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Venatrix

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Veröffentlicht am 09.02.2020

Die Saga geht weiter

Tage des Lichts
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Ruth Meyer hat es geschafft! Sie hat einen Arbeitsvertrag und damit eine Aufenthaltsbewilligung. Ruth ist als Haushaltshilfe und Kindermädchen auf dem Bauernhof der Familie Sanderson angestellt. Das Stadtkind, ...

Ruth Meyer hat es geschafft! Sie hat einen Arbeitsvertrag und damit eine Aufenthaltsbewilligung. Ruth ist als Haushaltshilfe und Kindermädchen auf dem Bauernhof der Familie Sanderson angestellt. Das Stadtkind, das früher selbst mit Personal aufgewachsen ist, lernt nun die schwere Arbeit in der Landwirtschaft kennen. Während Freddie Sanderson trotz rauer Schale liebenswürdig ist, ist seine Frau Olivia ein richtiges Ekel. Sie schikaniert Ruth und enthält ihr die wenigen freien Tage vor.
Nach intensivem Bemühen und Unterstützung von Edith schafft es Ruth, dass ihre Familie nur 10 Tage vor Ausbruch des Krieges zwischen England und Nazi-Deutschland nach England einreisen kann. Einige Tage kann Ruths Familie bei den Sandersons bleiben, mehr geduldet als willkommen geheißen, dann heißt es wieder Abschied nehmen.

Meine Meinung:

Dieser dritte Teil von Ruth Meyers Geschichte stützt sich auf ihre Tagebuchaufzeichnungen, die das einförmige Leben auf dem Bauernhof der Sandersons schildern. Unterbrochen wird die tägliche Routine nur durch die jahreszeitliche Abfolge der Tätigkeiten in der Landwirtschaft. Das liest sich daher ein wenig langatmig. Man wartet auf das nächste spannende Ereignis - doch es tut sich wenig. Nur die Schikanen von Olivia durchbrechen das Einerlei. ALs Olivia entdeckt hat, dass Ruth nähen kann, hatte ich schon ein wenig Hoffnung, dass daraus ein MOdeatelier wird. Leider nein, schade.

Spannend ist die Verwandlung von Ruth Meyer zu lesen: Aus der aufgeweckten Tochter des vermögenden, jüdischen Schuhverkäufers Karl Meyer ist in den letzten Jahren ein eingeschüchtertes Mädchen geworden. Doch als es ihr gelingt, Eltern und Schwester aus Nazi-Deutschland herauszubekommen, beginnt sie wieder an sich zu glauben. Langsam, in kleinen Schritten beginnt sie sich auch gegen Olivia zu behaupten. Unterstützung erhält sie hier sowohl von Freddy als auch von den Hilfskräften am Bauernhof.

Ein bisschen hat mir die Hintergrundgeschichte von Freddy und Olivia gefehlt. Man erfährt nur, dass Olivia nach eine durchzechten Silvesternacht von Freddy schwanger wurde und „geheiratet werden musste“. Das ist schade. Oft sind die „bösen“ Charaktere ja die interessanteren. Doch vielleicht hat es Ruth selbst nie erfahren.

Die Stimmung ist gut beschrieben. Es ist ja bekannt, dass es auch in England Hitler-Fans gegeben hat. Antisemitismus war (und ist) weltweit verbreitet. Besonders berührend die Geschichte der evakuierten Schülerinnen, von denen eine, ebenfalls einen jüdischen Großvater hat.

Der dritte Band endet mit der Überfahrt der Familie Meyer ins gelobte Land Amerika, denn sie wollen so viele Kilometer als möglich zwischen sich und Nazi-Deutschland bringen. Der vierte Band „Träume aus Samt“ erscheint im August 2020.

Fazit:

Die wahre Geschichte der Familie Meyer ist gut erzählt, obwohl es stellenweise ein wenig langatmig zugegangen ist. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 09.02.2020

Hat mich nicht vollends überzeugt

Warum nur ein Green New Deal unseren Planeten retten kann
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Die Autorin beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Klimawandel. Sie ist in mehreren NGOs aktiv. Da kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie einige ihrer Thesen mit Verbissenheit und zu ...

Die Autorin beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Klimawandel. Sie ist in mehreren NGOs aktiv. Da kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie einige ihrer Thesen mit Verbissenheit und zu viel Emotionen verteidigt.

Der Klimawandel geht uns alle an. Leider ist das Thema inzwischen dermaßen aufgeheizt (sic!), dass eine vernünftige Argumentation kaum fruchtet. Hier stehen sich die Leugner des Klimawandels, die vornehmlich aus den USA kommen, und dort die durchaus radikalen Mitglieder so mancher Öko-Gruppe unversöhnlich gegenüber.

