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Venatrix

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Veröffentlicht am 11.08.2024

Gute Unterhaltung

Der Salon der kühnen Frauen
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Clare Pollard entführt uns in das 17. Jahrhundert nach Versailles. Es ist die Zeit des höfischen Absolutismus und des Herrschaftsanspruch aus Gottesgnadentum, als dessen wichtigster Vertreter Frankreichs ...

Clare Pollard entführt uns in das 17. Jahrhundert nach Versailles. Es ist die Zeit des höfischen Absolutismus und des Herrschaftsanspruch aus Gottesgnadentum, als dessen wichtigster Vertreter Frankreichs König Ludwig XIV. (1638-1715), den man auch als Sonnenkönig kennt, gilt.

Während Männer wie Kardinal Jules Mazarin (1602-1661) am französischen Hof direkt auf die Politik des Königs Einfluss nehmen können, ist dies den Damen verwehrt. Sie sollen hübsch anzusehen sein, ihm willig zur Verfügung stehen und sonst sich ja nicht politisch betätigen.

Eine Gruppe gewiefter Damen gründet einen Literatursalon, zu dem zunächst nur Damen Zutritt haben. Man schwätzt und tratscht und schmiedet dennoch die eine oder andere Intrige. So begegnen wir der unter anderem der abgelegten Mätresse des Königs, Olympia Mancini (1639-1708), Nichte von Kardinal Mazarin und Mutter von Prinz Eugen von Savoyen (1663-1736). Olympia ist darin eine Meisterin. Ihr bevorzugtes Ziel ist die aktuelle Mätresse Mademoiselle de La Vallière (1644-1710).

Man erzählt sich Märchen, die uns bekannt vorkommen. Einige der Damen dichten selbst und geben allerlei Geschichten und Reime zum Besten. Auch die eine oder andere pikante Story aus Versailles wird leicht verfremdet als „Märchen“ dargeboten.

Als man sich dann später doch ein wenig langweilt, dürfen ausgesuchte Männer den elitären Zirkel mit Anwesenheit und Geschichten erfreuen.

Meine Meinung:

Die Idee zu dieser skurrilen literarischen Geschichte hat mir recht gut gefallen. Ursprünglich habe ich etwas anderes erwartet, nämlich einen geschlossenen historischen Roman, in dem die erzählten Märchen nur eine untergeordnete Rolle spielen. Trotzdem hat mir das Buch gefallen. Es ähnelt ein wenig Giovanni Boccaccios Werk „Il Decamerone“, in dem sich eine geschlossene adelige Gesellschaft während der Quarantäne während der Pestepidemie um 1348 in Florenz, mehr oder weniger schlüpfrige Geschichten erzählen.

Bei Clare Pollard werden allerdings Märchen erzählt, die die meisten von uns aus dem Märchenbüchern der Gebrüder Grimm und Erzählungen unserer Kindheit kennen. Natürlich werden diese Geschichten nach französischer Art erzählt. Bei welchen Quellen die Autorin Anleihen genommen hat, kann auf den Seiten 287 und 288 nachlesen.

Zwischen den einzelnen Märchen erfahren wir einiges über das Leben bei Hofe sowie über diverse Les Liaisons Dangereuses. Denn was Männern erlaubt ist, ist für Frauen meistens verboten. Die meisten außerehelichen Verhältnisse (mit dem König) werden von den Ehemännern toleriert, vor allem dann, wenn sie von großem Nutzen sind. Trotzdem sind die Frauen stets in Gefahr, von ihren Männern wegen Untreue verstoßen zu werden. Für fremdgehende Männer gilt das nicht, denn sie sind die Norm.

Das eine oder andere, wie die Operation der Analfistel des Königs, wird mehrfach erwähnt. Für die damalige Zeit, ohne Narkose und Antibiotika und Hygiene, vermutlich eine chirurgische Meisterleistung, denn der Patient hat überlebt!

Die Beschreibung der Lebensumstände ist opulent gelungen. Man kann förmlich das Odeur der ungewaschenen Königs (angeblich hat er in seinem Leben nur drei Mal gebadet.) riechen. Die Dekadenz der Adeligen, deren Intrigen und Ränkespiele sind sehr gut beschrieben. Da wundert es nicht, dass sich der Volkszorn 1789 in einer blutigen Revolution entlädt, die Ludwig XVI. und Marie Antoinette den Kopf kosten.

