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Venatrix

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Veröffentlicht am 19.04.2018

Ein Serienmörder im Waldviertel

Blutmoor (Ein-Sarah-Spielmann-Krimi 2)
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Dieser Krimi ist der zweite rund um die Ermittlerin Sarah Spielmann und kann ohne Vorkenntnis gelesen werden. Der Fall ist in sich abgeschlossen und spielt ein paar Jahre nach dem ersten Teil.

Zum Inhalt:

Amelia, ...

Dieser Krimi ist der zweite rund um die Ermittlerin Sarah Spielmann und kann ohne Vorkenntnis gelesen werden. Der Fall ist in sich abgeschlossen und spielt ein paar Jahre nach dem ersten Teil.

Zum Inhalt:

Amelia, die Tochter des österreichischen Innenministers wird, während eines gemeinsamen Ausflugs mit Freund Maximilian an den Stausee Ottenstein im Waldviertel, entführt. Maximilian wird grausam ermordet.

Da Sarah der Ruf der akribischen und erfolgreichen Ermittlerin vorausgeht, teilt ihr der Innenminister die Aufklärung des Falls, ohne Rücksicht auf die sonst üblichen Zuständigkeiten, zu. Das macht Sarah, die mit dem IT-Spezialisten Fred einen neuen Ermittlungspartner hat, nicht beliebter. Sie hat seit dem spektakulären „Schwarm-Fall“ an ihrer Persönlichkeit gearbeitet und sich mehreren Psycho-Therapien unterzogen. Sie hat zwar immerhin den Waschzwang abgelegt, doch empathisch wirkt sie noch lange nicht.

Trotz sofort aufgenommener Ermittlungen und Zugriff auf alle zur Verfügung stehenden Ressourcen des Innenministeriums bzw. dann später auch des Bundesheeres ist der Täter den Polizisten immer mindestens einen Schritt voraus. Hinweise mehren sich, dass Amelia sich nach wie vor im Waldviertel befinden muss.

Eine Leiche nach der anderen wird ohne Herz und Leber in Wien aufgefunden. Doch damit nicht genug. Sarah findet eine ausgeweidete Moorleiche in ihrem Bett, was ein wenig an Stephen King oder Thomas Harris‘ „Hannibal Lecter“ erinnert. Sarah ist klar, dass es sich hier um Kannibalismus handeln muss.
Die persönliche Note dieses Krimis wird noch durch eine weitere Entführung auf die Spitze getrieben: Der Lebenspartner von Fred befindet sich nun ebenfalls in der Gewalt des Täters. Das deutet auf einen Insider hin. Wer kennt das Leben der beiden so detailliert, dass diese Angriffe so punktgenau treffen?

Wieder einmal läuft Sarah und Fred die Zeit davon. Werden sie es schaffen, die beiden Entführungsopfer rechtzeitig zu befreien?

Meine Meinung.

Dieser zweite Krimi ist ziemlich blutrünstig. Um es mit einem Filmtitel zu sagen „Leichen pflastern seinen Weg“. Das ist nicht jedermanns Geschmack. Denn es gibt nicht nur eine Menge aktueller Leichen sondern auch mindestens 50 aus der Vergangenheit des Täters.

Gut gelungen ist das Splitten in drei Erzählstränge. Zwar liegt das Hauptaugenmerk auf die Ermittlungen von Sarah und ihrem Team, doch auch Täter und Opfer erhalten ihre Struktur. In den Täter kann man sich als normal veranlagter Leser wohl nicht so gut hineinversetzen, in die Lage der Opfer, vor allem in die von Amelia, schon eher.

Sarah Spielmann hat die Jahre zwischen dem „Schwarm“-Fall und dem aktuellen für ihre Weiterentwicklung genützt und hat so etwas wie eine Beziehung. Ihr neuer Freund Christoph wirkt verschroben, geht er doch entomologischen Forschungen nach. Mit seinen Forschungsobjekten, Insekten und Spinnentieren, kann Sarah nicht viel anfangen. Damit steht sie nicht alleine da und erntet hier ein paar Sympathiepunkte.
Sie kann Privates von Dienstlichem trennen und so zögert sie nicht, den Schmutz an Christophs Stiefel untersuchen zu lassen als er sich seltsam verhält. Der Dreck ähnelt nämlich jenen Spuren aus dem Waldviertler Moor, weswegen er kurz in den Fokus von Sarahs dienstlicher Aufmerksamkeit gerät.