Mehrere Bespiele wie das Tankerunglück der Exxon Valdez, das Millionen von Barrel giftigen Rohöls ausströmen lässt oder ähnliche Umweltkatastrophen, zeigen, wie multinationale Konzerne aus reiner Profitgier die Umwelt schädigen.

Manche Thesen der Autorin klingen leider ein wenig nach Verschwörungstheorie. Außerdem vergleicht sie Äpfel mit Birnen. Was wohl die „#me too“-Bewegung mit Umweltschutz und Klimakatastrophe zu tun hat?

Ich habe das Gefühl, dass je weiter ich in das Buch vorgedrungen bin, desto emotionaler, ist es geworden. Ein wenig Zurückhaltung bei der Wortwahl wäre hier angemessen. Diese überhitzten Diskussionen spielen nur den Leugner des Klimawandels in die Hände.

Um wirklich ein Umdenken zu bewirken, muss das Thema Klimawandel wieder auf die Sachebene zurückkehren. Wenn sich die beiden unversöhnlichen Lager die Köpfe einschlagen, hat niemand und vor allem die Umwelt nichts davon. Welche Maßnahmen jeder einzelne treffen, die einfach umzusetzen sind und keinen Abstrich an der eigenen Bequemlichkeit bedeuten, bleibt uns die Autorin schuldig. Dafür müssen wohl andere Bücher gelesen werden.

„Der Worte sind genug gewechselt,
Laßt mich auch endlich Taten sehn!
Indes ihr Komplimente drechselt,
Kann etwas Nützliches geschehn“
(J.W. von Goethe, Faust, Vorspiel auf dem Theater)

Fazit:

Für mich ein wenig zu viel der Emotionen. Mehr Sachlichkeit hätte dem Buch gut getan, daher nur 3 Sterne.

Veröffentlicht am 08.02.2020

HIer habe ich ein wenig mehr erwartet

Mord mit Marzipan
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Dieser Krimi ist mein erster aus der Feder von Jutta Mehler. Leider hat mich die Geschichte um drei Freundinnen, Hilde, Thekla und Wally, die gemeinsam mit Oberbrandrat Alois Scharfetter auf Mörderjagd ...

Dieser Krimi ist mein erster aus der Feder von Jutta Mehler. Leider hat mich die Geschichte um drei Freundinnen, Hilde, Thekla und Wally, die gemeinsam mit Oberbrandrat Alois Scharfetter auf Mörderjagd gehen, nicht so recht überzeugt.
Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis das Quartett so richtig in die Gänge kommt. Die vorrangige Beschäftigung ist jausnen.
Den Autopsiebericht klauen? Puh, ein gewagtes Unternehmen.

Es scheint, als ob diese Reihe (ich kenne nur dieses Buch) ein wenig Anleihe an der TV-Serie „4 Frauen und ein Todesfall“ nimmt, doch leider fehlen hier Wortwitz und die schrägen Typen eines Kalibers wie die Julie Zirbner.

Insgesamt eine leichte, eher anspruchslose Lektüre. Cover und Buchtitel gefallen mir zwar prinzipiell, der Zusammenhang mit dem Mordfall erschließt sich mir nicht ganz.

Fazit:

Hier habe ich mehr erwartet, schade. Diesmal knappe 3 Sterne.

Veröffentlicht am 08.02.2020

Einblick in die von Nazis besetzten Niederlande

Durch die kalte Nacht
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Dies ist nun der dritte und letzte Band der Trilogie rund um Gerhard Prange, Sofieke Plet und Richard Christmann.
Wir befinden uns nun zwischen 1943 und 1945 in den von der Deutschen Wehrmacht besetzten ...

Dies ist nun der dritte und letzte Band der Trilogie rund um Gerhard Prange, Sofieke Plet und Richard Christmann.
Wir befinden uns nun zwischen 1943 und 1945 in den von der Deutschen Wehrmacht besetzten NIederlanden. Das Terrorregime macht Jagd auf Juden, Widerständler und Spione. Je schlechter die Lage der Wehrmacht ist, desto mehr Druck wird auf die Bevölkerung ausgeübt. Für jeden getöteten Deutschen gibt es Vergeltungsmaßnahmen.

Die Schlinge um Sofieke und Gerhard zieht sich immer enger zu. Fast täglich muss mit ihrer Verhaftung gerechnet werden. Von den Briten, die Gerhard als Spion abgesetzt haben, ist nichts mehr zu erwarten, denn der Spionagering ist aufgeflogen. Jeder ist sich selbst der nächste und muss sehen, wo er bleibt. Immer wieder kreuzt der undurchsichtige Richard Christmann die Wege von Gerhard und Sofieke. Es ist völlig unklar, ob er Freund oder Feid ist. Sicher ist nur, dass Christmann jeden nur benutzt, um selbst heil aus dem Krieg zu kommen.

