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Venatrix

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Veröffentlicht am 31.05.2024

Interessantes Sachbuch

Die kurze Stunde der Frauen
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Mit diesem Buch räumt Miriam Gebhart, Autorin zahlreicher Sachbücher, die sich mit Frauenschicksalen in und kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland beschäftigen, mit einigen der Mythen auf. Vor ...

Mit diesem Buch räumt Miriam Gebhart, Autorin zahlreicher Sachbücher, die sich mit Frauenschicksalen in und kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland beschäftigen, mit einigen der Mythen auf. Vor allem der Untertitel „Zwischen Aufbruch und Ernüchterung in der Nachkriegszeit" zeigt die Veränderungen, die nun auf die Frauen warten, nachdem der Traum vom „Tausendjährlichen Reich“ endlich geplatzt ist.

Anhand von Interviews, Tagebücher sowie das Zusammentragen von historischen Quellen und deren Analyse zeichnet die Historikerin und Journalistin ein durchaus ambivalentes Bild der Frauen und der Gesellschaft. Ihre Erkenntnisse teilt sie, neben Vor- und Nachwort in neun Bereiche:

Unschuldsvermutung
Gewalterfahrung
Trümmersaga
Überlebenssicherung
Arbeitsmoral
Politische Schwestern
Lebensentwürfe im Kalten Krieg
Kinder großziehen
Ehemänner und andere Träume

Der Schreibstil ist, wie ich es von Miriam Gebhardt kenne, sachlich aber sehr informativ und flüssig. Diese Zeit(en) sind für uns schwer vorstellbar. Manche Aus- und Nachwirkung kennen (erahnen) einige von uns durch unsere Mütter. Meine Großmutter (Jg. 1910) und meine Mutter (Jg. 1940) haben den einen oder anderen Knacks für ihr Leben bekommen, den sie an mich - ohne es zu wissen bzw. es zu wollen - weitergegeben haben.

Diese Zeit wurde geprägt durch Gewalt, Hunger, Grausamkeiten und der tägliche Kampf ums Überleben.

Sehr interessant für mich als Österreicherin sind die beschriebenen Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland.

Gut verstehen kann ich, dass manche Frauen froh waren, die Verantwortung wieder abzugeben. Viele jedoch, die mehrere Jahre die Rumpffamilie und ev. einen Betrieb er- und zusammengehalten haben, wollten oder konnten sich nicht mehr auf das Abstellgleis schieben lassen, zumal die zurückkehrenden Männer auch nicht mehr die von früher waren. Traumatisierte Menschen, die sich in und mit den veränderten Rahmenbedingungen kaum zurecht fanden.

Miriam Gebhardt versucht zu erklären, warum diese Ereignisse unser Leben bis heute beeinflusst. Mit einigen Mythen und Klischees (Stichwort „Trümmerfrauen“) räumt sie (hoffentlich) für immer auf.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem kritischen Blick auf diese „kurze Stunde der Frauen“ 5 Sterne.

Veröffentlicht am 29.05.2024

Eine späte Hommage

Stalins Alpinisten
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Durch einen Zufall ist mir diese preisgekrönte Reportage des französischen Journalisten Cédric Gras über die sowjetischen Brüder und Bergsteiger Witali und Jewgeni Abalakow in der Bibliothek in die Hände ...

Durch einen Zufall ist mir diese preisgekrönte Reportage des französischen Journalisten Cédric Gras über die sowjetischen Brüder und Bergsteiger Witali und Jewgeni Abalakow in der Bibliothek in die Hände gefallen.

Während man die Bergsteiger und Bergsteigerinnen aus Österreich, der Schweiz, Deutschland, den USA oder Japan zumindest dem Namen kennt, sind jene der UdSSR meist unbekannt. Mit diesem Buch setzt Cédric Gras den Brüdern Witali und Jewgeni Abalakow ein Denkmal.

Akribisch geht er in verschiedensten Archiven, auch in jenen des KGB Russlands allen jenen Hinweisen nach, die die Abalakows betreffen. Dabei stößt er auf Überraschendes und Verstörendes.

