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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.02.2020

Fesselnder AUftakt einer neuen Krimi-Reihe

Die Toten von Marnow
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„Die Toten von Marnow“ ist der Auftakt zu einer neuen Reihe von Holger Karsten Schmidt. Ihn kennt man als Drehbuchautor von s manchem Tatort und unter seinem Pseudonym Gil Ribeiro als Schöpfer der Fuseta-Krimis ...

„Die Toten von Marnow“ ist der Auftakt zu einer neuen Reihe von Holger Karsten Schmidt. Ihn kennt man als Drehbuchautor von s manchem Tatort und unter seinem Pseudonym Gil Ribeiro als Schöpfer der Fuseta-Krimis mit dem liebenswerten Autisten Leander Lost.

Der Krimi beginnt mit einem nach Routine aussehenden Mord: Alexander Beck wird mit durchschnittener Kehle in seinem Badezimmer aufgefunden. Der Rostocker KHK Frank Elling und seine aus Hannover zugezogene Kollegin Lona Mendt beginnen im Umwelt des Toten zu recherchieren. Da passiert der nächste Mord. Wieder eine Leiche mit durchschnittener Kehle (und die wird nicht die letzte sein).

Was haben die beiden Toten außer der Todesart noch gemeinsam? Bei der Obduktion stellt sich heraus, dass der Täter Linkshänder sein muss. Sowohl der Zusammenhang als auch das Motiv bleibt lange im Unklaren. Obwohl, „lange“ ist ein dehnbarer Begriff, denn der ganze Krimi spielt sich innerhalb von nur 16 Tagen ab.

Meine Meinung:

Der Autor hat es geschafft, Ereignisse der deutsch/deutschen Geschichte geschickt in diesen fesselnden Krimi zu verpacken. Es geht um Versuche von noch nicht zugelassenen Medikamenten, die von westlichen Pharmafirmen - mit Billigung der DDR-Politik - an den eigenen Bürgern, natürlich häufig ohne deren Wissen, durchgeführt wurden (und wie man sieht, auch noch werden).

Sehr interessant sind die beiden Hauptfiguren ausgearbeitet. Da ist zum einen Frank Elling, ein in der DDR groß gewordener Beamter, der sein tägliches Dienstende penibel einhält, seiner Familie beinahe jeden Wunsch erfüllt und sich dadurch finanziell übernimmt. AUf der anderen Seite haben wir Lona Mendt, eine toughe Frau, die sich mit dem Nimbus der Unnahbarkeit umgibt, der natürlich Anlass zu allerlei Spekulationen in der Dienststelle gibt. Sie lebt in ihrem Wohnmobil, scheint ständig auf der Flucht vor den eigenen Dämonen zu sein.

Sehr interessant finde ich Ellings ambivalentes Verhalten: Er ist entsetzt über die Menschenversuche, aber als seine, an Demenz erkrankte, Mutter von ihrem Hausarzt eine Beta-Version eines (noch) nicht zugelassenes Medikament erhält, das augenscheinlich eine Verbesserung ihres Zustandes bewirkt, sieht seine Welt doch ein klein wenig anders aus.

Der Erzählstil ist spannend. Die Leser werden mehrfach in die Irre geführt. Sowohl Elling als auch Mendt greifen manchmal zu nicht autorisierten Hilfsmitteln. Ob das im wirklichen Leben auch so möglich wäre?

Der Autor greift unterschiedliche Themen, wie auch die Verstrickung ehemaliger Stasi-Mitarbeiter in das aktuelle politische Geschehen auf. Oder das „über seine finanziellen Möglichkeiten leben“ und damit für Bestechungsversuche anfällig zu sein. Diese vielen Aspekte sind aber so gekonnt in die Handlung eingebettet, das dem Leser ganz natürlich erscheinen.

Ellings Privatleben ist einen Hauch zu üppig beschrieben - aber das ist Meckern auf höchstem Niveau.

Fazit:

Ein fesselnder Auftakt einer Krimi-Reihe, die ich bestimmt weiterverfolgen werde. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 01.02.2020

Hat mich nicht vollends überzeugt

Hochwürden stirbt grausam
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Katejan Lampič, seines Zeichens Pfarrer von Šmihelsa vas, einem kleinen Dorf unweit von Ljubljana (Laibach), wird ermordet aufgefunden. Doch Hochwürden ist nicht erschossen, erstochen oder auf ähnliche ...

Katejan Lampič, seines Zeichens Pfarrer von Šmihelsa vas, einem kleinen Dorf unweit von Ljubljana (Laibach), wird ermordet aufgefunden. Doch Hochwürden ist nicht erschossen, erstochen oder auf ähnliche (übliche) Art getötet worden, sondern von einer Bohrmaschine durchlöchert worden.
Hat sein Tod damit zu tun, dass das gespendete Geld für die Orgel spurlos verschwunden ist, aber der Pfarrer neben Wasserbett und opulent ausgestatteter Dusche auch gleich mehrere dicke Autos in der Garage stehen hat, während die Mehrzahl der Dorfbewohner mit Autos der Marken „Yugo“ oder „Zastava“ herumfahren? Und was hat es mit dem plötzlich verschwundenen uralten Tagebuch auf sich?