Den echten Täter hatte ich recht bald auf dem Radar. Es wäre nett gewesen, Sarahs Ermittlungsansatz näher kennenzulernen. Wie kommt sie auf diese Person? Es wird nur einmal kurz erwähnt, dass es vor Jahren in der Schweiz ähnliche Morde an Prostituierten gegeben hat. Dann widmet sich der Autor dem Kompetenzgerangel innerhalb des Landeskriminalamtes, rasanten Autofahrten mit oder ohne Blaulicht und – für meinen Geschmack zu wenig - der eigentlichen Polizeiarbeit.

Erst ganz zum Schluss, als Sarah dem Mörder und Entführer persönlich gegenübersteht, enthüllt sie ihm (und dem geneigten Leser) ihre Überlegungen. Dass sie diese Erkenntnisse weder mit Fred noch ihrem Chef geteilt hat, verwundert mich ein wenig.

Es gibt dann wieder einige Tippfehler sowie ein paar andere Ungereimtheiten, die wahrscheinlich nur Kennern von Wien und dem Waldviertel auffallen.

Wieder konnte mich Sarah Spielmann nur teilweise für sich einnehmen. Trotz ihrer akribischen Art sich in kniffelige Fälle hineinzuknien, wirkt sie nach wie vor unsympathisch. Manche ihrer Verhaltensweisen erscheinen höchst unprofessionell. Besonders den Umgang mit Kollegen und Vorgesetzten empfinde ich stellenweise als unpassend. Natürlich herrscht im LKA im Allgemeinen und in einer solchen Stresssituation ein eher rauer Umgangston. Doch ihre oft rotzigen Antworten zeugen nicht von guter Kinderstube (Ach ja, sie ist ja in Internaten aufgewachsen.). Da schwächelt auch der Vorgesetzte ein wenig, denn der sollte und könnte hier steuernd eingreifen.

Das Erzähltempo ist hoch, der Spannungsbogen flacht dann ein bisschen ab. Von dem Zeitpunkt an, ab dem ich den Täter ausgeforscht habe, ist die weitere Handlung für mich recht vorhersehbar.

Mir persönlich ist dieser Krimi zu blutrünstig. Die vielen Leichen, die im Naturpark Hochmoor Schrems, einer übrigens entzückenden Gegend des Waldviertels, gefunden werden, sind unnötig. Sie bringen die eigentliche Handlung nicht wirklich weiter. Der Werdegang und die Blutspur des Serientäters hätten durchaus eleganter dargestellt werden können. Wobei ich zugeben muss, dass ich solche Verbrechen nicht gut darstellen darstellen.

Mein Fazit:

Auch der zweite Krimi rund um Sarah Spielmann hat mich nicht vollends überzeugt. 3 Sterne




Veröffentlicht am 17.04.2018

Fesselnd bis zur letzten Seite

Frankfurter Schattenjagd
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Frankfurt am Main ist die Hauptstadt der „Föderation der Europäischen Länder“, die nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl 1986 und der daraus folgenden Kettenreaktion von Explosionen ähnlicher Kernkraftwerke ...

Frankfurt am Main ist die Hauptstadt der „Föderation der Europäischen Länder“, die nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl 1986 und der daraus folgenden Kettenreaktion von Explosionen ähnlicher Kernkraftwerke in Asien, Millionen von Flüchtlingen beherbergen muss. So ist Frankfurt von rund 750.000 Einwohnern auf 8 Millionen angewachsen, was zu logistischen Problemen sondergleichen führt. Wohnraum ist extrem knapp und die Menschen leben in Containern, Kojen und beengten Wohnungen. Und dort, wo Mangel und viele Menschen auf einem Fleck konzentriert sind, ist das organisierte Verbrechen nicht weit. Rivalisierende Banden unterschiedlicher Herkunft machen der Polizei das Leben schwer. Das ist so das Umfeld, in das uns der Autor entführt.

Der junge, deutsch-chinesische Kommissar Xaver Xiang, genannt Dex, muss sich mit einer grausamen Mordserie an Mitgliedern der mongolischen und russischen Mafia beschäftigen. Handelt es sich um einen ganz normalen Bandenkrieg zwischen rivalisierenden Mafiafamilien? Dex und sein Team, das wie die Bevölkerung allgemein aus unterschiedlichen Ethnien zusammengesetzt ist, ermitteln fieberhaft. Doch kaum scheinen sie der Lösung des Rätsels nähergekommen zu sein, finden sie die nächste zerstückelte Leiche.

