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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.01.2020

Hat mich leider nicht ganz überzeugt

Aux Champs-Élysées
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„Aux Champs Elysées“ ist ein recht ungewöhnlicher Krimi, der einige Thriller-Elemente enthält.

Doch nun zum Inhalt:

Nach 25 Ehejahren, in denen sich Claire für ihren Mann Philippe regelrecht aufgeopfert ...

„Aux Champs Elysées“ ist ein recht ungewöhnlicher Krimi, der einige Thriller-Elemente enthält.

Doch nun zum Inhalt:

Nach 25 Ehejahren, in denen sich Claire für ihren Mann Philippe regelrecht aufgeopfert hat, ihm den Rücken fr gehalten hat, den Haushalt geschupft und die beiden Töchter groß gezogen hat, legt sich in ihrem Verhalten ein Schalter um, und sie verbannt ihren Ehemann in einen Schrank im Keller.

Warum erst jetzt? Sie ist der ständigen Frauengeschichten überdrüssig. Vor allem, als sie entdeckt, dass Isabelle, Philippes Geliebte ein Kind erwartet.

Meine Meinung:

Hm, es ist nicht ganz einfach dieses Buch zu beschreiben. Die kurzen Kapitel gemahnen eher an ein Filmdrehbuch, mit vielen „harten Schnitten“ als an einen Krimi. Einerseits kann man Claire verstehen, dass sie sich an ihrem Mann rächen will, doch für mich bleibt die Frage, „warum erst jetzt?“ unbeantwortet. Sie webt das Gespinst der Rache dicht und bezieht auch Isabelle in ihren Feldzug ein. Die Spannung steigert sich zusehends und fällt dann leider abrupt ab. Das Ende hätte ich mir doch ein bisserl anders gewünscht.

Interessant sind die Charaktere rund um Claire. Zum einem die 80-jährige Emilie, die von ihrer Wohnung das Haus von Philippe und Claire bestens beobachten kann. Das hat mich an Alfred Hitchcocks Film „Das Fenster zum Hof“ erinnert. Aus Emilies Rolle hätte noch viel mehr herausgearbeitet werden können. Man spürt, wie sie an Claire zweifelt, wie sie das Böse wittert, sich aber immer wieder durch Claires Ablenkungsmanöver einlullen lässt. Ehrlich gesagt, habe ich an der einen oder anderen Stelle um die alte Frau ein wenig gebangt, weil ja Claire trotz ihres ausgefeilten Planes, ein wenig unberechenbar erschient.

Zum anderen ist der virile, farbige Kriminalbeamte eine vielschichtige Persönlichkeit. Er ist hin- und her gerissen zwischen Claire, die ihre Rolle als verzweifelte Ehefrau, sehr gut spielt, und seinem Job als Ermittler.

Dieser Krimi, der als „Paris-Krimi“ bezeichnet wird, könnte in jeder beliebigen Stadt spielen. Das Pariser Flair kommt nicht so recht zur Geltung.

Fazit:

Hat mich leider nicht so recht überzeugt. Daher nur 3 Sterne.

Veröffentlicht am 31.01.2020

Hat mich enttäuscht zurück gelassen

Die Galerie am Potsdamer Platz
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Alexandra Cedrino nimmt uns in ihrem Roman-Debüt ist das Berlin der 1930er Jahre mit.

Alice Waldmann, reist 1930 nach dem Tod ihrer Mutter von Wien nach Berlin. Dort will sie dem streng gehüteten Familiengeheimnis ...

Alexandra Cedrino nimmt uns in ihrem Roman-Debüt ist das Berlin der 1930er Jahre mit.

Alice Waldmann, reist 1930 nach dem Tod ihrer Mutter von Wien nach Berlin. Dort will sie dem streng gehüteten Familiengeheimnis auf die Spur kommen. Der Empfang bei ihrer Verwandtschaft ist mehr als frostig. Besonders von ihrer Großmutter Helena schlägt Alice unversöhnlicher Hass entgegen. Helena sieht in Alice nur ein „Kuckuckskind“, das sich ins gemachte Netz setzen will.
Während sich Alice einerseits einen Name als Kunstfotografin macht und sich andererseits unschlüssig in Berlin treiben lässt, und sich in den Deutsch-Iren John verliebt, verändert sich das Bild auf den Straßen: Verbände der SA und SS marschieren, prügeln sich mit Sozialisten und beginnen mit Repressalien gegen die jüdische Bevölkerung. Mitten drinnen, um nicht zu sagen, ein führender Kopf ist Erik, den die Waldmanns als Kunden für die wieder eröffnete Kunstgalerie gewinnen wollen. Doch zu welchem Preis?

