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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.01.2024

Fesselnder hist. Krimi

Im Gleichschritt stark
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Dieser historische Krimi aus den 1930er-Jahren ist der dritte rund um den Polizisten Franz Reinicke, der sich vor einiger Zeit von der Kripo zur Verkehrsabteilung versetzen hat lassen. Nun aber begegnet ...

Dieser historische Krimi aus den 1930er-Jahren ist der dritte rund um den Polizisten Franz Reinicke, der sich vor einiger Zeit von der Kripo zur Verkehrsabteilung versetzen hat lassen. Nun aber begegnet er seinem Erzfeind Emil Bachmann, einen Schläger der SA, wieder. Bachmann ist wegen zahlreicher Verbrechen im Zuchthaus gesessen, doch für ein „lebenslang“ haben die Beweise zu Reinickes Leidwesen immer gefehlt.

Nun scheint eine neue Chance gekommen, Bachmann an den Galgen zu bringen. Denn während des Nürnberger Parteitags erwacht Emil Bachmann stockbetrunken neben der Leiche einer jungen Arbeiterin. Die örtliche Polizei ist mit dem Parteitag beschäftigt, deshalb wird Franz Reinicke von Ernst Gennat höchst persönlich nach Nürnberg geschickt, um zu ermitteln.

Wird Franz Reinicke seinem Impuls nachgeben oder objektiv handeln?

Meine Meinung:

Dieser Krimi hat mir sehr gut gefallen. Er zeigt mit Franz Reinicke einen Ermittler, der ziemlich desillusioniert ist. Jede Bemühung, den Schwerverbrecher Bachmann für immer aus dem Verkehr zu ziehen, ist bislang gescheitert. Deshalb hat er sich ja vom Mord zur Verkehrsabteilung versetzen lassen. Doch dann scheint die große Chance zu kommen, Bachmann für den Mord an der jungen Frau zu belangen. Reinicke kann aus seiner Haut nicht heraus und ermittelt akribisch.

Jörg Reiberts Schreibstil ist fesselnd. Er vermittelt eindrucksvoll das damalige Umfeld und die Stimmungslage der Zeit.

Die Charaktere, allen voran Franz Reinicke und sein Erzfeind Emil Bachmann sind außerordentlich gut ausgefeilt. Reinicke ist kein Freund der NS-Politik und es würde mich stark wundern, wenn er in einer Fortsetzung deswegen nicht in Schwierigkeiten geräte. Doch zuvor muss ich noch die beiden Vorgänger „Böser Kamerad“ und „Brauner Nebel“ lesen.

Fazit:

Ein spannender Krimi, der mir gut gefallen hat und daher 5 Sterne erhält.

Veröffentlicht am 02.01.2024

Hat mir gut gefallen

Fräulein Anna, Gerichtsmedizin (Die Gerichtsärztin 1)
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Anna Zech, eine knapp zwanzigjährige Krankenschwester kommt anno 1912 nach München, um ihre Arbeit als Assistentin in der Gerichtsmedizin anzutreten. Gleich an ihrem ersten Arbeitstag muss sie bei der ...

Anna Zech, eine knapp zwanzigjährige Krankenschwester kommt anno 1912 nach München, um ihre Arbeit als Assistentin in der Gerichtsmedizin anzutreten. Gleich an ihrem ersten Arbeitstag muss sie bei der Obduktion einer ertrunkenen Frau mithelfen. Dabei fallen ihr und dem Gerichtsmediziner Professor Gernhuber Anzeichen eines Gewaltverbrechens, eine Kaiserschnittnarbe sowie eine auffällig hohe Konzentration von Barbituraten im Blut auf. Die Polizei geht von einem Selbstmord aus und verfolgt den Fall zunächst nicht weiter.

