Eintauchen in das London von 1888
Hurenmord - Die Rose von WhitechapelIn „Hurenmord - Die Rose von Whitechapel“ erzählt Tabea Koenig nun Christines Gillards Geschichte. Sie entführt uns ins London von 1888.
Nach ihrer Heirat mit dem viele Jahre älteren Henry ist aus der ...
In „Hurenmord - Die Rose von Whitechapel“ erzählt Tabea Koenig nun Christines Gillards Geschichte. Sie entführt uns ins London von 1888.
Nach ihrer Heirat mit dem viele Jahre älteren Henry ist aus der ehemaligen Prostituierten eine respektable Person geworden, die sich mit dem „Renfield Eden“ sozial engagiert. „Renfield Eden“ ist ein Frauenhaus in dem misshandelte Frauen mit ihren Kindern Zuflucht finden. Auch Prostituierte, die aus diesem Job aussteigen wollen, werden hier aufgenommen.
Während Christine um ihren eben verstorbenen Ehemann trauert, treibt ein Seri-enmörder sein Unwesen. Ausgerechnet Frauen aus „Renfield Eden“ sind seine Op-fer. Will hier jemand das soziale Werk Christines diskreditieren? Oder steckt hier mehr dahinter?
Der Trauerfall und die Morde bescheren Christine ein Wiedersehen einerseits mit Emily, die nun mit Liam verheiratet ist und ein Kind erwartet und anderer-seits mit Inspektor John Pike, der wieder mit den Ermittlungen betraut ist.
Meine Meinung:
Die Autorin nimmt sich eines bereits vielfach verfilmten bzw. beschriebenen Themas an: Den Frauenmorden in Whitechapel durch Jack the Ripper. Nachdem der Serienmörder niemals gefasst wurde, ranken sich allerlei Mythen um diese Ver-brechen. Die Geschichte ist nach wie vor nicht „auserzählt“, sondern feuert nach wie vor Autoren an, ihre Gedanken zu Papier zu bringen.
Wir erfahren von haarsträubenden Ermittlungspannen und den aussichtlosen Kampf der unterbezahlten und unterbesetzten Londoner Kriminalpolizei gegen den Seri-enmörder.
Neben der Jagd nach dem Verbrecher darf auch Persönliches nicht fehlen. So muss John Pike erleben, dass seine geschiedene Frau Judith, einen neuen Ver-lobten, Herbert, hat, von dem sie bereits schwanger ist. Herbert ist ein rei-cher Geschäftsmann, der sein Vermögen nicht immer ganz sauber erworben hat. Zwischen John und Herbert entspinnt sich ein Kampf um Eddie, John und Judiths gemeinsamen Sohn. Auch hier ist die verlogene Moral des Viktorianischen Zeit-alters deutlich zu spüren. Ein Frau, die außerhalb einer Ehe ein Kind erwar-tet, gilt jedenfalls als leichtes Mädchen und wird von allen geächtet.
Apropos Viktoria: hier konnte ich mir ein Grinsen nicht verkneifen als Chris-tine in Johns Büro kommt und statt des Gemäldes der Queen, eine Landkarte mit den Tatorten an der Wand hängt. Das Bildnis der Königin steht im Abstellraum.
Autorin Tabea Koenig hat die Lebensbedingungen der Menschen, und vor allem jene der Frauen, penibel recherchiert. So erfährt man, dass auch verheiratete Frauen unter der Fuchtel ihrer Ehemänner stehen und über keinerlei Geschäfts-fähigkeit verfügen. Für alles und jedes brauchen sie die Zustimmung der Män-ner.
Obwohl dieses Buch der zweite Teil der „Blumen-Trilogie“ ist, lässt sich die-ser Band gut ohne Vorkenntnisse lesen. Relevante Hinweise auf die Vergangen-heit werden dezent eingeflochten.
Fazit:
Ein fesselnder historischer Roman, dem ich gerne 4 Sterne gebe.