Meine Meinung:

Das Buch ist das erste einer Trilogie. Leider ist dieser Auftakt nicht gut gelungen. Weder die Stimmung in Berlin, noch die Charaktere reißen mich vom Hocker. Erst sehr spät erfährt man Helenas Geheimnis. Ich hätte mir mehr über das Umfeld der Kunsthändler gewünscht, vor allem weil die Autorin aus der Kunsthändlerfamilie Gurlitt stammt, und einiges berichten könnte.
Die ganze Geschichte dümpelt irgendwie dahin. Je länger sie dauert, desto unzufriedener bin ich mit Alice geworden. Ihr Gehabe ist mir stellenweise echt auf die Nerven gegangen.

Eine Straffung mancher Szenen hätte dem Roman gut getan.

Fazit:

Die Leseprobe hat mehr versprochen, als das Buch gehalten hat. Leider nur zwei Sterne.

Veröffentlicht am 27.01.2020

Wieder eine gelungene Forsetzung

Das Leuchten über dem Gipfel
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Es ist Sommer in Südtirol. Claudio Saltapepe macht ein paar Tage Urlaub in Toblach und sieht seinem Lieblingsfußballverein, dem SSC Napoli, der hier in der frischen Bergluft sein Sommercamp veranstaltet, ...

Es ist Sommer in Südtirol. Claudio Saltapepe macht ein paar Tage Urlaub in Toblach und sieht seinem Lieblingsfußballverein, dem SSC Napoli, der hier in der frischen Bergluft sein Sommercamp veranstaltet, beim Dribbeln zu, während Commissario Grauner, erklärter Gustav-Mahler-Fan und Viechbauer, die Stellung in der Questura in Bozen hält.

Doch die Geruhsamkeit währt nicht lange, denn Saltapepe ruft Grauner um Hilfe. Einer der Spieler ist plötzlich verschwunden und seltsame Dinge scheinen vorzugehen. Obwohl Grauner mit 22 Männern, die einem Ball nachjagen, so gar nichts am Hut hat, fährt er ins Pustertal, denn dort finden die jährlichen Mahler-Musikwochen statt. Ob er wohl noch zwei Karten ergattern kann? Doch bevor er sich noch einem etwaigen Musikgenuss hingeben kann, muss noch fleißig ermittelt werden. Denn wer hat die Leiche in Saltapepes Giulietta gelegt? Oder war das ein Versehen?

Meine Meinung:

Diesmal spielt Lenz Koppelstätter seine große Klasse aus. Die UNterschiede zwischen Grauner und Saltapepe könnten nicht größer sein: Der eine liebt klassische Musik und die Stille, der andere Fußball und Partys. Dennoch ergänzen sich die beiden vortrefflich. Auch Staatsanwalt Belli taucht wieder einmal auf, ist aber diesmal fast streichelweich. Woran das liegt? Hat er begriffen, dass die beiden Ermittler gute Arbeit leisten?

Wie immer gibt es neben der Krimihandlung einige humorvolle Szenen, die einen schmunzeln lassen. Mehrmals führt uns der Autor ein wenig an der Nase herum. Das Ende ist schlüssig und schön rund.

Fazit:

Wieder ein gut gelungener Südtirol-Krimi aus der Feder von Lenz Koppelstätter, daher 5 Sterne.

Veröffentlicht am 27.01.2020

Ein toller Reihenauftakt

Der freie Hund
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Weil Commissario Antonio Morelli in Sizilien einige korrupte Politiker und MItglieder der Mafia verhaftet hat, wird er zu seinem Schutz nach Venedig versetzt. Diese Maßnahme kommt weder bei Morelli selbst ...