Der Schreibstil ist charmant, stellenweise frivol manchmal ins Vulgäre abgleitend und an manchen Stellen recht modern.

Die Anzahl der auftretenden realen Charaktere ist recht hoch, so dass der eine oder andere Name vielleicht nachgelesen werden muss. Um sich zurecht zu finden, gibt es zu Beginn des Romans ein Personenverzeichnis.

Das einzige, das mir missfallen hat ist die Haptik des Covers. Es fühlt sich gummiartig an, was möglicherweise Samt imaginieren soll. Ich habe den Schutzumschlag während des Lesens zu Seite gelegt.

Fazit:

Auch wenn ich ursprünglich etwas anderes erwartet habe, hat mich das Buch gut unterhalten.

Veröffentlicht am 31.07.2024

12 Kurzpoträts wagmutiger Frauen

Furchtlose Frauen und wie sie die Welt eroberten
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Ob zu Wasser, auf der Erde oder in der Luft - wagemutige Frauen haben bereits in der Vergangenheit bewiesen, was in ihnen steckt. Allen ist gemeinsam, dass sie auf gesellschaftliche Konventionen gepfiffen ...

Ob zu Wasser, auf der Erde oder in der Luft - wagemutige Frauen haben bereits in der Vergangenheit bewiesen, was in ihnen steckt. Allen ist gemeinsam, dass sie auf gesellschaftliche Konventionen gepfiffen haben und sich trotz beträchtlichen Risikos nicht gescheut, ihre Unternehmungen durchzuführen.

Allerdings haben es einige Frauen diese Reisen nicht nur aus Abenteuerlust angetreten, sondern aus purer Not und Armut. Andere wiederum wie Alexin Tinne haben ihren Reichtum dazu benützt, ihrem Egoismus zu frönen.

Armin Strohmeyr stellt uns folgende zwölf Frauen vor:

Granuaile O‘Malley (1530-1603)
Mary Bryant (1767-1807)
Mary Ann Talbot (1770-1808)
Mary Ann Brown Patton (1837-1861)
Alexin Tinne (1835-1867)
Florence Baker (1845-1916)
Josephine Peary (1863-1955)
Rosita Forbes (1890-1967)
Wilhelmine Reichard (1788-1848)
Blanche Stuart Scott (1886-1970)
Amelia Earhart (1897-1937)
Beryl Markham (1902-1986)

Fazit:

Die meisten Frauen sind mir aus anderen Büchern bereits bekannt, so dass ich wenig Neues erfahren habe. Dennoch gebe ich gerne 4 Sterne, denn das Buch macht Lust, sich mit der einen oder anderen näher zu beschäftigen.

Veröffentlicht am 31.07.2024

Ein wenig bekanntes Kapitel des Zweiten Weltkrieges

Und dahinter das Meer
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Als im September 1940 die Deutsche Luftwaffe die ersten Luftangriffe gegen London fliegt, beschließen zahlreiche englische Familien ihre Kinder nicht nur innerhalb des Vereinigten Königreiche sondern ...

Als im September 1940 die Deutsche Luftwaffe die ersten Luftangriffe gegen London fliegt, beschließen zahlreiche englische Familien ihre Kinder nicht nur innerhalb des Vereinigten Königreiche sondern auch in die sicheren USA zu evakuieren.

Die 11-jährige Beatrix Thompson ist eines davon, obwohl sich ihre Eltern Millie und Reginald nicht ganz einig sind. Nach einer aufregenden Schiffsreise wird Beatrix von der Familie Gregory in Boston aufgenommen. Das Mädchen ist in bescheidenen Verhältnissen in London aufgewachsen und findet nun bei ihrer Gastfamilie unbekannten Luxus vor. Sie darf täglich baden, hat ein eigenes Zimmer für sich und bekommt reichlich zu essen. Im Sommer fährt man nach Maine, wo die Familie ein Sommerhaus auf einer kleinen Insel besitzt. Die Gregorys, allen voran die Brüder William und Gerald werden zu einer zweiten Familie.

Aus dem ursprünglich für wenige Monate gedachten Aufenthalt werden 5 Jahre, in denen die Erinnerung an London manchmal verblasst. Der Krieg in Europa, der Tod des Vaters - als das ist weit weg, obwohl Bea und ihre Mutter in regem Briefkontakt stehen.

