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Venatrix

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Veröffentlicht am 02.07.2025

Beste Krimiunterhaltung!

Miss Vergnügen
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Miss Brooks, eine nicht mehr ganz junge Britin, wird auf schnöde Art von ihrem Ehemann wegen seiner schwangeren Sekretärin verlassen. Sie findet Unterschlupf im Ferienhaus ihres Schwagers Bertie am Wiener ...

Miss Brooks, eine nicht mehr ganz junge Britin, wird auf schnöde Art von ihrem Ehemann wegen seiner schwangeren Sekretärin verlassen. Sie findet Unterschlupf im Ferienhaus ihres Schwagers Bertie am Wiener Mühlwasser sowie einen Job als Visagistin bei Très Loué, also jenem Kosmetik-Unternehmen, in dem er selbst in leitender Funktion tätig ist. So wie Jacques, der sein Leben vor Kurzem, während einer Veranstaltung in der berühmten Augarten Porzellanmanufaktur in einem der beiden Brennöfen ausgehaucht hat.

Wenig später ist auch Bertie tot - erschossen bei der Verleihung der Parfum-Oscars. Was ist in diesem Kosmetik-Konzern los, dass gleich zwei Führungskräfte ermordet werden? Die Polizei schießt sich auf eine geschasste Parfümeurin ein, die blöderweise Schmauchspuren an der Kleidung hat.

Miss Brooks, deren Vorname so schrecklich ist, dass ihn niemand erfahren darf, beginnt als Mitglied der Très Loué-Familie gemeinsam mit der Journalistin Katja Pötzelberger und dem Très Loué-Testimonial Konstanze Körbler, ein wenig herumzuschnüffeln, einen Ausflug an die Côte d’Azur inklusive. Dabei erfährt das Trio einige Dinge, die, wenn sie bei bekannt würden, den Nimbus des qualitätsbewussten Konzern wie in der Hitze verschmiertes Make-up aussehen ließen.

Sollen diese Machenschaften vertuscht werden? Oder ist alles doch ganz anders?

Meine Meinung:

Dieser Cozy-Krimi, der Auftakt zu einer neuen Krimi-Reihe aus der Feder von Martina Parker ist, hat mich sehr gut unterhalten. Wie ich es von der Autorin der Gartenkrimis, die alle im Südburgenland spielen, gewöhnt bin, zeichnet sich auch dieser durch liebevoll gezeichnete weibliche Charaktere, die durchaus auch bockig und garstig sein dürfen aus.

„Die Hölle ist nichts im Vergleich zur Rache einer Frau.“ (S. 209)

Schauplatz ist diesmal Wien, genauer gesagt die Donaustadt, der 22. Bezirk, der sich vor allem durch seine gemischten Bevölkerung auszeichnet. Neben frisch zugezogenen Jungfamilien, die sich in den zahlreichen Neubaugebieten wie der Seestadt Aspern niedergelassen haben, finden wir auch Alteingesessene aus Stadlau und Aspern, die den Veränderungen wenig abgewinnen können. Es reihen sich hypermoderne Wohnhäuser an Gemeindebauten aus der Zwischenkriegszeit aneinander. Dazwischen liegen die immer seltener werdenden Gärtnereien sowie traditionelle Einfamilienhäuser. Ich lebe selbst seit über 30 Jahren in Essling, das in unmittelbarer Nachbarschaft von Aspern liegt.

Das hört sich dann im Café Pinguin, das wie Martina Parker im Nachwort erklärt, ein reales Vorbild hat, das leider nicht mehr existiert, so an:

„Alle wollen s‘ jetzt in die Donaustadt. Dabei is eh so viel Stau auf der Tangente. Erst kommen die Hipster, dann die Immobilienhaie. Und wir werden verdrängt von Trotteln mit Lastenfahrrädern, die Hafermilch-Caffè-Latte saufen und Mode für ihre Möpse kaufen. Daschiaßen müsst ma die Bagage, daschiaßen.“ (S. 71)

Entzückend ist auch Edi, der Aushilfskellner und Vater vom ermittelnden Polizisten Luka. Edi ist der einzige, der Miss Brooks Vornamen erfährt (ihn aber nicht weitersagt). Ich hoffe, auf die Auflösung des Rätsels in der Fortsetzung.

