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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.10.2019

HIer habe ich ein wenig mehr erwartet

Haben schon alle abgestimmt?
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Als der ORF-Moderator Eugen Freund unfreiwillig in die Pension geschickt wird, ist für ihn noch lange nicht Schluss. Er lässt sich als Spitzenkandidat der Sozialdemokraten Österreichs für die Europa-Wahl ...

Als der ORF-Moderator Eugen Freund unfreiwillig in die Pension geschickt wird, ist für ihn noch lange nicht Schluss. Er lässt sich als Spitzenkandidat der Sozialdemokraten Österreichs für die Europa-Wahl 2014 aufstellen und erhält als einer von 18 Vertretern Österreichs einen Sitz im EU-Parlament.

Dieses Buch beschreibt seinen Werdegang zum Politiker und welche Herausforderungen die neue Position nach sich gezogen hat.

Eugen Freund erzählt über seine Erfahrungen manchmal mit Augenzwinkern, manchmal blitzt ein wenig der Frust zwischen den Zeilen durch. Die Bilanz scheint ein wenig durchwachsen zu sein. Auf der einen Seite die unterschiedlichen Interessen der Mitgliedsstaaten unter einen Hut zu bringen und andererseits das Interesse der Menschen in den Heimatländern an der Arbeit der EU-Parlamentarier zu wecken. Als Bewährungsprobe sieht der Autor das Jahr 2015 und seine Flüchtlingssituation, die die Grenzen der europäischen Solidarität deutlich aufgezeigt hat.

Dass es zwischen den Abgeordneten mehr Solidarität als zwischen den Ländern gibt, zeigt die nette Geschichte, wie Freund als Babysitter einspringt, als die Kindesmutter einen Vortrag hält (S.140/141). Wer hätte das gedacht?
Das eine oder andere Schmankerl aus dem Inneren des EU-Parlaments findet sich auch in diesem Buch. Einige Kapitel sind mit einer knappen Seite (Papst-Besuch S. 60) recht kurz, in anderen werden einzelne Reden wortwörtlich abgedruckt.

Fazit:

Ein kurzer Rückblick auf eine Abgeordneten-Periode im EU-Parlament von dem ich mir etwas mehr erwartet habe. Daher nur 3 Sterne.

Veröffentlicht am 19.10.2019

Mörderisches KLassentreffen

Hüttenkatz
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Eigentlich kann Steinböck diesem Klassentreffen nicht wirklich etwas abgewinnen. Nach 30 Jahren ein Wiedersehen und noch dazu auf einem Berg, der ihm die Aussicht auf den Gardasee versperrt? Nun gut, er ...

Eigentlich kann Steinböck diesem Klassentreffen nicht wirklich etwas abgewinnen. Nach 30 Jahren ein Wiedersehen und noch dazu auf einem Berg, der ihm die Aussicht auf den Gardasee versperrt? Nun gut, er fährt doch, Frau Merkel heimlich im Gepäck.

Die Teilnehmer sind ziemlich überrascht, dass Elias, der seit 30 Jahren als tot gilt, als Initiator des Klassentreffens persönlich auftritt. Man hat sich einige zu erzählen. Die Wiedersehensfreude währt nicht lange, denn am nächsten Morgen sind Elias und Florian tot. Ermordet in der Sauna. Steinböck und Frau Merkel müssen anfangs ganz ohne das bewährte Team von Emil Mayer jr. und Ilona auskommen, weil ein Unwetter zu einem Stromausfall führt und die Berghütte von der Umwelt abgeschlossen ist.

Zum Glück funktioniert die Materialseilbahn wieder und die Vorhut erscheint in Form von Emil Mayer jr. samt Rollstuhl und dem Kollegen von der Spusi.

Warum wurden Elias und Florian ermordet? Wer ist das eigentliche Opfer, wer der Kollateralschaden? Noch bevor es eine entscheidende Spur gibt, stirbt der nächste Teilnehmer. Ist Steinböck auch in Gefahr?

Meine Meinung:

Autor Kaspar Panizza ist wieder ein kolossaler Regional-Krimi gelungen! Diesmal gibt es noch jemanden, der die Katze sprechen hört, ihre Statements aber nicht wirklich einordnen kann.

