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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.04.2020

Ein entzückendes Buch

Joana auf Echo-Hall
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Die zehnjährige Joana Martin muss für einige Wochen zu der ihr unbekannten Tante Hilda auf das Gut „Echo-Hall“ ziehen, denn ihre Mutter ist schwer krank und der Vater als Seemann unabkömmlich.
Schon die ...

Die zehnjährige Joana Martin muss für einige Wochen zu der ihr unbekannten Tante Hilda auf das Gut „Echo-Hall“ ziehen, denn ihre Mutter ist schwer krank und der Vater als Seemann unabkömmlich.
Schon die Bahnfahrt lässt bei dem Mädchen mulmige Gefühle aufkommen. Alles ist neu und als sie vorerst niemand abholt, ist Joana schon recht bange.

Weitere Überraschungen erwarten Joana dann auf Echo-Hall, denn Tante Hilda ist in dem alten Kasten Haushälterin. Der Eigentümer, Sir Albert, ist ein älterer Gelehrter, der mit Kindern so gar nichts am Hut hat. Sie mögen doch bitte unsichtbar sein. Immerhin gestattet er dem wissbegierigen Mädchen jeden Abend eine Frage. Viel zu wenig für Joana.

Neben dem Unterricht, den ihr Tante Hilda erteilt, erkundet sie Tag für Tag (und manchmal auch nachts) heimlich die Gemäuer von Echo-Hall.

Was sie dabei entdeckt, das müsst ihr schon selber lesen ...

Meine Meinung:

Alexander Bàlly, den meisten eher als Krimi- denn als Kinderbuch-Autor bekannt, hat mit diesem Buch eine Reise in die Fantasie geschaffen.

Joana ist recht einsam in diesem Herrenhaus. Ansprechpersonen sind nur Tante Hilda und die Köchin Fanny, denn Sir Albert ist für lockere Konversation vorerst nicht zu haben. SO bleibt dem Mädchen gar nichts anderes übrig, als das Haus auf eigene Faust zu erkunden.

Dem Autor ist es gelungen, auch bei Erwachsenen die Fantasie wieder anzuregen.

Was mir besonders gut gefällt, dass viel Wissen um Malerei wie Stilkunde, Epochen oder ähnliches so schön unterschwellig an die Leser gebracht wird. Niemals mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern einfach spielerisch.

Hin und wieder wirkt Joana für eine Zehnjährige ein bisschen zu erwachsen. Aber, vielleicht muss man in dieser Lebenssituation ein wenig schneller erwachsen werden.

Fazit:

Ein fantasievolles Buch, das sich zum Selberlesen und zum Vorlesen bestens eignet. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 15.04.2020

Eine interessante Lektüre

Das chinesische Jahrhundert
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Wie Autor Wolfram Elsner bemerkt, ist unser Bild von China verzerrt. Mit diesem Buch versucht er Licht ins Dunkel unserer Sichtweise zu bringen.

Nach einer recht langen Einleitung erklärt er uns in drei ...

Wie Autor Wolfram Elsner bemerkt, ist unser Bild von China verzerrt. Mit diesem Buch versucht er Licht ins Dunkel unserer Sichtweise zu bringen.

Nach einer recht langen Einleitung erklärt er uns in drei großen Abschnitten wie China so tickt. Natürlich ist auch dies nur eine, nämlich seine, Sichtweise.

China verstehen lernen ... oder ideologischer Krieg?
Vom Entwicklungsland zur Führungsnation. Strukturen und Prozesse sozialen und ökonomischen Erfolgs
„It‘s the System, stupid“

Jeder Abschnitt ist noch in weitere Kapitel unterteilt, die interessante Tatsachen zu Tage fördern.

Vielen von Elsners Aussagen kann ich zustimmen, aber dass Saddam Hussein deshalb sterben musste, weil er sich seine Öllieferungen nicht länger mit US Dollar bezahlen lassen wollte, erscheint mit doch ein wenig weit hergeholt (S. 133).

Es scheint unbestritten, dass Chinas Regierung ihre Bevölkerung aus der Armutsfalle geholt hat (S. 160).

Wenn Chinas bislang als größter Umweltverschmutzer angeprangert worden ist, sollten sich vielleicht jene, die hier so laut schreien, überlegen, welchen Anteil europäische Firmen durch die Auslagerung ihre Produktionen in Billiglohnländer haben.

Gut gefällt mir dieses Kapitel „Recycle to Ride“. Das Modell, für gesammelte PET-Flaschen Guthaben für Öffi-Tickets oder Aufladebons für Smartphones zu vergeben (S. 204). In vielen westlichen Staaten schafft man es nicht einmal ein Pfandsystem für PET-Flaschen bzw. Alu-Dosen einzuführen (in Österreich zum Beispiel).

