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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.03.2024

Eine Romanze mit Verwicklungen

Mein magischer Sommer mit Shakespeare
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Dieser Roman führt uns in die Welt des Theaters, genauer gesagt in die Welt einer kleinen, aber feinen exzentrischen Theatergruppe in Barcelona, unter der Leitung des renommierten Intendanten Max Borges ...

Dieser Roman führt uns in die Welt des Theaters, genauer gesagt in die Welt einer kleinen, aber feinen exzentrischen Theatergruppe in Barcelona, unter der Leitung des renommierten Intendanten Max Borges Stücke von William Shakespeare aufführt. Sein größter Traum ist es, einmal Shakespears „Hamlet“ zu inszenieren, und das am besten an einem der Originalschauplätze. Doch im Moment rauft er sich die Haare und steht kurz vor einem Nervenzusammenbruch, denn er soll „Macbeth“ auf die Bühne bringen. Beinahe alles geht schief: Die Krone von König Duncan ist zerbrochen, der Darsteller des Macbeth liebt den schottischen Whisky mehr als seinen Text und die Hexen sind nicht nur viel zu schön (dagegen kämpft die Maskenbildnerin mit wechselndem Erfolg) sondern auch noch schwanger (hier hilft nur abwarten). Eine ziemliche Katastrophe, denn vom Gelingen der Inszenierung hängt die Zukunft der Truppe ab.

Allerdings gibt es noch Elsa, jene rothaarige, elfenhafte junge Frau, die Borges immer wieder daran erinnert, dass, egal was passiert, das Leben weitergeht. Elsa ist aus dem Leben von Max nicht wegzudenken, ist sie doch diejenige, im Hintergrund alles am Laufen hält.

Wider Erwarten ist die Aufführung von „Macbeth“ ein voller Erfolg und die Truppe wird eingeladen, am berühmten Edinburgh Fringe Festival teilzunehmen. Man übersiedelt in die schottische Stadt, probt, kämpft mit den Tücken der Krone (also der von Duncan und nicht der von Schottland), die abermals zerbricht und plötzlich, am Vorabend der Premiere ist Elsa verschwunden. Panik breitet sich aus. Was niemand weiß, Elsa hat einen Vertrag für das weitere Engagement der Schauspieltruppe entdeckt, in der ausgerechnet ihr Name fehlt.

Was dann folgt, könnte aus der Feder von William Shakespeare höchst persönlich stammen.

Meine Meinung:

Ich bin ja kein Fan von Liebesgeschichten, aber mich hat das Flair im Umfeld von William Shakespeare und seinen Theaterstücken interessiert, habe ich doch vor gefühlten hundert Jahren zu meiner mündlichen Englisch-Matura ausgerechnet seinen „Hamlet“ als Thema ausgesucht.

Dieser Roman ist ähnlich wie ein Shakespeare-Drama gestaltet. Zahlreiche Missgeschicke, Konkurrenzdenken zwischen Regisseuren, Verwechslungen, Nicht-miteinander-sprechen und natürlich Liebe, die Mann und Frau sich nicht eingestehen wollen/können, wechseln einander ab.

Die Geschichte ist sehr leicht und flüssig erzählt. Der Geist von William Shakespeare schwebt mit Wortwitz und Drama durch diesen gelungener Roman.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem, einem Shakespeare’schen Drama nachempfundenen Roman, 4 Sterne.

Veröffentlicht am 03.03.2024

Galavakis persönlichster Fall

Mitleidloses Kreta
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In seinem 6. Fall wird Kommissar Hyeronimos Galavakis vor die größten Herausforderungen seines Lebens gestellt. Obwohl er eigentlich viel lieber den Feierabend genießen und über die Ereignisse aus dem ...

In seinem 6. Fall wird Kommissar Hyeronimos Galavakis vor die größten Herausforderungen seines Lebens gestellt. Obwohl er eigentlich viel lieber den Feierabend genießen und über die Ereignisse aus dem letzten Fall nachdenken möchte, die das Leben in der kretischen Mordkommission zahlreiche Veränderungen verursacht haben, wird er von der neuen Chefin zu einem Sondereinsatz abkommandiert: Seine heimliche Geliebte Kassia und ihr Mann, Thanasis Petropoulos, ein einflussreicher Politiker reisen auf die Insel und Galavakis muss ausgerechnet für Kassia den Bodygard spielen. Es kommt wie es kommen muss, auf der Fahrt ins Landesinnere wird das Auto, in dem Kassia und Hyeronimos sitzen von Rest des Konvois getrennt, der Fahrer getötet, Galavakis angeschossen und Kassia entführt. Eigenartig ist einerseits, dass zunächst keine Forderungen der Entführer gestellt werden und andererseits der Ehemann völlig ungerührt zu scheint.