Sehr gut gefällt mir die Verwandlung von Miss Brooks von der verlassenen Ehefrau, die Sorgenpüppchen am laufenden Band häkelt, zu einer selbstbewusste Frau. Wie sagt der Taxler so treffend:

„Wissen S‘ Gnä‘ Frau, manche Männer sind wie Wolken. Wenn sie sich endlich verziehen, wird es wieder schöner.“ (S- 177)

Ja, Martina Parker hat hier wieder ihre Lebenserfahrung (?) und ihren schwarzen Humor eingebracht, um ihre Leserinnen (ja, absichtlich nicht gegendert) zum Schmunzeln und zum Nicken zu bringen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem fulminanten Reihenauftakt, der mich bestens unterhalten hat, 5 Sterne und freue mich auf eine (oder mehrere) Fortsetzung(en).

Veröffentlicht am 02.07.2025

Hat mich diesmal nicht ganz überzeugt

Nordseerätsel
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Inseldetektiv Raphael Freersen ist wieder einmal knapp bei Kasse. Er gibt mehr Geld aus, als er einnimmt, weil er es, anders als die meisten anderen Inselbewohner, es nicht gelernt hat, mit Geld umzugehen, ...

Inseldetektiv Raphael Freersen ist wieder einmal knapp bei Kasse. Er gibt mehr Geld aus, als er einnimmt, weil er es, anders als die meisten anderen Inselbewohner, es nicht gelernt hat, mit Geld umzugehen, füllt doch seine liebe Mutter das Bankkonto immer wieder auf. Zudem gibt es wenig auf Föhr zu verfolgen, denn die Inselpolizei macht ihre Arbeit korrekt.

So muss er notgedrungen den Auftrag von Hermann Suhrkamps Nichte annehmen, den eigenartigen Postkarten, die ihr Onkel seit einiger Zeit erhält und die subtile Drohungen enthalten, nachzugehen. Raphael ist leicht pikiert, dass er am Sonntag bei Suhrkamp erscheinen und näheres erfahren soll.

Die Überraschung ist groß, als sich herausstellt, dass Hermann Suhrkamp 100.000 Euro seines Vermögens in einem von ihm erdachten Quiz unter seinen Familienmitgliedern ausspielen will. Raphael soll an Stelle der Putzfrau, die aktuell im Krankenhaus liegt teilnehmen. Das versprochene Honorar klingt verlockend, doch eine ganze Woche mit einer ihm gänzlich unbekannten und unsympathischen Familie verbringen? Wenn nur nicht Raphaels Konto so ein fettes Minus anzeigen würde, könnte er diesen ungewöhnliche Auftrag ausschlagen!

Die Regeln für das Spiel sind schräg und erfordern einige Aufmerksamkeit, weshalb der ursprüngliche Auftrag, den ominösen Postkarten nachzugehen, fürs erste einmal in den Hintergrund tritt.

Meine Meinung:

Die Idee, eine große Summe mittels Ratespiel zu verschenken, habe ich witzig gefunden, während die Postkarten und Rückblicke auf mögliche Vergehen in Hermanns Vergangenheit schließen lassen.

Die Familie Suhrkamp ist so gar nicht meine Wunschfamilie, weshalb ich Raphaels Zögern, den Auftrag anzunehmen gut verstehen kann. Jedes Familienmitglied ist in unterschiedlichem Ausmaß egoistisch, geizig und berechnend. Klar, der alte Hermann hat während seines 90-jährigen Lebens ein kleines Vermögen angehäuft, das jede/jeder Einzelne gerne hätte.

Dieser Krimi ist schon der dritte aus der Reihe rund um Raphael Freerson, den ich lese. Ich gebe ja den Protagonisten immer wieder die Chance, sich weiter zu entwickeln. Doch wie schon in den Vorgängern benimmt er sich an vielen Stellen wie ein Pubertierender und nicht wie ein Erwachsener, weshalb ich vermutlich aus dieser Reihe aussteigen werde..

Ein bisschen bin ich von der gesamten Reihe enttäuscht. Ich kenne die andere Reihe rund um Lyn Harms von Heike Denzau, die mir wesentlich besser gefällt.

Fazit:

Der Krimi hat wenig Spannung und die Charaktere wirken nicht sehr sympathisch. Diesmal gibt es nur 3 Sterne.

Veröffentlicht am 02.07.2025

Eine gelungene Fortsetzung

Die Toten auf Föhr
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Als man Carolin Schneider und ihre beiden Kinder tot in ihrem Haus auf der Insel Föhr auffindet, ist für die Polizisten aus Flensburg recht schnell klar: Hier liegt ein erweiterter Selbstmord vor. Man ...

