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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.07.2025

Sommerlicher Krimi

Eine Olive zu viel
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Anna Apostolakis hat sich von der Abteilung Wirtschaftskriminalität aus privaten Gründen zur Kripo Kalamata versetzen lassen. Dort wird sie eher mit Skepsis aufgenommen und, als man den einflussreichen ...

Anna Apostolakis hat sich von der Abteilung Wirtschaftskriminalität aus privaten Gründen zur Kripo Kalamata versetzen lassen. Dort wird sie eher mit Skepsis aufgenommen und, als man den einflussreichen Olivenbauern Batsilakis
tot auf seiner imposanten Yacht findet, mit dem wortkargen Kollegen Loukas Petritsis zusammengespannt. Die beiden Außenseiter ermitteln. Kann das gut gehen?

Recht bald ist klar, dass hinter dem Tod des erfolgreichen Olivenbauern mehr steckt.

Und welches Spiel treibt der ständig aufbrausende Kripochef Roussos?

Meine Meinung:

Dieser Griechenland-Krimi verfügt über alles, was eine sommerliche Lektüre braucht: Sommer, Hitze, einen unmöglichen Chef, eine neu Ermittlerin, ein feschen, aber wortkargen Kollegen, ein ziemlich wirres Firmengeflecht, zwei Leichen sowie wenige Spuren, die noch dazu in der Sackgasse enden. Leseherz was willst du mehr?

Der Krimi lässt sich leicht lesen und passt gut zu den aktuell hohen Temperaturen.

Die Charaktere Anna und Loukas muss man gleich mögen, denn ihre Außenseiterrolle schweißt sie irgendwie zusammen. Sowohl Anna als auch Loukas bieten dem jeweils anderen mit kleinen Überraschungen. Eigentlich ist Anna überqualifiziert für den Job in Kalamata, hat sie doch einen Abschluss in forensischer Psychologie und Loukas spricht mehrere Sprachen, darunter auch deutsch, was er zunächst auch vor Anna verheimlicht.

Ob es eine Fortsetzung geben wird?

Fazit:

Gerne gebe ich dieser Sommerlektüre 4 Sterne.

Veröffentlicht am 21.07.2025

Der Schattenmann

Goebbels' Schatten
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Hans-Peter de Lorent befasst sich in seinem, wie er ihn nennt, Tatsachenroman mit einer Person, die stets im Schatten einer anderen steht, Dr. Werner Naumann. Er steht stets im Schatten von Propagandaminister ...

Hans-Peter de Lorent befasst sich in seinem, wie er ihn nennt, Tatsachenroman mit einer Person, die stets im Schatten einer anderen steht, Dr. Werner Naumann. Er steht stets im Schatten von Propagandaminister Joseph Goebbels. Allerdings lässt der Titel, wenn man das Buch gelesen hat, auch die Interpretation zu, Naumann wäre so etwas wie die graue Eminenz, eine Art Schattenminister, hinter Goebbels gewesen. Immerhin ist er von Adolf Hitler, wenige Stunden vor dessen Selbstmord, mit der Aufgabe betraut worden, das NS-Gedankengut zu bewahren und auch in der Zukunft hochzuhalten.

Das Buch lässt uns in die letzten Tage von Hitler, Goebbels & Co eintauchen, die sich im Führerbunker, in dem von der sowjetischen Armee bereits eingekesselten Berlin, der Realität eines verlorenen Krieges verschließen und letztlcih Selbstmord begehen. Nach Hitlers Tod gelingt es Naumann auf abenteuerlichen Wegen aus Berlin zu entkommen. Dabei hilft ihm das Netzwerk, das er vorsorgliche (?) gesponnen hat. Er lebt zunächst unerkannt und unter falschem Namen, hält sich von seiner Familie fern, legt die Gesellenprüfung zum Maurer ab und gibt die Tarnung erst 1949 auf. Gemeinsam mit anderen Gesinnungsgenossen, die in diversen Nachfolgeparteien der NSADP versammelt sind, versucht man die aktuelle Regierung unter Konrad Adenauer zu unterwandern.

„Ich bekenne mich zu einer Idee, nicht weil sie erfolgreich ist, sondern weil sie richtig ist! Wichtig ist, dass sie wahr ist, die ganze Weite unserer Seele erfasst hat! (S. 440)

1953 fliegt die Verschwörung auf. Naumann wird verhaftet, im abschließenden Entnazifizierungsprozess als Täter eingestuft, verliert deswegen das aktive und passive Wahlrecht, seinen Job und ist für die Ewiggestrigen wertlos. Man lässt ihn fallen und muss Harald Quandt, den Sohn von Magda Goebbels aus der Ehe mit Günther Quandt um einen Job anbetteln.

Seinen letzten Auftrag, den er im Führerbunker erhalten hat, kann er nicht ausführen.

Meine Meinung:

Hans-Peter de Lorent gelingt es sehr gut Fakten mit Fiktion zu verknüpfen. Grundsätzlich habe ich nicht allzu viel Neues erfahren. Vor allem über die Person Werner Naumann nicht. Möglicherweise sind Dokumente und Akten mit einem Sperrvermerk versehen und daher öffentlich noch nicht zugänglich.

