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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.06.2018

Ein eindrucksvoller Roman

Der Flügelschlag einer Möwe
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Der ungewöhnliche Titel lässt eher auf einen Liebesroman schließen, als auf einen Kriminalroman.
Die Geschichte beginnt in der Gegenwart mit dem Fund eines Skelettes auf einer Baustelle in Triest.
In ...

Der ungewöhnliche Titel lässt eher auf einen Liebesroman schließen, als auf einen Kriminalroman.
Die Geschichte beginnt in der Gegenwart mit dem Fund eines Skelettes auf einer Baustelle in Triest.
In vielen, jeweils mit Jahreszahlen versehenen Rückblenden, erfährt der Leser was damals 1980 geschehen ist.

Eine Gruppe Wiener Gymnasiasten feiert die bestandene Matura (=Abitur) in der altösterreichischen Hafenstadt Triest. Tati wird unfreiwillig Zeugin eines Mordes an einer Tankstelle. Der Täter flieht erschrocken. Wenig später stoßen Willi und Georg beim Tanken auf einen leblosen Mann. Heimlich nimmt Willi das Päckchen, das sich bei dem Mann befindet, an sich, ohne Georg etwas zu sagen. Es enthält eine große Menge Bargeld.
Die Gruppe kehrt nach Wien zurück. Die Unbeschwertheit der Jugendlichen hat ein Ende. Tati wird von Alpträumen geplagt, Willi kommt zu Ansehen und Wohlstand.
Während wir das weitere Leben der Wiener verfolgen, spielt sich zeitgleich das Drama rund um minderjährige Rosanna ab. Von ihrem kriminellen Freund missbraucht und gequält, kreuzt sie die Wege der Maturanten. Sie klaut einem die Brieftasche. Rosannas Leben ändert sich schlagartig, als ihr Freund nicht mehr nach Hause kommt, aber seine Bosse ein Päckchen mit einer Menge Bargeld vermissen.

In einer kirchlichen Betreuungsgruppe versucht man Rosanna zu helfen und die Leiterin schickt sie zu einem Pizzabäcker nach Wien.

Meine Meinung:

Ich finde diesen Kriminalroman, in dem nicht ermittelt wird, äußerst spannend. Die Schreibweise erinnert mich ein wenig an Arthur Schnitzlers “Reigen”. Immer wieder treffen die Protagonisten aufeinander. Letztlich begegnen Tati und die anderen ehemaligen Maturanten der nun ebenfalls in Wien lebenden Rosanna.

Jeder der damaligen Reiseteilnehmer hat Erinnerungen an die Zeit von 1980 in Triest. Ganz subtil und unterschwellig sind die Ereignisse aus der Vergangenheit immer präsent.
Am Ende der Geschichte, das wieder in der Gegenwart liegt, erhält Rosanna einen Anruf aus Italien. Sie soll sich um einen straffällig gewordenen Jungen kümmern …
Damit schließt sich der Kreis abermals.

Der eindrucksvolle Roman zieht den Leser in den Bann, so es kaum möglich ist, das Buch vor dem Ende wegzulegen. Auch ich habe es de facto in einem gelesen.

Die Quintessenz des Titels ist der so genannte „Butterfly-Effekt“. Der besagt, dass es theoretisch möglich ist, dass unter bestimmten Umständen, winzig kleine Veränderungen zu Beginn eines Ereignisses enorme Auswirkungen in der Zukunft haben können.

Fazit:

Spannende Unterhaltung. Gerne spreche ich eine Leseempfehlung aus und vergebe 5 Sterne.

Veröffentlicht am 01.06.2018

Fesselnd und vielschichtig

Weisses Gold
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Dieser Thriller ist der zweite aus der Reihe um Alex Martin, einem Meeresbiologen, der bei seiner Arbeit immer wieder auf Verbrecher trifft.

Wir begleiten ihn und seinen Freund Jaidee, einen Polizisten ...

Dieser Thriller ist der zweite aus der Reihe um Alex Martin, einem Meeresbiologen, der bei seiner Arbeit immer wieder auf Verbrecher trifft.