Noch in Gedanken an die Tote, die unter dem Namen Adele Röckl eine bekannte Schauspielerin war, trifft sie auf Fritz Nachtwey, einen Reporter, der immer auf der Suche nach einer Skandalgeschichte der Münchener High Society ist. Geschickt horcht Nachtwey Anna aus. Als der Artikel, in dem allerlei Andeutungen auf den Umgang der Toten in erlauchten Kreisen erscheint, ist Anna zunächst ängstlich, ihren Job zu verlieren. Gleichzeitig ist sie nicht nur Fritz wütend, weil sie sich von ihm die Details aus dem Obduktionsbericht herauslocken, hat lassen, sondern auch auf sich selbst.

Nach und nach entdeckt sie Nachtweys wirklichen Charakter, denn der Reporter führt ein Doppelleben. Er ist eigentlich ein verarmter Adeliger, der mit einer reichen Erbin verheiratet worden ist und in dieser Ehe unglücklich ist. Geld heiratet Titel, was im Fin de Siècle häufig vorkommt.

Immer kreuzt der Name Adele Röckl den Weg von Anna, so dass sie sich gemeinsam mit Nachtwey auf Spurensuche begibt.

Meine Meinung:

Mir hat dieser historische Roman sehr gut gefallen. Er beschreibt eine Zeit, in der Geld und Adel sich über die anderen Menschen erhaben fühlen. Wir Leser erfahren auch einiges über die politische Situation im Königreich Bayern, in dem wie in Wien, ein Herrscher sitzt, der von seinen Beratern gegängelt wird. Neben dem Einblick in die Welt des Geldes und des Adels erhalten wir auch einen Eindruck wie einfache Leute leben: Sie wohnen in überfüllten, finsteren und feuchten Zimmern, während die Oberschicht sich jeden nur erdenklichen Luxus nicht nur gönnt, sondern ihn auch für selbstverständlich hält.

„Show don’t tell“ - das ist Autorin Petra Aicher sehr gut gelungen. Auch die Charaktere wirken authentisch. Besonders gut gefallen mir, neben Anna und Fritz, Franzi Annas kleine Schwester sowie Christiane von Arnsberg, die Ehefrau von Nachtweys bestem Freund.

Eine kleine Kritik muss ich dennoch anbringen. Der Untertitel „Prinzregentenmorde“ suggeriert, dass es sich um Morde im direkten Umfeld des Prinzregenten handelt, was aber ein wenig an den Haaren herbeigezogen ist.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Roman, der auch Krimielemente enthält, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 02.01.2024

Wettstreit unter Wissenschaftlern fesselnd erzählt

Die Entschlüsselung der Hieroglyphen
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Wettstreit unter Wissenschaftlern: Die Entschlüsselung der Hieroglyphen
Edward Dolnick, von dem ich erst kürzlich „Der Nazi und der Kunstfälscher“ gelesen habe, entführt uns diesmal nach Ägypten, genauer ...

Wettstreit unter Wissenschaftlern: Die Entschlüsselung der Hieroglyphen
Edward Dolnick, von dem ich erst kürzlich „Der Nazi und der Kunstfälscher“ gelesen habe, entführt uns diesmal nach Ägypten, genauer gesagt zum Stein von Rosette und der Entschlüsselung der Hieroglyphen. Es ist jener Wettstreit zwischen den Gelehrten Thomas Young und Jean-Francoise Champollion, der letztlich 1822 Erfolg zeitigt und den Franzosen als Sieger (wenn man in der Wissenschaft von Siegern sprechen darf) hervorgehen lässt.

In einem Prolog, dem 32 spannende, detailreiche Kapitel über Ägyptens Geschichte folgen sowie einem Epilog, der den Triumph von Jean-Francoise Champollion beschreibt, erfahren wir, welche mühevolle Kleinarbeit samt Fehlschlägen, Falschinterpretationen und Irrtümern der Entschlüsselung der Hieroglyphen vorangegangen ist. Anschließend sind rund 50 Seiten Literaturhinweise und Quellenangaben angehängt. Eine Zeittafel am Beginn hilft bei der zeitlichen Einordnung.