Gerhard und die Jüdin Sofieke sorgen sich um das ihnen anvertraute jüdische Mädchen Sara, das als Grietje einige Zeit bei Bauern Unterschlupf findet, aber dann letztlich doch im Durchgangslager Westerbork landet.

Meine Meinung:

Wie schon in den beiden Vorgängern („Tod von oben“ und „Im dunklen Nebel“) ist die Stimmung der Menschen im besetzten Land authentisch wiedergegeben.

Geschickt vermischt der Autor fiktive Gestalten mit historischen Personen. So sind Gerhard Prange, Sofieke Plet und die kleine Sara erfunden, die anderen Protagonisten wie Christmann, Seyß-Inquart, Anton van der Waals historische Persönlichkeiten.

Wie auch schon bei Teil 1 und 2, sind auf dem Cover Fallschirme und die Samen der Pusteblumen abgebildet. Das sorgt für einen hohen Wiedererkennungswert. Den Pusteblumen begegnen wir auch innerhalb des Buches.

Für die Leser, die sich in der Geschichte der besetzten Niederlande nicht so gut auskennen, gibt es zu Beginn eine Landkarte sowie ein Personenverzeichnis und zum Abschluss ein ausführliches Nachwort („Was wurde aus ...“) sowie ein weiterführendes Literaturverzeichnis.

Fazit:

Ein versöhnliches Ende dieser Trilogie, die einen interessanten Einblick auf die Jahre 1941-1945 in den besetzten Niederlanden gibt. Gerne gebe ich hier wieder 5 Sterne.

Veröffentlicht am 08.02.2020

Die verleugnete SChwester der Marlene D.

Im Schatten des "Blauen Engels"
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Dieser, bereits unter dem Titel „Fesche Lola, brave Liesel“ erschienene biografische Roman beschäftigt sich mich zwei höchst unterschiedlichen Schwestern: Marlene Dietrich und Elisabeth Will.

Während ...

Dieser, bereits unter dem Titel „Fesche Lola, brave Liesel“ erschienene biografische Roman beschäftigt sich mich zwei höchst unterschiedlichen Schwestern: Marlene Dietrich und Elisabeth Will.

Während Marlene Dietrich, stets in Uniform, mit ihren Liedern die amerikanischen Truppen im Zweiten Weltkrieg im Kampf gegen Hitler-Deutschland unterstützt, führt ihre ältere Schwester Elisabeth Wille mit ihrem Mann Georg ein Kino für Wehrmachtssoldaten und das ausgerechnet auf dem Gelände des KZ Bergen-Belsen.

Heinrich Thies beleuchtet die Herkunft der Schwestern, die von ihrer Mutter Josephine von Losch, streng als großbürgerliche Töchter erzogen worden sind. Marlene, Leni genannt, ist von Beginn an die beliebtere Tochter, denn sie ist musikalisch, lernt leicht und ist als Kind selbstbewusst. Elisabeth „Liesl“ ist in allem so ziemlich das Gegenteil: pummelig, unmusikalisch, schüchtern und lernt nicht gerne - also eher eine Enttäuschung für die Mutter. Und ja, Josephine von Losch ist eine herrschsüchtige Frau, die vor allem an Liesl ständig herum mäkelt und sich Zeit ihres Lebens in Liesls Leben einmischt.

Um ihre Karriere nicht zu gefährden, verleugnet die Dietrich ihre Schwester, unterstützt sie allerdings finanziell.

Meine Meinung:

Als echte Doppel-Biografie ist dieses Buch nicht zu sehen. Denn es gibt, wie der Autor in seinem Nachwort einräumt, über Elisabeth Will wenig Fundiertes. Dennoch hat er bei seinen Recherchen in den Archiven bzw. im Nachlass von Marlene Dietrich einiges zu Tage gefördert und so ein plastisches Bild der beiden Schwestern erschaffen. Einige dieser Quellen sind bislang unveröffentlichte Briefe und Dokumente. Auszüge davon kann der interessierte Leser hier lesen. Daneben ergänzen zahlreiche Fotos diesen biografischen Roman. Interessant auch, dass die beiden Schwestern eine Abmachung hatten, dass Marlene Liesl nicht weiter erwähnt. Ob sie sich deren Nazi-Vergangenheit geschämt hat? Dieses Stillschweigen erkauft sich die Dietrich durch weitere Zahlungen.

Der Schreibstil ist gut zu lesen. Gut gelungen finde ich die Darstellung der beiden unterschiedlichen Schwestern, die in manchen Belangen gar nicht so unterschiedlich sind. Unter der Dominanz der Mutter haben wohl beide gelitten.

Fazit:

Das Buch ist ein schönes Stück Zeitgeschichte. Vielen Menschen ist gar nicht bekannt, dass die Dietrich eine Schwester hatte. Ihnen sei dieser biografische Roman ans Herz gelegt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.