Wie kommt es, dass die zunächst von Stalin gefeierten Alpinisten, die seine Büsten und die vermeintlichen Segnungen des Marxismus auf die Gipfel der Berge der UdSSR bringen, plötzlich in Ungnade fallen, verhaftet werden und mitunter verschwinden lässt?

Die Brüder, die aus Krasnojarsk/Sibirien stammen, unternehmen zahlreiche Expeditionen im Kaukasus sowie im zentralasiatischen Pamir und Tian Shan. Dort besteigen sie in den 1930er Jahren im Namen des Regimes die Siebentausender Pik Stalin und Pik Lenin sowie den Khan Tengri, der sie beinahe das Leben und zahlreiche Finger und Zehen kostet. Sie werden als Helden bejubelt.

1936 gehen die Brüder das letzte Mal gemeinsam auf den Berg. Zum einen gerät der Alpinismus zunehmend unter staatliche Kontrolle und zum anderen zerstreiten sich die Brüder auch privat. Ab 1937 findet das traditionellen Bergsteigen ein Ende. Da der Sowjetischen Armee Gebirgsjäger, wie in der Deutschen Wehrmacht oder den anderen Armee zu finden sind, fehlen, sollen die Abalakows Soldaten dazu ausbilden. Dabei achtet das Regime nicht auf die körperliche Eignung, sondern auf die Regimetreue.

Ab 1938 werden nicht mehr einzelne Alpinisten, sondern Truppen von bis zu 2000 Mann vom Regime zum Gipfelsieg entsandt. Dabei geraten viele Bergsteiger unter die Räder, so auch Witali, der Opfer des Großen Terrors und der stalinistischen Säuberungen. Er wird verhaftet, gefoltert und überlebt nur knapp. Nach dem Tod Stalins gelingt Witali die Rehabilitierung, seiner Bergleidenschaft lebt er bis ins hohe Alter aus. Nur der höchste Berg der Welt sollte ihm verwehrt bleiben. Witali stirbt 1986 mit 80 Jahren in Moskau.

Sein Bruder Jewgeni hingegen, der nicht in die Fänge von Stalins Terror gerät, sondern in der Schlacht um Moskau 1941/42 gegen die Nazi-Deutschland kämpft, wird 1948 in seiner Wohnung tot aufgefunden. Obwohl seine Frau nicht an die Kohlenmonoxid-Vergiftung glaubt, wird sein Tod als Unfall klassifiziert und die Akte geschlossen. Ob hier von „höherer oder höchster Stelle“ nachgeholfen worden ist? Oder ist es nur der Unglaube, dass eine so wagemutige Person, einem profanen Gasunfall durch einen defekten Badeofen zum Opfer gefallen sein kann?

Meine Meinung:

Die Recherchearbeit kann nicht hoch genug gelobt werden. Denn in den Archiven des NKWD/KGB nach Regimekritikern zu suchen, ist bestimmt nicht einfach oder angenehm. Es scheint, als hätten die dortigen Mitarbeiter einem ähnlich akribischen Bürokratismus gefrönt wie die Gestapo des NS-Regimes, weshalb zahlreiche Notizen, Briefe, Fotos sowie Verhörprotokolle erhalten geblieben und in die Reportage eingeflossen sind.

Autor Cédric Gras verwebt die Ergebnisse seiner Recherchen gekonnt mit zeitgeschichtlichen Fakten und flicht eigene Erfahrungen beim Bergsteigen mit ein. Diese autobiografischen Einschübe tauchen immer wieder unvermutet und holpern im Lesefluss ein wenig. Ich verstehe allerdings, dass der Autor seine Emotionen mit den Lesern teilen will. Interessant sind auch die vielen erhaltenen Fotos von den Expeditionen sowie von Jewgenis Gemälde.

Das Buch ist dank Manon Hopf's Übersetzung aus dem Französischen ist seit 2021 in deutscher Sprache verfügbar!
2020 wurde es mit dem renommierten „Prix Albert Londres" ausgezeichnet.

