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Venatrix

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Veröffentlicht am 14.07.2018

Linz am Vorabend des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs

Donaudämmerung
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Seit dem „Fall Schinagl“ hat sich einiges in der politischen Landschaft verändert und Österreich hat zu existieren aufgehört. Es ist als „Ostmark“ Teil des Deutschen Reiches. Der Linzer Bezirksinspektor ...

Seit dem „Fall Schinagl“ hat sich einiges in der politischen Landschaft verändert und Österreich hat zu existieren aufgehört. Es ist als „Ostmark“ Teil des Deutschen Reiches. Der Linzer Bezirksinspektor Josef Steininger hat nur mehr wenige Jahre bis zu seinem wohlverdienten Ruhestand, die er eher gemächlich zu verbringen gedenkt. Doch die Ermordung der Ernestine Bremstaller im August 1939 bringt Unruhe in die Abteilung II a.

Es geistert nämlich das Gerücht herum, die Tote sei eine Tante von Hermann Göring und hätte erst vor kurzem eine große Erbschaft gemacht. Die angebliche Verwandtschaft mit dem Reichsmarschall ruft die Gestapo auf den Plan, die sich selbstredend in die Ermittlungen einmischt. Sedlak und Wögerer schießen sich schnell auf einen bestimmten Hausbewohner aus dem Wohnhaus der Ermordeten ein, obwohl mehrere der Hausparteien ein Motiv hätten.

Ist der Mord politisch motiviert oder eine Beziehungstat oder geht es wieder einmal „nur“ um den schnöden Mammon?

Meine Meinung:

Neben Bezirksinspektor Steininger, der in seiner geistigen und körperlichen Behäbigkeit wohl den trägen österreichischen Beamten darstellt, gibt es wieder eine Menge Nebendarsteller, die ihm Paroli bieten oder ihn zur Weißglut bringen. Da ist zum einen der schwerhörige Heumader, der in seiner Unsicherheit einige Fehler macht und der ehemalige Kollege Sedlak, der nun bei der Gestapo ist und ein wachsames Auge auf Steininger hat. Doch es scheint, dass er sich in der Gesellschaft (noch) nicht ganz wohl fühlt. Manches Vorgehen, wie die Entscheidung sich auf Kommerzialrat Berger als Täter festzulegen, kommt ihm als Kriminalpolizisten ein wenig vorschnell vor. Und der plötzliche Abgang von Wögerer, der für seine effizienten Verhörmethoden bekannt ist, lässt Sedlak ein wenig nachdenken.
Eine neue Figur ist Anna Rabitsch, die Kriminalassistentin aus Wien, die Steininger dienstzugeteilt ist. An Steiningers Verhalten ihr gegenüber, sieht man deutlich, dass er von Neuerungen wenig hält. Ihm ist ein geordneter Tagesablauf, der eine Vormittagsjause enthält wichtiger, als eine systematische Mordermittlung.
Anna Rabitsch geht die Ergebnisse der Befragungen analytisch durch und kommt dadurch dem wahren Täter auf die Spur, an dem aber niemand Interesse zu haben scheint.

Doch nicht nur die handelnden Personen oder die Mordermittlung stehen hier im Mittelpunkt: Nein, es dieses Klima der Verunsicherung, der Propaganda („Die Polen wollen uns Danzig wegnehmen.“) und, wenige Tage vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, die immer stärker werdende Feindseligkeit den Juden gegenüber. Sehr subtil beschreibt Autor und Historiker Thomas Buchner, wie besorgte Mütter ihren Söhnen den Zugang zum Futtertrog (in dem Fall zur SS) ebnen und auch vor Erpressung und Anstiftung zur Urkundenfälschung nicht zurückschrecken.

Sehr gut finde ich den Hinweis auf Mauthausen oder Dachau, denn vor allem bei den Behörden im Umland wird der Zweck der Lager, wenn auch nicht in allen Einzelheiten, bekannt gewesen sein. Sich später darauf auszureden, nichts davon gewusst zu haben, ist eher unglaubwürdig.

Mit diesem zweiten Fall für Josef Steininger hat der Autor einen fesselnden Krimi geschrieben, indem der österreichische Schlendrian dem neuen Zeitgeist gegenübergestellt wird. Die Spannung ist hoch und das Ende doch ein wenig überraschend.

