindest ein bisschen) auf den Grund zu gehen.

Ferdi Kräling nimmt uns zurück in die höchst gefährliche Zeit des Motorsports. Als die Rennfahrerfrauen eine Garnitur schwarzer Kleidung im Gepäck hatten. Man wusste vor dem Rennwochenende nie, wer es benötigen sollte. Wenn man sich die Fotos in diesem Buch ansieht, dass Strohballen nahezu die einzige Absicherung am Streckenrand darstellten, weiß man, dass die tödliche Gefahr immer und über all lauerte.

Dieses Buch soll und kann keine Biografie sein, sondern beleuchtet das kurze Leben eines Rennfahrers, der sich am Ende der Rennsaison 1970 vom aktiven Motorsport zurückziehen wollte.

Jochen Rindts salopp dahin gesagte Prophezeiung „Bei Lotus werde ich Weltmeister oder ich bin tot“ hat sich am 5. September 1970 in zweifacher Hinsicht erfüllt.

Veröffentlicht am 23.07.2020

Ein gelungener Regional-Krimi

Mühlviertler Grab
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Das ist meine erste Begegnung mit Chefinspektor Oskar Stern, obwohl es bereits zwei Vorgänger gibt. Wie konnte mir dieser Ermittler bisher durch die Lappen gehen?

Sei es wie es sei - schauen wir einmal ...

Das ist meine erste Begegnung mit Chefinspektor Oskar Stern, obwohl es bereits zwei Vorgänger gibt. Wie konnte mir dieser Ermittler bisher durch die Lappen gehen?

Sei es wie es sei - schauen wir einmal worum es geht:
Innerhalb von wenigen Tagen werden auf dem St. Oswalder Friedhof zwei männliche Leichen in einer Art „Büßerstellung“ auf dem Grab der vor einem Jahr tödlich verunglückten Paula Eckinger gefunden. Einmal könnte ja Zufall sein, aber zweimal? Und, welcher Kriminalist glaubt schon an Zufälle?

Haben die beiden Toten etwas mit dem Autounfall bei dem Paula starb, etwas zu tun? Es soll ja dem Fahrer, Paulas Ehemann, ein SUV entgegen gekommen sein, der in zu dem fatalen Ausweichmanöver gezwungen hat, der Paula ins Grab und ihn persönlich in den Rollstuhl katapultiert hat.

Oskar Stern und sein Team gehen allen möglichen und unmöglichen Spuren nach. Obwohl der Chefinspektor seinen Leuten immer predigt, nur Zahlen, Daten und Fakten hätte Bestand, hört er selbst gerne auf sein Bauchgefühl und das nicht nur dann, wenn sein Magen vor Hunger knurrt.

So verbeißt sich der Chef ein wenig in den Eckinger und findet heraus, dass - nein das verrate ich jetzt nicht.

Meine Meinung:

Dieser Regionalkrimi spielt in der Nähe von Freistadt, einem malerischen Städtchen in Oberösterreich. Die Leute des Mühlviertels werden oft missverstanden und als „Sturschädel“ verunglimpft. Nein, alles nicht wahr. Aber, man wird doch auf seiner Meinung beharren dürfen, oder? In diesem Krimi lernen wird die gute und deftige Hausmannkost kennen, der Oskar Stern so gerne zuspricht. Ach ja, und das Mühlviertler Bier bitte nicht vergessen.

Dass Stern auch eine andere, eine weiche Seite hat, zeigt sich unter anderem, dass er sich um die Zukunft zweier Teammitglieder sorgt, die demnächst den Stand der Ehe eingehen wollen, und deswegen aus dienstrechtlichen Gründen, einer der beiden das LKA Oberösterreich verlassen muss.

Die Spannung bleibt bis zum Schluss erhalten, denn wenig ist, wie es scheint.

Mir hat der Ausflug ins Mühlviertel gefallen. Der Krimi taugt so richtig zum Entspannen nach einer ausgiebigen Wanderung durch die hügelige Landschaft. Bei einem Krügel Bier (= großes Bier, 0,5 l) und einem zünftigen Mostbratl, lassen sich Urlaub und Krimi wahrlich genießen.

Fazit:

Die beiden Vorgänger „Mühlviertler Blut-1“ und „Mühlviertler Rache-2“ warten schon darauf, gelesen zu werden. Gerne gebe ich diesem ersten Rendezvous mit Oskar Stern 5 Sterne.

Veröffentlicht am 22.07.2020

Penibel recherchiert und grandios erzählt

Eine Liebe zwischen den Fronten
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Punktgenau zum 150. Jahrestag der Kriegserklärung Frankreichs an Preußen am 19. Juli erscheint Marie W. Peters akribisch recherchiertes und authentisch erzählter historischer Roman.

Man schreibt das ...

Punktgenau zum 150. Jahrestag der Kriegserklärung Frankreichs an Preußen am 19. Juli erscheint Marie W. Peters akribisch recherchiertes und authentisch erzählter historischer Roman.

Man schreibt das Jahr 1870. In Frankreich herrscht Kaiser Napoleon III. und in Deutschland also Preußen König Wilhelm I.. Beide Herrscher sind einander nicht grün und es genügt ein kleiner Funke, den seit Jahrhunderten schwelenden Konflikt neu zu entfachen. Die sogenannte „Emser Depesche“, jene halbherzige Verzichtserklärung der Hohenzollern auf den gerade aktuell vakanten Thron in Spanien, ist genau jener Funke, der am 19.07.1870 das Pulverfass zur Explosion bringt.