Dann erhält Dex Unterstützung von einer gänzlich unerwarteten Seite, die auch sein Leben ziemlich durcheinanderbringt. Ist diese Hilfe wirklich so selbstlos oder verfolgt diese Person eigene Ziele?

Meine Meinung:

Autor Dieter Aurass bietet in seinem neuesten Werk einen Krimi der Extra-Klasse. Angesiedelt in der Kategorie „Alternative Geschichtsschreibung“ kann er seiner Fantasie freien Lauf lassen. Dabei flicht er gekonnt aktuelle Themen wie Flucht, unterschiedliche Glaubensbekenntnisse und Ethnien sowie deren Konflikte ein. Allerdings keimt auch die Hoffnung auf, dass die eine oder andere Ursache von Kontroversen durch ein wenig Toleranz von allen Seiten beigelegt werden könnte.

Die Vorstellung, zwecks Identifikation, einen Barcode auf dem Handrücken eintätowiert zu haben, erinnert an die Nummern in den Konzentrationslagern der Nazis. Da ist es mir ein wenig kalt über den Rücken gelaufen, obwohl die Aussicht, die aktuelle Passwortmisere und Zutrittskontrollen mittels implantierten Mikrochip zu beenden, einen gewissen Reiz hätte. Allerdings wären wir dann wirklich die „gläsernen Menschen“. „Big brother is watching you“ schrieb schon George Orwell.

Der Autor stellt uns der Reihe nach die Mitglieder des Ermittlerteams vor. Jede/Jeder hat ein Spezialgebiet, das die Mannschaft zu einem kompakten und effizienten Team vereint. Nicht alle haben eine friktionsfreie Vergangenheit und diese bestimmt nach wie vor ihre Persönlichkeiten und Handlungen.

Der Schreibstil ist, wie wir es vom Autor gewöhnt sind, fesselnd und flüssig. Die Spannung wächst von Seite zu Seite.
Das plötzliche Auftauchen von Lilith lässt die Leser überrascht in eine falsche Richtung denken. Ja, das ist schon ein meisterlicher Griff in die Trickkiste.

Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen und habe es nahezu in einem Stück gelesen. Faszinierend finde ich, dass die Szenarien so echt und lebendig dargestellt sind, dass ich nachdenken musste, ob 1987 wirklich eine „Große Hungersnot“ auf Grund der Atomkatastrophen stattgefunden hat.

Fazit:

Ein neuer Krimi-Stil, ein neues Team – bitte unbedingt mehr davon. Ich kann Dieter Aurass im Allgemeinen und dieses Buch im Besonderen nur ausdrücklich empfehlen. 5 wohlverdiente Sterne.

Veröffentlicht am 16.04.2018

Hat noch Luft nach oben ...

Das Meer löscht alle Spuren
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Dieser Kriminalroman ist der zweite Fall für die dänische Journalistin Nora Sand. Die Autorin nimmt sich eines aktuellen Themas, nämlich der Flucht von gefährdeten Personen an.

Der berühmte iranische ...

Dieser Kriminalroman ist der zweite Fall für die dänische Journalistin Nora Sand. Die Autorin nimmt sich eines aktuellen Themas, nämlich der Flucht von gefährdeten Personen an.

Der berühmte iranische Dichter Manash Ishmail sieht sich plötzlich in seiner Heimat bedroht und flieht mit seiner Frau. Anstatt gemeinsam in London einzutreffen, werden sie unterwegs getrennt. Manash landet in einem Flüchtlingsheim in Dänemark. Seine Frau Amina scheint wohlbehalten in London angekommen zu sein. Dann, nach einem letzten Lebenszeichen, verliert sich ihre Spur.
Manash ist ein bescheidener Literat, der die Aufmerksamkeit der Presse scheut, dennoch bitter er die Journalistin Nora Sand, die als Auslandskorrespondentin einer dänische Zeitung in London lebt, um Hilfe.

Nora beginnt zu recherchieren. Doch bis sie endlich die Wege der verschwundenen Amina nachvollziehen kann, werden ihr mehr als nur Steine in den Weg gelegt. So wird ihr Computer gehackt, Informanten bedroht und ermordet. Auch sie selbst gerät mehrmals in akute Lebensgefahr. Immer wieder kommt sie um ein bisschen zu spät. Doch nicht nur ihr berufliches Leben läuft aus dem Ruder, sondern auch ihr Privatleben scheint chaotisch.

