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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.03.2018

Schatten der Vergangenheit

Schweigegelübde (Ein Emma-Vaughan-Krimi 2)
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In ihrem zweiten Fall wird Polizisten Emma Vaughan von der Vergangenheit ihres Ex-Mannes Paul eingeholt: Er sitzt als Verdächtiger, Drahtzieher früherer IRA-Verbrechen zu sein, im Gefängnis von Sligo. ...

In ihrem zweiten Fall wird Polizisten Emma Vaughan von der Vergangenheit ihres Ex-Mannes Paul eingeholt: Er sitzt als Verdächtiger, Drahtzieher früherer IRA-Verbrechen zu sein, im Gefängnis von Sligo.

Doch nicht genug der privaten Probleme, muss sich Emma dem üblichen Gesundheitstest der Polizei unterziehen. Lange genug hat sie den hinausgezögert, weil sie nach dem von Paul verursachten Autounfall medikamentenabhängig ist.

Anlässlich dieses Gesundheitschecks in der Klinik von Sligo erfährt sie, dass im Krankenhaus ein „Todesengel“ sein Unwesen treibt. Schnell sind mehrere Verdächtige ausgemacht. Doch sind der polnische Pfleger und der indische Arzt wirklich die Täter? Oder sind die Anschuldigungen nur der Fremdenfeindlichkeit der Iren anzulasten?

Gleichzeitig spukt ihr letzter, nicht aufgeklärter Fall in ihrem Kopf herum.
Wie wir Emma schon aus dem ersten Band („Lügenmauer“) kennen, setzt sie auch diesmal unkonventionelle Ermittlungsmethoden ein und balanciert hart an der Grenze des Erlaubten.

Meine Meinung:

Die Vorgänge im Krankenhaus sind relativ einfach gestrickt. Den Täter habe ich recht bald im Visier gehabt. Dennoch hat mir die Vorgehensweise zur Aufklärung gut gefallen.

Dass sie beinahe nebenbei ihren alten Fall abschließen kann, zeigt deutlich, dass Emma eine sehr gute Ermittlerin ist. Auch wenn sie manchmal zu Eigenmächtigkeiten und Alleingängen neigt.

Die versucht ihrem 15-jährigen Sohn eine gute Mutter zu sein. Das stellt sich leider nicht immer so leicht dar. Und besonders jetzt, da ihr Ex-Mann wegen seiner IRA-Vergangenheit vermutlich zu einer langen Haftstrafe verurteilt werden wird. Doch das ist eine andere (vermutlich nächste) Geschichte …

Der Krimi ist leicht und locker geschrieben, spart allerdings nicht mit Sozialkritik. Die Anmerkung, dass die Iren alles daran setzen Grund und Boden zu erwerben, um nicht, wie in früheren Zeiten von den Engländern aus ihren Häusern vertrieben zu werden, ist gekonnt in die Handlung eingeflochten.

Ich finde die Abstecher zur IRA und ihre blutige Vergangenheit sehr interessant. Der Konflikt Nordirland und Britische Krone sind ja seit dem Mittelalter evident. Auch wenn sich der militante Flügel nun ein wenig zur Ruhe gesetzt hat, bleibt genug Sprengstoff (im wahrsten Sinne des Wortes) über.

Fazit:

Ein solider Krimi, der Hoffnung auf eine Fortsetzung macht. Gerne gebe ich vier Sterne.

Veröffentlicht am 17.03.2018

Der 3. Fall für Maik von Lilienthal reicht weit in die Vergangenheit

Brandenburger Gold
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Vorliegender Krimi ist der dritte um die pensionierte Fallanalytikerin Enne von Lilienthal und ihrem Sohn Maik, seines Zeichen KHK in Potsdam.

Auf der Potsdamer Pirschheide werden die Überreste eines ...

Vorliegender Krimi ist der dritte um die pensionierte Fallanalytikerin Enne von Lilienthal und ihrem Sohn Maik, seines Zeichen KHK in Potsdam.

