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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.05.2025

Eine klare Leseempfehlung!

Der alte Mann vom Main
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Dieser historische Krimi entführt uns in den März 1945. Die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs für die Stadt Würzburg brechen an. Der ehemalige, pensionierte Staatsanwalt Walter Gänslein trifft in den ...

Dieser historische Krimi entführt uns in den März 1945. Die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs für die Stadt Würzburg brechen an. Der ehemalige, pensionierte Staatsanwalt Walter Gänslein trifft in den Trümmern seiner Heimatstadt nicht nur auf die etwas gleich alte Henriette Kerstan und die beiden verlieben sich Hals über Kopf ineinander, sondern begegnet auch fanatischen Hitlerjungen, die nach wie vor an den Endsieg glauben.

Wenig später, wird es unter Androhung der Kriegsgerichts zum Volkssturm abkommandiert. Sein Ziel ist es, die sinnlosen Kämpfe um die Stadt möglichst unbeschadet zu überleben. Wenig später ergibt er sich den Amerikanern. Beim Verhör durch einen ehemaligen Würzburger Juden, der als Soldat bei der US-Army dient, gesteht er den größten Fehler seines Lebens, der nichts mit dem NS-Regime zu tun hat, und trifft kurz darauf auf eine Person, mit der er niemals im Leben gerechnet hätte.

Meine Meinung:

Wie Autor Alexander Meining im Nachwort erzählt, basiert dieser historische Krimi auf wahren Begebenheiten. Gekonnt verknüpft er reale Ereignisse mit fiktiven Elementen. Der Autor beschreibt die Kämpfe zwischen den wenigen NS-Soldaten, die umso verbissener gegen die US-Truppen kämpfen, je aussichtsloser die Situation ist, sehr genau. Da sind Vater und Sohn, einer fanatischer als der andere, wobei der Vater längst weiß, dass das Tausendjährige Reich nach zwölf Jahren in Trümmern liegt. Während der Sohn, indoktriniert und verblendet, den Führerbefehl, kämpfen bis zum letzten Mann wörtlich nimmt, versucht der Vater Würzburg zu verlassen.

Die Geschichte von Walter Gänslein ist hoch emotional und durchaus glaubhaft dargestellt. Dass Walter und Henriette kein Happy End vergönnt ist, ist zwar schade, macht aber die Ereignisse glaubhaft .

Der Schreibstil ist eindringlich und vermittelt ein realistisches Bild der Tage im März 1945. Für seinen Roman hat Alexander Meining in zahlreichen Archiven penibel recherchiert-

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Krimi 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 12.05.2025

Eine Hommage an die Pionierinnen des Frauenfußballs

»Wir waren Heldinnen«
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Ich habe letztes Jahr zum Thema Frauenfußball in Deutschland den historischen Roman „Der Traum vom Tor“ von Juliana Weinberg gelesen. Das Buch handelt von der fiktiven Luise, die unbedingt wie ihre Brüder ...

Ich habe letztes Jahr zum Thema Frauenfußball in Deutschland den historischen Roman „Der Traum vom Tor“ von Juliana Weinberg gelesen. Das Buch handelt von der fiktiven Luise, die unbedingt wie ihre Brüder Fußball spielen will, koste es was es wolle.

Nun ist mit „Wir waren Heldinnen“ ein Sachbuch erschienen, das die Anfänge des deutschen Frauenfußballs, der ja bis 1970 verboten war, fundiert recherchiert, erzählt. Es sind die Mädchen und Frauen, die im Bann des „Wunders von Bern von 1954“ ihre Leidenschaft für das runde Leder (das häufig weder rund noch aus Leder war) entdeckt haben.

„König Fußball regiert die Welt, und der König war stets ein Mann. Jahrzehntelang galt: Frauen gehören an den Herd, nicht auf den Sportplatz. Bei kaum einer Sportart verteidigte die Männerwelt ihr Revier so unerbittlich wie beim Fußball. Bis 1970 war Frauenfußball offiziell in der Bundesrepublik verboten. Doch mutige Pionierinnen ließen sich nicht beirren und spielten trotzdem. Sie setzten sich gegen engstirnige Autoritäten durch, sie eroberten Fußballplätze, selbst wenn man sie davonjagte, mit Steinen bewarf, beschimpfte.“

Doch gibt es nicht Königinnen, die herrschten? Was ist mit Queen Elisabeth, Königin Margarethe, Königin Juliane und deren Tochter Königin Beatrix? Also, von den genannten ist nun nicht bekannt, dass sie Fußball gespielt hätten. Doch die von Königinnen regierten Niederlande sind Jahre lang führend im Frauenfußball und mehrfach die Gegnerinnen der deutschen Frauennationalmannschaft (noch bevor es sie ab 1982 offiziell gibt).