Das Buch lässt sich erstaunlich gut lesen, denn der Schreibstil ist launig, bisweilen humorvoll und zahlreichen Abbildungen ergänzen den Text. An dieser Stelle empfehle ich, das Buch am PC zu lesen, denn am Reader sind die Skizzen und Bilder schlecht zu erkennen.

Dieses Buch ist eine sehr gute Ergänzung zur Biografie „Wie der Hieroglyphen-Code geknackt wurde: Das revolutionäre Leben des Jean-François Champollion“ von Andrew Robinson.

Interessant ist, dass Thomas Young es niemals für notwendig erachtet hat, Ägypten zu bereisen und seine Arbeit an der Entschlüsselung quasi am „grünen Tisch“ bewerkstelligt hat. Jean-François Champollion gelingt es erst 1828/29, das Land seiner Träume zu besuchen.

Fazit:

Wer sich für das alte Ägypten und die Hieroglyphen interessiert, kommt an diesem Buch nicht vorbei. Gerne gebe ich diesem Einblick in die mühevolle Arbeit der Entschlüsselung der Hieroglyphen 5 Sterne.

Veröffentlicht am 01.01.2024

NIchts für Zartbesaitete

Agonie (Milosevic und Frey ermitteln 2)
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"Wenn du die Welt verändern willst, musst du selbst aktiv werden. "

"Agonie" ist der zweite Fall für das Hamburger Ermittlerduo Vincent „Vince“ Frey und Jagoda „Milo“ Milosevic.

Mia, eine bekannte Influencerin, ...

"Wenn du die Welt verändern willst, musst du selbst aktiv werden. "

"Agonie" ist der zweite Fall für das Hamburger Ermittlerduo Vincent „Vince“ Frey und Jagoda „Milo“ Milosevic.

Mia, eine bekannte Influencerin, die die Massentierhaltung und unzumutbare Missstände in den Schlachtbetrieben anprangert, wird grausam ermordet. Bei der Obduktion stellt ich heraus, dass Mia vor wenigen Tagen eine Abtreibung vornehmen hat lassen. Noch bevor man alle Möglichkeiten zur Tat abschätzen kann, gibt es mit einem biederen Bankmitarbeiter den nächsten Toten, der ähnlich wie Mia gerade wie Schlachtvieh getötet worden ist.

Es scheint, dass hier ein Serientäter am Werk, der chirurgische Kenntnisse hat: ein Arzt, Jäger oder Fleischhauer.
Akribisch wühlen sich Vince und Milo gemeinsam mit den anderen Kollegen der Soko „Mia“ durch das Internet, denn die Influencerin hat nicht nur Freunde, sondern Tausende „Hater“, die ihrem Zorn Luft machen.

Welche Verbindung besteht zwischen den Opfern?

Meine Meinung:

Das ist mein erstes Buch des Autorinnen-Duos Regina Denk und Lisa Bitzer. Zunächst hat es ein paar Tage auf meinem SuB geschlummert, bis ich es ohne Pause gelesen habe.

Wir Leser sind der Kriminalpolizei immer einen Schritt voraus, denn wir erleben die Gedankengänge des Täters. Der Klarname wird erst später offenbart. Manchen Lesern wird dadurch möglicherweise sie Spannung ein wenig genommen, aber mich stört das nicht. Ich interessiere mich ja eher für die Ermittlungsarbeit.

Auffällig ist, dass die privaten Beziehungen von Vince und Milo einen großen Raum einnehmen. Okay, Vince ist im ersten Fall („Stigma“) durch eine Kugel, die eigentlich Milo gegolten hat, schwer verletzt worden und eigentlich noch in der beruflichen Wiedereingliederungszeit und Reha. Die beiden bilden grundsätzlich ein gutes Team, dennoch schwingen Schuldgefühle und eine PTBS mit. Meiner Ansicht nach müsste auch Milo zu einer psychologischen Beratung, aber nicht bei ihrer Lebenspartnerin, von der außer Vince niemand weiß.