Es ist just jener Tag, an dem sich der junge, preußische Stabsarzt Paul von Gerlau mit der Französin Madeleine Téllier, Tochter seines Freundes und Ausbildner als Arzt Albert, verloben will. Wenige Minuten vor der alles entscheidenden Frage trifft der Befehl zur Generalmobilmachung ein und die Verlobung nebst Feier fällt aus.

Denn eine Liebe und Verbindung zwischen Vertretern der beiden Krieg führenden Staaten ist ab sofort unmöglich.

Schonungslos erzählt die Autorin die Geschichte von Paul und Madeleine, die von den Ereignissen überrollt werden. Doch damit nicht genug, zerreißt es die Familie Téllier beinahe. Clotilde, die monarchistisch Mutter, die nur auf ihre eigene Bequemlichkeit achtet, steht sowohl Madeleine als auch ihrem Sohn Clément ablehnend gegenüber. Clément hat sich der Revolution verschrieben und will die Wiederherstellung der Republik mit allen Mitteln.
Die Familie Téllier schließt noch Djamila, ein algerisches Dienstmädchen mit ein, das sich größte Sorgen um ihren Bruder Karim macht, der in Frankreichs Armee dient.

Diese höchst unterschiedlichen Charaktere verkörpern auch die Handlungsstränge bzw. Gesinnungen. Immer wieder wechselt Maria W. Peter von der Perspektive des einen in die eines anderen. Sie lässt dabei weder das Grauen auf den Schlachtfeldern und später in den Lazaretten noch das Leiden der Zivilbevölkerung im Elsass bzw. in Lothringen aus.

Wie wir es von der Autorin gewöhnt sind, erteilt sie Geschichtsunterricht, ohne dass der Leser hiervon etwas merkt. Zahlen, Daten und Fakten sind elegant mit der Handlung verwoben. So mag ich das!

Fazit:

Ein dramatischer historischer Roman um eine Liebe, die nicht sein darf, und einen Krieg, der Frankreich und Deutschland in den Abgrund reißt und den Keim für weitere Kriege legt. Gerne gebe ich diesem penibel recherchierten Roman 5 Sterne und eine unbedingte Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 22.07.2020

Eine gelungene Fortsetzung

Totenwelt
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Dieser Krimi ist die Fortsetzung von „Totenland“ und folgt in knapper zeitlichen Abfolge. Es sind die Tage rund um den 8. Mai 1945 und die Regierung unter Admiral Dönitz sitzt in Flensburg glaubt, sich ...

Dieser Krimi ist die Fortsetzung von „Totenland“ und folgt in knapper zeitlichen Abfolge. Es sind die Tage rund um den 8. Mai 1945 und die Regierung unter Admiral Dönitz sitzt in Flensburg glaubt, sich mit den Briten und Amerikanern arrangieren zu können.

Es geht so ziemlich alles drunter und drüber. Niemand will nun dem verbrecherischen Regime angehört haben. Selbst die dicksten Nazis versuchen ihre Uniformen, Orden (auch wenn es schwer fällt) und sonstiger verdächtiger Insignien loszuwerden. Es werden einerseits Dokumente und Akten vernichtet und andererseits werden für die alten Nazis neue Pässe und Urkunden ausgestellt. Man rafft, was man an Wertsachen an sich raffen kann und versucht über dunkle Kanäle Deutschland zu verlassen. Denn langsam wird auch den Dümmsten klar, dass die Verbrechen des Regimes nicht unbemerkt geblieben sind und die Alliierten zur Jagd auf die Nazis blasen werden.

Inspektor Jens Druwe, selbst im Besitz einer Liste hochrangiger Nazis und deren neuer Existenzen, wird aufgefordert eine Polizei aus unbelasteten Männern zu bilden. Doch das ist beinahe ein Ding der Unmöglichkeit.

Dennoch bemüht sich der zerrissene Ermittler, der seit jeher mit Regime gehadert hat, was ihm die Versetzung in ein Strafbataillon und den Verlust der rechten Hand eingebracht hat, einige seiner früheren Kollegen ausfindig zu machen.

Doch dann gerät er zwischen die Mahlsteine von konkurrierenden britischen Diensten...

Damit ist die Brücke zum ersten Band vollends gelungen. Wem kann er noch trauen? Unerwartete Hilfe erhält durch Regimekritiker, die mit Müh‘ und Not sowie noch mehr Glück, überlebt haben.

Meine Meinung:

Michael Jensen ist wieder ein äußerst fesselnder Krimi gelungen. Seine Darstellung dieser Übergangszeit, wo ein paar Tage lang das Recht des Stärkeren geherrscht hat, ist sehr gut beschrieben. ICh kenne das aus anderen Büchern. Da wird nichts geschönt und die Zerrissenheit von Jens Druwe wird hier greifbar. Er muss sich selbst die Frage stellen, welchen Anteil er selbst zu Nazi-Deutschland beigetragen hat. Die Antworten, die anklingen sind nicht immer angenehm.

Der Schreibstil ist wieder präzise, doch hin und wieder verzettelt sich der Autor in seinen Beschreibungen, daher wirkt der Fortgang der Handlung ein wenig gebremst. In mehreren kurzen Rückblenden erfahren auch die Quereinsteiger in diese Reihe, was zuvor passiert ist.

Jedem Kapitel ist eine Strophe aus einem Lied oder Gedicht, die aus den diversen Konzentrationslagern stammen, vorangestellt. Eine sehr eindrucksvolle Beschäftigung mit dem Thema.

Fazit:

Eine gelungene Fortsetzung, die auf einen dritten Fall hoffen lässt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.