Die Ermittler müssen Steinchen für Steinchen umdrehen und sortieren, bis sie dem Geheimnis, das bis in das Jahr 1917 zurückreicht, auf die Spur kommen.

Meine Meinung:

Dieser Krimi aus Slowenien ist vermutlich für viele Leser schwer zu lesen, da Namen, Ortsbezeichnungen etc. natürlich auf slowenisch angegeben sind. Leider fehlt ein Glossar mit Lautschrift, so dass es die Leser immer wieder aus dem Lesefluss reißt.

Die Idee finde ich interessant, die Umsetzung ist nicht ganz so gelungen. Die Auflösung des Kriminalfalles zieht sich. Die Charaktere seien (lt. Klappentext) „typisch slowenisch“. Hm, grantige (=mürrische) Ermittler, wichtigtuerische Klatschbasen - die finden sich überall. Möglicherweise sind die, durch lange Jahre des Kommunismus, der katholischen Kirche entwöhnten Bewohner, ihren eigenen Aberglauben und tradierten Mythen verhaftet. Diese Facette der Charaktere ist recht gut herausgearbeitet.

Die Hinweise auf das „Wunder von Karfreit“ oder „die Schlacht von Karfreit“ je nachdem ob man dieses Gemetzel der 12.Isonzo-Schlacht Ende Oktober 1917 aus österreichischer (siegreich) oder italienischer Seite (Verlierer) sieht, regen an, sich mit den grausamen Schlachten des Ersten Weltkriegs zu beschäftigen.

Der Schreibstil wird als „schwarzhumorig, manchmal bissig und auf jeden Fall kurzweilig“ beschrieben. Die ersten beiden Eigenschaften kann ich durchaus bestätigen, aber kurzweilig ist der Krimi für mich nicht gewesen. Einige Längen haben mich doch ein wenig gestört, die dann durch eine unerwartete Wendung wieder ein wenig geglättet wurden.

Fazit:

Dieses KrimiDebüt hat mich nicht zur Gänze überzeugt, daher nur 3 Sterne.

Veröffentlicht am 31.01.2020

Hat mich leider nicht ganz überzeugt

Aux Champs-Élysées
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„Aux Champs Elysées“ ist ein recht ungewöhnlicher Krimi, der einige Thriller-Elemente enthält.

Doch nun zum Inhalt:

Nach 25 Ehejahren, in denen sich Claire für ihren Mann Philippe regelrecht aufgeopfert ...

„Aux Champs Elysées“ ist ein recht ungewöhnlicher Krimi, der einige Thriller-Elemente enthält.

Doch nun zum Inhalt:

Nach 25 Ehejahren, in denen sich Claire für ihren Mann Philippe regelrecht aufgeopfert hat, ihm den Rücken fr gehalten hat, den Haushalt geschupft und die beiden Töchter groß gezogen hat, legt sich in ihrem Verhalten ein Schalter um, und sie verbannt ihren Ehemann in einen Schrank im Keller.

Warum erst jetzt? Sie ist der ständigen Frauengeschichten überdrüssig. Vor allem, als sie entdeckt, dass Isabelle, Philippes Geliebte ein Kind erwartet.

Meine Meinung:

Hm, es ist nicht ganz einfach dieses Buch zu beschreiben. Die kurzen Kapitel gemahnen eher an ein Filmdrehbuch, mit vielen „harten Schnitten“ als an einen Krimi. Einerseits kann man Claire verstehen, dass sie sich an ihrem Mann rächen will, doch für mich bleibt die Frage, „warum erst jetzt?“ unbeantwortet. Sie webt das Gespinst der Rache dicht und bezieht auch Isabelle in ihren Feldzug ein. Die Spannung steigert sich zusehends und fällt dann leider abrupt ab. Das Ende hätte ich mir doch ein bisserl anders gewünscht.

Interessant sind die Charaktere rund um Claire. Zum einem die 80-jährige Emilie, die von ihrer Wohnung das Haus von Philippe und Claire bestens beobachten kann. Das hat mich an Alfred Hitchcocks Film „Das Fenster zum Hof“ erinnert. Aus Emilies Rolle hätte noch viel mehr herausgearbeitet werden können. Man spürt, wie sie an Claire zweifelt, wie sie das Böse wittert, sich aber immer wieder durch Claires Ablenkungsmanöver einlullen lässt. Ehrlich gesagt, habe ich an der einen oder anderen Stelle um die alte Frau ein wenig gebangt, weil ja Claire trotz ihres ausgefeilten Planes, ein wenig unberechenbar erschient.

Zum anderen ist der virile, farbige Kriminalbeamte eine vielschichtige Persönlichkeit. Er ist hin- und her gerissen zwischen Claire, die ihre Rolle als verzweifelte Ehefrau, sehr gut spielt, und seinem Job als Ermittler.

Dieser Krimi, der als „Paris-Krimi“ bezeichnet wird, könnte in jeder beliebigen Stadt spielen. Das Pariser Flair kommt nicht so recht zur Geltung.