Auf der Potsdamer Pirschheide werden die Überreste eines Mannes aufgefunden, der augenscheinlich von einem Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg zerfetzt wurde. Die Überraschung ist groß, als man bei der Leiche eine frische Schußverletzung entdeckt. Hier in der Pirschheide halten sich die Gerüchte über sagenumwobenen Nazi-Schätze hartnäckig. Ist der Mann ein Schatzsucher?

Unmittelbar nach diesem Leichenfund gibt es die nächsten Toten: Der Besitzer eines riesigen Schweinemastbetriebes und dessen Schwager. Dass der Betrieb abbrennt, kann auch kein Zufall sein. Vor allem, weil das Bombenopfer ein militaner Tierschützer gewesen sein soll. Fall gelöst? Mitnichten!
Drei weitere Tote machen Maik von Lilienthal das Leben schwer. Maik und sein Team gehen jeder Spur nach und finden eine Gemeinsamkeit, die siebzig Jahre in die Vergangenheit zurückreicht.

Meine Meinung:

Ich mag Krimis, die ihren Ursprung in der Vergangenheit haben. Diesen Erzählstrang finde ich auch sehr spannend. Doch ist er mir, die ich doch immer wieder gerne die Psyche von Tätern und Opfer kennen lernen möchte, vor allem zum Schluss ein wenig zu kurz geraten. Vorallem, dass die unbeteiligte Ruth nun den Tatsachen ins Auge sehen muss, dass in ihrer Familie nichts mehr so ist, wie vorher. Das ist mir persönlich ein wenig zu schnell gegangen. Ruth muss der Schock ihres Lebens erleiden, als sie bei der Testamentseröffnung eines wildfremden Mordopfers erfährt, dass die Menschen, die sie für ihre Eltern gehalten hat, dies gar nicht sind. Hier ist mir – wie den Untersuchungsrichtern gerne in den Mund gelegt – die Suppe zu dünn. Der Satz: „Eine jüdische Organisation findet sich schon, der Ruth das geerbte Vermögen spenden kann“ wirkt auf mich oberflächlich.

Die Morde rund um die Schweinemastanstalt hätte ich hier nicht so gebraucht. Die hätte ich zugunsten der Geschichte rund um Ruths Herkunft gerne weggelassen gehabt. Vor allem, weil diese Mordfälle dann plötzlich in der Versenkung verschwinden. Die Brandstiftung, die in Richtung des Bombenopfers deutet, wäre für mich noch einleuchtend gewesen. So sind mir diese Toten einfach zuviel.

Dass Enne in Lebensgefahr gerät, wirkt auf mich ein wenig zu konstruiert. Ein Glas mit verdorbenen Pilzen aus dem eigenen Haushalt? Und ein verdächtiger Diabetiker, der dann einen Hypo hat und nicht helfen kann? Diese Szenen habe ich jetzt nicht ganz verstanden. Sie bringen meiner Ansicht nach die ursächliche Handlung nicht weiter.

Die Erzählweise und der Sprachstil gefallen mir grundsätzlich recht gut. Hin und wieder verliert sich die Autorin auf Nebenschauplätzen, die dann detailliert beschrieben werden. Diese betrifft vor allem die Beziehungen innerhalb des Ermittlerteams und z. B. den Pathologen, der zwischendurch ein seltsames Verhalten an den Tag legt. Beinahe hätte ich an eine Verstrickung in eines der Verbrechen gedacht. Dabei hat der Arme gesundheitliche Probleme, die ihm große Angst eingejagt haben.

Angenehm finde ich die Wahl der Schrift und deren Größe.

Fazit:

Mit ein wenig mehr Augenmerk auf den Handlungsstrang der Geschichte aus dem Zweiten Weltkrieg und deren Folge(n), wären dem Krimi 4 oder sogar 5 Sterne sicher gewesen, so kann ich leider nur drei vergeben.