Viele Menschen argumentieren gegen China mit Menschenrechtsverletzungen und führen auch die Unterdrückung von ethnischen Minderheiten an. Allerdings ist kein Land davon gefeit. Auch in Europa wird mehr oder weniger subtil gegen ethnische Minderheiten polemisiert. An dieser Stelle seien seien zwei investigative deutsche Journalisten zitiert: „Eine ethnische Minderheit grundlos zu kriminalisieren, wäre das Ende eines Vielvölkerstaates (Chinas), dessen beispiellose Entwicklung die Menschen nicht nur ernährt, sondern ihnen auch Bildung, Selbstachtung und solide Zukunftsperspektiven vermittelt hat.“ (S. 256)

Auch der Vorwurf, China brächte mit seinen Investitionen in Afrika die dortigen Länder in eine Schuldenfalle, ist nicht zu beweisen (S. 278). Im Gegenteil, es scheint, dass beide Seiten Nutzen aus der Kooperation ziehen. China versucht derzeit durch sein Engagement in Afrika jene Ungerechtigkeiten zu beseitigen, die der jahrelang westliche Imperialismus hier hinterlassen hat.

Fazit:

Eine interessante Lektüre, die das Reich der Mitte unter einem anderen Licht erscheinen lässt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 15.04.2020

Rache eines ewig Zurückgestzten

Korsische Vendetta
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In diesem dritten Fall für Eric Marchand treffen wir wieder alte Bekannte aus den beiden Vorgängern.

Seit einem Jahr lebt der Schriftsteller mit korsischen Wurzeln nun hier auf der Insel. Er ist zwar ...

In diesem dritten Fall für Eric Marchand treffen wir wieder alte Bekannte aus den beiden Vorgängern.

Seit einem Jahr lebt der Schriftsteller mit korsischen Wurzeln nun hier auf der Insel. Er ist zwar noch nicht ganz als eine Sohn Korsikas akzeptiert, aber langsam, so scheint es, gelingt es.

Doch dann wird Laurins Haus verwüstet, der gemeinsame Freund, der Journalist entgeht nur knapp einem Attentat und die allgemeine Stimmung ist gereizt. Liegt es etwa daran, dass sich die Clans neu ordnen müssen, weil Jean-Baptist Santini vor Monaten entführt worden ist und keiner weiß, ob er noch am Leben ist? Oder liegt es an den zahlreichen Flüchtlingen, die die französische Zentralregierung auf Korsika untergebracht hat? Fremde, das weiß man, sind auf der Insel nicht gerne gesehen.

Auf Grund der unübersichtlichen Situation kommt es zu Allianzen, von denen bislang niemand zu träumen gewagt hat. Denn ausgerechnet Mateu Santini, Laurins Ex-Mann und der Sohn des entführten Mafia-Bosses, bietet dem örtlichen Polizeichef einen ungewöhnlichen Deal an. Dass das Ergebnis ein anderes ist, als Mateu erwartet hat, steht auf einem anderen Blatt.

Meine Meinung:

Auch in diesem dritten Band erfahren wir einiges über die Insel, ihre Geschichte, ihre Menschen und die Natur. Die Action hält sich in Grenzen, was aber nicht weiter stört. Stellenweise ist der Krimi ein kleines bisschen langatmig.

Der Showdown am Ende ist ein unerwarteter Knalleffekt.

Mit diesem Krimi scheint die Geschichte um den Schriftsteller Eric Marchand erschöpft zu sein.

Fazit:

Ein unerwartetes und spannendes Finale, dem ich gerne 4 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 13.04.2020

Einfach zum Nachdenken

Zukunft wird mit Mut gemacht
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Dieses Buch von Susanne Wolf ist ein gut gemachtes Kompendium zu Fragen, die wir alle an unsere Zukunft haben.
In acht Kapiteln zeigt die Autorin, dass nicht ausschließlich Bürger und Konsumenten für ...

Dieses Buch von Susanne Wolf ist ein gut gemachtes Kompendium zu Fragen, die wir alle an unsere Zukunft haben.
In acht Kapiteln zeigt die Autorin, dass nicht ausschließlich Bürger und Konsumenten für die Rettung unseres Planeten verantwortlich gemacht werden dürfen. Die Industrie darf nicht (teilweise sinnlose) Güter produzieren als gäbe es kein Morgen.

Die nackten Tatsachen
Nachhaltigkeit - was war das nochmal?
Nachhaltigkeit ad absurdum geführt
Shoppst du noch oder lebst du schon?
Alles im Wandel
Hallo, ist da jemand?
Die Macht der Medien
Die Zukunft beginnt jetzt

Im Anhang finden wir noch zahlreiche weiterführende links.

Dieses Buch will aufrütteln und mobilisieren. Jeder kann und soll seinen Beitrag zu einer besseren Zukunft leisten.

Besonders im Bereich der Mode gibt es viele Möglichkeiten, ohne dass es zu Einschränkungen der Bequemlichkeit kommt. Allerdings muss man darauf achten, nicht einem Etikettenschwindel zu erliegen. Was sagt die „Better Cotton Initiatve (BCI)“ von IKEA aus? Bessere Baumwoll-Produktion? Für wen? Die Baumwollpflücker oder doch eher für die Industrie? Vor allem „besser“ als wer oder was? „Besser“ ist ein solch abstrakter Begriff, der alles oder nichts (eher nichts) aussagt.