Die lange Trennung ist weder an Bea noch an ihrer Mutter Millie spurlos vorübergegangen. Denn Bea kann es ihrer Mutter nicht verzeihen, sie zu Beginn des Krieges in die unbekannte Fremde abgeschoben zu haben.

Meine Meinung:

Dass Kinder aus jenen Städten wie Coventry und London, die in der Reichweite der Deutschen Luftwaffe lagen, innerhalb des Vereinigten Königreichs evakuiert worden sind, ist mir bekannt. Unter diesen Kindern waren auch Tausende jüdische Kinder, die mittels der sogenannten Kindertransporte aus Nazi-Deutschland und Österreich gerettet wurden. Nicht gewusst habe ich, dass Kinder aus englischen Familien zu Gasteltern in die USA geschickt worden sind.

Beatrix ist eines dieser Kinder, die mutterseelenallein auf die weite Reise ins Ungewisse geschickt werden. Immer mit dem Gedanken, wie ein Paket abgeschoben zu werden. Fünf Jahre im Leben eines Kindes sind eine sehr lange Zeit. Dass sich auch die erwachsene Bea keiner der beiden Welten so richtig zugehörig fühlt, ist wohl verständlich. Das Verhältnis zu ihrer leiblichen Mutter ist angespannt, da sie in Beas Abwesenheit wieder geheiratet hat. Der Versuch, die verlorenen Jahre aufzuholen, ist von Beginn an zum Scheitern verurteilt.

Die Geschichte wird eher sachlich, aber dennoch sehr liebevoll erzählt. Wir dürfen an Bea aufwachsen sehen, an Gedanken und Zweifel teilhaben. Doch es ist nicht ausschließlich Beas Perspektive sondern auch jene der anderen Beteiligten: Nancy und Ethan Gregory, die Brüder William und Gerald, die sich beide in ihre Ziehschwester verlieben sowie Beas leibliche Eltern Millie und Reginald Thompson. Die Blickwinkel der unterschiedlichen Figuren geben einen umfassenden Eindruck über das Geschehen während des Kriegs und der vielen Jahre danach. Die Zeiträumesind gut gewählt und zeigen die weitere Entwicklung der Personen.

Die Charaktere sind ausgesprochen gut herausgearbeitet. Wir Leser dürfen an ihren Gedanken, Wünschen und Zweifeln teilhaben. Spannend ist der Vergleich zwischen den beiden Müttern: Da ist zum einen Nancy, die US-Mama, die neben ihren beiden Söhnen gerne eine Tochter gehabt hätte, und all ihre Liebe in das einsame Mädchen steckt, und zum anderen Millie, Beas leibliche Mutter, die ihre Tochter mehr liebt, als sie zeigen kann. So wirkt das eine Verhältnis sehr liebevoll, das andere recht reserviert.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Roman, der ein bislang wenig bekanntes Kapitel des Zweiten Weltkriegs behandelt, 4 Sterne.

Veröffentlicht am 31.07.2024

Gipfel sammel im Tiroler Unterland

Tirol Summits
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Gipfel sammeln im (Nord)Tiroler Unterland

Dieser nach, „Salzburg-Summits“ und „Osttirol-Summits“ dritte Berg- und Wanderführer für Gipfelsammler, bietet eine vollständige Liste der jeweils höchsten Punkte ...

Gipfel sammeln im (Nord)Tiroler Unterland

Dieser nach, „Salzburg-Summits“ und „Osttirol-Summits“ dritte Berg- und Wanderführer für Gipfelsammler, bietet eine vollständige Liste der jeweils höchsten Punkte aller 89 Tiroler Gemeinden im (Nord)Tiroler Unterland. Das Unterland besteht aus den Bezirken Kitzbühel, Kufstein und Schwaz.

Wie immer weisen Gabriel Seitlinger und seine Co-Autorin Irene Welebil in der Einleitung auf präzise Tourenplanung und ordentliche Ausrüstung hin. Man kann diese „Hochpunkte“ als Berg-, Ski- oder Radtour erklimmen und für die Anreise öffentliche Verkehrsmittel benützen.

Flachlandbewohner können das akribische Sammeln von Gipfeln schwer begreifen. Es scheint aber die Leidenschaft vieler Bergfexe zu sein. Ob dabei nicht das Wesen einer Bergtour verloren geht? Nämlich das Einssein mit der Natur?