Welche Rolle spielt Andreas, der Lebenspartner, der sich nicht zwischen seiner Ex-Frau Brigitte, die gerade ein Kind von ihm erwartet (?) und ihr entscheiden kann?

Steckt Brigitte hinter dem gehackten Computeraccount und dem mysteriösen Verschwinden von Daten? Immerhin ist sie Mitarbeiterin im Geheimdienst. Die Schwangerschaft und der Kampf um Andreas wären auch ein gutes Motiv. Doch begeht Brigitte damit nicht Amtsmissbrauch, der in Dänemark sicherlich auch unter Strafe stehen wird?

Und, wie hängt das mit dem Ehepaar Ishmail zusammen?


Meine Meinung:

Da ist gleich an erster Stelle der Titel, den ich völlig unpassend finde. Auf Dänisch heißt das Buch nämlich „Den blå digters kone“ was mit „Des blauen Dichters Frau“ übersetzt werden könnte. So ein Titel hätte Charme, den ich bei „Das Meer löscht alle Spuren“ vermisse.

Dass sich Manash, der Medien gegenüber sehr zurückhaltend ist, Nora Sand um Hilfe bittet, ist vermutlich dem ersten Fall („Die Mädchen von der Englandfähre“), in dem sie einen cold case aufklärt und ihrem Arbeitsplatz in London geschuldet.

Nora als Enthüllungsjournalistin und Aufdeckerin? Sie wirkt zwar sympathisch, doch ob sie das Zeug zur Privatermittlerin hat, bin ich nicht sicher. Spätestens bei der zweiten verschwundenen Email hätten die Alarmglocken läuten müssen. Sie tauscht das Mobiltelefon nicht? Das klingt jetzt nicht ganz so tough. Wenn ich die Vermutung hätte, dass jemand meinen Account gehackt hat, so wäre ich entweder völlig Netzabstinent oder hätte ein Prepaid-Handy. So bringt sie sich und andere völlig unnötig in Gefahr.

Auch ihr verwirrendes Privatleben stört mich ein wenig. Vielleicht fehlen mir auch nur die Informationen aus dem Vorgänger, den ich nun im Anschluss lesen werde. Die Rolle von Andreas bzw. Brigitte in diesem Dramadreieck ist mir jetzt nicht ganz klar. Welches Spiel spielt Brigitte?

Noras häufiger Blick in den leeren Kühlschrank ist meiner Ansicht nach überflüssig. Einmal ist es ganz witzig, doch die Häufigkeit mit der sie davor steht, zeugt nicht von Organisiertheit. Wenn sie selbst keine Zeit zum Einkaufen hat, so gibt es doch sicherlich Lieferservices, bei denen man Lebensmittel ordern kann.

Dass private Sicherheitsdienste für ehemals staatliche Aufgaben wie Gefängnisaufsicht u.ä. nicht das Gelbe vom Ei sind, ist schon von vornherein klar. Dass es um Billigst- statt um Bestbieter geht, auch. Die Billiganbieter holen sich ihr Geld eben auf andere Weise zurück. Dass sich Großkonzerne wenig um den einzelnen Menschen kümmern, ist jetzt auch nichts Neues.

Der Krimi liest sich stellenweise spannend. Unterbrochen wird der Spanungsbogen durch dieses merkwürdige Privatleben. Außerdem frage ich mich, warum die Polizei eine so seltsame Rolle spielt? Überforderung? Die Polizisten nehmen z.B. den Einbruch bei Corinne auf und zucken anschließend mit den Schultern. Es kann schon sein, dass es einzelne korrupte Beamte gibt, aber gleich die ganze Polizei?

Ganz warm bin ich mit der Autorin, die selbst als Auslandskorrespondentin in London lebte, noch nicht geworden.

Fazit:

Ein Krimi, der noch Luft nach oben hat. 3 Sterne.




Veröffentlicht am 16.04.2018

Leider nichts für mich

Lass uns über Style reden
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Vorweg muss ich sagen, dass ich Michael Michalsky noch nicht gekannt habe und neugierig zu lesen begonnen habe.

In dem Buch "Style - Viel mehr als Mode" erzählt der Designer was seiner Meinung nach „wirklich ...