Der Krimi besticht durch viele falsche Fährten, Sackgassen und überraschende Wendungen, so dass der Leser ziemlich an der Nase herumgeführt wird. Die Auflösung ist dennoch schlüssig. Obwohl das Setting, einsame Berghütte ohne Verbindung zur Außenwelt und einige Tote schon mehrfach beschrieben worden ist, findet sich die eine oder andere neue Facette.
Wie heißt es doch so nett bei Wilhelm Busch? „Dieses war der erste Streich und der zweite folgt sogleich.“ Hier müsste es wohl heißen: „Dieses ist die erste und zweite Leich‘ und die dritte folgt sogleich!“ .

Gut gelungen sind wieder die sozialkritischen Aspekte, die hier angebracht sind.

Die Charaktere sind wieder ausgesprochen gut gelungen. Köstlich auch die Szenen mit der Modenschau! Steinböck in Tracht und Frau Merkel, die als „Drogenspürkatze“ eingeführt, einige Personen hektisch am Smartphone herumwischen lässt.

Fazit:

Wieder ein fesselnder Krimi, der mit seinen eigenwilligen Protagonisten punktet. Ich freu‘ mich schon auf Fall 5. Vorab natürlich wieder 5 Sterne für Frau Merkel & Co.

Veröffentlicht am 11.10.2019

Eintauchen in das Berlin und Weimar von 1918/19

Amalientöchter
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Mit diesem historischen Roman hat Autorin Joan Weng wieder ein gut recherchiertes und flüssig geschriebenes Buch verfasst.

Worum geht’s?

Wir schreiben das Jahr 1918 und der Große Krieg (wie der Erste ...

Mit diesem historischen Roman hat Autorin Joan Weng wieder ein gut recherchiertes und flüssig geschriebenes Buch verfasst.

Worum geht’s?

Wir schreiben das Jahr 1918 und der Große Krieg (wie der Erste Weltkrieg damals genannt wurde) ist endlich vorbei. Klara eine Tochter aus gutem Hause in Weimar will der Enge der Heimatstadt entfliehen. Sie hat das Schicksal ihrer Freundinnen vor Augen: Die eine ist Kurz nach der Hochzeit zur Kriegswitwe geworden, die andere hat nur ihre Hochzeit im Kopf. Klara weiß, dass es noch ein wenig mehr geben muss.
Ihr Verlobter Fritz ist Armeearzt und nach wie vor in den diversen Lazaretten im Einsatz. Also packt Klara kurzer Hand, trotz aller Bedenken von Fritz und ihrer Mutter, ihren Koffer. In Berlin angekommen, trifft sie zuerst auf Kiki, eine lebenslustige Frau und Freundin von Fritz, dann auf Martha, eine Zeitungsherausgeberin. Für deren Magazin, das sich ausschließlich an Frauen richtet, schreibt sie Artikel und Fortsetzungsgeschichten.
Doch das Leben in Berlin besteht nicht nur aus Festen, Liebe und Swing. Es die Zeit ist kurz vor der Gründung der „Weimarer Republik“, deren Zeugen Klara (und die Leser) werden. Es ist die Zeit in der Konservative gegen Sozialisten und Kommunisten mit Waffengewalt vorgehen. Es ist Revolution in Berlin - und Klara und Fritz sind mitten drin.


Meine Meinung:

Ich bin, wie immer bei Joan Wengs Bücher, ganz tief in die Zeit „hinein gekippt“. Die Autorin erzählt historische Details so fesselnd, dass man gar nicht merkt, Geschichtsunterricht zu bekommen. Das mag ich an Joan Wneg besonders, dass sie Fakten und Fiktion so gekonnt vermengt. Die Aufbruchsstimmung in Deutschland, der Mut der streitbaren Frauen, die es satt haben, der Armut nicht entrinnen zu können. Besonders beeindruckend ist jener Abschnitt in „Kiki Klassens Reisetagebuch“, in dem es um ungewollte Schwangerschaften geht.