Das Buch ist aber gleichzeitig die Geschichte einer männlich dominierten Sportart, die Frauen das Fußball spielen nicht gönnten und sie lächerlich machten, wenn sie es trotzdem wagten. Die mächtigen (heute sagt frau) alten weißen Männer) haben den Fußballbegeisterten Frauen jeden nur erdenklichen Stein in den Weg gelegt. Sei es, dass man bestehenden Vereinen bei Strafe verboten hat, ihre Infrastruktur wie Platz und Kabinen, den Frauen zur Verfügung zu stellen. Nur ganz wenige haben sie über dieses Verbot hinweg gesetzt, so wie Fortuna Dortmund. Oder sei es, dass man sie lächerlich gemacht, sie Emanzen und/oder Lesbierinnen genannt hat. Manche tun es heute noch.
Deshalb ist Angela Merkels Bemerkung in ihrer Neujahrsansprache 2006 anlässlich der anstehenden Fußball-Weltmeisterschaft der Männer ein echtes Hightlight:

„Die Frauenfußball-Nationalmannschaft ist schon ja schon Fußballweltmeister, und ich sehe keinen Grund, warum Männer nicht das Gleiche leisten können wie Frauen.“
Man muss den Satz allerdings laut vorlesen, um die feine Ironie herauszuhören. Apropos, Weltmeister 2006 wurde Italien.
Autor Torsten Körner hat Archive gewälzt und mit den noch lebenden Pionierinnen Interview geführt, die auch ihre Privatarchive für ihn und sein Buch geöffnet haben. Er fördert amüsantes und schier unglaubliches zutage. Er gräbt die Geschichte von Brigitte „Gitta“ Lettl (Jahrgang 1942) aus, die - welch Ironie - im selben Haus iwie die Brüder Franz und Walter Beckenbauer wohnt. Sie spielt mit ihnen auf der Straße Fußball. Während die Brüder bald zu einem Verein wechseln, gibt es für Gitta keinen.

Oder Helga Faul (1936-2015), die nachdem es keinen Verein gibt, der Frauen aufnimmt, am 3. April 1957 gemeinsam mit einigen Mitstreiterinnen kurzerhand den 1. Damen-Fußballverein Nürnberg gründet.

So finden sich zahlreiche Mädchen, die ihrer Leidenschaft nachzugehen. Doch was auf der Straße unter Kopfschütteln der Passanten gerade noch toleriert wird, ist in der Schule ein No-Go. Mädchen sollen sich im graziösen Geräte Turnen üben, maximal Handball spielen, aber Fußball? Die Gründe, warum es Frauen verboten sein soll, Fußball zu spielen, sind so zahlreich wie abstrus. Es widerspräche der natürlichen Ordnung Mädchen und Frauen schwitzend in kurzen Hosen dem Ball nachjagen zu sehen. Fußball beeinträchtige die Fruchtbarkeit? Müssten da nicht eher die Männer um ihre private parts in Sorge sein? Ein Ball aus 10, 20 Meter Entfernung in die untere Leibesmitte zu bekommen, hat schon öfters einen Fußballer gefällt.

Dass mich die Präpotenz und die Ignoranz der Verantwortlichen (Fußballer, Vereinsfunktionäre, Sportminister, FIFA etc.) ziemlich wütend gemacht hat, brauche ich wohl nicht extra erwähnen.

Torsten Körner erinnert uns mit diesem Plädoyer für den Frauenfußball, dass es für Mädchen und Frauen nach wie vor nicht selbstverständlich ist, den runden Leder nachzulaufen, von Gagen wie bei den Männern ganz zu schweigen. Und ja, diese Mädchen und Frauen waren Heldinnen!

Fazit:

Gerne gebe ich dieser Hommage an die Pionierinnen des deutschen Frauenfußballs 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 11.05.2025

Technik für Anfänger

Wie Technik Geschichte macht
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Ich kenne Ronald D. Gerste bereits aus den „Die Queen“ und und „Die Heilung der Welt“ sowie den beiden Büchern aus der Reihe „Wie XXX Geschichte macht“ (Krankheiten und Wetter). Diesem bewährten Konzept ...