Als man Carolin Schneider und ihre beiden Kinder tot in ihrem Haus auf der Insel Föhr auffindet, ist für die Polizisten aus Flensburg recht schnell klar: Hier liegt ein erweiterter Selbstmord vor. Man schließt die Akte. Erst als Dr. Roland Mattes, Carolins Vater und einflussreicher Mann im Innenministerium, Zweifel am Selbstmord seiner Tochter äußert, wird eine Obduktion angesetzt. Als das Ergebnis die ursprüngliche Einschätzung zu einem anderen Verdacht führt, wird das LKA und die Inselkommissarin Lena Lorenzen mit dem brisanten Fall betraut.

Gemeinsam mit ihrem Team geht sie die Akten akribisch durch und tritt damit dem Leiter des Flensburger Kommissasriat Moormann, gehörig auf die Zehen. Im Laufe der Ermittlungen stellt sich dann heraus, dass Moormann sich recht schnell in den Fall eingemischt hat und nicht alles, was seine Mitarbeiter herausgefunden haben, ist auch protokolliert worden.

Neben dem komplexen Fall, der ihre gesamte Aufmerksamkeit erfordert, hat Lena Lorenzen mit privaten Turbulenzen zu kämpfen, denn die Abmachung mit ihrem Ehemann Erck, wer wann für das gemeinsame Kind Zeit aufbringt, ist das sprichwörtliche Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben steht. Es scheint, dass trotz aller Beteuerungen die Hauptlast von Haushalt und Familie auf Lenas Schultern ruhen sollen.
Als sich bei den Ermittlungen eine bislang unbekannte Spur auftaucht, gerät André Schneider, ein scheinbar erfolgreicher Finanzberater, ins Visier der Ermittler.

Meine Meinung:

Lena Lorenzen und ihr Team drehen jeden Stein mindestens zwei Mal um, und machen sich damit in Flensburg keine Freunde. Daneben haben sie es mit einem Staatsanwalt zu tun, der gerne alles 200% wasserdicht haben will, um seine eigene Karriere nicht zu gefährden. Gut gefällt mir, dass Kriminalrätin Nielsen, die Leiterin im LKA, Lena Lorenzen und ihrem Team den Rücken frei hält.

Wie immer wird auf die Eigenheiten von Land und Leuten eingegangen. Dazu passt das Cover, das einen langen Sandstrand zeigt perfekt.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Inselkrimi 4 Sterne.

Veröffentlicht am 02.07.2025

Penibel recherchiert und fesselnd erzählt

Der Totengräber und die Pratermorde (Die Totengräber-Serie 4)
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Oliver Pötzsch entführt uns in das Jahr 1896, in dem die Ausstellung „Venedig in Wien“ viele Neugierige in den Wiener Prater zieht. Die staunenden Besucher können in wackeligen Gondeln durch künstliche ...

Oliver Pötzsch entführt uns in das Jahr 1896, in dem die Ausstellung „Venedig in Wien“ viele Neugierige in den Wiener Prater zieht. Die staunenden Besucher können in wackeligen Gondeln durch künstliche Kanäle fahren. Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt. Der Wiener Prater Anziehungspunkt ist für allerlei Gelichter und Streitereien unter den Schaustellern sind an der Tagesordnung. Um den nicht immer ganz legalen Geschäften ungestört nachgehen zu können und die Wiener Polizei vom Prater fern zu halten, hat sich eine Art Prater-Gerichtsbarkeit etabliert, die kleinere oder größere Raufhändel schlichtet und andere Vergehen zwischen den Schaustellern und Artisten ahndet.

Der Prater vermittelt einen trügerischen Glanz. Seit einigen Wochen sind mehrere Frauen abgängig. Man nimmt an, dass sie einem spendablen Gönner gefolgt sind. Dass dem nicht so ist, wird Anna, die Ziehtochter des Totengräbers Augustin Rothmeyer, bei einem Fußballspiel auf der Hohen Warte entdecken.

Doch zunächst schlägt der neue Zaubertrick der zersägten Jungfrau, der im Theater Ronacher gezeigt wird, fehl: Die Assistentin des Zauberers stirbt vor dem entsetzten Publikum unter dem sich auch Julia Wolf, die Reporterin befindet. Sie schleicht sich hinter die Bühne und beginnt die Anwesenden auszufragen. Damit kommt sie Kriminalinspektor Leo von Herzfeldt ins Gehege, der sich wenig später auch noch mit den vermissten Frauen beschäftigen muss.