Outdoorkleidung aus PET-Flaschen? Werden die für die Produktion nötigen Rohstoffe wirklich aus dem Meer gefischt wie einem suggeriert wird?

Oder das Thema Reisen: Muss man wirklich einen Wochenendtrip nach New York zum Shoppen machen? Ist es nicht unverschämt um 19 Euro nach Paris und retour zu fliegen? Muss wirklich jeder in den Urlaub fliegen?
Wenn das Kerosin genauso besteuert würde wie Treibstoff für Autos, sähe die CO2-Belastung gleich anders aus.

Die Autorin zeigt in ihrem Buch auf, was derzeit schief läuft und bietet zahlreiche Denkanstöße. Jeder einzelne Bürger und Konsument hat seine Möglichkeiten, Teil des notwendigen Wandels zu werden. Es bedarf nur ein wenig Mut, wirklich mit zu machen.

Veröffentlicht am 12.04.2020

Hat mich gut unterhalten

Mord bei den Festspielen
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Die „Bregenzer Festspiele“ ziehen jedes Jahr zahlreiche Opernstars oder solche die es einmal war oder vielleicht werden, an den schönen Bodensee, der im Dreiländereck Österreich-Deutschland-Schweiz liegt, ...

Die „Bregenzer Festspiele“ ziehen jedes Jahr zahlreiche Opernstars oder solche die es einmal war oder vielleicht werden, an den schönen Bodensee, der im Dreiländereck Österreich-Deutschland-Schweiz liegt, an.

Mittelpunkt dieser Festspiele steht neben Verdis Oper „Don Carlos“ Mario Miercoledi, der seine besten Jahre als Tenor schon hinter sich hat und nun als Bariton sein - vorrangig weibliches - Publikum erfreuen will. Die Opernfreunde lieben ihn, seine Kollegen und die Belegschaft der Festspiele kann seine arrogante Art so überhaupt nicht ausstehen. Nicht nur, dass er zahlreiche Starallüren hat, findet er sich selbst unwiderstehlich und baggert die holde Weiblichkeit auch vor den Augen seiner Ehefrau an.

Nun wird Miercoledi in seinem Hotelzimmer tot aufgefunden. Der eilig herbeigerufene Arzt stellt einen natürlichen Tod fest, was auf Grund der Medikamentenschachteln auf dem Nachttisch und dem Alter des Toten durchaus möglich sein kann. Wenig später ist alles anders und es steht fest, dass der Sänger mit dem Gift der Eibe ermordet worden ist. Nur, von wem? Die Anzahl der potenziellen Verdächtigen ist recht lang: Von der Ehefrau über Kollegen bis hin zur enttäuschten Geliebten oder einem gehörnten Ehemann. Also, lieber Leser, such dir einen aus ...

Die deutsche Polizei, denn der Mord passiert im schönen Lindau, tappt anfangs im Dunkeln, bekommt aber starke Unterstützung von Victoria Benning, der Regieassistentin und ehemaligen Journalistin. Sie ist die Gemahlin des Regisseurs und Sängers Lucas Benning und kennt ihre Papenheimer in der Opernwelt recht gut. Außerdem ist sie neugierig genug, um selbst einige Nachforschungen anzustellen. Dass sie dabei in Lebensgefahr gerät, und zwar nicht nur einmal, versteht sich von selbst.

Meine Meinung:

Dieser Krimi ist mein erster von Autorin Sibylle Luise Binder. In rasantem Tempo steigen die Leser gleich in die Opernwelt ein, in der es nicht nur auf der Bühne um Leidenschaft, Liebe und Gewalt geht.

Die Charaktere haben alle so ihre Ecken und Kanten. Sie sind mit viel Liebe zu Detail herausgearbeitet. Das trifft die Guten wie die Bösen.

Der Schreibstil ist herzerfrischend, locker und gut zu lesen. Unerwartete Wendungen führen Leser wie Ermittler in die Irre. Das Buch ist kurzweilig geschrieben und es gibt häufig Anlass zum Schmunzeln. Ich erwähne nur kurz die Ausfahrt mit dem Schwan oder die Bezeichnung “rorarei“ (= rote, rasende Reisschüssel) für ihr kleines Auto eines koreanischen Konzern. Auch der Musikerjargon, der aus dem Ballett „Schwanensee“ ein wenig despektierlich „Ententümpel“ macht.

Der eine oder andere Leser wird vielleicht mit den italienischen Ausdrücken bzw. mit dem Inhalt der einen oder anderen Oper so seine liebe Not haben. Doch erklärende Fußnoten helfen da weiter.

Ich hätte mir noch ein wenig mehr Lokalkolorit aus der schönen Stadt Bregenz gewünscht. So ein Spaziergang durch die Altstadt oder an der Seepromenade hätte mir schon gut gefallen. Aber, das ist Jammern auf höchstem Niveau. Allerdings gibt es ein paar Inkonsistenzen, die den 5. Stern kosten.

Fazit:

Gerne gebe ich für diesen unterhaltsamen Krimi aus der schönen Bodenseeregion 4 Sterne.