Ich kenne Ronald D. Gerste bereits aus den „Die Queen“ und und „Die Heilung der Welt“ sowie den beiden Büchern aus der Reihe „Wie XXX Geschichte macht“ (Krankheiten und Wetter). Diesem bewährten Konzept der Reihe ist er auch in diesem dritten Buch treu geblieben. So gibt es hier neben dem Prolog zwölf Kapitel, in denen sich der Autor mit bahnbrechenden Erfindungen und ihren Schöpferinnen und Schöpfern beschäftigt. Im Epilog hängt Ronald D. Gerste den Gedanken nach, das nicht alles, was erfunden wird, ausschließlich friedlichen Zwecken gewidmet ist.

Prolog - Rauchende Schlote
Energie I - Und es ward Licht
Mobilität I - Unter Dampf
Kommunikation I - In Echtzeit
Mobilität II - Der Traum vom Fliegen
Kommunikation II - Die Macht des Fernsehens
Wellen I - Finest Hour
Wellen II - „Red Hot“
Energie II - Spaltende Kerne
Weltall
Leben - Herzschläge
Algorithmen - Frühe Webereiter der Digitalisierung
Epilog - Segen und Fluch

Die wohl größte und nützlichste Erfindung ist wohl jene des Buchdrucks mittels beweglichen Lettern, die untrennbar mit dem Namen Johannes Gutenberg verbunden ist, obwohl er nicht der einzige war, der sich mit der Materie beschäftigt hat.

Die Kapitel müssen nicht in chronologischer Reihenfolge gelesen werden. Jedes Kapitel ist durch die Titelüberschrift, in dem Thema und Namen der Forscher und Erfinder genannt werden, leicht identifizierbar. Man kann deshalb eine Auswahl treffen, ob dieses Kapitel gelesen werden soll oder nicht.

Wie immer, wenn es um Technik und Wissenschaft geht, sind Frauen unterrepräsentiert. Es werde hier Namen wie Lise Meitner, Hedy Lamarr und Ada Lovelance genannt. Wer etwas über die zahlreichen anderen Wissenschaftlerinnen, die maßgeblich an Erfindungen geforscht haben, lesen will, muss zu den Einzelbiografien greifen, von denen es nun einige gibt.

Ronald D. Gerstes Schreibstil ist flott und flüssig zu lesen. Durch seine durchaus humorvolle Sicht eignet sich das Buch als Einstig in die Welt der Technik und Wissenschaft auch für jene Leser, die wenig technikaffin sind und über keine vertiefenden physikalischen Kenntnisse verfügen.

Resümee:

Ein informatives und sehr gut verständliches Sachbuch, das auch Lesern, die sich bislang wenig mit der Geschichte der Technik beschäftigt haben, Freude bereiten kann. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 09.05.2025

Eine klare Leseempfehlung!

Die Trümmerschule – Zeit der Hoffnung
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Dieser historische Roman, der 1946 im zerstörten Wien spielt, ist der erste Teil eine Dilogie, die aufzeigt, dass es den vertriebenen Jüdinnen und Juden nicht leicht gemacht worden ist, in ihre Heimatstadt ...

Dieser historische Roman, der 1946 im zerstörten Wien spielt, ist der erste Teil eine Dilogie, die aufzeigt, dass es den vertriebenen Jüdinnen und Juden nicht leicht gemacht worden ist, in ihre Heimatstadt zurückzukehren. Es sind nicht nur die materiellen Schäden sondern vor allem die Nazi-Ideologie, der nach wie vor sehr viele Menschen anhängen, die Stella Herzig, einer Lehrerin, die den Krieg in England verbracht hat, das Leben schwer machen.

Beate Maly beschreibt die bangen und doch hoffnungsfrohen Stunden und Tage von Stellas Rückkehr. Die Freude über die Anstellung im Lindengymnasium wird recht schnell durch die Ablehnung einiger ihrer Kolleginnen und Kollegen getrübt, die aus ihrer Ablehnung einer Jüdin keinen Hehl machen. Es sind auch genau diese Lehrkräfte, die den Schülern, die aus ärmlichen Verhältnissen stammend, aus Platzgründen statt in die Hauptschule im Gymnasium unterrichtet werden, das (Schüler)Leben zur Hölle machen. Grundlos werden die Schüler mit dem Rohrstaberl gezüchtigt, wird ihnen Lernwille und Fleiß abgesprochen und ihnen ständig mit dem Hinauswurf gedroht. Genau diesen Schülerinnen und Schülern widmet Stella ihre besondere Aufmerksamkeit.