Zu Beginn erhalten wir Einblick in den Führerbunker und parallel dazu durch Rückblicke, Einblick in die Biografie von Werner Naumann.

Interessant ist, dass er sich, obwohl er quasi ein Überlebender des (sogenannten) Röhm-Putsches von 1934 ist, sich wieder auf eine Verschwörung eingelassen hat. Entkommen ist er der Säuberungsaktion in der SA nur deshalb, weil Heinrich Himmler ihn geschützt hat. Dass Naumann dann in das Propagandaministerium zu Joseph Goebbels, Himmlers Intimfeind wechselt, ist ebenso ein Anachronismus, dass er, groß gewachsen und blond, nun einem Mann unterstellt ist, der dem nordischen Typ so überhaupt nicht entspricht.

Der ehemalige britische Diplomat und Hohe Kommissar Sir Ivone Kirkpatrick hat 1953 den richtigen Riecher bewiesen, als er Werner Naumann & Co verhaften hat lassen, um eine Kandidatur Naumanns bei den Allgemeinen Wahlen im Herbst 1953 zu verhindern.

Kirkpatricks hellsichtige Mahnung von 1953:

„Es wäre töricht anzunehmen, dass der Nazismus unter keinen Umständen, und auch nicht in anderer Form, im modernen Deutschland wieder erstehen könnte.“

Fazit:

Das Buch ist penibel recherchiert geschrieben und gekonnt erzählt - eine gelungene Mischung aus Sachlichkeit und Belletristik. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 20.07.2025

Tödliches Geheimnis

DAS VERMÄCHTNIS
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In diesem dritten Fall aus der Reihe Duisburg-Krimis bekommen es BKA-Kommissar Jonathan Dawson und seine Kollegin Sascha Brinkmann mit einem höchst komplexen Fall zu tun, der bis in die letzten Jahre des ...

In diesem dritten Fall aus der Reihe Duisburg-Krimis bekommen es BKA-Kommissar Jonathan Dawson und seine Kollegin Sascha Brinkmann mit einem höchst komplexen Fall zu tun, der bis in die letzten Jahre des Zweiten Weltkriegs zurück reicht.

Zunächst ermitteln sie „nur“ im Fall eines alten, qualvoll zu Tode gefolterten Priesters. Wenig später wird das Grab eines anderen Priester aufgebrochen und der Friedhofsgärtner wird ebenfalls ermordet. Ein Kollateralschaden also? Was hofften die Grabschänder im Grab des Priesters zu finden? Ein Hinweis auf einen mysteriösen Koffer aus der NS-Zeit lassen nicht nur bei Dawson und Brinkmann die Alarmglocken schrillen, sondern auch beim BND und dem Vatikan.

Bald ist klar, dass eine Gruppe Ewiggestriger auf der Jagd nach dem ominösen Koffer rücksichtslos jeden aus dem Umfeld der Priester, die um den möglichen Verbleib des Koffers Bescheid wissen könnten, foltern und dann töten. Ein erbarmungsloser Wettlauf mit der Zeit beginnt, denn die Täter sind den Ermittlern immer einen Schritt voraus. Gibt es einen Maulwurf im BKA?

Nicht genug damit, kochen der BND und der Vatikan ihr eigenes Süppchen und teilen ihre Erkenntnisse nicht mit Dawson & Co..

Meine Meinung:

Uwe Rademacher ist wieder ein rasanter Thriller gelungen bei dem nicht immer ganz klar ist, wer Feind oder Freund ist.

Die NS-Zeit mit ihren abscheulichen medizinischen Versuchen eignet sich perfekt als Thema. Lange Zeit ist für uns Leser nicht klar, ob es hier um die Entwicklung biologischer Waffen à la Anthrax oder Pest geht, oder um etwas ganz anders. Sehr geschickt wechselt die Handlung zwischen Vergangenheit und Gegenwart, was den Spannungsbogen sehr hoch hält.

Die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem packenden Thriller, der Vergangenheit und Gegenwart durch ein tödliches Geheimnis verbindet, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 20.07.2025

Sommerlektüre

Die Schneiderei in der Fliedergasse - Große Träume
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Dieser Auftakt zu einer zumindest zweiteiligen Familien-Saga nimmt uns in die späten 1970er-Jahre nach Tübingen mit. Nach dem letzten Willen ihres verstorbenen Vaters soll Leonard Jura studieren und seine ...

Dieser Auftakt zu einer zumindest zweiteiligen Familien-Saga nimmt uns in die späten 1970er-Jahre nach Tübingen mit. Nach dem letzten Willen ihres verstorbenen Vaters soll Leonard Jura studieren und seine Zwillingsschwester Susanne eine kaufmännische Lehre absolvieren, um die kleine Schneiderei übernehmen zu können. Susanne fügt sich erst einmal, obwohl sie über juristisches Verständnis verfügt und liebend gerne studiert hätte. Ein typisches Frauenschicksal? Zumal Leonard weder Lust noch Begabung hat, sich den trockenen Gesetzestexten zu widmen. Lieber würde er Kleider entwerfen.