Veröffentlicht am 16.03.2018

IM Fokus der CIA - das Quantenauge

Der Schlüssel des Salomon
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Dieses Buch ist der Nachfolger zu „ Das Einstein-Enigma“, kann aber problemlos ohne den ersten Band gelesen werden.

Der Wissenschaftler Tomás Noronha gerät wieder einmal mit der CIA aneinander. Er soll ...

Dieses Buch ist der Nachfolger zu „ Das Einstein-Enigma“, kann aber problemlos ohne den ersten Band gelesen werden.

Der Wissenschaftler Tomás Noronha gerät wieder einmal mit der CIA aneinander. Er soll nämlich deren Boss, Frank Bellamy, im Forschungszentrum CERN ermordet haben. Es beginnt ein Katz und Maus-Spiel, in das auch Maria Flor, Leiterin der Seniorenresidenz in der Noronhas Mutter untergebracht ist, verwickelt wird.

Das Buch liest sich durchaus spannend, wobei ich die Erklärungen diverser physikalischer Phänomene fast interessanter als die Handlung finde. Denn der Ablauf ist ähnlich Werken wie jenen Dan Browns doch eher bekannt.

Für bemerkenswert halte ich, dass Tomás, obwohl auf der Flucht vor der CIA, Zeit und Muße hat, mit Maria Flor über Einstein, Schrödinger und anderen Größen der Physik zu diskutieren. Das erscheint mir jetzt ein wenig weit hergeholt. An seiner Stelle hätte ich geschaut, so viel Distanz wie möglich zwischen die CIA und mich zu bringen.

Die CIA kommt nicht besonders gut weg. Obwohl der Auslandsgeheimdient eine staatliche Einrichtung ist, kochen hier einige hochrangige Personen ihr eigenes Süppchen, das mit den eigentlichen Zielen und Aufgaben der Behörde wenig gemein hat. Es sieht so aus, als ob da einer mit Hilfe des „Quantenauges“ nach der „Weltherrschaft“ greifen will. Dem wird der gute Tomás die Suppe ordentlich versalzen.

Ein interessantes Thema, wenn auch eine Spur zu lang erörtert, ist auch die Nahtoderfahrung von Noronhas Mutter und die Zweifel des Naturwissenschaftlers an den Theorien. Er will Beweise.

Das Cover ähnelt dem des „Das Einstein-Enigma“, sodass hier ein hoher Wiedererkennungswert vorhanden ist.

Fazit:

Mehr Physik als Thriller, doch gerade das hat mir hier gut gefallen. Die Theorien rund um physikalische Phänome werden auch für Laien gut verständlich präsentiert. Von mir erhält das Buch vier Sterne.

Veröffentlicht am 15.03.2018

Eine stimmige Lebensgeschichte

Yellow Bar Mitzvah
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Vorausschicken möchte ich, dass die Musikrichtung des Rap nicht die meine ist. Dennoch war ich gespannt, über diesen jungen Mann zu lesen, der eine große Nummer in dieser Szene ist. Vor allem, der einschlägige ...

Vorausschicken möchte ich, dass die Musikrichtung des Rap nicht die meine ist. Dennoch war ich gespannt, über diesen jungen Mann zu lesen, der eine große Nummer in dieser Szene ist. Vor allem, der einschlägige Titel, der seine jüdische Herkunft hervorhebt, hat mich zu diesem Buch greifen lassen.

Gelesen habe ich nun eine Biografie eines Mannes, der 1989 in der heutigen Ukraine geboren wurde, dessen jüdische Mutter und Großmutter nach Deutschland geflüchtet sind. Dort haben sie, wie viele Flüchtlinge enttäuscht zur Kenntnis nehmen müssen, dass hier doch nicht Milch und Honig fließen. Zu Beginn ihres Aufenthaltes werden sie von einer jüdischen Institution an die nächste weitergereicht, bis sie in Osnabrück so etwas wie eine neue, wenn auch bescheidene Heimat in einem heruntergekommenen Stadtteil finden.