Unterstützt wird sie vom Direktor der Schule, der einen oder anderen Lehrkraft sowie ihrer besten Freundin Felicitas, die als Sekretärin in der Schule arbeitet. Doch Feli, wie sie genannt wird, hat ihren eigenen Kummer.

Als ein besonders begabtes Mädchen die Schule verlassen soll, um eine Lehrstelle als Schneiderin anzutreten, um zum Familienunterhalt beizutragen, überwindet sich Stella und macht einen Hausbesuch. Eine persönliche Herausforderung, denn die Familie lebt in der ehemalige Wohnung von Stellas Eltern, aus der die Familie vertrieben worden ist .....

Meine Meinung:

Beate Maly ist es eindrucksvoll gelungen, die Stimmung im Wien der Nachkriegszeit einzufangen. Das braune Gedankengut ist so schnell nicht aus den Köpfen der Menschen herauszubekommen. Das zeigt sich auch noch in meiner Gymnasialzeit in den 1970er-Jahren. Auch noch fünfundzwanzig (und mehr) Jahre nach Kriegsende unterrichten Lehrkräfte, die entweder als Soldaten an der Front waren oder aus NS-Familien stammen.

Autorin Beate Maly beschreibt Stellas Bemühungen auf die Kinder zuzugehen, neue fortschrittliche Unterrichtsmethoden zu verwenden. Es sind vor allem die vielen kleinen bösartigen Vorkommnisse in der Schule, die Stella manchmal daran zweifeln lassen, ob ihre Entscheidung, in ihr geliebtes Wien zurückzukehren, richtig ist. Denn das Wien, wie sie es gekannt hat, gibt es nicht mehr, was aber nicht nur an den zerstörten Gebäuden liegt.

Geschickt verknüpft Beate Maly Fakten und Fiktion, den dieser zweiteilige historische Roman basiert auf den Lebenserinnerungen der österreichischen Pädagogin Stella Klein-Löw (1904-1986). Wie wir es von Beate Maly gewöhnt sind, sind die Charaktere, die guten wie die bösen, vielschichtg und authentisch angelehnt.

Als Wienerin, die im zweiten Bezirk, der Leopoldstadt, die vor dem Zweiten Weltkrieg der Inbegriff eines florierenden jüdischen Lebens gewesen ist, aufgewachsen ist, kann ich mich hier sehr gut einfühlen.

Das Buch endet mit einem fiesen Cliffhanger und so bleibt mir nur, auf die Fortsetzung zu warten.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Roman, der auf der Lebensgeschichte einer realen Persönlichkeit beruht, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 08.05.2025

Eine gelungene Fortsetzung

OTTO fährt los – Ein Sommer in den Bergen
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In seinem dritten Reise-Abenteuer fährt der kleine Campingbus Otto in die Berge. Er reist mit seiner neuen Urlaubsfamilie quer über und durch die Alpen, besucht mit ihnen gemeinsam Städte in Deutschland, ...

In seinem dritten Reise-Abenteuer fährt der kleine Campingbus Otto in die Berge. Er reist mit seiner neuen Urlaubsfamilie quer über und durch die Alpen, besucht mit ihnen gemeinsam Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Truppe entdeckt Schlösser und andere Sehenswürdigkeiten sowie Almen mit Kühen. Als dann ein Kälbchen ausgebüxt ist, ist Otto zur Stelle und hilft mit, das Tier zu finden.

Wie schon in den beiden Vorgängern ist auch diese Reise für ca. Vierjährige gedacht. Die Texte sind kindgerecht und die Illustrationen von Stephanie Reich zauberhaft. Die Geschichte ist spannend und lässt die lieben Kleinen zahlreiche gezeichnete Details entdecken.

Zum Vorlesen für für Kids ab vier Jahren, Leseanfänger können die Texte gut selbst lesen.

Fazit:

Ein must-have für jede Reise mit Kindern. Gerne gebe ich hier wieder 5 Sterne.