Fazit:

Hat mich leider nicht so recht überzeugt. Daher nur 3 Sterne.

Veröffentlicht am 31.01.2020

Hat mich enttäuscht zurück gelassen

Die Galerie am Potsdamer Platz
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Alexandra Cedrino nimmt uns in ihrem Roman-Debüt ist das Berlin der 1930er Jahre mit.

Alice Waldmann, reist 1930 nach dem Tod ihrer Mutter von Wien nach Berlin. Dort will sie dem streng gehüteten Familiengeheimnis ...

Alexandra Cedrino nimmt uns in ihrem Roman-Debüt ist das Berlin der 1930er Jahre mit.

Alice Waldmann, reist 1930 nach dem Tod ihrer Mutter von Wien nach Berlin. Dort will sie dem streng gehüteten Familiengeheimnis auf die Spur kommen. Der Empfang bei ihrer Verwandtschaft ist mehr als frostig. Besonders von ihrer Großmutter Helena schlägt Alice unversöhnlicher Hass entgegen. Helena sieht in Alice nur ein „Kuckuckskind“, das sich ins gemachte Netz setzen will.
Während sich Alice einerseits einen Name als Kunstfotografin macht und sich andererseits unschlüssig in Berlin treiben lässt, und sich in den Deutsch-Iren John verliebt, verändert sich das Bild auf den Straßen: Verbände der SA und SS marschieren, prügeln sich mit Sozialisten und beginnen mit Repressalien gegen die jüdische Bevölkerung. Mitten drinnen, um nicht zu sagen, ein führender Kopf ist Erik, den die Waldmanns als Kunden für die wieder eröffnete Kunstgalerie gewinnen wollen. Doch zu welchem Preis?

Meine Meinung:

Das Buch ist das erste einer Trilogie. Leider ist dieser Auftakt nicht gut gelungen. Weder die Stimmung in Berlin, noch die Charaktere reißen mich vom Hocker. Erst sehr spät erfährt man Helenas Geheimnis. Ich hätte mir mehr über das Umfeld der Kunsthändler gewünscht, vor allem weil die Autorin aus der Kunsthändlerfamilie Gurlitt stammt, und einiges berichten könnte.
Die ganze Geschichte dümpelt irgendwie dahin. Je länger sie dauert, desto unzufriedener bin ich mit Alice geworden. Ihr Gehabe ist mir stellenweise echt auf die Nerven gegangen.

Eine Straffung mancher Szenen hätte dem Roman gut getan.

Fazit:

Die Leseprobe hat mehr versprochen, als das Buch gehalten hat. Leider nur zwei Sterne.

Veröffentlicht am 27.01.2020

Wieder eine gelungene Forsetzung

Das Leuchten über dem Gipfel
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Es ist Sommer in Südtirol. Claudio Saltapepe macht ein paar Tage Urlaub in Toblach und sieht seinem Lieblingsfußballverein, dem SSC Napoli, der hier in der frischen Bergluft sein Sommercamp veranstaltet, ...

Es ist Sommer in Südtirol. Claudio Saltapepe macht ein paar Tage Urlaub in Toblach und sieht seinem Lieblingsfußballverein, dem SSC Napoli, der hier in der frischen Bergluft sein Sommercamp veranstaltet, beim Dribbeln zu, während Commissario Grauner, erklärter Gustav-Mahler-Fan und Viechbauer, die Stellung in der Questura in Bozen hält.

Doch die Geruhsamkeit währt nicht lange, denn Saltapepe ruft Grauner um Hilfe. Einer der Spieler ist plötzlich verschwunden und seltsame Dinge scheinen vorzugehen. Obwohl Grauner mit 22 Männern, die einem Ball nachjagen, so gar nichts am Hut hat, fährt er ins Pustertal, denn dort finden die jährlichen Mahler-Musikwochen statt. Ob er wohl noch zwei Karten ergattern kann? Doch bevor er sich noch einem etwaigen Musikgenuss hingeben kann, muss noch fleißig ermittelt werden. Denn wer hat die Leiche in Saltapepes Giulietta gelegt? Oder war das ein Versehen?

Meine Meinung:

Diesmal spielt Lenz Koppelstätter seine große Klasse aus. Die UNterschiede zwischen Grauner und Saltapepe könnten nicht größer sein: Der eine liebt klassische Musik und die Stille, der andere Fußball und Partys. Dennoch ergänzen sich die beiden vortrefflich. Auch Staatsanwalt Belli taucht wieder einmal auf, ist aber diesmal fast streichelweich. Woran das liegt? Hat er begriffen, dass die beiden Ermittler gute Arbeit leisten?

Wie immer gibt es neben der Krimihandlung einige humorvolle Szenen, die einen schmunzeln lassen. Mehrmals führt uns der Autor ein wenig an der Nase herum. Das Ende ist schlüssig und schön rund.

Fazit:

Wieder ein gut gelungener Südtirol-Krimi aus der Feder von Lenz Koppelstätter, daher 5 Sterne.