Dimitri Chpakov, so sein bürgerlicher Name, erzählt in sieben Kapiteln (zuzüglich Prolog und Epilog), die alle hebräischen Ursprungs sind. Sei es, dass die Buchstaben des hebräischen Alfabets oder Begriffe aus der jüdischen Mythologie sind. Das ist sehr passend.

In seinem Leben lässt Dimitri wenig aus: Abbruch der Schule, Einbrüche, Betrügereien, Verhaftung und Verurteilung als Sechzehnjähriger zu 400 Stunden Sozialarbeit.

Dann enteckt er die Musik, das Rappen für sich. Mit wenig Geld für eine Studioausrüstung arbeitet er sich nach oben. Nicht immer mit legalen Mitteln. Er umgibt sich mit vermeintlichen Freunden, die ihn, kaum dass sich ein wenig Erfolg einstellt, um seine Einkünfte erleichtern (wollen).
Erst als er Vater wird, beginnt er sich zu besinnen und sich von seiner parasitären Umgebung zu trennen.
Neid und Missgunst begleiten ihn jedoch weiter, bis die Steuerfahndung vor der Türe steht.

Meine Meinung:

Auf Grund des jüdischen Titels, der das Fest des Erwachsenwerdens eines jungen Judens bedeutet und der hebräischen Kapitelüberschriften, habe ich mir mehr Informationen über die Religion und ihre Bräuche erwartet. Doch Dimitris Herkunft spielt nur eine untergeordnete Rolle. Das finde ich sehr schade. Allerdings ist er der erste jüdische Rapper, der sich zu seiner Religion bekennt und deshalb angefeindet wird.

Das Buch selbst ist in sich stimmig, auch wenn ich persönlich die Sprache ziemlich furchtbar finde. Diese vielen Schimpfwörter, die abgehackten Sätze, verballhornte Wörter und das Misch-Masch aus deutsch-englisch waren für mich häufig eine Herausforderung. Doch scheint es die Sprache dieser Gruppierung zu sein. Hochdeutsch sprechend kann ich mir Dimitri und seine „Brüder“, wie er beinahe jeden nennt, nicht vorstellen. Einiges an Verhalten, wie eben diese Verbrüderung mit beinahe jedem, scheint aus der afro-amerikanischen Szene zu kommen, in der sich Farbige aller Herren Länder als „Brüder“ bezeichnen.
Kaum eine Person wird mit ihrem Klarnamen genannt. Fast alle haben Nicknames, oft sogar mehrere.

Der Einblick in die für mich völlig neue und andere Welt, hat meinen Horizont ein bisschen erweitert. Interessant sind die technischen Details wie so ein Musikstück bzw. Videoclip entsteht. Darüber habe ich mir bislang keine Gedanken gemacht.

Dennoch habe ich meine (persönlichen) Probleme mit dieser Art Musik bzw. Lebensstil. Manches klingt wie ein Hilferuf von Randgruppen. Häufig werden Tabus gebrochen und das oft hart an oder über der Grenze des guten Geschmacks.
Die Drogenprobleme und die Kriminalität in diesem Milieu haben mich nicht überrascht.

Die Geschichte wird durch eine Menge Fotos ergänzt, die auch die Polizeiakten über Dimitri zeigen. Hier habe ich ein bisschen den Eindruck, dass er trotz allem ein bisschen stolz auf diese „Karriere“ ist.

Fazit:

Die bisherige Lebensgeschichte eines Musikers, der polarisiert, wie kaum einer zuvor. Das Buch ist in seiner Gesamtheit stimmig, daher gebe ich 4 Sterne.

Veröffentlicht am 14.03.2018

Eine Hommage an die Liebe ..

Ein Held dunkler Zeit
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Historiker Christian Hardinghaus entführt seine Leser in eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte: In die Zeit des Nationalsozialismus.