Weil Commissario Antonio Morelli in Sizilien einige korrupte Politiker und MItglieder der Mafia verhaftet hat, wird er zu seinem Schutz nach Venedig versetzt. Diese Maßnahme kommt weder bei Morelli selbst noch bei seinem neuen Team wirklich gut an. Immerhin haben sich zwei Mitarbeiter Chancen auf den Chef-Sessel ausgerechnet und Morelli hasst Venedig von der ersten Minute an: Dreckig, von üblen Gerüchen und massenhaft auftretenden Touristen überfüllt, schmeckt nicht einmal der Espresso doppio. Dass er dann noch ein unfreiwilliges Bad in einem der Kanäle nimmt, um einen Taschendieb zu verhaften, vergällt ihm seinen ersten Arbeitstag zusätzlich.

Erst als der Sohn einer reichen Familie und erbitterter Gegner der Kreuzfahrtschiffe ermordet wird, kommt so etwas Leben in Morelli. Sein Instinkt, der ihn bislang in heiklen Situationen gerettet hat, deutet Verstrickungen an, die er aus seiner Heimat Sizilien kennt.

Meine Meinung:

Ein toller Auftakt zu einer neuen Krimi-Reihe, die in Venedig spielt.
Sehr dramatisch sind die Vorurteile der Venezianer dem Sizilianer gegenüber dargestellt, die denen von Morelli um nichts nachstehen. Da muss schon die schöne Nachbarin Silvia kommen, um ihm ein anderes Venedig zu zeigen. Ob sich da etwas entwickelt? Wahrscheinlich nicht so bald, denn Morelli trauert noch immer um seine Frau Sara, die durch eine ihm geltenden Autobombe getötet worden ist.
Der Leser erfährt auch einiges aus dem Familienleben Morellis, das von bitterer Armut geprägt war.

Der Schreibstil lässt sich sehr gut lesen. Man lernt Venedig auch abseits der ausgelatschten Touristenpfade kennen.
Aufgefallen ist mir, wie zwischen den Hierarchien in der Dienststelle streng unterschieden wird: Der Ranghöhrere duzt den Rangniederen. Der Vice-Questore duzt Morelli, der wiederum seine Mitarbeiter. Klingt für mich ziemlich schräg, obwohl ich auch in einer hierarchischen Umgebung arbeite.

Fazit:

Ein fesselnder Auftakt einer neuen Krimi-Reihe aus der Lagunenstadt. gerne gebe ich hier 4 sterne.

Veröffentlicht am 27.01.2020

Fesselnd bis zur letzten Seite

Feuer im Elysium
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Autor Oliver Buslau nimmt uns in das Wien von 1824 mit. Es ist die Zeit der Restauration, die Zeit von Fürst Metternich, der mit seinem Polizeiapparat jegliche revolutionäre Strömung im Keim erstickt. ...

Autor Oliver Buslau nimmt uns in das Wien von 1824 mit. Es ist die Zeit der Restauration, die Zeit von Fürst Metternich, der mit seinem Polizeiapparat jegliche revolutionäre Strömung im Keim erstickt. Tausende Spitzel, Konfidenten genannt, tummeln sich in Wien. Kein Wunder, dass sich die Leute eher in ihr trautes Heim zurückziehen und Hausmusik pflegen. Doch es werden nicht nur kleine private Konzerte gegeben. Der große Ludwig van Beethoven schickt sich an, seine Neunte Symphonie aufzuführen. Gigantisch, groß und von der Zensur argwöhnisch beäugt. Hat er doch eine Ballade von Friedrich Schiller vertont. Jener Friedrich Schiller, der den Mächtigen der Zeit als Revoluzzer gilt.

In dieses Umfeld gerät nun der junge Schlossverwalter Sebastian Reiser, der nach dem Unfalltod seines Herren, dem Edlen von Sonnberg, und dem damit einhergehenden Verlust seiner Stellung, nun in Wien nach einer neuen Beschäftigung suche muss. Doch damit nicht genug, ist bei selbigem Unfall auf Reisers Vater gestorben und aus der möglichen Hochzeit mit Theresia von Sonnberg wird nun wohl nichts.
Sebastian gerät auf der Suche nach einer Anstellung beim Staat in eine Reihe von Intrigen. Das einzige, was in aufrecht hält, ist die Bekanntschaft mit dem Orchester, das die Neunte Beethovens im Kärntnertortheater aufführen soll. Der junge Mann ist ein begabter Geiger und erhält die Chance hier mitzuwirken. Gleichzeitig soll er die Musikanten und vor allem Beethoven nach verbotenen Machenschaften aushorchen. Denn die Aufführung der Symphonie ist sowohl bei den Behörden als auch bei den konservativen Musikliebhabern gleichermaßen umstritten, wenn auch aus anderen Gründen.