Der Ausspruch Steiningers (S. 87) „ .. wir da von der Polizei haben mit der Gerechtigkeit gar nix am Hut.“ Klingt sehr prophetisch, denn er weist darauf hin, was auf die Menschen noch zukommen wird.

Fazit:

Ein historischer Krimi, der einen in eine Zeit versetzt, in der Recht und Gerechtigkeit nicht immer im Einklang stehen. Gerne gebe ich wieder 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 12.07.2018

Ja was wächst denn da?

Das kleine Buch: Wildblumen auf Wiesen und Almen
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Die im Burgenland lebende Autorin hat mit diesem Buch ein kleines Kompendium von allerlei Alm- und Wiesenblumen verfasst. Viele dieser Pflanzen werden als Unkraut bezeichnet. Gemeinsam können wir uns auf ...

Die im Burgenland lebende Autorin hat mit diesem Buch ein kleines Kompendium von allerlei Alm- und Wiesenblumen verfasst. Viele dieser Pflanzen werden als Unkraut bezeichnet. Gemeinsam können wir uns auf die Spuren dieser oft sehr widerspenstigen Gewächse machen.

Wir folgen der Autorin auf Feldwegen, in schattigen Weingärten oder auf saftigen Almwiesen.

Bevor noch die einzelnen Pflanzen porträtiert werden, gibt es noch eine kleine Einführung, die Fachvokabel wie Ruderal- oder Segetalflächen erklärt. Zu ersteren zählen u.a. Bauschutthalden oder nicht mehr genutzte Gleistrassen. Unter dem anderen Begriff versteht man bewirtschaftete Felder, auf denen ungeliebte Unkräuter wachsen - also Mohn- und/oder Kornblume im Getreide.

Die 26 vorgestellten Pflanzenporträts sind übersichtlich mit Bild, Namen, Merkmalen, Historie und Histörchen sowie medizinische Aspekten (z.B. Enzianwurzel)aufgebaut.

Einigen Pflanzen bin ich schon begegnet, andere sind mir unbekannt.
Es lohnt sich, beim nächsten Spaziergang durch Feld und Wald dieses kleine Buch aus dem Servus-Verlag dabeizuhaben und das Wissen über die eine oder andere Pflanze nachzuschlagen.

Gerne gebe ich für dieses nette Büchlein 5 Sterne und eine Leseempfehlung

Veröffentlicht am 11.07.2018

Eine zirkusreife Mission

Die Orient-Mission des Leutnant Stern
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Bislang bin ich davon ausgegangen, dass „kafkaesk“ ein Attribut der. Donaumonarchie (und des späteren Österreichs) und seines Militärs ist. Dieses Buch hat mich eines besseren belehrt. Auch die preußischen ...

Bislang bin ich davon ausgegangen, dass „kafkaesk“ ein Attribut der. Donaumonarchie (und des späteren Österreichs) und seines Militärs ist. Dieses Buch hat mich eines besseren belehrt. Auch die preußischen Generalstäbler greifen manchmal zu unkonventionellen Mitteln.

Doch nun zum Inhalt:

Der junge Leutnant Edgar Stern befindet sich gerade in einem belgischen Seebad und muss die schwierige Entscheidung treffen, ob er einheimisches Bier oder französischen Rotwein zum Diner nehmen soll, das platzt ein Telegramm in die Idylle:

„Der große Krieg begann für Stern als griechische Vokabel, serviert auf einem Silbertablett in die beschauliche Stille eines Nachmittags in einem abgelegenen belgischen Badeort hinein.“

Nachdem seine Idee, den Suezkanal zu sprengen und damit den Nachschubweg der Briten zu kappen, zwar mit Wohlwollen des Generalstabes aufgenommen, aber wegen der geänderten politischen Rahmenbedingungen nicht mehr durchgeführt werden kann, betraut man ihn mit einer anderen schier unglaublichen Mission:

Stern soll eine Gruppe Muslime nach Konstantinopel bringen und dort mit Hilfe des deutschfreundlichen Sultans einen Dschihad ausrufen. Ziel soll die Erhebung aller Muslime der Welt sein und sowohl die französischen als auch die britischen Kolonien erschüttern. Doch wie bringt man eine Gruppe arabisch aussehender Männer unauffällig nach Konstantinopel?
Die 14 ausgesuchten Muslime, sechs Marokkaner, drei Tunesier und fünf Algerier, die sich untereinander nur über einen Dolmetscher verständigen können, werden als Mitglieder eines Zirkus ausgegeben und reisen mit „Zirkusdirektor“ Edgar Stern per Bahn über den Balkan in das Osmanische Reich. Mit an Bord sind noch die neuesten Funkgeräte von AEG und zwei Funker sowie Sterns Vorgesetzter Schabinger Freiherr von Schowingen, der inkognito im feudalen Schlafwagen mitreist, während der Rest der Truppe „Holzklasse“ fährt.
Detailliert wird diese abenteuerliche Fahrt geschildert. In jedem Bahnhof beginnt das Zittern vor der Entdeckung, zumal die Bahnhofsvorstände und Zollbeamten argwöhnisch die sonderbare Truppe beäugen.

Meine Meinung:

Diese Geschichte ist so unglaublich, dass sie wahr sein muss.
Schon allein die Rekrutierung und Ausrüstung der 14 Männer grenzt an Slapstick: Die Muslime sind nämlich allesamt zwangsverpflichtete Untertanten Frankreichs, die als Kriegsgefangene in Deutschland interniert sind. Sie werden als Freiwillige herausgepickt und als Zirkusleute verkleidet.
Köstlich ist der Kampf Leutnant Sterns mit der Preußischen Bürokratie geschildert. Statt bunter verschiedener Kleidung erhalten sie identen Pluderhosen und Kopfbedeckungen, sodass sie wieder wie Soldaten aussehen. Doch da weiß der findige Stern Abhilfe zu schaffen und engagiert ausgerechnet einen jüdischen Schneider, um die Kostümierung ein wenig unauffälliger zu gestalten.

Dieser historische Roman ist aus verschiedenen Perspektiven geschrieben. Der Leser kann sich unter die Muslime mischen und deren Verwunderung über die Mission teilen oder an der Seite Sterns die Vorbereitungen beobachten. Auch darf man den Vorgesetzten über die Schulter schauen. Diese multiple Sicht ist sehr reizvoll, da die unterschiedlichen Protagonisten zu Wort kommen.
Diese kuriose Geschichte ist sehr amüsant geschrieben, dennoch streift sie ein Kapitel des Ersten Weltkriegs, in dem sich Deutschland wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert hat: Den Völkermord an den Armeniern. Mit seiner deutsch-türkischen Freundschaft und seinem Vorhaben „Weltaufstand der Muslime“ lässt er die Ermordung tausender Armenier zu, die im osmanischen Reich eine ähnliche Sündenbock-Rolle innehaben wie die Juden.

Interessant finde ich, dass die Generalstäbler ihre Hausaufgaben nicht so ganz perfekt gemacht haben. Sie hätten vorher wissen müssen, dass es zwischen den verschiedenen muslimischen Völkern auch unterschiedliche Interpretationen des Glaubens gibt.

Edgar Stern übersteht das Abenteuer, wenn man von der Erkrankung an Malaria absieht, ebenso unbeschadet wie Schabinger. Stern wird bis 1933 Chefredakteur der Nachrichtenagentur „Wolfs Telegrafisches Büro“. Danach der nationalliberale Mann mit jüdischen Verwandten für den Job nicht mehr tragfähig war. Stern kann mit seiner Familie 1936 nach London emigrieren.

Der Autor Jakob Hein bedient sich der Lebenserinnerungen von Edgar Stern und der Memoiren von Karl Emil Schabinger um diesen mit teils wahren teils fiktional historischen Roman zu schreiben.

Jakob Hein sagt zu seinem Roman: „Mir kommt es so vor, als hätte die Geschichte 100 Jahre auf mich gewartet. Und als ich gehört habe, dass das Deutsche Reich den Dschihad auslösen wollte, dachte ich, das ist bestimmt eine Übertreibung. Aber es ist natürlich genau das, das Deutsche Reich wollte den Dschihad auslösen, den heiligen Krieg aller Muslime.“

Fazit:

Ein gelungener Roman, der wortgewaltig einen Aspekt des Preußischen Militärs aufdeckt, den man so nicht vermutet hätte. Gerne gebe ich 5 Sterne.