Wir begleiten ihn und seinen Freund Jaidee, einen Polizisten der thailändischen Polizei, bei ihrer Arbeit rund um die Naturschutzbehörde. Diesmal sind die beiden einem großangelegten, internationalen Elfenbeinschmuggel auf der Spur. Die Drahtzieher sind skrupellos und bedrohen Jaidees Familie, die zu Beginn des Thrillers auf einer einsamen Insel in Sicherheit gebracht werden muss. Niemandem ist zu trauen. Auch in Alex Team scheint ein Maulwurf tätig zu sein, bei der Polizei sowieso, was daran liegt, dass der Staat seine Polizisten mehr als schlecht bezahlt.
Die beiden werden von Walther, einem Computergenie, unterstützt.
Je näher sie dem Elfenbeinhandel kommen, desto gefährlicher wird es. Doch der skrupellose Verbrecher ist nicht nur an Elfenbein sondern auch an jungen Mädchen interessiert.

In Rückblenden, die geschickt in die Handlung eingeflochten sind, erfahren wir, wie aus einem mittellosen Straßenjungen der kaltherzige Verbrecher San wurde.

Neben der Haupthandlung in Thailand, begeben wir uns nach Tansania, mitten in die skrupellose Jagd nach dem weißen Gold.

Meine Meinung:

Ein extra fesselnder Thriller, der sich mit Mädchenhandel und Elfenbeinschmuggel befasst. Die Charaktere sind sehr gut dargestellt. Alex Martin wirkt ziemlich charismatisch. Seine Vorliebe für sein Motorrad machtt ihn sehr sympathisch. In kurzen Sequenzen erfahren wir auch, wie sich Alex und Jaidee kennengelernt haben.

Der Schreibstil von Ute Bareiss ist leicht und flüssig. Mehrmals führt uns die Autorin in die Irre.

Ich muss mir nun den ersten Teil („Roter Ozean“) besorgen und erwarte mit Spannung den dritten Teil („Blauer Tod“), der im Herbst 2017 erscheinen soll.

Fazit:

Ein fesselnder, vielschichtiger Thriller, dem ich gerne 5 Sterne und eine Leseempfehlung gebe.

Veröffentlicht am 01.06.2018

Fesselnd bis zur letzten Seite

Roter Ozean
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“Roter Ozean” ist der Auftakt der Thriller-Reihe rund um Meeresbiologen Dr. Alex Martin.

Worum geht’s?

Alex Martin ist auf seiner biologischen Station im Thyrrenischen Meer beschäftigt, als er bei ...

“Roter Ozean” ist der Auftakt der Thriller-Reihe rund um Meeresbiologen Dr. Alex Martin.

Worum geht’s?

Alex Martin ist auf seiner biologischen Station im Thyrrenischen Meer beschäftigt, als er bei einem Tauchgang Zeuge einer Bootsexplosion wird. Er rettet den schwer verletzten Mann und gerät dadurch in einen Strudel von Intrigen, die mehreren Menschen das Leben kosten werden.

Meine Meinung:

Dieses Buch ist ein actionreicher Thriller, der mir ein paar atemlose Stunden beschert hat. Ich hatte zwar relative bald die Auftraggeber im Visier, doch erst bei der Entlarvung und Verhaftung war ich dann wirklich sicher, die Richtigen verdächtigt zu haben.
Die Figuren sind gut durchdacht und wirken glaubhaft. Besonders gut gefällt mir, dass sie Ecken und Kanten haben. Die Guten schrecken auch manchmal vor nicht ganz legalen Mitteln zurück, wenn es der Sache dient.
Die Spannung ist von Anfang an auf einem recht hohen Level und steigert sich bis zum Finale hin noch etwas.
Ein besonderes Highlight sind die schön plastisch beschriebenen Schauplätze und das Leben auf einem Boot. Ich selbst bin zwar eine Landratte, dennoch fasziniert mich das enge Leben an Bord, um in die Weiten des Meeres kennen zu lernen.
Der Schreibstil lässt den die Story beinahe „live“ miterleben.
Ich bin ja mit Band 2 („Weißes Gold“) in die Reihe eingestiegen. Endlich habe ich detailliert erfahren, welchen Hintergrund Alex Martin hat und wie er Computergenie Walther kennengelernt hat.