Die Musik ist aufwühlend, noch nie da gewesen - kann sie eine neue Revolution entfachen?

Meine Meinung:

Dieser fesselnde Krimi ist gerade rechtzeitig zum Beethoven-Jahr erschienen. Man ist sich ja nicht einig ob Beethoven wirklich vor 250 Jahren, also 1770 geboren wurde. Dass der Komponist zeitweise ein Faible für Napoleon Bonaparte hatte, ist bekannt.

Oliver Buslau gelingt es vortrefflich, Fakten und Fiktion zu einem fesselnden historischen Krimi zu verknüpfen. Wir begegnen historischen Personen Ludwig van Beethoven, seinem Neffen Karl van Beethoven, Franz Schubert, Fürst Lichnowksy, Kaiser Joseph II. oder Karl Follen. Auch der (echte) Versuch in Gedenken an den zum Tode verurteilten Carl Ludwig Sand, der seinerseits August Kotzebue ermordet hat, ist hier geschickt in die komplexe Handlung eingebaut.
Für den „Konzipienten Hänsel“ gibt es ebenfalls ein historisches Vorbild mit ähnlichem Namen, wie aus den Schriften von Beethovens Schüler Carl Czerny bekannt ist.

So wie Reiser nicht genau weiß, wer Freund, wer Feind ist, wird auch der Leser mehrfach an der Nase herumgeführt. Die Spannung hält bis zu den letzten Seiten. An manchen Stellen hatte ich schon den begründeten Verdacht, wer der wirkliche Feind des Sebastian Reiser ist. Das warum enthüllt sich erst später.
Wie lässt der Autor den Komponisten Franz Schubert auf S. 366 so treffend sagen: „Die Lösung eines Rätsels gebiert das nächste“.

Gemeinsam mit Sebastian Reiser gehen durch das Wien von 1824. Die Stadtmauer steht zu dieser Zeit noch, man kann die Mauer nur an bestimmten Stadttoren passieren. Das Stubentor gerät quasi zum Albtraum von Sebastian Reiser, der es mehrmals durchschreiten muss. Wir spazieren über den Josefsplatz, den Graben und treffen uns auf dem Schanzl beim Donaukanal. Alles Orte, die mir als Wienerin natürlich bestens vertraut sind, auch wenn nicht mehr alle in der Form von 1824 existieren.

Ein Besuch im Narrenturm, darf natürlich auch nicht fehlen. Hier im hölzernen Oktogon, das als Dachaufbau auf dem Backsteinbau thront, soll Kaiser Joseph II. seine Freimaurerbrüder getroffen haben. Die Drahtzieher eines möglichen Bombenattentates à la Guy Fawkes (Gun Powder Plot vom 05.11.1605) aus dem Narrenturm heraus agieren zu lassen, ist eine tolle Idee.

Sprachlich ist der Krimi sehr gut gelungen. Die bedrückende Atmosphäre, die Gefahr, immer und überall, belauscht zu werden, lässt sich ausgezeichnet nach vollziehen. Die Charaktere haben Ecken und Kanten. Manchen glaubt man sofort, dass sie die Drahtzieher eines Komplottes sind, andere agieren so hinterhältig, dass es eine Weile dauert, Freund von Feind zu unterscheiden.

Das im Emons-Verlag erschienene Buch besticht durch eine tolle und gediegene Aufmachung. Diesmal als Hardcover von einem matten schwarzen Schutzumschlag umhüllt, auf dem das Konterfei des großen Künstler erhaben und glänzend hervorgehoben wird.

Fazit:

Diesem historischen Krimi, der mich bis zum Schluss gefesselt hat, gebe ich gerne 5 Stern und eine Leseempfehlung.