Veröffentlicht am 09.07.2018

November-Depression in Venedig

Heimliche Versuchung
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In dem nunmehr 27. Fall für Guido Brunetti bekommt er es zu Beginn mit den diffusen Ängsten einer Mutter zu tun, die glaubt, dass in der teuren Privatschule Albertini ihrer Kinder gedealt wird und der ...

In dem nunmehr 27. Fall für Guido Brunetti bekommt er es zu Beginn mit den diffusen Ängsten einer Mutter zu tun, die glaubt, dass in der teuren Privatschule Albertini ihrer Kinder gedealt wird und der Sohn Drogen nimmt. Allerdings hält sie sich sehr bedeckt und ergeht sich lediglich in Andeutungen. Für Brunetti sind das viel zu wenige Anhaltspunkte und tatsächlich Ermittlungen anzustellen. Überhaupt scheinen sich nun im November die Gangster auf den Winterschlaf vorzubereiten, nichts ist los in Venedig. Nur die Touristenströme scheinen nicht zu versiegen. Sogar Vize-Questore Patta ist milde gestimmt. Erst als Brunetti das vorerst unbekannte Opfer eines möglichen Überfalls als Tullio Gasparini, den Mann ebem jener besorgten Mutter identifiziert, geht er den Gerüchten um den Drogenhandel im Albertini nach. Trotz der tatkräftigen Mithilfe von Signorina Elettra, die wieder virtuos und illegal in allen möglichen fremden Datenbanken herumschnüffelt, kommen Brunetti und sein Team nicht wirklich zügig weiter. Vielmehr enden ihre Verdachtsmomente in einer Sackgasse.

Meine Meinung:

Als Brunetti-Fan der ersten Stunde beobachte ich die Entwicklung der Figuren seit längerer Zeit mit leichter Sorge. In welche Richtung streben sie? Patta wirkt diesmal milde und Tenente Scarpa intrigant wie immer. Signorina Elettra stattet Pattas Büro mit einer Wanze aus, um auch von dort bestens informiert zu sein. Diese Genese betrachte ich mit Argwohn. Was ist hier Elettras Motiv? Schon eher kann ich die Anleitung zur Selbstjustiz verstehen, in der sie eine Freundin vor Schaden bewahrt. Dennoch, was reitet Elettra, die bisher fast untadelig auf der Seite der Gerechtigkeit (nicht immer des Rechts) stehende Sekretärin Pattas? Vianello tritt zu Gunsten von Claudia Griffone ein wenig in den Hintergrund. Doch gerade seine erfrischenden Dialoge mit Brunetti, wenn es um vegetarisches Essen oder die Umweltzerstörung geht, fehlen mir diesmal ein bisschen.

Wie immer streifen wir mit Brunetti durch „sein“ Venedig und beklagen den Verfall der Lagunenstadt und den Einfall der Heerscharen von Touristen. Dass Brunetti ein Fan der (alt)griechischen Mythologie ist, ist bekannt. Diesmal spielen seine philosophischen Betrachtungen eine dominante Rolle und versprühen den Charme einer November-Depression.
Auffallend ist, dass es diesmal einige lose Enden gibt. Nicht alle aufgeworfenen Fragen werden im Laufe der Geschichte weiterverfolgt bzw. schlüssig beantwortet. Das eine oder andere wirkt sogar konstruiert oder zumindest doch recht zufällig. Was ist nun z.B. mit Drogenproblemen im Albertini?

Grundsätzlich mag ich gemächliche Krimi, die mit Kritik am herrschenden System nicht sparen. Doch diesmal scheint die Luft ein wenig draußen zu sein. Das leichte, spielerische Element scheint Donna Leon abhanden gekommen zu sein. Ob das vielleicht daran liegt, dass wir alle mit Guido Brunetti alt geworden sind? Oder liegt es an den Übersetzungen von Werner Schmitz? Oder ist Brunetti inzwischen eine Art Bürde für die Autorin geworden? Immerhin schreibt sie ja jährlich (manchmal auch zwei) einen neuen Krimi und das seit mehr als 25 Jahren.

Fazit:

Leider nicht der beste Brunetti. Vom venezianisches Flair und Esprit ist diesmal wenig zu spüren. Ich kann daher nur 3 Sterne vergeben.