Wer hat hier seine Hand im Spiel? Und wer oder was soll erpresst werden? Sind die Separatisten, die einen eigenen kretischen Staat wollen oder doch die albanische Mafia, die den kretischen Clans den Rang ablaufen wollen die Drahtzieher oder geht es hier um ganz etwas anderes?

Meine Meinung:

Zunächst einmal muss ich anmerken, dass es diesmal notwendig ist, den unmittelbaren Vorgänger („Unheilvolles Kreta“) zu lesen. Ich muss das auch nachholen.

Der aktuelle Krimi ist recht komplex und auf Grund einiger Unkenntnis der griechischen bzw. kretischen politischen Verhältnisse nicht ganz einfach zu lesen.

Hier sind Kräfte am Werk, die ziemlich unübersichtlich miteinander verstrickt sind. Manchmal ist nicht ganz klar, wer die Guten und wer die Bösen sind, welche Rolle Kassias Ehemann und sein Kollege in diesem Ränkespiel um Macht und Einfluss übernehmen.

Der Leser darf hier ziemlich lange um Kassia und Hyeronimos zittern. Ob es für die beiden im nächsten Band ein Happy End geben wird?

Fazit:

Ein komplexer Krimi, bei dem wenig so ist, wie es scheint. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 03.03.2024

14 persönliche Ein- und Ansichten zu Europa

Erlebtes Europa
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Jede Generation hat ihren eigenen Blick auf Europa, der durch persönliche und familiäre Hintergründe höchst unterschiedlich und natürlich oft sehr subjektiv ausfällt. Dennoch ist es interessant zu lesen, ...

Jede Generation hat ihren eigenen Blick auf Europa, der durch persönliche und familiäre Hintergründe höchst unterschiedlich und natürlich oft sehr subjektiv ausfällt. Dennoch ist es interessant zu lesen, wie andere Europa erlebt haben bzw. derzeit erleben.

Dazu hat Helmut Brandstätter hat mit 13 Personen aus drei Generationen darüber gesprochen- Sein eigener Beitrag darf auch nicht fehlen, ist er doch Abgeordneter der NEOS im Europäischen Parlament.

Zu Wort kommen (in alphabetischer Reihenfolge):

Hannes Androsch
Helmut Brandstätter
Christa Chorherr
Vedran Džihić
Koschka Hetzer-Molden
Othmar Karas
Judith Kohlenberger
Manfred Osten
Anna Pattermann
Fari Ramic
Anna Schor-Tschudnowskaja
Timothy Smolka
Anna Stürgkh
Martin Weiss

Jede Geschichte ist nach dem selben Muster aufgebaut:

Bilder
Erlebnisse
Persönlichkeiten
Geschichte
Vision
Zukunft

Die älteste Generation (Androsch, Brandstätter, Chorherr, Hetzer-Molden, Osten und Weiß) berichtet von Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg, dem Wiederaufbau im Westen und dem Eisernen Vorhang im Osten Europas. Mehrmals werden Bundeskanzler Kreisky und Helmuth Schmidt als hervorragende Persönlichkeiten hervorgehoben. Als Urheber der Vision der „Vereinigten Staaten von Europa“ wird Richard Coudenhove-Kalergi, der Gründer der Paneuopa-Union genannt- Leider ist diese Idee nur rudimentär umgesetzt worden. Hier fehlt mir ein Hinweis auf Otto von Habsburg, der dieser Idee ebenfalls viel abgewinnen konnte.

Die mittlere Generation (Karas, Džihic und Kohlenberger) erleben den EU-Beitritt Österreichs mit, freuen sich über die Möglichkeiten, die das grenzenlose Europa bietet.

Die dritte, sieht die EU in einigen Punkten auch durchaus kritisch, die Vorteile überwiegen, wie Anna Stürgkh erzählt, die in UK studiert hat und vom Brexit direkt betroffen war. Von einem Tag auf den anderen, so hat sie es empfunden, war sie „die Andere“, nämlich die vom Kontinent.