Mit gefällt die Entwicklung, die Klara durchgemacht hat. Sie war zwar schon immer ein wenig eine (geheime) Revoluzzerin, aber sie reift durch die verschiedenen Schicksalsschläge. Seien es ihre eigenen oder die der anderen Frauen. So ist auch die Trennung von Klaras großer Liebe Fritz zu erklären. Er muss tun, was ihm sein ärztliches Gewissen rät, nachdem hier in Berlin Freunde auf einander geschossen haben - er will nach Afrika auswandern. Klara sieht ihre Bestimmung im Artikel für die Zeitung schreiben.

Die bildhafte Beschreibung von Berlin und Weimar haben mich an unseren Sommerurlaub erinnert, in dem wir in beiden Städten auf den Spuren der Weimarer Republik (und natürlich Goethes und Schillers) gewandelt sind.

Fazit:

Ein toller historischer Roman, der uns in die Zeit von 1918/19 eintauchen lässt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 11.10.2019

Eine Frau und ihre Maler

„Ich will unsterblich werden!“
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„Ich will unsterblich werden“ - Diesen doch recht ungewöhnlichen Wunsch äußert
Friederike Maria Beer (1891–1980) schon in jungen Jahren. Wer ist diese ungewöhnliche Frau? Margret Greiner zeichnet eine ...

„Ich will unsterblich werden“ - Diesen doch recht ungewöhnlichen Wunsch äußert
Friederike Maria Beer (1891–1980) schon in jungen Jahren. Wer ist diese ungewöhnliche Frau? Margret Greiner zeichnet eine sehr spannende Biografie.

Friederike Maria Beer ist die Tochter einer Barbesitzerin, doch nicht irgendeiner Bar: Ihre Mutter führt die legendäre Kaiserbar in Wien, in der sich Künstler und Mäzene ein Stelldichein geben. Friederike selbst nimmt gegen den Willen der Mutter Schauspielunterricht und wird zum lebenden Modell der Haute Couture der Salons des bekannten Salons der Schwestern Flöge. Dann kreuzt der Maler und Industriellensohn Hans Böhler ihren Lebensweg. Die beiden verlieben sich und leben ohne Trauschein miteinander. Welch ein Skandal!. Hans und Fritzi verbindet später eine lebenslange tiefe Freundschaft.
Fritzi steht Hans nackt Modell. Fritzi setzt sich in den Kopf von den prominentesten Maler dieser Zeit gemalt zu werden: Bei Egon Schiele und Gustav Klimt gelingt dies. Nur bei Oskar Kokoschka klappt es nicht. Der muss in den Großen Krieg ziehen. Allerdings überlebt er Schiele und Klimt um Jahrzehnte.

Fritzi ist unstet, will reisen, Wien ist ihr zu klein geworden, das geschrumpfte Österreich sowieso. SIe lernt einen italienischen Marineoffzier Monti kennen, heiratet Hals über Kopf - und flieht vor der Enge der Ehe, der Kleinheit der Insel Procida und vor dem Faschismus eines Mussolinis.

Als sie wenig später den viel jüngeren amerikanischen Studenten Hugh Stix kennenlernt, krempelt sie ihr Leben völlig um. Sie folgt ihm Mitte der 1930er Jahre nach New York. Hier beweist sie Weitblick, denn eigentlich stammt sie aus einer jüdischen Familie, die mehrfach das Bekenntnis gewechselt hat. Sie hilft als Leiterin von Hugh Stix‘ Galerie „Artist Gallery“ Dutzenden österreichischen Künstler Europa und die Nazis zu verlassen.

"Malerei ist Ankommen an einem anderen Ort" gemäß dieses Zitats von Franz Marc, haben Maler und Bilder das ganze lange Leben von Fritzi eine große Rolle gespielt.


Sie lebt bis ins hohe Alter in Hawai, wo sie sich letztendlich fast 90-jährig, das Leben nimmt.