Sei es, wie es sei, Gabriel Seitlinger weiß, worüber er schreibt, ist er doch studierter Geograf, Mitarbeiter der Salzburger Landesregierung, Abteilung Raumplanung und leidenschaftlicher Bergsteiger.

Er beschreibt bekannte und weniger bekannte Touren. Insgesamt 89 an der Zahl. Die Touren sind im (Nord)Tiroler Unterland wie folgt zusammengefasst:

Kitzbühel
Kufstein
Schwaz

Bei jeder Tour ist angegeben, ob sie sich als Berg-, Ski- oder Radtour eignet. Kartenausschnitt, Angabe von Koordinaten, Anforderungen, Ausrüstung und Ausgangspunkt vervollständigen den „Steckbrief“.

Wer seine Summits lieber alphabetisch ordnet, kann das auch: Von Achenkirch bis Zellberg.

Fazit:

Dieser Bergtourenführer bietet ein kompaktes Kompendium der schönsten und höchsten Berggipfel Tirols. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 27.07.2024

Auftakt einer neuen Krimi-Reihe

Riviera Express - Dynamit in der Villa Nobel
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San Remo - die durch ihr Musikfestival bekannte Blumenstadt an der italienischen Riviera direkt an der Grenze zu Frankreich gelegen, wird von einem brutalen Mord erschüttert. Der bekannte Rechtsanwalt ...

San Remo - die durch ihr Musikfestival bekannte Blumenstadt an der italienischen Riviera direkt an der Grenze zu Frankreich gelegen, wird von einem brutalen Mord erschüttert. Der bekannte Rechtsanwalt Mario Boeri liegt tot im Garten der Villa von Alfred Nobel, in seinem Mund eine Stange Dynamit.

Der neue Chef der Polizia die Stato, der Kriminalpolizei, Commissario Tomas Gallo, beginnt gemeinsam mit seinem Team die Ermittlungen. Recht bald ist klar, dass die Stange Dynamit nur eine Attrappe ist. Doch was sind die Hintergründe zu diesem Mord? Und spielt der Selbstmord von Boeris Klientin direkt vor dessen Kanzlei eine Rolle? Und wenn ja, welche?

Je tiefer er in die Geschäfte der Anwaltskanzlei eindringt, desto komplexer wird der Fall.

Meine Meinung:

Zunächst einmal ist das Setting in San Remo sehr ansprechend. Die Idee hat mir in ihrer Komplexität auch sehr gut gefallen und die Charaktere sind gut ausgearbeitet. Zwar werden einmal die Klischees des nervenden Vorgesetzten sowie des ungewöhnlichen Ermittlers inklusive eines Mitarbeiters mit einer Inselbegabung bemüht, doch passen die Charaktere recht gut zusammen.

Nervig hingegen ist, und das kostet den 4. Stern, dass das handelnde Personal mehrmals sogar mit dem selben Wortlaut vorgestellt wird. Wir Leser können und das schon merken, dass Gallo ein Spross einer uralten Adelsfamilie ist und mit vollem Namen Tomaso Galimberti della Casa heißt. Oder dass Sub-Commissario Antonio Rubbano ein sogenannter Savant ist, der nicht nur über ein fotografisches Gedächtnis verfügt, Gallo unbedingt loyal gegenüber ist, und seine Rituale braucht, um gute Arbeit leisten zu können. Das muss nicht mehrmals extra wiederholt werden, zumal am Ende des Krimi die Charaktere nochmals detailliert beschrieben aufgelistet sind. Solche dramatis personae wären zu Beginn des Krimis nützlicher.

Die Handlung selbst ist komplex und wir Leser wissen immer ein wenig mehr als der Commissario. Auch deswegen, weil es in kursiver Schrift Einschübe gibt, die zunächst nicht ganz einzuordnen sind, aber im Laufe der Ereignisse sehr gt zusammengeführt werden.

Der Krimi bietet hohe Spannung und unterhält durch die wechselnden Schauplätze (Gallo macht auch einen Abstecher ins französische Menton) sowie durch die Komplexität der Handlung.

Fazit:

Ein komplexer Fall, der so manchen Abgrund aufzeigt. Wegen der nervigen Wiederholungen (siehe oben) ziehe ich den 4. Stern wieder ab, daher nur 3 Sterne.