Fazit:

Von mir gibt es dafür eine Leseempfehlung und natürlich auch die volle Punktzahl, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 30.05.2018

Eine Familiensaga - keine leichte Kost

Mittelreich
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„Mittelreich“ ist die Geschichte einer deutschen Familie vom ausgehenden 19. Jahrhunderts über nahezu 100 Jahre bis in die Gegenwart.

Der alte Seewirt errichtet einen neuen Steg und stockt sein ohnehin ...

„Mittelreich“ ist die Geschichte einer deutschen Familie vom ausgehenden 19. Jahrhunderts über nahezu 100 Jahre bis in die Gegenwart.

Der alte Seewirt errichtet einen neuen Steg und stockt sein ohnehin schon protziges Gasthaus auf. Der idyllische See und die gute Küchen locken scharenweise Gäste an. Damit erwirtschaftet der alte Gastwirt einen gewissen Wohlstand, der ihn zwar nicht wirklich reich, sondern eben nur mittelreich werden lässt.

Man könnte zufrieden sein, doch der Erste Weltkrieg lässt die Träume von weiteren Expansionen vorerst einmal platzen. Toni, dem ältesten Sohn und Erben, zerstört eine Gewehrkugel nicht nur den Stahlhelm, sondern auch Teile des Gehirns. Diese Kriegsverletzung bringt ihn in weiterer Folge in die eine Anstalt für Geisteskranke.

Nun muss Pankraz, der zweite Sohn, die Wirtschaft übernehmen. Doch auch Pankraz hat sein Schicksalspäckchen zu tragen. Er wird im Zweiten Weltkrieg durch einen Granatsplitter am Bein verwundet. Eigentlich wollte er ja Opernsänger werden, doch für diese „Flausen“ hat der Vater kein Verständnis. Es kommt, wie es kommen muss. Pankraz gibt seinen Traum auf, heiratet die Bauerntochter Theresa, zeugt zwei Töchter und einen Sohn. Das Seewirtshaus floriert. Es könnte alles wunderbar sein, wenn, ja wenn, Panrkaz‘ unverheiratet gebliebenen und frömmlerischen Schwestern nicht ständig an Theresa herummäkeln würden, wenn nicht Kriegsflüchtlinge einquartiert würden, wenn Semi, der Sohn, ein wenig fügsamer wäre usw. usw..

Erst der Jahrhundertsturm, der beinahe die Existenz vernichtet reißt Pankraz aus seiner depressiven Lethargie.


Meine Meinung:

Der Autor schildert eine Gastwirtschaft an einem Bayerischen See während der beiden Weltkriege sowie in den Jahrzehnten danach. Wir erhalten Einblicke in unterschiedliche Charaktere, die sich in verschiedene Richtungen entwickeln.

Da ist zum einen Pankraz selbst, dann Sohn Semi, der im katholischen Internat von Erziehern missbraucht und gedemütigt wird. Ihm schenkt allerdings niemand Glauben, da nicht sein kann, was nicht sein darf.

Interessant sind auch die Auswirkungen des Krieges auf die jeweiligen Menschen: Kriegsverletzungen sowohl seelisch als auch körperlich, Flüchtlingsproblematik mit Umsiedlungen, Umgang mit dem Wissen über die Konzentrationslager oder das eigene Verhalten nach dem Krieg (Schuldgefühle oder Pflichterfüllung). Jeder verarbeitet diese Traumata anders oder eben gar nicht. So verüben einige der Protagonisten Selbstmord.