Vorweg muss ich sagen, dass ich Michael Michalsky noch nicht gekannt habe und neugierig zu lesen begonnen habe.

In dem Buch "Style - Viel mehr als Mode" erzählt der Designer was seiner Meinung nach „wirklich stylisch“ ist und was, außer Kleidung, sonst alles dazu gehört. Das hat meine Aufmerksamkeit geweckt.

Nun muss ich feststellen, dass sich meine Erwartungen an Autor und Buch nicht erfüllt haben. Ich finde es, anders als im Klappentext beschrieben, nicht wirklich kurzweilig. Der Schreibstil wirkt auf mich stellenweise ein wenig abgehoben, um nicht zu sagen arrogant.

Vermutlich bin ich auch nicht die richtige Zielgruppe. Mit GNTM oder ähnlichen Formaten habe ich absolut nichts am Hut. Auch die Namen der genannten, angeblich berühmten Persönlichkeiten (wenn man von Karl Lagerfeld absieht) sind mir nicht wirklich geläufig.

Ich hatte eigentlich anwendbare Tipps und Ratschläge für gutes Styling erwartet. Bekommen habe ich eine Art Autobiografie, die auf mich stellenweise oberflächlich wirkt. Dass hier hauptsächlich die eigene Meinung des Autors zur Sprache kommt, liegt in der Natur der Sache und muss nicht unbedingt die Intention des Lesers sein.

Jetzt, da ich den Namen kenne, ist mir ein Kommentar ins Auge gesprungen: „Frau Merkel trägt zu flache Schuhe.“

Ich denke, sie wird ihre Gründe haben. Ich finde das wieder einmal typisch, dass Frauen, die in der Öffentlichkeit stehen an ihrem Aussehen gemessen werden. Wer hat schon jemals die Schuhe eines männlichen Politikers erwähnt?

Fazit:

Für mich persönlich ist das Buch wohl nichts, doch es wird Leser geben, die danach lechzen. 2 Sterne.

Veröffentlicht am 15.04.2018

Zwei Leben für den Kaiser

Der Löwe des Kaisers
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Kaiser, Papst und Gegenpapst, Ehrgefühl über alles, Intrigen zwischen den Herzögen, Auflösung kinderloser Ehen – das ist die Zeit, in die uns die Autorin entführt.


Historischer Hintergrund:

Wir befinden ...

Kaiser, Papst und Gegenpapst, Ehrgefühl über alles, Intrigen zwischen den Herzögen, Auflösung kinderloser Ehen – das ist die Zeit, in die uns die Autorin entführt.


Historischer Hintergrund:

Wir befinden uns im Hochmittelalter, 12. Jahrhundert. Die deutschen Lande sind in viele kleine oder größere Fürstentümer aufgeteilt. Über ihnen allen herrscht Friedrich I, genannt Barbarossa als „Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“. Diese Kaiserwürde ist nicht erblich, sondern die sieben Kurfürsten (drei geistliche und vier weltliche) wählen „ihren“ Kaiser. Bestechung, Korruption und Machtmissbrauch sind die gängigen Mittel um dem „richtigen“ Kandidaten auf den Thron zu verhelfen. Ganze Fürstentümer werden hin- und her geschoben, bis endlich ein Kaiser gewählt wird, der als „kleinster gemeinsamer Nenner“ gilt. So mancher Kaiser ist bald wieder in der Versenkung verschwunden, Friedrich nutzt die Gunst der Stunde. Allerdings legt er sich recht bald mit dem Papst in Rom an. Mehrmals zieht er gegen die Lombardei zu Felde und vor Rom verliert er einen großen Teil seiner Truppen durch die Malaria.

Inhalt:

Die Zwillinge Einhard und Gunnar von Arsberg wachsen als junge Knappen auf der Burg Wallberg heran. Die Brüder können nicht unterschiedlicher sein: Gunnar ist ein Womanizer, Einhard bedächtig.

Kurz bevor sie in den Ritterstand erhoben werden, reißt die Geschichte das Brüderpaar auseinander. Der eine, Gunnar folgt Kaiser Friedrich I. Barbarossa, der andere, Einhard wird Gefolgsmann Herzogs Heinrich, genannt der Löwe.