Meine Meinung:

Wie wir es von Oliver Pötzsch und seinen historischen Romanen gewöhnt sind, erhalten wir auch hier einen penibel recherchierten und opulent erzählten Krimi aus dem Wien der Jahrhundertwende. Schmunzeln musste ich über die detaillierte Beschreibung der Rothschild‘schen Gärten auf der Hohen Warte und dem damaligen Fußballplatz des First Vienna Cricket and Footballclub. Der Fußballplatz, eine Naturarena, besteht heute noch, auch wenn man nun häufiger American Football als Fußball spielt. Ich habe ein paar Erinnerungen an meine Kindheit, als ich auf den Schultern meines Vaters sitzend, das eine oder andere Fußballspiel kommentiert habe.

Auch der Prater und seine damaligen Attraktionen, darunter die Ausstellung „Venedig in Wien“ oder der Auftritt der „Schlangenfrau“ mit ihrer Boa Constrictor, sind sehr gut beschrieben. Die erwähnte, noch im Planungsstadium befindliche Geisterbahn, gibt es mit ein paar Änderungen heute noch. Der Calafati wacht nach wie vor über das Geschehen, auch wenn die Fahrgeschäfte und Attraktionen nun ganz andere sind. Auf den Blumencorso muss man inzwischen mangels gekrönter Häupter allerdings verzichten.

Wer bei einem Wien-Besuch auf Julias und Leos Spuren wandeln will, dem sei das Prater-Museum und natürlich der Zentralfriedhof empfohlen.

Sehr interessant finde ich die entomologischen Studien, die Augustin Rothmeyer durchführt. Üblicherweise kennen wir sie nur von CSI-Folgen oder von True-Crime-Büchern, wenn über Bodyfarmen gesprochen wird. Dass man sich in Wien mit Neuerungen immer wieder schwer getan hat, zeigt auch die kritische Betrachtung, die Leo bei der Verwendung der der Daktyloskopie entgegengebracht wird. Offiziell wird sie erst 1902 in der ganzen Monarchie eingeführt. Ein nächster Meilenstein wird dann Rudolf Schneider (1873-1951) gelingen: Er erfindet 1909 die „Folie zur Abnahme und Fixierung von Fingerabdruckspuren“ (in einschlägigen Kreisen auch „Wiener Folie“ genannt), die die Abnahme und Archivierung der Fingerprints erleichtert.

Der erwähnte Skandal, bei dem die privaten Bestatter auch handgreiflich um Leichen gestritten haben, gab es tatsächlich. Daraus folgt, dass ab 1907 ausschließlich die Stadt Wien mit ihrer gemeindeeigene Firma „Gemeinde Wien - Städtische Leichenbestattung“ Bestattungen durchführen durfte. Inzwischen ist das Monopol aufgelassen.

Neben der fesselnden Krimihandlung, die uns tief in menschliche Abgründe blicken lässt, dürfen wir auch die private Geschichte von Julia und Leo weiterverfolgen. Schmunzeln muss ich auch, wenn Rothmeyers Ziehtochter Anna tief in der Pubertät steckt und der Totengräber ausgerechnet Leo um Rat fragt.

Der Schreibstil ist wie immer flüssig, der Sprachduktus der Zeit und dem Milieu angepasst. Für alle jene, die im Wiener Dialekt nicht ganz so bewandert sind, gibt es im Anhang ein Glossar.

Fazit:

Oliver Pötzsch hat mich mit diesem historischen Krimi sehr gut unterhalten. Ich gebe ja gerne zu, ein zwiespältiges Verhältnis zum Prater zu haben, da ich in der Nähe aufgewachsen bin und daher auch die weniger glitzernde Tagesansicht des nächtlichen Vergnügungspark kenne. Von mir erhält dieser 4. Band wieder 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 27.06.2025

Wow, welch ein Showdown!

Die Kriminalistinnen. Der stumme Zeuge
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Langsam gewöhnt man sich an jene Frauen, die bei der Kriminalpolizei in Düsseldorf ihren Dienst tun. Aktuell ist Lucia als Teil ihrer Ausbildung in der Vermisstenstelle eingesetzt und erhält gleich einen ...

Langsam gewöhnt man sich an jene Frauen, die bei der Kriminalpolizei in Düsseldorf ihren Dienst tun. Aktuell ist Lucia als Teil ihrer Ausbildung in der Vermisstenstelle eingesetzt und erhält gleich einen dramatischen Fall zugeteilt: die vierjährige Anneliese ist, während ihre Oma weitere Fahrkarten für das Kinderkarussell kaufen wollte, spurlos verschwunden. Gemeinsam mit dem erfahrenen Kollegen Kuhn beginnt die fieberhafte Suche nach dem Kind, zählt hier dich jede Stunde. Parallel dazu überprüft Kuhn die bereits einschlägig bekannten Männer und hat bald einen Treffer.