Inhalt:



Als der Augenarzt Wilhelm Möckel 1932 ...

Historiker Christian Hardinghaus entführt seine Leser in eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte: In die Zeit des Nationalsozialismus.



Inhalt:



Als der Augenarzt Wilhelm Möckel 1932 die Medizinstudentin Annemarie kennenlernt, weiß er sofort, dass sie die Frau fürs Leben ist, aber er ahnt noch nicht, wie sehr diese Redewendung der Wahrheit entsprechen wird.



Annemarie hat nämlich, ohne dies bisher zu wissen, eine jüdische Mutter. Nach der Machtübernahme Hitlers und des Inkrafttretens der Nürnberger Rassegesetze gilt Annemarie als „Mischling ersten Grades“ und wird sukzessive vom sozialen Leben ausgeschlossen.

Freunde wenden sich ab, Wilhelms gutgehende Praxis wird von einem Tag auf den anderen gemieden und muss geschlossen werden. Um seine Familie, er ist inzwischen stolzer Vater zweier Söhne, zu schützen, fasst Wilhelm, nach Beratung mit seinem Zwillingsbruder Karl, der seit Langem als Jurist für die NSDAP arbeitet, einen folgenschweren Entschluss: Er meldet sich freiwillig als Mediziner zur Wehrmacht. Es gibt nämlich die Möglichkeit, als deutschblütig anerkannt zu werden, wenn ein Familienmitglied das „Eiserne Kreuz I. Klasse“ wegen besonderer Leistungen erhält. Ein Gnadenakt, der nur vom Reichskanzler höchspersönlich gewährt werden kann.



Dieses Ziel vor Augen zieht Wilhelm Möckel als Arzt mit der 16. Panzer-Aufklärungsdivision 1941 in die Südukraine. Immmer an seiner Seite: Der junge Sanitätsgehilfe Friedrich Tönnies.



Meine Meinung:



In diesem historischen Roman, der nach der wahren Geschichte des Helmut Machemer, geschrieben wurde, zeigt sich das wahre Gesicht des Krieges. Junge Männer werden auf beiden Seiten der Front(en) verheizt. Ein Menschenleben zählt nichts. Die Menschen werden zu Nummern degradiert, sowohl als Soldaten als auch als Insassen der Konzentrationslager.



In eindringlichen Worten, aber nicht Effekt haschend und weit abseits von heroisiernden „Landser-Geschichten“ á la Konsalik schildert der Autor das Leben an der Front. Besonders interessant ist die Erzählperspektive: Der nunmehr 95-jährige, ehemalige Sanitätsgehilfe Friedrich, schreibt die Lebensgeschichte „seines“ Arztes in der Ich-Form nieder. Auslöser ist ein Halbwüchsiger, der mit seinem Modellpanzer des Typs T34 (jenem sowjetischen Panzer, der im Krieg zum Einsatz kam) im Garten der Seniorenresidenz herumfährt und bei Friedrich einen Flashback verursacht.



Die Leser finden sich inmitten von Kugelhagel, Granatsplittern und sterbenden Männern wieder. Man kann förmlich das Rasseln der Panzerketten hören, den Brandgeruch, den Gestank der Latrinen und der Verwundeten wahrnehmen. Man kann die Verzweiflung und die Angst der Soldaten spüren. Es werden nur wenige an Körper und Seele unverletzt zurückkehren. An einigen Stellen schleicht sich auch ein wenig Menschlichkeit in der Unmenschlichkeit ein. So hilft Wilhelm verwundeten und im Stich gelassenen russischen Soldaten. Er fühlt sich an den Hippokratischen Eid gebunden. Er operiert, amputiert und verbindet die fremden Männer. Da kann auch die plötzlich auftauchende Gruppe von SS-Schergen wenig ausrichten. Geistegegenwärtig und auch gewitzt, schützt Wilhelm eine Seuche vor und rettet die Verwundeten vor der Ermordung.