Meine Meinung:

Diese Ansammlung von Bildern des persönlichen Europas hat mir sehr gut gefallen. Ich persönlich vermisse Beiträge von Menschen, die weder eine universitäre Bildung haben noch Gremien und Parteien angehören. Ich glaube, dass diese Menschen durchaus EU-kritischer sein könnten als jene, die die entsprechenden Informationen und Kenntnisse haben. Je weniger objektive Information, desto kritischer die Meinung. Oft bleibt nur die viel zitierte Vorschrift bezüglich der Gurkenkrümmung übrig.

Fazit:

Interessanter Einblick in persönliche Hoffnungen und Visionen zu Europa, die aus den eigenen Erlebnissen gespeist werden. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 03.03.2024

Das perfekt-perfide Zusammenspiel von Kunst und Macht

Schau nicht hin
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„Erst kommt das Fressen, dann die Moral.“ (aus „Die Dreigroschenoper“ von Bertold Brecht)

Evelyn Steinthaler untersucht in diesem Buch anhand von vier erfolgreichen Künstlerinnen, wie weit diese in der ...

„Erst kommt das Fressen, dann die Moral.“ (aus „Die Dreigroschenoper“ von Bertold Brecht)

Evelyn Steinthaler untersucht in diesem Buch anhand von vier erfolgreichen Künstlerinnen, wie weit diese in der NS-Zeit bereit waren, für ihren Erfolg zu gehen. Wie weit mussten sie sich dem Regime anbiedern, beugen, sich zu willigen Helferinnen machen lassen oder haben sie sich freiwillig vor den Karren spannen lassen?

Die vier Diven, die die Autorin unter die Lupe nimmt sind:

Lída Baarová
Zarah Leander
Marika Rökk
Kristina Söderbaum

Nachdem Kunst nicht im luftleeren Raum entsteht, muss das Umfeld genau betrachtet werden. Kann man Werk und Künstlerin trennen? Oder muss man das sogar? Diese Frage stellt sich heute mehr als je zuvor, wenn sich die Diskussion auch in Richtung der Aspekte der „#MeToo-Bewegung“ verlagert haben.

Sollen Filme oder Theaterstücke nicht mehr gesehen werden, weil Schauspieler, Regisseure oder andere Involvierte sich sexueller Übergriffe schuldig gemacht haben? Gilt für das politische Statements so mancher Künstler zu Putins Angriffskrieg auf die Ukraine nicht Ähnliches? Gibt es hier Parallelen zur NS-Diktatur? Womit ich wieder bei diesem Buch bin.

Der Titel des Buches „Schau nicht hin“ hat für mich zweierlei Bedeutung: Zum einen, dass die Künstler selbst nicht auf die Verbrechen des Regimes geschaut haben, und zum anderen die Aufforderung an das Publikum deren Werke nicht anzusehen. Denn worum geht’s bei den Darstellern? Vorrangig um den eigenen Erfolg. Eine Anbiederung mit dem jeweiligen Regime ist da natürlich förderlich.

Dazu passt das Zitat aus Bertold Brechts „Die Dreigroschenoper“ perfekt: „Erst kommt das Fressen, dann die Moral.“.

Evelyn Steinthaler untersucht penibel die Biografien der vier Diven. Keine ist vom Regime „gezwungen“ worden. Alle vier haben sich FÜR ihre Karriere in der NS-Zeit entschieden. Andere wie Marlene Dietrich emigrierten oder wurden boykottiert und von der Gestapo überwacht wie Renate Müller (1906-1937), deren Sturz aus dem Fenster ihrer Villa bis heute für diverse Spekulationen sorgt.

„Gefeiert, gefallen, verehrt“ oder müsste es eher „Gefeiert, verehrt, gefallen“ heißen? Doch wie die Autorin feststellt, ist die Verehrung vor allem bei Marika Röck und Zarah Leander auch nach dem Ende des NS-Terrors ungebrochen. Ich kann mich an Samstagnachmittage oder Abende erinnern, an denen die Röck über den Bildschirm steppte.

In ihrem letzten Abschnitt beleuchtet Evelyn Steinthaler den Aspekt der Kunst als Stütze der Macht bis in die Gegenwart. Kann Kunst überhaupt „unpolitisch“ sein? Ich erinnere an die McCarthy-Ära in den USA in der zahlreiche Künstler de facto mit einem Arbeitsverbot belegt waren, weil man sie verdächtigte, den kommunistischen Ideen nahe zu stehen.