Andere brisante Themen wie die pädophilen Machenschaften in Klosterschulen oder die Generationskonflikte in den 1960er Jahren werden ebenfalls behandelt. Daneben wird der harte Bauernalltag im Wandel der Zeiten geschildert. Der Aufbruch in die Moderne macht auch vor dieser etwas lethargischen Ecke Bayerns nicht Halt. Sehr schön sind die Machenschaften rund um die Immobilienspekulationen herausgearbeitet, die ich sofort glaube.

Stellenweise ist der Bierbichlers Roman nicht leicht zu lesen, blicken wir doch immer wieder in menschliche Abgründe. Manche Charaktere sind dumpf, oft abstoßend. Manchmal gleiten die Beschreibungen von Land und Leuten ein klein wenig ins Langatmige ab.


Josef Bierbichler zeigt dem staunenden Leser ein wüstes Abbild bäuerlichen Lebens in der Nachkriegszeit. Trotzdem lässt einen die Geschichte nicht los.


Fazit:

Keine leichte Lesekost, aber ein Spiegel der Zeit(en). Gerne gebe ich 5 Sterne.

Veröffentlicht am 30.05.2018

Ein lesenswertes Buch ...

Ein mögliches Leben
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Der aus dem Ruhrgebiet stammende Bergmann Franz Schneider steht mit seinen Kameraden 1944 in der Normandie und ist Teil Hitlers „Gegenoffensive“. Doch daraus wird nichts. Schneider und seine Kameraden ...

Der aus dem Ruhrgebiet stammende Bergmann Franz Schneider steht mit seinen Kameraden 1944 in der Normandie und ist Teil Hitlers „Gegenoffensive“. Doch daraus wird nichts. Schneider und seine Kameraden werden als Kriegsgefangene nach Amerika verschifft.

70 Jahre später will der fast 90-jährige noch einmal nach Amerika, genauer gesagt nach Texas, um das ehemalige Lager zu sehen.

Gemeinsam mit seinem Enkel Martin, einem arbeitslosen Grundschullehrer kehrt er an die Orte dieses Lebensabschnittes zurück.

Meine Meinung:

Autor Hannes Köhler ist ein bewegender Roman gelungen. Vielen Lesern ist wahrscheinlich unbekannt, dass auch die USA Kriegsgefangene gemacht und die Männer nach Amerika verbracht haben. Im Gegensatz zu den Lagern in Europa bzw. Russland, wurden die Männer in den amerikanischen Lagern recht ordentlich behandelt. Sie mussten zwar (Zwangs)Arbeit verrichten, wurden aber ordentlich verpflegt und untergebracht. Diese Tatsachen sind sauber recherchiert und macht Lust, sich mit diesem Thema näher zu beschäftigen.

Eindrucksvoll pendelt der Autor zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her. Wir lernen die Gedanken von Franz Schneider kennen und teilen mit ihm die Erinnerungen, die teils schön, teils schmerzlich sind. Endlich findet Franz Worte für das, was sein Leben seit damals verändert hat. Ein wenig klingt auch die verpasste Chance auf ein mögliches Leben durch.

Auf der Reise durch die Erinnerungen kommen Franz und Martin näher. Der Enkel erhält Einblicke in die Vergangenheit seiner Familie und beginnt langsam zu verstehen, warum sie so ist, wie sie ist.

Der Autor hat einen angenehmen Schreibstil. Die vielen Erkenntnisse, Eindrücke und Informationen werden subtil in die Geschichte eingeflochten. Niemals hat man den Eindruck mit „Infodump“ überschüttet zu werden. In der klaren Sprache schwingen viele Emotionen und Stimmungen mit, wodurch spannendes Kopfkino entstehen kann.

Ein witziges, aber stimmiges Detail ist das Cover: Das Bild der Landschaft ist hochkant gestellt. Nicht auf den Kopf, sondern nur um 90° verdreht. Das empfinde ich als Metapher auf Franz Schneiders Leben – nicht ganz auf den Kopf gestellt, aber ein bisschen.


Fazit:

Mein Fazit:
Ein lesenswertes Buch, das nicht nur die Vergangenheit einer Familie, sondern einer ganzen Generation beleuchtet