Dann schlägt das Schicksal abermals zu: Diesmal in Form eines Schreibens der Stadtverwaltung, dass das Wohnhaus der Familie im historisch wertvollen Stadtkern liegt und den Vorschriften des Denkmalsschutzes entsprechend, saniert werden muss. Die Crux daran - es fehlt der Witwe schlichtweg das Geld.

Da hilft nicht, Leonard und Susanne müssen kreativ werden. Was sie aushecken, wer ihnen hilft oder ihnen Prügel zwischen die Beine wirft, müsst ihr schon selbst lesen.

Meine Meinung:

Hinter dem Pseudonym Katharina Oswald stecken die Autorinnen Andrea Bottlinger und Claudia Hornung, die mit diesem Reihenauftakt eine gelungene Kombination aus Familien- und Zeitgeschichte geschrieben haben. So werden Feminismus, Hausbesetzungen, Straßenfeste, Improvisionstheater, Studentendemos gegen rechtsgerichtete Professoren, Burschenschafter oder Homosexualität aufgeworfen. Schmunzeln musste ich über die Bemerkungen zum Film „The Rocky Horror Picture Show“ oder zu Batikkleider.

Und ja, Frauen werden sowohl in der eigenen Familie als auch im öffentlichen Leben benachteiligt. Wenn das Geld nur für einen Studienplatz reicht, ist es fast ausschließlich der Sohn, der studieren darf. Egal ober geeignet ist oder nicht. Den Mädchen gönnt man weder Studium noch eine andere weiterführende Ausbildung. Verschenktes Geld, weil sie doch eh bald heiraten würden und zum Dazuverdienen reicht es, eine Stelle als ungelernte Kraft in Supermarkt oder Fabrik anzutreten.

Was mich nur irritiert: Braucht man in Deutschland, um eine Schneiderei zu betreiben, keine entsprechende Ausbildung? Um zu wissen, wie man Ärmel einsetzt, Abnäher richtig platziert oder die beliebte Konfektionsware anpassen soll, braucht man Schneiderhandwerk. Da hilft eine rein kaufmännische Ausbildung nicht viel.

Das Buch liest sich leicht und lässt mich an meine eigene Jugend zurückdenken. Batikkleider habe ich mir, unter der fachkundigen Anleitung meiner Großmutter, einer Schneidermeisterin, selbst genäht.

Ich bin schon neugierig wie es weitergeht, nachdem die Mutter ihren Kindern das Familiengeheimnis enthüllt hat.

Fazit:

Das Buch eignet sich sehr gut als sommerliche Lektüre. Gerne gebe ich hier 4 Sterne und freu mich auf die Fortsetzung.

Veröffentlicht am 20.07.2025

Familiengeheimnisse

Wiedersehen in Assam
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Der 5. und letzte Teil dieser Teeplantagen-Reihe entführt uns im Jahr 1962 wieder nach Assam. Samantha „Sammy“ ist nun 14 Jahre alt, lebt im Londoner Internat und reist für die Weihnachtsfeiertage auf ...

Der 5. und letzte Teil dieser Teeplantagen-Reihe entführt uns im Jahr 1962 wieder nach Assam. Samantha „Sammy“ ist nun 14 Jahre alt, lebt im Londoner Internat und reist für die Weihnachtsfeiertage auf die Teeplantage ihrer Eltern nach Indien. Es ist eine Zeit der Unruhe, denn die Grenzstreitigkeiten mit China schwelen wie manche andere Unruhe über den Plantagenbesitzern. Doch das ist nicht das einzige, was Sammy den Aufenthalt vergällt. Zufällig enthüllt sie ein lange gehütetes Geheimnis ihrer Mutter, das alle außer ihr zu kennen scheinen.

Die Ferien enden im Streit und Sammy kehrt nach England zurück. Wird sie sich mit ihrer Mutter aussöhnen und jemals nach Indien zurückkehren?

Meine Meinung:

Ich habe vor kurzem eine andere Reihe der Autorin gelesen und habe mich ohne die Vorgänger der Assam-Reihe zu kennen, gleich zurechtgefunden. Das Konzept ist ähnlich: britische Teeplantagenbesitzer, das Geheimnis um eine nicht standesgemäße große Liebe inklusive einem unehelichen Kind, das man weggeben und verstecken muss, sowie ein neugieriges Familienmitglied, das dem Geheimnis auf die Spur kommt.

Vieles ist vorhersehbar, aber farbenprächtig erzählt. Manches aus meiner Sicht, ein wenig altbacken. Aber so sind sie eben, die britischen Feudalherren (und Damen). Oft steckt hinter dem großspurigen Gehabe ein dunkles Geheimnis.

Die meisten Charaktere sind ziemlich durchschaubar, aber nicht ungut.

Die junge Sammy wirkt stellenweise erwachsener als es für das angegebene Alter üblich ist.

Fazit:

Wer gerne historische Romane mit Intrigen, Herzschmerz und Vorurteilen vor einer exotischen Kulisse lesen möchte, ist hier genau richtig. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.