Fazit:

Cédric Gras hat mit seinem Buch „Stalins Alpinisten“ eine unwahrscheinlich spannende und packende Reportage geschrieben. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 29.05.2024

Ein komplexer Krimi

Drehbuch des Todes
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Das vorliegende Buch “Drehbuch des Todes” ist Band 11 der Josephine Tey-Reihe. Die Bände können unabhängig voneinander gelesen werden, da entscheidende Elemente der vorangegangenen Bücher verständlich ...

Das vorliegende Buch “Drehbuch des Todes” ist Band 11 der Josephine Tey-Reihe. Die Bände können unabhängig voneinander gelesen werden, da entscheidende Elemente der vorangegangenen Bücher verständlich angerissen sind.

Man schreibt den September 1939: Die Deutsche Wehrmacht hat am 1. September Polen überfallen und löst damit die Beistandspflicht der Alliierten aus. Frankreich und England erklären Nazi-Deutschland den Krieg. Zahlreiche Menschen verlassen Europa auf dem Luxusliner „Queen Mary“. Auch die Schriftstellerin JosephinTey hat sich eingeschifft, um zu ihrer Freundin Marta nach Amerika reisen. Marta arbeitet in Hollywood mit Alfred Hitchcock an der Verfilmung von Daphne du Mauriers „Rebecca“ arbeitet. An Bord trifft sie zufällig die Familie des berühmten Regisseurs, denn Ehefrau, Tochter und Schwiegermutter ziehen zu ihm nach L. A.. Gleich am ersten Abend kommt es zu einem Eklat, denn eine wütende Engländerin schwört den Hitchcocks Rache.

Beinahe gleichzeitig muss DI Archie Penrose auf Milton Hall, einem Landsitz in England ermitteln, der abermals, wie schon im Ersten Weltkrieg von der Britischen Armee beschlagnahmt worden ist. Vor wenigen Tagen erst ist eines von Hitchcocks Filmteams abgereist und nun wird die Haushälterin Evelyn Plummer zunächst vermisst und wenig später tot aufgefunden.

Archie trifft auf ein Geflecht von Lügen und Halbwahrheiten und muss diesmal ohne seine scharfsichtige Freundin Josephine auskommen und vermisst die analytischen Gespräche.

Im Lauf der Ermittlungen ergibt sich ein Zusammenhang mit Daphne du Maurier und ihrem Roman „Rebecca“, so dass Archie mehrere (teure) Transatlantiktelefongespräche führen muss.

Meine Meinung:

Auch dieser Krimi kann seine britische Herkunft und die Nähe zur Grande Dame des Kriminalromans, Agatha Christie, nicht verleugnen.

Wieder greift Nicola Upson zu dem bewährten Trick, dass Ereignisse der Vergangenheit und jene Gegenwart einander bedingen. Das verbindende Element sind Milton Hall und „Rebecca“.

Die Setting ist großartig! Da ein Herrenhaus mit dunkler Geschichte, dort das intrigante schöne Hollywood, in dem zahlreiche Machtspiele für toxische Arbeitsbedingungen sorgen.

Auch bei diesem Krimis gilt: Das Motiv ist entweder Geld oder Liebe (oder was man eben dafür hält).

Wie gründlich Nicola Upson die Hintergründe zu Hitchcock und die Dreharbeiten zu „Rebecca“ recherchiert hat, kann im Nachwort nachgelesen werden. Und überhaupt, der Einblick in das Filme machen mit seinen Abhängigkeiten hat mir sehr gut gefallen.

Wie wir es von der Autorin gewohnt sind, verknüpft sie geschickt Fakten und Fiktion. Außerdem dürfen reale Personen wie eben Josephine Tey und Alfred Hitchcock nicht fehlen.

Der Spannungsbogen ist sehr hoch, was vor allem an den diversen Handlungssträngen liegt, die in zwei Zeitebenen und auf zwei Kontinenten spielen. Zahlreiche Missverständnisse, Konventionen sowie allerlei Geheimnisse sorgen für Überraschungen und letztlich für Tote.