Durch die damals vorherrschende Primogenitur (nur der älteste Sohn erbt, aber dafür alles), bleibt für die beiden jüngeren nur der Weg, durch eigene Ruhmestaten Lehen und Ansehen zu verdienen.

Durch ein Missverständnis, gehen sie einander aus dem Weg. Werden sie sich aussöhnen?

Erzählweise/Spannung:

Autorin Cornelia Kempf schafft es, durch penible Recherche einer Vielzahl von geschichtlichen Details die Welt des Mittelalters vor uns Lesern wieder auferstehen zu lassen. Dabei vermittelt sie das Wissen so geschickt, dass der Leser niemals den Eindruck hat, Wissen vermittelt zu bekommen. Die Informationen werden subtil und spielerisch dargeboten. Es fehlt der moralische Zeigefinger. Die Leser können sich selbst ein Urteil über die Protagonisten bilden. Sei es ob man lieber Gunnar und seine zahlreichen Liebschaften mögen, oder eher die Sympathie seinem Zwillingsbruder Einhard schenken soll. Genauso verhält es sich mit den Mächtigen jener Zeit. Friedrich oder Heinrich, das ist hier die Frage.

Durch geschicktes Aneinanderreihen von Szenen bzw. Aussparen derselben ist der Leser verführt, ständig und unablässig weiterzulesen, obwohl vielleicht andere Dinge wie die Hausarbeit oder das Bett rufen.

Sehr klug und sehr spannend!

Einige Personen werden unvermutet eingeführt. Nicht immer ist deren Rolle gleich sichtbar. Doch einige entwickeln sich rasant und warten darauf im zweiten Teil dieses Mittelalterepos ihren Platz zu finden.

Charaktere:

Gunnar und Einhard sind sich als Zwillinge sehr, sehr vertraut. Daher ist es für beide ein Leichtes, den anderen zu verletzen.
Stolz und eigensinnig sind sie auch, daher ist der Weg zu Versöhnung im wahrsten Sinn spitz und schmerzhaft.
Diese Fähigkeiten hat die Autorin sehr gut herausgearbeitet.

Friedrich I. ist wie alle Mächtigen der Welt von Schleimern, Schmeichler und Intriganten umgeben. Daher schätzt er Gunnars ehrliche Worte, auch wenn sie manchmal ziemlich ungehörig sind. Für weniger freche Worte sind schon häufig die Köpfe gerollt.

Heinrich der Löwe ist machthungrig dargestellt. Er ist wie Friedrich ein Kind seiner Zeit. Geld, Macht und Einfluss sind ihm wichtig – je mehr desto besser.

Nun zu den Frauengestalten: wir begegnen gemeinsam mit Einhard der großen Liebe, die keine Zukunft hat. Wir stürzen uns mit Gunnar in die Arme zahlreicher Liebschaften.
Oda, die Witwe nach Wolfram, der Zwillinge großer Bruder und Mutter des Erben Bernhard, ist einerseits zänkisch andererseits die beschützende Mutter, die ihren einzige Sohn lieber einem Kloster anvertraut als ihn Ritter werden zu lassen.
Dann Agnes, sie kennen Einhard und Gunnar aus ihrer Zeit als Knappen auf Wallburg, ist mit dem Fiesling Walther verheiratet. Sie beginnt mit Einhard ein Verhältnis und bringt ihn dadurch in tödliche Gefahr. Sieht so wahre Liebe aus?
Dann hätten wir da noch Luzia, die in Gunnars Leben eine nicht unbedeutende Rolle spielt.

Hier, bei den Frauen, ist der einzige Punkt in dem ich mit der Autorin nicht ganz d’accord gehe. Ehebruch durch die Frau wird mit aller Härte bestraft. Und das wissen die Damen des Adels. Ob sie wirklich so schnell, beinahe leichtfertig, eine Liebschaft eingegangen sind?

Fazit:

Ein wunderschönes Buch, das den interessierten Lesern das Mittelalter und seine Lebensart völlig unaufgeregt und unterschwellig näherbringt. Die verwirrende Politik rund um die Deutschen Fürstentümer, den Kaiser und die Macht der Päpste ist gekonnt mit dem Leben von Gunnar und Einhard verflochten.
Ein echter Glücksgriff und eine absolute Empfehlung für die Liebhaber von historischen Romanen.
Voll Ungeduld und Spannung warte ich auf den zweiten Teil, dessen Untertitel „der Fall“ ein böses Ende erwarten lässt. Doch für wen?