Veröffentlicht am 08.07.2018

Undercover-Aktion

In tödlicher Gesellschaft
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In ihrem dritten Falle müssen Alex und Kathleen „undercover“ ermitteln.
Graf Felix von Keitenburg ist spurlos verschwunden – liegt hier eine Entführung vor oder hat sich der Mann eine Auszeit genommen?

Alex ...

In ihrem dritten Falle müssen Alex und Kathleen „undercover“ ermitteln.
Graf Felix von Keitenburg ist spurlos verschwunden – liegt hier eine Entführung vor oder hat sich der Mann eine Auszeit genommen?

Alex und Kathleen werden, um mehr über das mysteriöse Verschwinden des Grafen herauszufinden, als Verwandte aus Uruguay in die adeligen Kreise eingeschleust. Dass das nicht ganz reibungslos abläuft, ist wohl vorprogrammiert. Zwar entpuppt sich Kathleen als geübte Reiterin und macht auf dem Pferd eine gute Figur, doch Alex ist damit heillos überfordert.
Je tiefer sie in das Familienleben der Keitenburgs eindringen, desto mehr Ungereimtheiten treten zu Tage.

Meine Meinung:

Die Stimmung in der Dienststelle ist nach wie vor gespannt, weil Kollege Lukas Meister seinen Launen ungebührlich breiten Raum bietet und der Chef nicht einschreitet.

Dieser Krimi gefällt mir besser als sein Vorgänger (Haremsblut). Ein paar Dinge sind mir jedoch aufgefallen, die ich anmerken muss:

Alex‘ Freundin Susa ist seit dem Marokko-Abenteuer, das im Sommer spielt schwanger. Dieser Krimi hier ist im Winter angesiedelt. Susa leidet noch immer unter Schwangerschaftserbrechen, dabei müsste sie ja schon mindestens Ende 6. Monat oder weiter sein. Das erscheint mir etwas unüblich. Warum geht sie nicht zum Arzt? Ich kenne jetzt das Mutterschutzgesetz in Deutschland nicht, aber bei uns in Ö werden Grundschullehrerinnen häufig in vorzeitigen Mutterschutzgeschickt, weil die Gefahr besteht, sich in der Volksschule mit Kinderkrankheiten wie Masern, Mumps, Röteln oder Windpocken anzustecken, und damit das Baby zu gefährden, recht hoch ist.

Die österreichische Gendarmerie (S. 144) gibt es seit 2005 nicht mehr (siehe dazu: https://austria-forum.org/af/AustriaWiki/ZusammenlegungvonPolizeiundGendarmerie)

Die Auftritte in der Familie Keitenburg erscheinen ein wenig gekünstelt. Hin und wieder haftet den Mitwirkenden der Touch von Slapstick an. Ich kenne einige Angehörige (hoch)adeliger Häuser, die einem ganz normalen Beruf wie Land- und Forstwirt, Architekt, Banker, Rechtsanwalt, Arzt, Universitätsprofessor, Fernsehmoderator oder Buchautor nachgehen.

Die Idee Alex und Kathleen als Verwandte aus Uruguay auszugeben finde ich witzig, birgt der geborgte Lebenslauf doch auch Potential für Verwicklungen. Gerade in Südamerika ist der Polosport sehr populär. Und da kann der männliche Spross nicht reiten?

Der eigentliche Kriminalfall tritt leider zu Gunsten der Milieu-Studie zurück. Da hätte ich mir ein wenig mehr Ermittlungsarbeit gewünscht. Die Auflösung kommt dann letztlich irgendwie zu schnell.
Die „Nebenfronten“ wie Susa, Frau Wolf und Kathleens Sohn Mathis sind diesmal nicht ganz so präsent. Trotzdem ist mir Frau Wolfs Erkrankung ein bisschen zu viel gewesen. Alex hat ja mit dem komplizierten Fall und seiner schwangeren Freundin, die noch dazu 600km weit von ihm entfernt wohnt, alle Hände voll zu tun.

Fazit:

Dieser 3. Fall hat mir besser als „Haremsblut“ gefallen, hat aber trotzdem noch Luft nach oben. Gerne gebe ich 3 Punkte.