Fazit:

Für alle Fans von mysteriösen, klassischen und komplexen Kriminalromanen à la Agatha Christie. Gerne gebe ich diesem Krimi bei dem über zwei Kontinente hinweg ermittelt wird, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 29.05.2024

Eine gelungene Fortsetzung

Glutroter Luberon
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Der neue Fall für Capitaine Malbec führt ihn in die farbenfrohen Ockerbrüche von Roussillon. Bewohner, Touristen und auch Malbec stöhnen unter der ungewöhnlichen Hitzewelle.

Da wird in einer der Steinhütten ...

Der neue Fall für Capitaine Malbec führt ihn in die farbenfrohen Ockerbrüche von Roussillon. Bewohner, Touristen und auch Malbec stöhnen unter der ungewöhnlichen Hitzewelle.

Da wird in einer der Steinhütten eine tote Frau gefunden, die augenscheinlich vor wenigen Wochen ein Kind geboren haben muss. Doch weder wird sie von irgendjemandem vermisst, noch gibt es von dem Baby eine Spur. Es gibt lediglich Farbpigmente auf ihren Händen und der Kleidung, die Malbecs einzige Hinweise sind.

Malbec und seine neue Kollegin Sergent Bouzidi sind extrem gefordert, zumal die Personaldecke sehr dünn ist.

Wegen der drohenden Waldbrandgefahr sind auch die Pompiers in höchster Alarmbereitschaft, die sich letztlich als große Hilfe erweisen.

Meine Meinung:

Sehr geschickt konfrontiert uns Ralf Nestmeyer mit den Gedanken des Täters. Ich habe recht bald eine Idee gehabt, wer dahinter stecken könnte und bin letztlich richtig gelegen.

Daneben bekommen wir Einblicke in das Privatleben von Malbec, der sowohl Catherine als auch Cloe liebt und es schafft, beiden Beziehungen gerecht zu werden.

Ich bin schon auf die weitere Zusammenarbeit mit der neuen Kollegin Sergent Bouzidi neugierig.

Ralf Nestmeyer bringt auch ernste Themen in seine Krimis, die von der schönen Landschaft und der Kulinarik dominiert werden. Da ist zum einen die Wasserknappheit und zum anderen die Verzweiflung von Ehepaaren, die kein eigenes Kind bekommen können.

Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich im Garten oder am Strand sehr gut lesen. Es kommt sofort Urlaubsfeeling auf.

Fazit:

Gerne gebe ich dieser gelungenen Fortsetzung 5 Sterne.

Veröffentlicht am 29.05.2024

Schrecklicher Clan

Die Schwester
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Über Nordkorea weiß man hier in Europa nicht allzu viel genaues. Auch ich bin da keine Ausnahme, weshalb ich bei diesem Buch gleich zugegriffen habe. Die Demokratische Volksrepublik Korea ist ein diplomatisch ...

Über Nordkorea weiß man hier in Europa nicht allzu viel genaues. Auch ich bin da keine Ausnahme, weshalb ich bei diesem Buch gleich zugegriffen habe. Die Demokratische Volksrepublik Korea ist ein diplomatisch weitgehend isolierter Staat in Ostasien. Der "Oberste Führer" des Landes, Kim Jong Un, brüskiert(e) mit Atomtests und anderen Provokationen mehrfach die internationale Gemeinschaft. Innenpolitisch gilt das Land als eines der restriktivsten Systeme der Welt.

Autor Sung-Yoon Lee, ist in Südkorea geboren und Ostasienwissenschaftler, Nordkoreaexperte und Professor für Koreastudien an der Tufts University, Massachusetts. Daher kann man annehmen, dass er weiß, worüber er schreibt.