Nun gut, vielleicht lösen sich die privaten Schwierigkeiten im nächsten Fall. Andeutungen hierzu gibt es.

Die Beschreibung der Zustände in den Schlachthöfen und den dortigen Arbeitsbedingungen ist nichts für Zartbesaitete.

Fazit:

Ein interessanter Krimi, der vielleicht nicht für jeden geeignet ist. Ich gebe hier gerne 5 Sterne.

Veröffentlicht am 26.12.2023

ein gelungener hist. Roman

Am Ende des Seils
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Die Eiger-Nordwand zählte bis in die 1930er-Jahre in alpinen Fachkreisen zum „letzten Problem der Alpen“, da es bis dahin keiner Seilschaft gelungen ist, die 1800 Meter hohe, schroffe, längste und anstrengendste ...

Die Eiger-Nordwand zählte bis in die 1930er-Jahre in alpinen Fachkreisen zum „letzten Problem der Alpen“, da es bis dahin keiner Seilschaft gelungen ist, die 1800 Meter hohe, schroffe, längste und anstrengendste Wand der Alpen zu durchsteigen. Dutzende Bergsteiger mussten, beim Versuch die Eigernordwand zu bezwingen, ihr Leben lassen. Erst 1938 wird es einer Viererseilschaft mit Andreas Heckmair, Heinrich Harrer, Ludwig Vörg und Fritz Kasparek gelingen, die Eigernordwand zu durchsteigen. Heute führen mehr als 30 Routen durch die nach wie vor anspruchsvolle Wand.

Genau vor diesem historischen Hintergrund spielt dieser historische Roman.

Klappentext:

Liebe und Tod an der Eigernordwand – und eine außergewöhnliche Frau, die ihrer Zeit voraus ist

Oberbayern, 1936: Die junge Lehrerin Hedi hat die Leidenschaft fürs Bergsteigen von ihrem verstorbenen Vater geerbt. Zusammen mit ihm und den beiden Brüdern Thomas und Anderl, den Söhnen eines guten Freundes ihres Vaters, hat Hedi bereits viele Gipfel und Wände der Alpen bezwungen.
Als sie eines Morgens in der Zeitung liest, dass eine natürlich ausschließlich männliche französische Seilschaft im Juli 1936 zum ersten Mal die Eigernordwand, die in Fachkreisen als das »letzte Problem der Alpen« bezeichnet wird, durchsteigen will, ist sie wie elektrisiert. Sie sieht die Chance, der Welt zu zeigen, dass eine Bergsteigerin nicht weniger kann als ihre männlichen Kollegen. Gemeinsam mit Anderl, Thomas und deren Bekannten Hias stellt sie sich der Herausforderung – doch nicht nur der Berg birgt viele Gefahren. Das politische Klima im Land ist angespannt, und als Hedi und Thomas sich endlich näherkommen, scheint ihr Glück nur von kurzer Dauer ...

Meine Meinung:

Das Buch liest sich recht flott und ein erinnert ein bisschen an die Bücher der NS-Literatur der 1930-er und 1940er-Jahre, in der das (männliche) Heldentum gefeiert wird. Allerdings mit einem Riesenunterschied: Hier ist eine Frau die Heldin, die sich nicht unterkriegen lässt und zunächst gemeinsam mit Freundinnen versucht, Widerstand gegen die totale Vereinnahmung von Vereinen durch das NS-Regime zu leisten. Geschickt wird hier die zunächst langsame Unterwanderung beschrieben, Einschleusen von Spitzeln inklusive.

Gut verpackt sind neben dem männlich dominierten Alpinismus das politische Klima mit den drohenden Gefahren für Homosexuelle und Andersdenkende. Auch die Schwierigkeiten, die ledige Mütter und deren Kinder zu erwarten haben, sind gut beschrieben.

Fazit:

Ein gelungener historischer Roman, dem ich gerne 4 Sterne gebe.