Ein zweiter Erzählstrang ist der Blick auf die Heimat. Hier wird – in der dritten Person von den Repressalien, denen Annemarie und ihre Familie ausgesetzt ist, berichtet. Von Seite zu Seite steigert sich die Angst, ebenso wie ihre Mutter in ein KZ deportiert zu werden. Eindrucksvoll ist die zunehmende Beklemmung, die Furcht von irgendeinem missgünstigen Nachbarn denunziert zu werden geschildert. Die bedrückende Stimmung in einem Land leben zu müssen, lähmt beinahe den gesamten Alltag. Der völlige Irrsinn des Rassenwahns zeigt sich als Annemarie von Wecker, einem Nazi der ersten Stunde, sexuell bedrängt wird: Eine Ehe mit einer Jüdin/Juden einzugehen ist Rassenschande, sich an einer Jüdin zu vergreifen, ist ok. Hier greift Karl helfend ein. Ich denke, dies ist auch der Punkt, an dem er erkennt, mit welchem System er sich da eingelassen hat.



Christian Hardinghaus ist es gelungen die Gräuel des Krieges so darzustellen, dass die Leser zwar eine Ahnung davon bekommen, aber nicht durch allzu blutrünstige Details verschreckt werden.



Einige, für das Verständnis der Handlung, notwendige militärische Begriffe sind unaufgregt in die Geschichte eingeflochten. Die Interessierten unte uns Lesern können den einen oder anderen Fachbegriff dann noch nachlesen.



Charaktere:



Hauptperson ist natürlich Wilhelm, der aus Liebe zu seiner Frau, dieses Wagnis auf sich nimmt. Er unterzieht sich diesem Himmelfahrtskommando, immer das Ziel vor Augen, seine Familie zu retten.

Friedrich Tönnies ist die zweite, sehr sympathische Figur, die mit „seinem Arzt“, wie er Wilhelm respektvoll nennt, in die Hölle folgt, obwohl er mehrmals die Möglichkeit hat, in eine andere Einheit versetzt zu werden. Auch wenn die beiden durch Alter und Rang getrennt scheinen, sind sie einander freundschaftlich verbunden. Ja, diese Freundschaft geht soweit, dass Friedrich einen ehemaligen Freund Wilhelms brutal zusammenschlägt, als sich der über die Soldaten der Wehrmacht lustig macht und sich im Selbtmitleid suhlt, obwohl er im heimatlichen Osnabrück, die Front nur vom Hörensagen kennt.



Die verschiedenen Charakterzüge von Vorgesetzten – von wohlwollend bis menschenverachtend – sind gut herausgearbeitet.



Karl, Wilhelms Bruder, zu Beginn ein ordentlicher Parteisoldat, macht eine erstaunliche Entwickung durch, die vermutlich nicht einmal er selbst vorhergesehen hat. Er zieht Fäden, um Annemarie und Wilhelm zu helfen, kann aber nicht allzu zu offensichtlich auftreten, da Denunziatnen überall sind.



Annemarie ist zu bewundern, wie sie mit dem Druck, Wilhelm an der Front und die ständige Bedrohung durch ihre Herkunft umgeht. Selbst der Umzug nach Augsburg hilft wenig, das die Bürokratie, für die die Deutschen bekannt bzw. bertüchtigt ist, ihr vorauseilt.

Nachvollzihebar ist ihr Verhalten als sie als deutschblütig anerkannt, sich von ihrer ehemaligen Freundin, die nun wieder angekrochen kommt, distanziert.



Fazit:



Ein erschütternder Roman abseits jeder Heldenstilisierung, der auf der wahren Lebensgeschichte des Helmut Machemers beruht. Dazu gibt es auch noch das Sachbuch „Wofür es lohnte, das Leben zu wagen“, das Christian Hardinghaus gemeinsam mit Helmut Machmers Sohn Hans geschrieben hat.

Ich gebe diesem aufwühlenden Roman fünf Sterne und eine absolute Leseempfehlung.