Das Buch führt sehr gut in die Geschichte um Nord- und Süd-Korea ein. Er beschreibt den Weg der Dynastie der Kims vom Zweiten Weltkrieg bis zur Gegenwart. Ein Menschen verachtender Clan, der mit brutaler Gewalt gegen alle jene vorgeht, die vermeintlich nicht ihrer Meinung sind oder sich irgendeines noch so kleinen (angeblichen) Vergehens schuldig gemacht hat. Dabei macht der Clanchef auch vor seinen eigenen Verwandten nicht halt. Das eigene Volk ist ihnen sowieso mehr als egal (oder „völlig wurscht“ wie man in Wien sagt). Zu wenig geklatscht bei einer der holprigen Reden von Kim Jong Un? Dann ab in ein Arbeitslager oder gleich exekutiert - je nachdem, wie der Diktator gerade aufgelegt ist.

Die Familiengeschichte des Clans wird vor dem Volk und dem Rest der Welt geheim gehalten. Nur wenig sickert hier durch. Seit einigen Jahren taucht an Kim Jong Uns Seite eine Frau auf, die man zunächst nicht genau zuordnen konnte; Seine Schwester Kim Yo-Jong.

Sie scheint die weitaus gefährlichere Person zu sein. Ihr Vorteil ist, dass sie als Frau kaum ernst genommen wird. Im Westen nicht und im extrem patriarchalischen Nordkorea schon gar nicht. Sie kann quasi aus der „zweiten Reihe“ geschickt in die Politik ihres Bruders eingreifen. Sie wirkt, glaubt man den TV-Bildern und dem Autor, ziemlich unscheinbar, aber gleichzeitig arrogant. Sie setzt, wann immer ihr es opportun scheint, ein Lächeln auf, das nicht von Herzen kommt, sondern eiskalt kalkuliert ist.

Hinter dem freundlichen Lächeln der Despoten verbirgt sich grausames Kalkül, das vor allem die westliche Welt hinters Licht führt. So gibt man sich gerne gesprächsbereit, um schon am nächsten Tag alles wieder für null und nichtig zu erklären.

Der Staat ist bettelarm, Tausende Menschen sind in der Vergangenheit verhungert bzw. tun dies nach wie vor, aber man leistet sich dennoch ein teures Atomprogramm. Woher das Geld kommt? Aus staatlichen Erpressungen der USA, der UNO usw. erzählt Sung-Yoon Lee. Es ist auch kein Überraschung, dass Nordkorea mit Putins Russland und China beste Beziehungen unterhält.

Meine Meinung:

Obwohl der Titel des Buches „Die Schwester“ lautet, wird die Person Kim Yo-Jong ständig von ihrem Bruder überschattet und nicht nur wegen seiner Leibesfülle. Vermutlich muss das so sein, um die Zusammenhänge in diesem undurchsichtigen Clan auch nur ansatzweise zu durchschauen. Zudem ist über die zweitwichtigste Person des Landes so gut wie nichts bekannt. D.h. Autor Sung-Yoon Lee muss sich über Dritte Kim Yo-Jung nähern. Das ist ihm sehr gut gelungen, erfährt der Leser doch einiges über das Land, das uns so ferne ist.

Anfangs sind die vielen für uns ähnliche klingenden Namen sehr verwirrend. Doch wenn man die Nomenklatur einmal verstanden hat, gelingt es, die Personen zu den einzelnen Familien zuzuordnen. Damit bekommt man auch gleich ein Gespür dafür, wer für die Geschichte wirklich wichtig ist. Die Skrupellosigkeit, die die Herrschenden tatsächlich schon mit der Muttermilch aufgesogen haben, ist wirklich erschreckend. Ihr Lehrmeister: Kim Jong Il, der Vater.

Das Cover passt perfekt zu der höchst undurchsichtigen Person. Man sieht nur das, was sie ihr Gegenüber sehen lassen will.

Fazit:

Wer sich ein Bild der Demokratischen Volksrepublik Nordkorea machen will, sollte zu diesem Buch greifen, auch wenn der Titel eine Biografie von Kim Yo-Jong, der Schwester von Diktator Kim Jong Un, suggeriert. Gerne gebe ich diesem erschreckenden Porträt einer ganzen Dynastie 5 Sterne und bin wirklich froh, in einer Demokratie zu leben.