Meine Meinung

Wie wir es von der Autorin gewöhnt sind, besticht auch diese Biografie durch penible Recherche und einen wunderbaren Schreibstil. Man meint, Friederike Beer-Monti beim Flanieren zu begegnen. Keine Minute kommt Langeweile auf. Farbenprächtig wie Klimts Gemälde ist dieses Buch geschrieben. Dazu passt auch das Cover perfekt, dass eben dieses Porträt zeigt, das Gustav Klimt von ihr gemalt hat. Zahlreiche Fotos ergänzen das Buch, das in gewohnter, sorgfältiger AUfmachung im Verlag Kremayr und Scheriau erschienen ist. Auf S. 61 sieht man Friederike als junges Mädl in einem Hauskleid der Wiener Werkstätte in ihrer Wohnung, die Josef Hoffmann eingerichtet und Hans Böhler bezahlt hat.

Durch die Bilder, die zahlreiche Maler wie Klimt, Schiele oder Böhler von ihr gemalt haben, ist Friederike Beer-Monti tatsächlich unsterblich geworden.

Fazit:

Ich habe diese Biografie mit großem Genuss gelesen und gebe hier gerne 5 Sterne.

Veröffentlicht am 11.10.2019

Klassiker im modernem Gewand

Ich bin Circe
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Circe ist die Tochter von Sonnengott Helios und der Okeaniden Perse. Sie gilt als hässlich, linkisch und steht im Schatten ihrer Geschwister Pasiphaë und Aietes - die genießen das Wohlwollen der Götter.
Die ...

Circe ist die Tochter von Sonnengott Helios und der Okeaniden Perse. Sie gilt als hässlich, linkisch und steht im Schatten ihrer Geschwister Pasiphaë und Aietes - die genießen das Wohlwollen der Götter.
Die aufmüpfige Circe wird von ihrem Vater auf die kleine Insel Aiaia verbannt. Dort verfeinert sie ihre Fähigkeiten als Kräuterhexe und lebt mit wilden Tieren und der ungezügelten Natur. Die Insel mausert sich im Laufe der Zeit als „Parkplatz“ für ungezogenen Nymphen. Doch auch Menschen landen an ihrer Küste. Eine alleinstehende Frau ist auch dann Freiwild, wenn es sich um die Tochter eines Gottes handelt...

Doch im Laufe der Zeit wird Circe weiser, setzt ihre Zauberkräfte gezielt ein und lernt auch die Gesellschaft von Sterblichen wie Odysseus zu schätzen. Damit stellt sie sich allerdings gegen diverse Vorschriften der göttlichen Familie.


Meine Meinung:

Eigentlich müsste der Titel ja „Kirke“ lauten, denn so hieß die Tochter des Helios auf altgriechisch. Es hat sich aber die latinisierte Form mit „C“ eingebürgert, die häufig auch Zirze geschrieben wird. Sei es wie es sei. Der Autorin ist ein gut lesbarer Fantasy-Roman gelungen. Angelehnt an die Griechischen Sagen des Altertum begegnen wir einer Vielzahl von Göttern, Halbgöttern, Nymphen, Hexen und Sterblichen.

Sehr gelungen finde ich die Idee, die Geschichte(n) aus Circes Perspektive zu erzählen. Der Schreibstil ist weit flapsiger als die Neubearbeitung der Sagen des Klassischen Altertums von Michael Köhlmeiers. Die Sprache ist stellenweise sehr modern und man begegnet Dingen, die in der Antike noch lange nicht bekannt waren, wie zum Beispiel den Paradeisern: „Hast du Tomaten auf den Augen?“ Das Nachtschattengewächs wurde erst mit Kolumbus & Co. so rund um 1500 n. Chr. nach Europa gebracht.

Mir hat Circe gut gefallen. Sie ist alles andere als unfehlbar. Sie hat mehr mit den Sterblichen gemeinsam, als ihr bewusst ist. Sie kränkt sich, sie ist wütend und manchmal unentschlossen. Sehr energisch geht sie vor, als Athene ihren Sohn bedroht: Wie eine Helikoptermutter der Gegenwart, räumt sie Telegonos alle möglichen Gefahren aus dem Weg.

Fazit:

Wer gerne klassischen Stoff auf moderne Art dargebracht, liest, ist hier richtig. Gerne gebe ich 4 Sterne.