Während man noch in Düsseldorf nach dem Täter sucht, Liese ist inzwischen gefunden worden, wird Lucia nach Köln, damals ein Hotspot krimineller Machenschaften, Dienst zugeteilt. Dort soll sie undercover geplante Verbrechen auskundschaften. Damit noch nicht genug, muss sie sich um ihren Bruder Henning sorgen, der nach einem Grubenunglück schwer verletzt in Essen im Krankenhaus liegt.

Die Dienstzuteilung nach Köln beschert ihr zudem ein Wiedersehen mit einer Urlaubsbekanntschaft, die weitreichende Folgen haben wird.

Wird es Lucia in Köln gelingen, geplante Verbrechen zu verhindern? Und was hat es mit Hennings Notizbuch auf sich? Könnte er mit dem Verschwinden der mutmaßlichen Mörders ihrer Mutter etwas zu tun haben, der ja der Grund ist, warum Lucia die Ausbildung zur Kriminalbeamtin macht?

Fragen über Fragen, deren Antworten in diesem Abschluss der Trilogie schlüssig beantwortet werden.

Meine Meinung:

Wie schon in den beiden Vorgänger-Bänden, müssen sich die Frauen in der Kripo Düsseldorf doppelt so anstrengen, um von ihren männlichen Kollegen ernst genommen zu werden. Trotzdem werden sie mit gönnerhaften Blicken und Sprüchen, wie dem folgenden bedacht: "Findet die Kleine! Und macht mir keine Schande!" (S-28) Würde man das einem männlichen Ermittler nachrufen? Sicher nicht! Denn das Verhalten, das Frauen zur Schande gereicht, wäre für Männern üblich.

Die Kameradschaft zwischen den auszubildenden Frauen bröckelt langsam aus unterschiedlichen Gründen. Sei es, dass die eine oder andere schwanger wird (ist in den Dienstvorschriften nicht vorgesehen) oder, dass sich die Lebensplanung anders entwickelt. Nur Lucia, Ruth und Mieze sowie Toni bleiben als harter Kern des Ausbildungsjahrgangs über.

Neben den dienstlichen Angelegenheiten hat Lucia auch noch mit ihren privaten Problemen zu kämpfen. Da sind zum einem die Nachwirkungen ihrer Verletzung, die ihr ein Verdächtiger zugefügt hat (siehe Band 2), der nach wie vor ungeklärte Mord an ihrer Mutter sowie ihr etwas unstetes Liebesleben.

Mathias Berg gelingt es wieder sehr gut, das Flair der 70-Jahre einzufangen. Neben Mode (weißer Feinripp, Schlaghosen und lange Hemdkragen) sowie Musik werden auch der gesellschaftliche Rahmen, in dem sich die Polizei damals bewegen und bewähren muss, den Lesern nahe gebracht. Nach wie vor sind die Ewiggestrigen im Polizeidienst, die wie Lucias Erzfeind Müller, am liebsten Jagd auf Homosexuelle wie Toni machen, obwohl der §175 ab 1969 bzw. 1973 nur mehr homosexuelle Handlungen mit Minderjährigen unter Strafe stellt.

Die Charaktere sind wie schon zuvor sehr gute dargestellt. Dazu gehören auch die zahlreichen Männerbekanntschaften von Lucia, bei denen sie nicht immer ein glückliches Händchen beweist. Auch der hohe Alkohol- und Nikotinkonsum ist für die 1970er-Jahre kennzeichnend. Die eine oder andere Ermittlungsmethode wirkt heute fragwürdig, war aber damals durchaus geduldet, wenn nicht sogar üblich.

Auch das heute gängige (und bisweilen nervige) Gendern ist noch nicht erfunden, weshalb Lucia gefragt wird, ob sie sich als HELD fühlt und Otto sie für „seinen besten Mann“ hält.

Als Österreicherin war mir bisher nicht bekannt, dass Köln in den 1970er-Jahren als Hauptstadt des Verbrechens angesehen worden ist. Warum und wieso? Da muss ich noch ein wenig nachlesen.

Fazit:

Mir hat der Abschluss dieser Trilogie, die mich in die Anfänge der Frauen bei der deutschen Kriminalpolizei eingeführt hat, sehr gut gefallen. Daher erhält dieser Krimi 5 Sterne und die Empfehlung, die ganze Reihe von Beginn an zu lesen. Auf eine Fortsetzung mit dem Titel „Die Kriminalistinnen - Zwanzig Jahre später“ würde ich mich sehr freuen.