Die vier Schauspielerinnen Lída Baarová, Zarah Leander, Marika Rökk und Kristina Söderbaum dienen in diesem Buch als Paradebeispiel für das perfekt-perfide Zusammenspiel von Kunst und Macht.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Buch, das den Bogen von einer Karriere in der NS-Zeit bis hin zur aktuellen Diskussion um die Trennung Werk und Künstler spannt, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 03.03.2024

Ein beeindruckendes Zeitdokument

Die Schwabengängerin
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Regina Lampert (1854-1942) hat mit diesen sehr persönlichen Aufzeichnungen ein beeindruckendes Zeitzeugnis eines sogenannten „Schwabenkindes“ verfasst.

Regina wird 1854 in eine kinderreiche Familie in ...

Regina Lampert (1854-1942) hat mit diesen sehr persönlichen Aufzeichnungen ein beeindruckendes Zeitzeugnis eines sogenannten „Schwabenkindes“ verfasst.

Regina wird 1854 in eine kinderreiche Familie in Schnifis/Vorarlberg hineingeboren, in eine Gesellschaft in der es üblich ist, Kinder als Dienstboten in wohlhabende Gegenden z.B. nach Oberschwaben zu verdingen. Die Aufzeichnungen, die Regina Lampert mit 75 Jahren zu verfassen beginnt, beschreiben die zehn Jahre von 1864 bis 1874 ihres Lebens.

Sie erzählt in einfachen, aber fast poetischen Worten von Heimweh, vom Gänse rupfen (zunächst schafft sie statt der zehn Stück pro Tag nur zwei) und ihrem Arbeitsalltag auf einem Gut nahe Friedrichshafen. Sie wechselt, wie das damals so üblich ist, mehrmals die Arbeitsstelle. In Feldkirch arbeitet sie bei der Familie Frei und muss feststellen, dass das Leben in der Stadt nicht gleichbedeutend mit Reichtum ist. Frau Frei betreibt ein gut gehendes Hutmachergeschäft und braucht deshalb Hilfe im Haushalt und bei den Kinder. Regina, die mit dem Kindern spazieren geht, geniert sich für den altmodischen Kinderwagen, der, wie sie erfährt, schon 50 Jahre auf dem Buckel hat und der von allen nur als das „Zigeunerwägele“ verspottet wird. Als dann für die kleine Ida ein funkelnagelneuer Kinderwagen ins Haus kommt, ist auch Regina stolz.

Die Arbeit bei der Familie Frei endet, als Reginas Mutter stirbt und sie nach Schnifis zurückkehren muss. Wenig später reist sie zu ihrem Bruder Jakob in die Nähe von St. Gallen. Damit enden die von ihrer Enkelin Berta Augustina Bernet transkribierten Aufzeichnungen, die Regina Lampert in zehn Schulheften verfasst hat.

Meine Meinung:

Diese Aufzeichnungen sind aus mehreren Gründen beachtenswert.
Sie sind von einer Frau verfasst, die nur wenige Jahre Schulbildung erhalten hat. Sie geben ein farbenprächtiges Bild dieser Zeit des mühseligen Alltags ab, der vor allem Frauen und Mädchen einiges abverlangt. Wie stark diese Erfahrungen von der Erinnerung geschönt, um nicht zu sagen verklärt sind, lässt sich wohl nicht (mehr) feststellen.
Trotzdem sind diese Aufzeichnungen ein beredtes Zeugnis einer harten bergbäuerlichen Gesellschaft, die, um über die Runden zu kommen, die eigenen Kinder in die Fremde „in Dienst“ gehen lassen mussten, da die karge Landwirtschaft kaum Erträge brachte. Jeder Esser, der nicht selbst durchgefüttert werden musste, hat zum Überleben der anderen Familienmitglieder beigetragen.

Nach einer ausführlichen Einleitung, die auch Abbildungen aus den handschriftlichen Aufzeichnungen beinhaltet, können wir acht von zehn - behutsam redigierten - Hefte lesen. Zahlreiche Abbildungen bereichern dieses Zeitdokument.

Neben den persönlichen Erleben erhalten wir auch Eindrücke vom gesellschaftlichen Leben, der Mode und ortsüblichen Bräuchen. Dies ist wir in der Einleitung angemerkt, eine Fundgrube für Ethnologen und Heimatforscher.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem beeindruckenden Memoire einer ehemaligen Schwabengängerin 5 Sterne.